Mauretanien 2.7. – 4.7.12

Der mauretanische Zoll-Grenzer grabscht in alle Seitenfächer nach etwas Brauchbarem für sich, habe ich den Eindruck. Da er kein Geschenk bekam, beorderte er den Schnüffelhund in meine „Schlafzimmer“. Gewöhnlich nehme ich keinen Hund mit ins Bett, aber ich muss es über mich ergehen lassen.  Nach Grenzübetrtritt fahre ich noch nach Nouadhibou. Nach der Grenzsituation der nächste Schock: die unendliche Armut in dieser Stadt. Von der Definition Stadt haben westliche Europäer eine andere Vorstellung. Über Armut zu reden ist das Eine. Armut zu erleben, das Andere. Der Guide, der mich schnell durch die Grenze begleitet hat, und nach Hause wollte, fährt noch mit bis zum Camp in der Stadt, weit hinter der Grenze in der Wüste. Er ist nicht zufrieden mit seinem „Lohn“, den er von mir erhält. Erstens hat er sich als solcher nicht zu erkennen gegeben und zum anderen wollte er nicht anerkennen, dass ich sein Taxi nach Hause war. Schon ab Marokko ist mir das Geschäftsgebahren aufgefallen, das sich von dem gewohnten stark unterscheidet. Guide biedern sich immer unaufgefordert als „Freund“ an, um dich dann zur Kasse zu bitten, auch wenn keine Leistung vereinbart wurde.
Ich mache noch ein Foto vom Meerblick, weil diese Städte nicht fotogen sind. Der Müll und Dreck, der überall liegen bleibt, weil es keine funktionierende Müllabfuhr gibt, ist als Europäer schwer erträglich. Aufgefallen ist uns das auch schon auf unserer Tour durch Asien, aber das hier ist noch unerträglicher. Das sage ich aus der Sicht eines Westeuropäers, der verglichen mit hisigen Verhältnissen im Norden in Saus und Braus lebt. Das meine ich auch nicht abwertend, sondern höchstens wütend über eine derart ungerechte Welt.
Wer keine Lust hat durch Mauretanien zu fahren, kann auch diesen Zug nehmen, der auch Autos befördert. Mit so einem Transportmittel bin ich mal von Berlin nach Bayern zum Ski gefahren (Hallo Anja). Wie ich gerade hier auf diesen Vergleich komme, ist mir bei der Hitze schleierhaft, angesichts des aufgewirbelten Wüstenschleiers.

Ich bin in Schwarzafrika angekommen. Man sagt, die Schwarzafrikaner erkennen einen Weißen schon auf Meilen. In Rabat habe ich mir einen marokkanisches Kittel mit Kapuze (Djellaba, oder Kaftan ohne Kapuze) zugelegt, in der Hoffnung nicht sofort als Weißer ausgemacht zu werden und als Mückenschutz. Beides war bestimmt eine blöde Idee, denn der weiße Kittel ist mir zumindest in der Hitze hier viel zu warm.
In der flachen Wüste führen die endlosen Straßen ins Nirgendwo. In Nouakchott finde ich sofort ein Camp und einen Standplatz am Meer. Ich war noch baden und am Strand hinter dem Fischmarkt.

Die Polizeikontrollen sind relativ dicht. Wenn man sich eingedeckt hat, reicht man nur ein Fiche (Zusammenfassung der persönlichen Daten in französisch) aus dem Fenster, und die Fahrt kann weiter gehen. So nervig diese Kontrollen sind, sie sichern aber auch eine problemlose Durchfahrt. Eine Erklärung ist in den Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amtes nachzulesen: Dort wird vor terroristischen Übergriffen durch Al-Qaida im Maghreb auf touristische Ziele u.a. in Mauretanien und Mali gewarnt. Einmotorige, in der Schweiz hergestellte Turbo-Prop-Flugzeuge habe ichjedoch  nicht gesehen. Damit verstärken die USA von geheimen Luftwaffenstützpunkten aus ihren Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Qaida im islamistischen Maghreb. Länder im Maghreb haben aufgrund ihrer Geographie und Geschichte viele Gemeinsamkeiten.
Hier wäre ich gblieben, wenn nicht der Eigner des leeren Hotels, was dem Camp vorgelagert war, von mir höhere Parkgebühren für den Stellplatz haben wollte, als mir vorher der Einlasser am Camp zugestanden hatte. Schon wegen der unprofessionellen Geschäftsgebahren habe ich das Camp gewechselt und bin in eine Auberge in der Stadt gefahren. Aber weder die Stadt noch die Auberge hätte mich einen Tag länger halten können. Da ich mich schon seit einiger Zeit nicht ohne Kühlbox autark versorgen kann, bin ich auf Gaststätten angewiesen. In der Nähe der Auberge gab es Gaststätten, denen ich die hohe Auszeichnung, diesen Begriff zu tragen, nicht zugestanden hätte. Sie unterschieden sich von den Räumlichkeiten her nicht viel von den Werkstätten nebenan. Die Küche, soweit vorhanden, habe ich erst gar nicht sehen wollen.
Die Fischer und alle davon abhängigen Arbeiter haben einen zunehmenden schweren Job, der ihren Lebensunterhalt kaum deckt. Die Konkurrrenz der großen Fischereien ist zu groß. Mehr dazu und den den Ursachen im Blog-Thema „Meine Weltansicht“,  unter „Mauretanien, Ausverkauf des Landes“.

Von Nouakchott fahre ich nach Rosso, Grenzort vor Mauretanien. Soviel im Internet zu erfahren war, gibt es hier zwei Möglichkeiten die Grenze zu wechseln: entweder die Fähre über Rosso, oder die Brücke bei Diama. Der Grenzübergang in Rosso ist bekannt für die unangenehemen Schlepper und Nepper, die der Polizei zuarbeiten und sich als Guide verkaufen wllen. Der Übergang über die Brücke soll aus dieser Sicht einfacher sein, hat aber eine harte Schotter-Piste in Waschbrett für etwa 50 km als Anfahrt. Darauf hatte ich keinen Bock. Deshalb habe ich letztendlich die einfache Strecke über den Fluss Senegal per Fähre gewählt. Schon vor Rosse hält mich ein Polizeiposten an und reicht mir das Telefon. Ich weiß nicht worum es geht. Im Ort spricht mich ein Mann aus einem Auto an und will ins meins steigen. Er öffnet die Tür und will einsteigen, was ich verweigere. Vor- und hinter mir ein Auto, eingekreist. Ich dachte schon, jetzt ist alles zu spät, aber meine Fantasie ist durchgegangen. Da war mir klar, dass die Polizei mit den Schleppern zusammenarbeitet, bei denen ich schon angekündigt war. Dem Duzend Schleppern habe ich sehr deutlich gemacht, dass ich keinen Guide brauche. Aber die Grenzer lassen dich ohne Auflaufen. Als es mir zu bunt wurde, habe ich den Grenzhof wieder verlassen und wollte doch lieber die Piste suchen. Mein Vavi hat aber diesen Teil nicht im Detail angezeigt und ich dachte, ehe ich mich hier verfranse, versuche ich es noch einmal per Fähre. Erst wollten mich die grenzer nicht wieder reinlassen. Ich habe darauf gedrungen, von den Grenzern abgefertigt zu werden, um mir die Schlepper vom Hals zu halten. In Mauretanien kann man per Visa-Cart kein Geld abheben, hatte ich bis dahin auch nicht gebraucht, an der Grenze schon: Gebühren für Grenzabfertigung, Kommunaltaxe, Polizei und Fähre. Grenzer und Guide, auf den ich dann doch einließ, hielten auch noch mal die Hand auf. Letzterer versicherte mir, dass alles erledigt ist. 40,- € musste ich dafür bei einem Privaten an € tauschen. Ich hatte alle Papiere einschließlich Ticket und wollte auf die Fähre fahren. Es war so gegen 6 Uhr abens, und es war inzwischen die letzte Fähre. Dann kam so ein Oberwichtiger der Fähre und meinete, ich habe kein kleines, sondern ein größeres Auto und wollte Nachzahlung. Ich dachte, dass ist doch alles ein abgekartertes Spiel und ab da ist mir die Hutschnur gerissen. Also lasse ich mich nicht mehr hindern, muss dazu noch mal aussteigen, um laut zu werden gegen das Duzend Leute, die mich hindern wollen. Ich bin auf der Fähre und werde stark bedrängt wieder runter zu fahren, was ich nicht befolge. Die Fähre fährt los, aber zu früh gefreut. Sie dreht um und legt wieder an. Der Tanker fuhr wieder runter, die Leute, die nach Haus wollten und um die es mir auch leid tat, stiegen auf kleinere Boote um. Einige hielten auch den Daumen hoch. Sich gegen Korrption zu wehren wird vielleicht anerkannt, ist aber hier offensichtlich nicht üblich. Das Duzend Leute, incl. Grenzer, drängen mich ebenfalls runter zu fahre. Ich sage o.k. aber erst will ich mein Geld cash zurück. Ein Obermacher der Grenzer kommt hinzu und das Geld wird herangeschafft: für Fähre, Bestechungsgeld für Grenzer und Guide. Dann verlasse ich als letzter die Fähre. Die Grenzgebühren konnten sie mir nicht zurückzahlen, da ich ja schon die Ausreisestempel hatte. Damit konnten sie mich aber auch nicht wieder vom Grenzhof schicken. Sie boten mir an, zur Brücke gebracht zu werden. Ich lehnte dankend ab, und zog es vor, auf dem Grenzhof zu übernachten: Vor mir der Fluss, hinter mir das geschlossne Grenztor. Kein schlechter Standplatz und sehr sicher.
Ich richte mich ein und beoachte noch den Fährmann, welcher sich nackt im Fluss ab­­seift und den Grenzer, welcher daneben sein Auto wäscht. Mein Puls ist absolut ruhig, trotzdem denke ich, oft habe ich zu solchen Aktionen keine Lust. Am nächsten Tag nehme ich die erste Fähre nach Senegal.

 

 

 

 

 

 

 

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Kategorien: Reiseberichte, West-Afrika | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

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