Hunger und kannibalische Weltordnung

925 Millionen Menschen hungern, das sind 13 % der Weltbevölkerung. 1962 waren es noch 30%, d.h. der Anteil ist trotz steigender Zahl der Erdenbürger gesunken. Das ist positiv, China wird daran einen großen Anteil haben. Aber noch sterben jährlich 18 Millionen Menschen an Hunger, Unterernährung und daraus resultierenden Mangelkrankheiten. Hunger ist bei weltweit 70 Millionen Toten im Jahr die mit Abstand führende Todesursache. (Jean Ziegler in seinem neuesten Buch: „Wir lassen sie verhungern. Die Massenvernichtung in der Dritten Welt.“). Und das auf einem Planeten, der vor Reichtum überquillt. Der World-Food-Report der Welternährungsorganisation FAO beziffert die Zahl der permanent Unterernährten auf eine Milliarde; ein Siebtel der Menschheit. Andererseits kann nach diesem Bericht die Weltlandwirtschaft in der heutigen Phase der Entwicklung der Produktionskräfte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren; also fast das Doppelte der Weltbevölkerung. Schreiende Widersprüche. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet. Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind unter 10 Jahren an Hunger.

Für Medien des Mainstreams hat das kaum einen Nachrichtenwert. In dem Buch von Ziegler werden auch die Verantwortlichen des kaum beachteten Skandals genannt. Es sind vor allem die 10 weltweit führenden Nahrungsmittelkonzerne, die 85% des Handels mit Grundnahrungsmitteln beherrschen. Diese Konzerne bestimmen die Preisbildung und entscheiden damit über den Zugang zur Nahrung. Der Skandal ist, dass sich daran nichts ändert, weil die mächtigen Konzerne und die Finanzoligarchien über ihren Lobbyismus die internationalen Institutionen beherrschen, wie den Internationalen Währungsfonds (IWF), die Weltbank, sowie die Welthandelsorganisation (WTO). Diese drei Organisationen des Kapitals beherrschen wiederum die demokratisch gewählten Regierungen der Herrschaftsländer des Westens. Einer der wichtigsten Preistreiber ist die Spekulation mit Nahrungsmitteln. Der Maispreis ist auf dem Weltmarkt um 63 %, der Preis für Reis ist um 31,8 % gestiegen, und die Tonne Weizen hat sich verdoppelt. Nahrungsmittelbörsen machen astronomische Profite. Damit gefährden und zerstören sie das Leben von Millionen Menschen in der Dritten Welt. Nach der aktuellen Weltbankstatistik leben 1,2 Milliarden Menschen in extremer Armut, das heißt statistisch von weniger als 1,25 Dollar pro Tag.
Land-Grabbing (Landraub) durch internationale Investoren trägt zur Verschärfung des Hungers bei. Laut Weltbankstatistik sind 2010 allein in Afrika 41 Millionen Hektar Ackerland dem Land Grabbing zum Opfer gefallen. Die Großkonzerne profitieren von der in Afrika weit verbreiteten Korruption. Ein Beispiel ist Kameruns Langzeitherrscher Paul Biya, der korrupt und seit fast 30 Jahren an der Macht ist, gestützt vom US-amerikanischen Geheimdienst und von Frankreich. Kamerun bietet jede Menge fruchtbares Agrarland und ist wunderschön. Großkonzerne aus Frankreich haben zehntausende Hektar Ackerland übernommen. Sie produzieren für den Export, zum Beispiel Bioethanol. Die Armee vertreibt die Bauern in die Slums von Douala und Jaunde. Kinderprostitution, Zerstörung der Familien, permanente Arbeitslosigkeit sind die Folgen. Das funktioniert nur aufgrund der Komplizenschaft zwischen Konzernen und der nationalen Elite um Biya, wobei die treibenden Akteure die ausländischen Konzerne sind. Land Grabbing ist eines der Hauptprobleme heute. Ein traditionelles Problem für den Süden sind die Exportsubventionen für die nördliche Agrarindustrie. Die Agrar- und Export-Subventionen der Industriestaaten sind verheerend, sie tötet Menschen. Lebensmittel aus der EU überschwemmen Afrikas Märkte und sind ein Drittel billiger sind als die einheimischen, da z.B. im Jahr 2010 die Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) ihre Bauern mit 349 Milliarden Dollar unterstützten. Damit zerstören sie die Lebensgrundlage von Millionen Kleinbauernfamilien. Wenn diese dann auf der Arbeitssuche nach Europa flüchten, versucht das die EU mit militärischen Mitteln (Frontex) zu verhindern.

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Kategorien: Afrika Themen, Politischer Reiseblog | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

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