Westsahara und die Berliner Mauer

Die Westsahara ist die letzte Kolonie in Afrika. Nach dem Abzug der spanischen Kolonisatoren 1975 wurde das Land augenblicklich von Marokko und Mauretanien besetzt. Einst stand Marokko als Kolonie unter spanischer Fremdherrschaft, heute übt es Fremdherrschaft gegen über Westsahara aus. Die Demokratische Arabische Republik Sahara, die sich 1976 ausgerufen hat. wird etwa von 50 Ländern anerkannt. Seitdem ist Westsahara ein geteiltes Land. Ein Wall trennt bis heute 87 Prozent des Landes fast hermetisch von dem durch die Polisario befreiten, unwirtlichen Rest. Die saharauische Befreiungsbewegung Frente Polisario, die schon 1973 einen bewaffneten Widerstand gegen die spanische Herrschaft begann, setzte diesen gegen Marokko fort. Heute sieht sie ihren größten Feind in der Desinformation über den Konflikt.
Der Wüstenstreifen in der größten Wüste der Welt ist wirtschaftlich und militärisch von Bedeutung, seit in den 1960er Jahren eine spanische Gesellschaft mit dem Abbau eines der weltweit größten Phosphatvorkommen begann. 1965 forderte die UNO Spanien auf, die Westsahara zu entkolonialisieren und der Bevölkerung das Recht auf Selbstbestimmung zu gewähren. Bis heute wird diese Volksabstimmung von Marokko sabotiert. Mindestens eine halbe Million Sahrauis leben in dem von Marokko besetzten Gebiet, in dem schwere Menschenrechtsverletzungen durch die Besatzer an der Tagesordnung sind. Rund 160 000 weitere Sahrauis leben seit nunmehr 37 Jahren im Exil in westalgerischen Flüchtlingslagern. Unter ihnen schwindet die Hoffnung, dass die 20 jährige UNO-Mission irgendwann Erfolg hat.
Marokko beansprucht Westsahara als Teil seines Staatsgebietes, während die Frente Polisario die Unabhängigkeit des gesamten Territoriums anstrebt.  Marokko geht es um Vorherrschaft in Nordwestafrika, und hat noch immer den Herrschaftsanspruch eines Großmarokkos, das die Westsahara mit einbezieht. Der Konflikt zwischen Marokko und Algerien, das die Ausweitung der marokkanischen Macht verhindern will, schwelt weiter und belastet die Beziehungen der arabischen Staaten in der Arabischen Liga und der Organisation der afrikanischen Länder untereinander.
Die Sahrauis haben weder etwas von dem marokkanischen Gewinn aus der Phosphatförderung, noch von den Tomaten, die um Dakhla angebaut werden. Die EU  hat 2/2012 den zollfreien Zugang landwirtschaftlicher Erzeugnisse (insbesondere Tomaten) und Fischereiprodukte aus dem Königreich Marokko, bzw. aus der besetzten Westsahara als „marokkanisch“ akzeptiert und damit faktisch den völkerrechtswidrigen Anspruch seitens Marokkos anerkannt. Europäische Landwirte sind gegen dieses Abkommen, da für marokkanische Erzeuger (in besetzten Gebieten) nicht dieselben Standards gelten. Z.Z. verhandelt die Europäische Union mit Marokko über ein neues Fischereiabkommen vor der Küste Westsaharas. Die Sahrauis sind dabei ausgeschlossen.
Keiner der landwirtschaftlichen Produktionsstätten in Westsahara gehört lokalen saharauischen Eigentümern, sondern der königlichen Familie, sowie marokkanischen und französischen Konzernen. Die benötigten Arbeitskräfte sind marokkanische Siedler. Vieles erinnert an israelisch- palästinensische Verhältnisse. Die Sahrauis waren die ersten, die in Nordafrika für ihre Rechte demonstriert haben, noch vor Tunesien und Ägypten. Hier sitzen aber viele davon noch in den Gefängnissen, in denen schon ihre Väter saßen, die gegen spanische Fremdherrschaft waren.
Auf einem Kongress 12/2011 hat sich die Frente Polisario nochmals auf die Verlängerung des Waffenstillstandes geeinigt, der 1991 vereinbart wurde, aber auch zum zivilen Widerstand in den von Marokko besetzten Gebieten aufgerufen.
Frankreich ist der Hauptverbündete Marokkos. Die UNO kümmert sich nicht um die Einhaltung der Menschenrechte in Westsahara, weil ein entsprechendes Mandat am Einspruch Frankreichs im Sicherheitsrat gescheitert ist. Also wenn man von Menschenrechten spricht, dann gefälligst nur in vom Westen ausgewählten „Schurken“-Ländern.  Und noch ein Widerspruch, der auffällt: Zur Sicherung privater marokkanischer Interessen wurde eine etwa 2.500 km  lange Mauer gebaut und vermint. Wer kennt in Deutschland aber die Mauer in der Westsahara und in anderen Orten dieser Welt?  Die Berliner Mauer steht seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr, aber das Geschrei darum ist immer noch groß, im Westen. Wo bleibt der Aufschrei zur Beseitigung einer noch heute verminten Mauer, an der geschossen wird? Das Ausland schaut weg und kauft lieber Tomaten aus Westsahara nach der Werbung: „Greifen Sie zu und holen Sie sich die Sonne Marokkos nach Hause!“

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Kategorien: Afrika Themen, Politischer Reiseblog | 2 Kommentare

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2 Gedanken zu „Westsahara und die Berliner Mauer

  1. Barbara

    Danke für DEINE Weltsicht, Info und Gedanken, um die ich oft nicht oder anders weiß. Aus Erfahrung weiß ich, wieviel Zeit und Energie es braucht, all das aufzuschreiben.- Auf unserem Sprücheblock(ich blättere schon mal ohne dich weiter) steht heute: fight for your dreams, kämpfe für deine Träume, sie sind es wert, ein paar Opfer zu bringen. Auf dem Foto sind 2 Tiger, die im Schnee kämpfen…na ja, du bist Löwe und kämpfst dich durch die Hitze.- Wer ein WOFÜR im Leben hat, der kann fast jedes WIE ertragen.(Nietzsche)

  2. Wieviel Opfer soll man bringen für seine Träume? Über diese frage muss ich z.Z. nachdenken. Und dann die frage: Wie komme ich aus der Nummer wieder raus!

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