Reiseberichte

Westeuropa Tour

Europa3 geplantb

Start 7.5.2016 ab Berlin, Ziel Berlin 17.8.2016.
72 Tage an 41 Standorten.
Geplante Route ca. 10.000 km. Gefahrene Route  ca. 7.610 km : Niederlande, Belgien, Frankreich, Großbritannien, Irland.
Spanien und Portugal lasse ich weg. Die gefahrene Route befindet sich unten jeweils am Ende eines Landes.
Die Kosten betragen rd. 48,50 € pro Tag. Das ist wesentlich mehr als in Asien oder in Afrika und liegt an den hohen Kosten für Übernachtung auf den Campingplätzen und den Kosten für die Fähren, die etwa genauso hoch sind, wie die Kosten für Diesel.
Auf der Route liegen nur EU-Staaten im Schengener Raum, außer England und Irland. In keinem Land ist ein Visum erforderlich.
Eine andere Währung als € gibt es nur in Großbritannien (incl. Nordirland).

Mein erstes Ziel ist Limerick in Irland, welches ich in 6 Etappen mit jeweils 300 km erreiche. Am 3.Tag lande ich am Strand von Calais. Natürlich nicht mit dem Fahrrad, das ich nur für kurze Ausflüge nutze. Unterwegs bin ich immer noch mit dem als Camper ausgebauten Toyota Hiace.  Nur das Fahrrad ist ein neues altes, das andere wurde in Berlin geklaut. Die Anzeige bei der Polizei dient sicherlich nur der Statistik.
2409 CalaisStrand 2410 Calais

2414 CalaisRathaus2420 CalaisKüste

Das schönste Haus in Calais ist das Rathaus. In Les Erables finde ich ein Camp unweit des Cap Blanch-Nez. Dort erinnert ein Denkmal an die strategische Bedeutung dieses Punktes schon im 1. und 2. Weltkrieg. Hier an der Meerenge kann man bis zum ca. 40 km entfernten Dover sehen, wohin ich anderntags mit der Fähre übersetzen will. Die Überfahrt kostet 136,-€ für Auto und Fahrer. Das ist etwa die Hälfte der Fahrt durch den Tunnel per Bahn. Allerdings ist die 3-mal schneller. Der Liter Diesel kostet in England unter Berücksichtigung des schwachen Euro um 1,60 €. Das kann sich nach einem Brexid schnell ändern. Auf der Fahrt zum Hafen steht hinter mächtigen Stacheldrahtzäunen immer noch das Flüchtlingslager im Regen. Wenn ich den Menschen helfen würde, würde ich mich als Fluchthelfer strafbar machen. Deshalb wird beim einchecken auch das Auto gründlich durchsucht. Außerdem ist hier Ende des Schengener Raums.
2425 EnglandRegen 2428 WexfordEngland empfängt mich mit majestätischem Wetter, 2 Tage nur Regen. Das letzte Mal bin ich in Westafrika als Linksfahrer unterwegs gewesen. Auf die Geisterfahrt hat man sich relativ schnell eingestellt. Als Fußgänger muss man allerdings aufpassen, ein Schritt auf die Straße ohne nach rechts zu schauen kann fatale Folgen haben.
Von Fishguard setze ich mit der Fähre nach Rosslar über und schon bin ich auf der rauen und grünen Insel Irland. Für die Fähre, die 4,5 Stunden braucht, sind 230,-€ zu berappen. Wexford ist keine Vorzeige-Stadt, hat aber hat aber auf der einen Seite der Brücke ein Camp und auf der anderen 2 Pubs mit Livemusik. Die Musik kann in den beiden Pubs nicht unterschiedlicher sein, leider geht davon im Stimmengewirr viel unter. Aber beides gehört wohl zu einem Pub. Natürlich auch das Bier. Junge Leute stellen ein Likörglas mit Jägermeister in ein Bierglas, in welches sie Red-Bull schütten.
Auf den Camps finden sich fast nur Irländer ein. Diese sitzen den ganzen Tag im Wohnwagen. Vielleicht liegt es daran, dass es noch relativ kühl ist, vor allem nachts. Auffällig ist auch die Anzahl der relativ Beleibten. Sicher auch eine Folge von Fast Food. Das haben die Iren aus Amerika mitgebracht. Immerhin beträgt der Anteil der Iren in den USA bis zu 20 % seit der letzten Hungersnot in Irland Mitte des 18. Jahrhunderts. In dieser Zeit sind bis zu 400.000 jährlich aus Irland nach Nordamerika emigriert. Geflüchtet vor Hunger mit der Hoffnung ein lebenswertes Leben in den USA zu finden.
2430 EmegrantFlameWas wäre die USA ohne Irland? Auch die Präsidenten Kennedy und Clinten haben Vorfahren aus Irland. In New Ross halte ich an der „Emigrant Flame“, die an diese Zeit erinnert. Kennedy hat die Flamme hierher mitgebracht, nachdem er in Berlin den Leuten zurief, er sei ein Berliner.
Das Schiff Dunbrody z.B., welches hinter der Flamme steht, wurde in Quebec erbaut, weil in Irland dazu Holz fehlte. Als kleiner und primitiv ausgebaute  Frachter hat es auf der 6 bis 8 Wochen langen Überfahrt per Segel bis zu 300 Emigranten transportiert, wobei die Sterberate bis zu 50% Betrug. In Amerika wurden die Flüchtlinge integriert und nicht mit Stacheldraht und Militär an der Emigration gehindert. Die Welt hat sich geändert. Die Fluchtgründe sind heute andere, aber die Umstände und Dramatik sind geblieben. Geblieben ist Flucht vor Naturkatastrophen, heute kommen Flucht aus unterentwickelten Ländern infolge ungerechter Weltwirtschaft und Kriege hinzu. Im Westen kümmert sich Keiner um die Fluchtursachen, weil alle nur mit der Zurückweisung der Flüchtlinge und deren Abfangen vor den Toren Europas beschäftigt sind. Noch können Europäer froh sein, wenn sie in der Euro-Zone Visafreie Fahrt haben.

Irland hat eine Jahrhundert alte Tradition mit der Emigration. Nach einem bekannten irischen Werbespruch sind Fremde nichts anderes als Freunde, denen man noch nicht begegnet ist. Also könnte man ja meinen, dass Irland im Umgang mit Fremden großherzig und offen ist. Stattdessen hat die Regierung ihr Asylgesetz verschärft. Durch die Insellage am Atlantik und im Rücken des sich unsolidarisch abschottenden Großbritanniens genießt Irland einen natürlichen geographischen „Schutz“ vor unkontrolliert einreisenden Fremden. Die größte Flüchtlingskrise in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wird auf der Insel kaum wahrgenommen.
Jedoch geht die Flüchtlingspolitik vieler Regierungen an öffentlicher Meinung weit vorbei. Nach dem Willkommens-Index für Flüchtlinge von Amnesty International würden 80 % der Menschen auf der Welt Flüchtlinge mit offenen Armen empfangen. Deutschland (mit Ausnahme konservativer Politiker) liegt auf Platz 2 hinter China. In Irland wurde niemand befragt. Wenn jeder zweite Chinese Flüchtlinge bei sich aufnehmen würde, gäbe es keine mehr. Leider hilft die Umfrage hier nicht weiter.
Die Republik Irland zog es 1949 vor, nach über drei Jahrhunderten britischer Herrschaft aus dem Commonwealth auszuscheiden. Nordirland verblieb im Vereinigten Königreich. Damit ist Irland  zweigeteilt, wie einst Deutschland. Die Austeritätspolitik der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass der Süden der grünen Insel infolge des Kreditprogramms Geisel der Gläubigerinstitutionen der EU ist, und die Menschen im Norden unter einer feindseligen konservativen Regierung in London leiden.
Kurz vor Limerick nahe Tipperary gönne ich mir noch eine Pause. Die Caravan und Campingplätze verfügen über englischen Rasen und sind relativ teuer (bis zu 23,-€ pro Nacht für Wohnwagen mit Fahrer). Stelle ich mein Zelt auf, brauche ich mehr Platz, bezahle aber nur die Hälfte. Mit Logik hat das nichts zu tun.
2435 Camp

In den Bergen nahe Tipperary hat Cristus den Überblick und es scheint wieder die Sonne. Im Frühling ist es hier doch noch noch recht frisch.

2436Christus 2438Frühling Irland als „Insel der Heiligen und Gelehrten“, zieht eine große Anzahl von Studenten wegen seines ausgezeichneten Rufs für Bildung und Willkommenskultur (welche sich auf Studenten und Touristen beschränkt) an. Unterrichtssprache ist Englisch, was Irland sehr zugänglich für Studenten aus der ganzen Welt macht. Die Insel ist beliebt nicht nur für seine üppigen grünen Hügel, sondern auch für seine sehr freundliche Kultur und Menschen, für seine Kneipen mit charakteristischer irischer Musik und nicht zu vergessen für sein – Guinness. Die Arbeitslosigkeit ist gering und die Wirtschaft floriert. 2005 wurde Irland von der Economist als „Best Place in der Welt zu leben“ benannt. Nach der Rezession des Jahres 2008 sind die Lebenshaltungskosten in Irland zwar gesunken, sie zählen aber immer noch zu den höchsten in Europa. (s. auch im politischen Reiseblog „Europäische Union am Ende?“).

2439Tür Schule2444-1LimerickDoors Türen sind auch in Limerick etwas Besonderes, nicht nur in Dublin. Die rote Tür ist der Eingang zum „Limerick Language Centre“ (http://www.english-in-limerick.com/). Das ist mein Ziel in den nächsten 2 Wochen. Untergebracht bin ich bei einer Familie, die Studenten aufnimmt. Die Gastfreundlichkeit von Mike und June ist kaum zu übertreffen und die Versorgung ausgezeichnet. Ihre Tochter Aileen hat gerade ihre Schule abgeschlossen und beginnt ein Studium. Ihr Bruder studiert in den USA. Beim gemeinsamen Frühstück und Abendbrot kommt man sich schnell näher (Konversation nur in Englisch). Die 3 km zwischen Unterkunft und Schule fahre ich mit dem Fahrrad.
2440LimerickFahrrad2548LimerickKirche Ausleihen von Fahrrädern ist kein Problem, das sichere Fahren mit dem Fahrrad schon eher. Limerick ist eher keine Fahrradstadt.
2466 Barbiquiu 2472Barbiquiu2  Nach der Schule treffen sich die Studenten z.B. beim gemeinsamen Barbiquiu oder im Billiard-Pool.
Das Wochenende nutze ich für einen Ausflug zu den Cliffs of the Mohers. Auf der Hinfahrt regnet es wieder, aber an den Cliffs scheint wie bestellt die Sonne. Die etwa 100 m hohen Cliffs bieten ein tolles Panorama und ein eindrucksvolles Naturschauspiel.
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2488Cliffs 2495Cliffs2 Sie erstrecken sich über etwa 8 km. Man muss sich also nicht abzocken lassen am zentralen Parkplatz. Ich finde einen Privatparkplatz und schnalle mein Fahrrad ab.
2497Cliffs3 2507Cliffs4 Nahe den Cliffs finde ich in Doolin ein Camp mit Blick auf die Cliffs und übernachte dort. Obwohl es noch empfindlich kühl ist, ist der Platz voll von Touristen, die sich alle abends alle im Pub einfinden. Deren Geräuschkulisse übertönt leider die Musik.

2516Doolen 2519DoolenPub Anderntags fahre ich durch die Burren, ein weites Felsplateau, oder eine Karstlandschaft mit zerklüfteten Steinformationen. Der Poulnabrone Dolmen ist ein Zeugnis uralter Zivilisation und wurde etwa 1000 Jahre vor den Pyramiden errichtet.
2526BurrenStone 2542BurrenStone2 

2532Burren 2550 LimerickPferd Das ausgebüchste Pferd weiß zumindest, dass es links zu gehen hat.

2548LimerickKirche 2559LimerickCastle 2581Limerick Gasthaus

Die Schulzeit ist schnell um, aber ich habe noch Zeit für einen Besuch im Castle, dem Wahrzeichen von Limerick, in einer der großen Kirchen, sowie im Hunt-Museum. Ich nehme noch Abschied von meiner Gastfamilie, in der ich mich sehr wohl gefühlt habe und das Auto sicher vor ihren Haus stehen konnte.

2557 LimerickPupKlein 2569LimerickPubDanz
Und natürlich bleibt noch Zeit für ein Bier. In dem einen kleinen Pab spielen 6 Musiker und die Einheimischen singen sogar mit, in dem anderen wird zur irischen Musik auch getanzt, von irischen Vortänzern.
Zuletzt heißt es Abschied nehmen von meiner Gastfamilie, die ich als sehr angenehme Gastfamilie in Erinnerung behalte. Das Fahrzeug stand sicher und wurde nur am Wochenende zu einem Ausflug zu den Cliffs of Moher bewegt. Zur Schule bin ich die 6 km hin und zurück über 3 Brücken täglich mit dem Fahrrad gefahren. Limmerick ist allerdings keine fahrradfreundliche Stadt, wie ganz Irland nicht. In Galway tobt das Leben. Die engen Straßen und vielen Bar sind voll. Viele Straßenkünstler geben ihr Bestes.
2587GalwayStrMusik 2591GalwayStrSport

2597GalwayPub 2606SligoStrandhillDüneStrandhill bei Sligo, Standplatz in den Dünen. Ein Sonnenuntergang, der mit Kanonen beschossen wird.  Abends der Beste Pup mit etwa 20 Musikern, die kommen und gehen und zeitweilig „mitmischen“.
2615SligoKanoneSonne 2623SligoPub

Im County Donogal, am Wild Atlantik Way, finde ich einen Stellplatz mit herrlicher Aussicht. Ganz in der Nähe die Slieve League, die zu den höchsten Meeresklippen Europas gehören und eine spektakuläre Landschaft bieten. Sie sind mit über 600 m fast dreimal so hoch wie die Cliffs of Moher.

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2674GPanoramaSlieveLeague
2677SlieveLeague5 2686SlieveLeague4

2693Silberstrand2699AussichtWeiter ganz in der Nähe der Silver Strand, der zum Baden einlädt. Aber das Wasser ist noch empfindlich kalt. Auf der Weiterfahrt ins nächste Camp noch diesen Blick vom Glengesh Pass ins Tal vor Ardara. Auf der Weiterfahrt ins nächste Camp noch diesen Blick vom Glengesh Pass ins Tal vor Ardara. Der letzte Camp-Standort in der Republik Irland ist zwar schön gelegen (Badestrand hinter den Dünen), aber hinterlässt keinen nachhaltigen Eindruck. Von solchen Standorten gibt es eine Menge auf meinem Weg: Teuer aber wenig Service.

2712GiantsCauseway2726GiantsCauseway3 Die nächste Sehenswürdigkeit ist der Giant’s Causeway (Damm des Riesen, UNESCO-Welterbestätte) an der nördlichen Küste Nordirlands. Diese Steinformation besteht aus gleichmäßig geformten Basaltsäulen mit meist sechseckigem Querschnitt. In dem kleinen Städtchen Bushmills ganz in der Nähe befindet sich die Old-Bushmills-Whiskeybrennerei. Im Gegensatz zum schottischen Whiskey wird der irische einmal mehr destilliert. Da aus dem Bier das Wasser destilliert wird, ist der Alkoholanteil höher. Nichts für mich, meine Grenze liegt bei 30%.

2736BrückeDie Carrick-a-Rede Rope Bridge kann auch von oben bewundern, wenn man sich die Parkgebühren und den Eintritt sparen will.
2751BelfastTitanikDie Reise geht durch und vorbei an Orten, die mehr oder weniger bekannt sind. Z.B. Carrickfergus ist ein Vorort von Belfast. Das gleichnamige irische Volkslied, handelt von einer verlorenen und unerreichbaren Liebe. Es wurde von zahlreichen Musikern interpretiert, darunter Joan Baez. Lockerbie erinnert an einen Bombenanschlag auf ein Boing-Verkehrsflugzeug von Pan-Am im Dezember 1988, das bis heute nicht aufgeklärt ist. Als Urheber des Anschlages wurden Libyen und Iran ins Gespräch gebracht. Die Verschwörungstheoretiker haben das Wort.
In Belfast wurde die Titanic gebaut. Da diese sehr tief auf dem Meeresgrund liegt, kann man sie nicht mehr bewundern. Dafür aber das Titanic-Museum bestaunen. Wenn ich den Zustand der Gesellschaft heute sehe, denke ich oft an den Spruch: „Rauf auf die Titanik und ran an die Bar“.
Belfast war schon lange Schauplatz des Nordirlandkonfliktes. Der nordirische Bürgerkrieg von 1969 bis 1998 forderte 3500 Tote. Es war nicht nur ein Religionskrieg zwischen Protestanten und Katholiken, sondern der Krieg tobte auch zwischen den Nachfahren englischer und schottischer Kolonisten auf der einen Seite und irischen Ureinwohnern auf der anderen Seite, sowie zwischen „besitzenden Patriziern mit staatlichem Gewaltmonopol“ und einer „bäuerlich-proletarischen Unterschicht“. In Belfast-West  gingen die „Troubles“ 1969 los, als ein protestantischer Mob aus der „Shankill“ eine Straße nebenan in der katholischen „Falls“ abfackelte. Der „Peace Wall“, ein halber Kilometer Betonwand, der im Stadtplan der Tourismuswerbung fehlt, trennt Shankill von den Falls. „Unionisten“ und „Nationalisten“ leben auch 18 Jahre nach Friedensschluss und Wirtschaftsaufschwung noch segregiert. Die Belfaster Mauer des Friedens verhindert, dass sich „ehemalige“ Feinde ins Gesicht sehen müssen. An jeder freien Hauswand sind heroische Wandmalereien zu sehen, die in privater Initiative als Erinnerung an diese Zeit gepflegt werden.

2742BelfastWandbild2745Belfast Wandbild2

 

Route IrlandDas war die Route durch Irland

Von Belfast setze ich mit der Fähre über nach Schottland (Cayrnryan). Auf den Campingplätzen kann man sich auch über ausgedienten Wohnwagen mit Streber- oder Schrebergarten und Gartenzwergen wundern. Gruselig dort zu stehen als einziger Tourist.
2762CampGartenZwergIn England gibt es auch in kleinen Provinzstädtchen, wie hier im Vorort von Manchester, sehr gut gepflegte Kneipen (Pubs) mit Fernseher und Fußballfans, sowie Internet-Anschluss.
Übrigens die nordirische Fußball-Nationalmannschaft hat sich zum ersten Mal zu einer Europameisterschaft qualifiziert. Ich sehe in einer Kneipe in einem Vorort von Manchester das unentschiedene Spiel England gegen Russland. Am Tisch störend lärmende Frauen mit Kleinkindern bei Bier und Popcorn, die Ihren Männern beim Fußball „Gesellschaft“ leisten. An der Theke Fußball-Fans mit komischen Papphüten und englischen Wink-Elementen. Beim englischen 1:0 noch Gegröle, beim 1:1 der Russen in der Nachspielzeit Mucksmäuschen still. Ich halte mich als Außenseiter zurück. Das Endspiel am 10.7.2016 werde ich wahrscheinlich in Frankreich sehen können, aber nicht in Saint-Denis (Paris). Da fällt mir ein, dass bei jeder meiner Reisen um die Welt bisher Fußball ein Thema war. Auf der Asienreise 2010 waren es die Weltmeisterschaften, dessen Endspiel Spanien – Niederlande wir in Tscheljabinsk verfolgen konnten. Das Endspiel der EM 2012 in Südafrika habe ich auf der Reise rund um Afrika gesehen. Leider war ich erst in Südafrika, als die EM schon vorbei war. Bei der Reise um die Ostsee 2014 war es das WM-Endspiel Deutschland – Argentinien, welches wir in Finnland verfolgt haben.
Während sich das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland seit Beginn der 1990er Jahre um rund 40 % verbesserte, stieg der reale Nettolohn nur um sage und schreibe rund 1 %. Sozialrichter setzen ihren selbsternannten Feldzug gegen deutsche „Sozialschmarotzer“ entgegen des „Sozial“-Gesetzbuches fort, und ich ungeachtet dessen meine Reise durch Westeuropa. Die Kunst ist die, als Bugdet-Traveller mit den geringsten Mitteln, die weit unter Pauschalreisen liegt, viel zu sehen und zu erleben. Allerdings hat sich diesmal der Tagessatz bis jetzt fast verdoppelt durch die 4 Fährüberfahrten und die 14 Tage Englischschule mit fester Unterkunft in Vollverpflegung.
Über Berg und Tal geht es weiter in Richtung Liverpool.
2759berg+Tal22761Berg+Tal

2752Camp oldtaimer Unterwegs noch ein Halt am Ulswatersee, eine schöne Gegend im Nationalpark bei Pooley Bridge. Auf einem Camp treffen sich Fans mit ihren gut erhaltenen  Oldtimern.
Liverpool ist als Hafenstadt Unesco-Weltkulturerbe. Die Beatles, die größte Rock- Band aller Zeiten, die heute noch neue Fans findet, haben aus Liverpool die „Welthauptstadt des Pop“ gemacht. Das was die Pop-Musik noch heute ausmacht, wurde zwischen 1965 und 1975 komponiert. Alles was folgte waren Kopien. Die Musik der 60ér  hat nicht nur eine Musikrichtung bestimmt, sondern ein Lebensgefühl vermittelt, welches ich noch in geschneiderten Schlaghosen, die es nicht von der Stange gab, und im Blau-Hemd erlebt habe. In Liverpool im „The Beatles Story“ habe ich diese Zeit noch mal an mir vorbei ziehen lassen.

2765LiverpoolBeatlesUnd während ich in Erinnerungen schwelge, hat fast zeitgleich der erfolgreichste Komponist und unkaputtbarste Evergreen aller Zeiten, Paul McCartney, ein Konzert in der Berliner Waldbühne gegeben. Und seine Fans dachten: Ach, Paule! So einen wie dich hätten wir auch gerne! Aber wir haben nur den Udo, den Marius und den Herbert. Und die Jüngeren, die die Beatles für längst ausgestorben hielten, wunderten sich über den Opa mit dem alten Bubengesicht, dem man nicht abnimmt, dass er schon 74 ist.
In London wird viel gebaut. Auffällig sind die neuen Wolkenkratzer, die vor allem für die wenigen Superreichen gebaut werden. Appartements in diesen Wolkenkratzern kosten Millionen. Seit der letzten großen Finanzkrise sind diese als Wertanlage sehr gefragt. Zu den Leidtragenden gehört die Mehrzahl, die sich derart teure Wohnungen nicht kaufen können. Da mit den Kaufpreisen die Mieten steigen, werden viele an den Stadtrand gedrängt. Ob eine Wohnung teuer ist oder nicht, hängt davon ab, wie viel des verfügbaren Geldes (Einkommen) für Miete (Wohnkosten) ausgegeben werden muss. Dazu mehr unter politische Reise in: https://afrikatrip.wordpress.com/2015/02/18/zweiklassengesellschaft/ sowie „Wohnungsnot und Schweinezyklus“.

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2809London22813London

Ich stehe auch am Stadtrand in einem Camp. Von dort führt eine 7 km ausgeschilderte Rad-Route direkt in die City. Überhaupt führen durch die City imposante Spuren für Fahrräder (Autobahnen), die aber vor allem von Radlern mit Rennrädern genutzt werden. London war vielleicht das Vorbild für die vielen Berliner, die jetzt mehr Fahrradspuren in Berlin fordern. Kurz nach meiner Radtour durch London, demonstrieren Gegner und Befürworter des Brexit auf der Themse. Brexit-Anhänger bringen indessen ihr Kriegsschiff auf der Themse in Stellung.
2820LondonPanorama
Dazu mehr unter: „Ist die Europäische Union am Ende?“
Route EnglandDas war die Route durch England, hin und zurück.

Dann geht es mit der Fähre von Dover nach Dunkerque (Nachbarhafen von Calais) zurück auf´s Festland, oder Kontinent, wie die Briten zu Europa sagen. Ich nutze wieder den Nachttarif (früh um 4) und zahle ganze 45,-€ mit Auto. Diesmal ist die Fähre etwas voller. Polnische Fußballfans sind auf dem Weg nach Frankreich. Großbritannien war eines der ersten Länder, welches seinen Arbeitsmarkt für sie öffnete, nach dem Beitritt Polens in die EU. 850.000 polnische Auswanderer fragen sich nun, ob sie in Großbritannien bleiben können. Sie stellen fest, dass über die Hälfte der wahlberechtigten Insulaner sie zu keinem Zeitpunkt willkommen hieß, weil „polnische Migranten angeblich nur Sozialleistungen beziehen wollten“. Entgegen populistischer Angriffe waren sie jedoch ausgewandert, um hart zu arbeiten.
Die Brexit-Befürworter appellieren an niedere Instinkte, an Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Das werden nicht nur die Polen zu spüren bekommen. Plebiszite sind demokratische Mittel. Problematisch werden sie, wenn das befragte Volk sich der Tragweite seiner Entscheidung nicht bewusst ist, weil es uninformiert ist oder absichtlich in Unkenntnis der Folgen seiner Entscheidung gelassen wird.
Meine erste Station in Frankreich ist an der Somme an der Bucht bei Amiens. Auch ein geschichtsträchtiger Ort. Die Schlacht an der Somme von 1916 gilt als blutigste Schlacht des Ersten Weltkriegs. Bei der Offensive britischer und französischer Truppen gegen deutsche Stellungen starben in viereinhalb Monaten fast 1,1 Millionen Soldaten.
Etretat, ein kleines Städtchen am Meer kurz vor Le Havre mit der Felsenformation, die wie ein Elefantenrüssel aussieht. Abends wird sie angestrahlt und erscheint wie eine Theaterkulisse. In der Höhle steht auch in Deutsch, dass man bei überraschender Flut dort auf die nächste Ebbe warten kann.
2835EtretatHöhle2840Etretat1

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SAM_2859SAM_2829Übrigens, was macht ein Paar, wenn es sich lange Zeit nicht sehen kann, weil er oder sie weit weg studiert? Es kommuniziert virtuell täglich mehrmals, sagt der Jugendforscher Prof. Dr. habil. Kurt Starke. Spätestens nach viereinhalb Stunden fängt der Zurückgelassene oder der weit Entfernte an, sich Sorgen zu machen. Tagelanges quälendes Warten ist nicht mehr. Früher gab es dafür höchstens den Brief- oder Telefonkontakt. Heute ist es vor allem die SMS, sowie die Mail, soziale Netzwerke im Internet, oder Skype mit Bildkontakt. Und was passiert, wenn man die virtuelle Welt verlässt und sich körperlich trifft? Erst einmal nichts. Erzählt ist ja schon alles. Auch die Arbeitswelt hat ihre Gesetze und verlangt heute Flexibilität. Ein gemeinsames zu Hause mit Kindern wird auf später verschoben, und nicht selten wird ein Nie daraus. Langjährige Fernbeziehungen waren früher eher selten, sie wurden als nicht lebbar empfunden oder lösten sich einfach von selbst auf. Dies hat sich rapide verändert, dank der neuen Medien. Wie sich diese nichtleibliche Kontaktform auf die Beziehung und das Individuum Partner auswirkt, ist noch nicht erforscht. Weg vom (zuerst verliebten, später eingezwängten) Wir, hin zum Paar als eine Addition zweier ansonsten selbstständiger Individuen?
Gemessen an den Kneipen, in denen man im Land der Austragung der Fußballeuropameisterschaften auch mit Fans Fußball sehen kann, ist Frankreich keine Fußballnation. Nur Restaurants, in denen Muscheln geschlürft werden, die weder Fußball noch WiFi bieten. Auch in größeren Hotels nur verständnisloses Staunen über einen vom Mond, der nach Fußballübertragung fragt. Die Pizza mit TV, die man in der Provinz findet, muss man wie die Stecknadel suchen. Haben die Franzosen andere Sorgen (aktuell Abbau von Rechten am Arbeitsmarkt)?
Die Le Mont-Saint-Michel (Unesko Weltkulturerbe) ist eine kleine Insel, die von einer befestigten Abtei dominiert wird. Schon in der Vorsaison sind die kleinen Gassen vollgestopft, nicht auszudenken, was sich hier in der Saison abspielt. Ein gothisches Meisterwerk, das da aus dem Atlantischen Ozean ragt, aber total vermarktet (jährlich etwa 3,5 Millionen Menschen, bei 41 Einwohnern). Beliebt auch als Ziel beim Wattwandern. Die Kinder sehen entsprechend verschlammt aus und müssen erst mal abgespritzt werden. Der Weg über das Watt ist wegen der im Galopp kommenden Flut nicht ungefährlich.
2880MontSaintMichel 2884Wattwandern

2890Wattwandern2

 

Auf dem nächsten Camp am Abend und in der Nacht Gewitter und Dauerregen. Das Donnerwetter erinnert an die Front an der Normandie. Anschließend Sonnenschein, aber mittags am Strand kein Wasser zum Baden, nur Watt.
In Les Sables am Strand ein kleines Restaurant mit Livemusik zu zwei Gitarren beim Sonnenuntergang. Das ist die Stimmung, die für viele kleine Ärgerlichkeiten entschädigt.
SAM_2910LesSables SAM_2912LesSablesStrand

Am anderen Abend dann Fußball im Camp. Eine kleine Halle zwischen Rezeption und Pool, gefüllt mit etwa 50 Franzosen, denn es Spielt Frankreich gegen Irland. Als dann 2 Tore fallen und die französische Mannschaft das Spiel umdreht, fallen auch Gläser vom Tisch und die Halle bebt. Anschließend beim Spiel Deutschland – Slowakei ist die Halle fast leer, mit mir nur 3 deutsche Hanseln. Da wäre es doch praktischer, jedes Land führt nur mit seiner eigenen Mannschaft Meisterschaften aus. Müssen ja keine Europa- oder gar Weltmeisterschaften sein.
2917Grotte Regulus 2921Fanbus Bordoaux
Eine Karte  in Bordeaux war natürlich nicht mehr zu bekommen für das Spiel Deutschland gegen Angstgegner Italien. Auf dem Camp in Bordeaux steht der Fanbus.  Die Zitterpartie hielt an bis zum 9. Elfmeter.
Abschied vom wilden Atlantik am Strand bei Lit-et-Mixe. Ab hier beginnt der Rückweg. Meterhohe Wellen, die das baden gehen am bewachten Badestrand erheblich erschweren.

2923AbschiedMeer 2926AbschiedMeer2

2946Pyramide 2943Pyramide2

2942Pyramide1 2938PyramidePanorama
2932Fluss

2931Fluss2Weiter geht es in Richtung Clermont- Ferrand entlang am Fluss Garonne bis nach Cohors und des kleinen Flüsschens Lot bei Agen.

Zufällig kreuzt sich bei Polminhac die Tour de France mit den Europameisterschaften im Fußball. Ich bin schlecht informiert und komme ein wenig zu spät am Camp du Val de Cere an, um mir das Spektakel am Puy Mary anzusehen. Die Zielankunft sehe ich in unmittelbarer Nähe nur im Fernsehen. Ziel der 5. Etappe der Tour de France war am Berg Puy Mary (mit 1783 m zweithöchster Gipfel der Monts du Cantal), hier ganz in der Nähe. Von den Höhen dieser Vulkanpyramide eröffnet sich eine atemberaubende Panoramaaussicht auf die ganze Auvergne. Die Pyramide erinnert ein wenig an die Schneekoppe im Riesengebirge.

Am nächsten Abend steigt Deutschland als Favorit im Halbfinale aus. Ein zwar spannendes Spiel, in dem Deutschland aber nicht zum eigenen Rhythmus gefunden hat. Frankreich ist zwar im Finale, aber ansonsten haben sich die wirtschaftlichen Erwartungen, mit dem nach Weltmeisterschaften und Olympiade drittwichtigsten sportlichen Ereignis, nicht erfüllt.

Ein Jahr rund um Afrika, und ich habe nicht einmal einen Arzt gebraucht. Jetzt bin ich 2 Monate in Westeuropa unterwegs, und ich brauche ihn gleich zweimal. Zuerst war es in Irland ein Abszess am Zahn. Die Sprechstunde kostete etwa das siebfache der verschriebenen Antibiotika. Die Kosten habe ich erst einmal vorschießen müssen. Ob ich davon aus einer eigens dafür abgeschlossenen Auslandskrankenversicherung etwas wiedersehe, muss sich noch herausstellen. Dann war ich in einer französischen Ambulanz. Die haben mich gleich ins benachbarte Hospital überwiesen. Für 3 Tage tausche ich mein Schlafplatz im Auto auf dem Campingplatz gegen ein Krankenhausbett in Paray-Le-Monial ein. Die Verständigung mit den Ärzten ist eher mühsam, weil kaum jemand englisch spricht. Obwohl sich Englisch seit Jahrhunderten aus der lateinischen und französischen Sprache ableitet, ist mein Englisch meist besser, als das der Ärzte. Unter den Schwestern gibt es sehr wenige mit Englischkenntnissen. Diesmal erledigt sich die Kostenfrage mit dem Vorzeigen der deutschen Krankenversicherungskarte. Die Auslandskrankenversicherung braucht man wohl nur bei außergewöhnlichen Kosten, wie Rücktransport nach Deutschland. Gehört eigentlich nicht zu meiner Art gegen alles abgesichert zu sein. Meist verdienen dabei doch nur die Versicherungsgesellschaften.
Später stellt sich heraus, es ist eine Hepatitis E. Damit verbunden ist allgemeine Lustlosigkeit. Und ich hatte schon philosophiert, ob ich generell die Lust an dieser Art zu Reisen verloren habe. Es fehlte die Neugierigkeit, z.B. an neuen Standorten sofort erst einmal die Umgebung zu erforschen. Das kann auch damit zu tun haben, dass das Abenteuer keine tragende Rolle mehr spielt. Darin ist Asien oder Afrika nicht zu toppen, bzw. darin ist Europa eher langweilig. Desweiteren gehört allgemeine Appetitlosigkeit zum Krankheitsbild. Im Hospital zeigt die Waage nur noch 75 kg an. D.h. ich habe in den 2 Monaten 10 kg verloren! Das ist einerseits Idealgewicht, andererseits bin ich seit 30 Jahren nicht so tief gesunken. Das Abnehmen gehört zum Reisen, zumindest bei dieser Art des Reisens: Als Budgettraveller ohne Luxus. Das kannte ich schon seit der Asientour und rund um Afrika. Wenn man sich aus einer kleinen Kühlbox ernährt, isst man weniger. Ohne zu hungern wohlgemerkt. D.h. zu Hause oder im Luxushotel (all includet) isst man meist nicht weil man Hunger hat, sondern weil es schmeckt, also oft viel zu viel. Wenn dann noch wie hier Appetitlosigkeit dazukommt, geht es noch schneller mit dem Abnehmen.
Dann geht es geradewegs nach Hause. Im Elsas besuche ich noch alte Freunde Christiane und Gerad und in Karlsruhe Astrid und Loyal, die mich in Afrika „verfolgt“ haben. Astrid hat inzwischen ihr Buch „Afrika fernab erlebt“ veröffentlicht.

2957 Karlsruhe Nerds 2958 Camp Oberhof
Auf dem Schlossplatz in Karlsruhe auffallend viele Nerds, die in ihr IPhone verliebt sind. Die Letzte Station vor Berlin war dieser idyllische Platz bei Oberhof.
Route FrankreichRoute DeutschlandDas war die Route durch Frankreich und durch Deutschland, hin und zurück.

Kategorien: Europa-Touren, Reiseberichte | 5 Kommentare

Adria – Balkan- Karpaten

Route geplantGeplante Route ab Berlin vom 16.7.2015 bis zum 31.8.2015,
durch 9 osteuropäische Länder, sowie Österreich,
etwa 4.800 km in 46 Tagen und 26 Etappen.
Fast alle Länder sind in der EU, Bosnien-Herzegowina und Serbien sind Kandidaten.
Den Euro gibt es nur in Österreich, Slowenien und in der Slowakei.
Außer Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Serbien und Rumänien sind alle im Schenger Raum, In den Ländern außerhalb des Schenger Raums genügt der PA zur Einreise.
Außer Österreich und Serbien sind alle in der Nato, Bosnien-Herzegowina ist Nato-Kandidat.
Das Bruttoinlandsprodukt beträgt zwischen rd. 5 Tausend € pro Einwohner in Bosnien-Herzegowina und rd. 50 Tausend € in Österreich.

Deutschland
Stimmt, man muss nicht weit fahren, auch in Deutschland findet man sehr schöne und lohnenswerte Reiseziele. Eins davon ist z.B. die Sächsische Schweiz im Elbsandsteingebirge nahe Dresden, unser erstes Ziel. Wir bleiben auf einem Campingplatz in Bad Schandau und machen eine Fahrradtour an der Elbe entlang zu den bizarren Felsenkuppen der 200 m hohen Bastei, die eine herrliche Sicht auf die sich windende Elbe bietet, sowie einen Ausflug mit der historischen Straßenbahn (der einzigen in der Welt durch einen Naturschutzpark) zum Lichtenhainer Wasserfall im romantischen Kirnitzschtal.

Basteibrücke

Bastei

Bastei

Tschechei
Die zweite Station ist Prag. An der Trojska Straße im Norden der Stadt bieten sich jetzt einige Autocampingplätze an. Wir schnallen die Fahrräder ab und touren mit Fahrrad vom Camp über die neue Fahrradbrücke direkt in die historische Altstadt mit Karlsbrücke und Blick auf die Prager Burg auf dem Hradschin.

City Prag

City Prag 1

City Prag

Im Süden der Tschechei finden wir einen Platz mit Blick auf einen Stausee.

Stausee im Süden Tschechei

Stausee im Süden

Stausee Panorama

Österreich
Der Hallstättersee bei Bad Ischel in der Welterberegion Dachstein Salzkammergut in den österreichischen Alpen liegt sehr idyllisch und bietet im klaren Wasser Abkühlung.

Hallstätter See, Alpen Östereich

Alpen

Hallstätter See

Auch wenn es schon ganz schön heiß wird, radeln wir bei Klagenfurt rund um Wörthersee, vom Camp am Keutschacher See aus. Wir wollten uns abkühlen im See, aber die Badestellen sind rar. Der See ist wahrscheinlich schon seit Kaisers Zeiten privat eingezäunt.

Rund um Wörthersee mit Fahrrad

Camp Keutscher See südlich Wörthersee

Camp Keutscher See südlich Wörthersee

Slovenien
Das erste Camp, welches wir im Navi hatten, war total ausgebucht. Wir weichen an einen romantischen Platz am Fluss aus. Auch der kleine Alpensee bei Bled, den wir mit dem Fahrrad umrunden, bietet noch freie Plätze. Eine Band aus Lateinamerika spielt abends auf der Bühne am malerischem See Salsa. Die Straße wird zur Tanzfläche. Anderntags setzen wir uns in den Bus und fahren zu einer Schlucht mit Wasserfall.

Rund um Blejske Jezero

Rund um Blejske Jezero

Rund um Blejske Jezero

Rund um Blejske Jezero

Busausflug zur Schlucht

Bled Schlucht

Busausflug zum Wasserfall

Bled Wasserfall

Die City der Hauptstadt Ljubljana erkunden wir wieder mit dem Fahrrad.

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Jubliana, Hauptstadt Slowenien

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Jubliana

Park Skocjanske jame (Naturwelterbe), Feuchtgebiet und unterirdischer Canyon in der Karstlandschaft, auf der Fahrt von Ljubljana auf die Halbinsel Istrien an der Adria.

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Canyon

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Canyon in Karstlandschaft

Kroatien
Camp bei Umag, Ausflug und Stadtrundfahrt mit Fahrrad. Ein Eisverkäufer in der Stadt hat in seinem Laden noch ein Bild von Josip Broz Titow hängen, bis 1980 Staatspräsident von Jugoslawien. Ich frage ihn, ob das Nostalgie sei. Aber er verehrt das Mitglied der kommunistischen Partei, wie viele seiner Landsleute noch heute, ist selbst noch Mitglied dieser Partei und beobachtet die wirtschaftliche und soziale Schieflage im ehemaligen Jugoslawien mit Sorge.

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Umag, Adria, Slowenien

K Umag1711

Umag

Buje, Groznjan (Ort der Künstler), Motuvun, Bergstädtchen auf einem 288 m hohen Hügel.

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Motuvun, Kroatien

1726

Groznian

L

Motuvun Panorama

Vsar ist die Hochburg des kroatischen Campingtourismus. So schön wie die Adria, Istrien und die Kvarner Bucht mit dem kristallklaren Meerwasser auch ist, aber diesen Massentourismus muss man mögen. Auf den Campingplätzen stehen Wohnwagen, Wohnmobile und Zelte dicht beieinander, sozusagen Tür an Tür, die Großstadt im Wald. Familien mit 2 Kindern und 3 Hunden, Dauercamper mit umzäuntem Vorgarten und Durchreisende. Mallorca-Fraktion (die, die schon vor dem Frühstück die Plätze am Pool mit Handtüchern katapultieren, um sie zu reservieren) und Baller-Männer (die, die die Nacht zum Tag machen) neben Ruhesuchende. Hier prallen die verschiedensten Interessenkonflikte aufeinander. Mehr als ein Tag halten wir es auf keinem dieser Plätze aus. Wir fahren nur kurze Etappen und finden als Durchreisende nur selten noch einen schönen Stellplatz mit Blick aufs Meer, obwohl wir wir schon früh eintreffen. Wer kann, sollte hier die Vor- oder Nachsaison nutzen. Auch wegen der Hitze. Ständig um die 36 Grad werden zur Belastung, wenn man keinen Stellplatz mit Schatten erwischt. Die Preise sind an die meist westlichen Touristen angepasst, die heimische Lebenshaltungskosten vorfinden. D.h. Einheimische können in den Touristenhochburgen kaum existieren.

M Vsar 1755

Vsar

M Vsar 1742

Vsar

Pula mit römischen Amphitheater (fünftgrößte der Welt) und Triumphbogen, Stadtrundfahrt mit Fahrrad.

Pula Amphitheater

Pula City

Istrien

Camp Pula

Camp Pula

 

O 1778

Camp Pula Panorama

Inselspringen mit Autofähre von Istrien zur Insel Cres, der herben Schönheit und Krk, der größten Insel in der Kvarner Bucht.

Inselspringen

Fähre Istrien – Insel Cres

Inselspringen

Fähre Cres – Krk

Q Camp Krk_1801

Camp Insel Krk

 

 

 

 

 

 

Abstecher von der Kvarner Bucht zum Plitvicka Jezera (Nationalpark seit 1949, auch bekannt als Seen, bei denen Karl May Filme gedreht wurden, und deren kristallklares, türkis-blaues Wasser stufenförmig im Urwald abfallen, über unzählige Wasserfälle).

1854

KarlMaySeen

1866

KarlMaySeen

 

1871

AuffahrRampler

1878

Panorama Fähre

 

Split, Stadtrundfahrt mit Fahrrad.

1868

Altstadt Split

1869

Split

Fähre mit Auto zur Halbinsel Peljesac, und von dort Ausflug mit der Fähre und Fahrrad zur Insel Korkula. Auf dem Weg über die Halbinsel kann man die Grenzen durch Bosnien, das hier eine 5 km lange Anbindung an das Meer hat, umgehen. Kroatien hat den Bau einer Brücke gestoppt und plant jetzt einen Tunnel für die Durchfahrt nach Dubrovnik. Auf der Fahrt nach Dubrovnik staut sich der Verkehr, weil ein Polizist den Verkehr regelt. Hinter mir rollt einer auf mein Fahrzeug. War es ein Versehen? Wohl kaum, denn er behauptet, ich sei rückwärts gefahren. Das ist ja dann die Höhe. Ich belass es wegen Geringfügigkeit dabei. Ich kann mir vorstellen, dass den Einheimischen die vielen Touristen auf die Nerven gehen. Viele sind schon durch aggressives Fahren aufgefallen. Andererseits leben sie vom Tourismus.

1888

Karkula

1890

Karkula

Ausflug vom Camp bei Orasac, den ich schon von der Rückfahrt aus Afrika kannte, zur Altstadt Dubrovnik. Da man in der touristisch völlig überlasteten Stadt kaum einen Parkplatz findet, schnallen wir wieder die Fahrräder ab. Die „Perle der Adria“ oder das „Kroatisches Athen“ ist als Weltkulturerbe und kulturelles Zentrum Kroatiens natürlich eine Reise wert.

1902

Dubrovnik

1903

Dubrovnik

 

1906

Dubrovnik, Abschied von der Adria

 

 

 

 

 

 

Bosnien
Nach Dubrovnik heißt es Abschied vom Meer und von der brütenden Hitze. Inzwischen frage ich mich, wie ich ein Jahr Afrika bei dieser Hitze überlebt habe. Aber auch dort gab es „normales“ Wetter und die angenehme Kühle in den Hochebenen.
Bosnien hat eine eigene Währung KM: die gegenüber dem € konvertible Mark. D.h. Bosnien würde zum Europäischen Währungssystem (EWS) gehören, wenn alle Eurostaaten ihre eigene Währung zurück bekämen und sich auf ein Wechselkursregime verständigen würden.

Mostar, Fahrradausflug zur Brücke über die Neretva, und Ausflug vom Hotel (in das wir uns wegen Wolkenbruch ausnahmsweise einquartiert haben) zum Dervish House (National Monument) und zur Quelle.

Von der wieder aufgebauten, berühmten und zum Weltkulturerbe zählenden Brücke, die der Stadt den Namen gibt und im Bosnien-Krieg zerstört wurde, springen gerade Red-Bull-Standmänner, die auch mal aus dem Weltraum im freien Fall springen. Sie brauchen 3 Sekunden bis sie nach 27 m mit 84 km/Std. auf die tiefe und kalte Neretva klatschen. D. h. Sie klatschen nicht, das wäre mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit tödlich, sondern tauchen kunstvoll nach einigen Saltos ein. 2 Taucher schauen sofort nach dem Rechten. Die beim Einlass von den Securities durchsuchten Zuschauer klatschen noch Beifall, wenn der gesprungene Standman wieder auftaucht. Die Brücke verbindet katholische Kroaten mit den orthodoxen Serben. Man sieht aber weniger moslemisch gekleidete Gläubige, als in Berlin-Kreuzberg, gemessen an der Anzahl der Muslime an der Bevölkerung. Das ist wohl noch ein Erbe aus dem laizistischen Jugoslawien.

1918

Mostar, Brücke über die Neretva

1920

Red Bull- Sprung von der Brücke

Sarajevo
Zuerst fahren wir hinter Sarajevo in die Berge und finden die Bergbaude in Höhe von etwa 1.300 m. Den Tip haben wir von Astrid und Loyal erhalten, die uns vor der Abreise noch in Berlin besucht haben. Wir hatten viel zu erzählen, denn sie sind etwa die gleiche Route durch Afrika gefahren, nur etwas später. Astrid will jetzt ein Buch veröffentlichen, was sie über ihre Reise geschrieben hat. Vielleicht komme ich ja auch mal dazu nach Teil 3 der Weltreise durch Amerika.

Mostar Quelle

Mostar Quelle

Bergbaude über Sarajewo

Bergbaude über Sarajewo

Wie immer parken wir das Auto am Rand der Stadt und fahren mit dem Fahrrad in die City. Sonst kein Problem, aber nicht hier. Als wir zurückkommen sehen wir die Bescherung: Die Seitenscheibe ist eingeschlagen. Da aber vorsichtshalber alle Wertgegenstände nach unten verstaut waren, fehlte nicht viel: nur ein Rucksack mit Damenwäsche. Typen, die das tun, ist ein Menschenleben 50 € wert. Sarajevo nach dem Krieg ist noch ein schwieriges Pflaster. Die Polizei, die zwar den Diebstahl nicht aufklären kann, soll uns aber wenigstens ein Schein für die Versicherung ausstellen. Das dauert Stunden, da wir erst einen Übersetzer auf der Straße suchen und dann noch Stunden auf ein Stempel warten müssen. Eine junge Frau, die ihr Praktikum in Deutschland machen will, hilft. Ein junger Mann hat vorher abgelehnt für die bosnischen Polizei zu übersetzen, weil er Serbe sei, und die Polizei auf ihn nicht gut zu sprechen ist. Der private Besitzer eines kleinen Camps kann eine Firma organisieren, die uns am nächsten Tag gleich eine Acryl-Scheibe für 50,-€ komplett wieder einsetzt.
Am nächsten Tag haben wir nach der Reparatur noch Zeit. Ein Manager einer Finanzanlagenvermittlung erzählt uns, dass das Durchschnittsgehalt eines Bosniers etwa 500,-€ beträgt. Seine Kunden kommen daher wohl eher nicht aus Bosnien, sondern z.B. aus Deutschland. Wohl auch deshalb, weil die Wahrscheinlichkeit einem Betrüger aufzusitzen in Bosnien nicht höher ist, als in Düsseldorf. Neben einem großen 5-Sterne Hotel steht noch eine hässliche vom Krieg zerstörte Ruine. Das verwundert, weil in Sarajevo der Immobilienmarkt boomt. Aber die Eigentumsverhältnisse des Filetstückes sollen wohl ungeklärt sein. Sonst ist Bosnien auf den europäischen Immobilienmarkt vorbereitet. Es gibt Grundbuch- und Katasterämter und Sachverständige für Grundstückswertermittlungen.

Einbruch Sarajewo

Einbruch Sarajewo

Sarajewo

Sarajewo

Auf dem Weg nach und durch Serbien machen wir Halt in Tuzla und Novi Sad..

Sarajewo Ruine

Sarajewo Ruine

NoviSad

NoviSad

Serbien, Ungarn
Wir befinden uns jetzt ein paar hundert Kilometer von zu Hause entfernt auf der sogenannte Balkan-Route, auf der Bürgerkriegsflüchtlinge, meist aus Syrien, versuchen nach Westeuropa zu gelangen, um dort Asyl zu erhalten. In Sarajewo raten wir einem Motorradfahrer, der durch Europa tourt, Mazedonien nicht zu meiden, weil sich die vorerst nur polizeilichen Maßnahmen an der griechisch- mazedonischen Grenze ja nicht gegen Touristen richten, sondern „nur“ gegen ausländische Flüchtlinge, die man in Europa nicht Willkommen heißen oder Hilfe anbieten will. Um Europa gegen Ausländer zu schützen, baut Ungarn jetzt sogar eine Mauer aus Stacheldraht. EU-Anwärter Serbien steht unter doppeltem Flüchtlingsdruck. Einerseits steigt die Anzahl der Einwanderer. Andererseits werden aus Ungarn immer mehr Flüchtlinge in den Schengen-Vorhof zurückdeportiert.
Der Krieg im ehemaligen Jugoslawien erinnert an den Krieg in der Ukraine. Mehr sazu, wie auch zum Thema Flüchtlinge hier im Blog unter politische Reise.

NoviSad

NoviSad

Y 2001

Camp Devin Slovakei

Slovakei
Die Hohe Tatra ist das kleinste Hochgebirge der Welt. Hoch ist ein Gebirge ab 2.000 m. Von den malerischen Touristenorten Strbske Pleso und Tatranska Lomnica aus kann man in die Berge wandern. Wir fahren mit der Seilbahn und dem Sessellift auf den Lomnice Selo (2.190 m). Von hier hat man eine atemberaubende Sicht ins Tal oder auf den Stift (2.600 m). Wir genießen den Ausblick und die wohl grenzenlose Freiheit über den Wolken.

Y 2003

Tatra Strbske Pleso

Y 2024

Lomnica

 

Y 2023

Lomnitcky Stit 2634 m

Y 2033

Tatra Lanova

Panorama Tara

Panorama Tara

Z 2036

slowakisches Bergdorf

Polen
Zakopane ist nicht wieder zuerkennen. Touristen ohne Ende und eine Einkaufsstraße so lang wie die Friedrichstr. in Berlin, allerdings fast nur Souvenir Läden. Interessanter ist da Krakow, wo auch die Massen an Touristen irgenwie hingehören. Wir fahren mit dem Fahrrad stundenlang durch die historische Altstadt, nach jeder Ecke gibt es etwas Neues zu entdecken. Leider ist unsere Zeit abgelaufen, sonst hätten wir uns noch Auschwitz-Birkenau oder das Salzbergwerk in der näheren Umgebung angeschaut. Wrozlaw ist unsere letzte Station.

Z 2053

Krakow Altstadt

Z 2038

Krakow Burg

 

 

 

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Wege die sich kreuzen und gabeln

Astrid schreibt in ihrem Blog  http://www.themacmillians.de/?p=2345 :
In Marokko haben wir Manfreds Blog entdeckt (afrikatrip.wordpress.com), ein Deutscher aus Berlin, der fast die gleiche Route wie wir durch Afrika gefahren, nur eben genau drei Monate vor uns aufgebrochen ist. Wir haben nicht nur seinen Blog begeistert verfolgt, sondern auch mit ihm persönlich gleich Kontakt aufgenommen. Einige Fragen, die wir zu Ländern etc. hatten, konnte er uns schon beantworten, weil er da schon durchgefahren war. Als er selbst in der Demokratischen Republik Kongo in große Schwierigkeiten geriet, schrieb uns seine Frau Barbara aus Berlin eine Email. So lernten wir auch sie kennen und obwohl wir uns bisher noch nie persönlich begegnet sind, haben wir das Gefühl, schon einiges von den beiden zu kennen/wissen. Wir wollen sie unbedingt in Berlin besuchen! …..

Hallo Astrid,
leider hat das mit dem Besuch noch nicht geklappt. Die Welt dreht sich weiter und lässt uns nicht stehenbleiben, obwohl wir das manchmal gerne hätten. So kommt es, dass sich Wege, die sich kreuzten, auch wieder gabeln.
Kürzlich war ich noch mal in Khartum und war Gast bei Bernd, unserem „rettenden Engel“. Er hatte mich im Rahmen der Bewertung eines Grundstückes in Khartum empfohlen. So kam ich zu einem der interessantesten Aufträge meiner beruflichen Laufbahn.
Wir sind im Juli/August mit unserem Fahrzeug rund um die Ostsee gefahren, praktisch als Verlängerung der Afrikaroute. Jetzt denke ich an eine Fortsetzung der Weltreise: Teil 3 Amerika. Bei dem Vortrag in eurem offenen Kreis über Entwicklungshilfe in Afrika hätte ich gern gelauscht.
Euch alles Gute.
Manfred

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Rund um die Ostsee

Vom 3.7. bis 29.8.2014 waren wir wieder on Tour: Rund um die Ostsee,  7.400 km im Auto in 2 Monaten. Es ist auch die Vollendung der Afrikatour, d.h. die Tour vom Süd- zum Nord-Kap.
Wieder für 2 Monate ein Leben auf der Fläche von 2 Matratzen, ohne Uhr, im Tagesrhythmus der Sonne. Der Toyota Hiace (Kleinbus) ist von der Asien und der Afrikatour schon ein wenig ramponiert, aber immer noch ein zuverlässiges Fahrzeug. Der selbst ausgebaute Schlafplatz entspricht der Mittelklasse zwischen Wohnmobil und Zelt. Nicht sehr komfortabel, aber völlig ausreichend, wenn man auf Komfort verzichten kann. Außerdem war ein Wohnmobil für eine Afrikaumrundung eher ungeeignet. Nur manchmal bauen wird auch das Zelt auf. Auf Campingplätze wollen wir nicht verzichten, da im Mobil eine Toilette fehlt. Die Wohnmobile auf den Campingplätzen sind sehr unterschiedlicher Größe und entsprechen manchmal rollenden Komforthäusern. Im Kontrast dazu ein zum Wohnmobil ausgebautes Tuk-Tuk (Dreirad nach indischer Bauart).

Mobiles Haus.jpg  Tuk-Tuk

Tuk Tuk
rollendes Komforthaus

Die geplante Route führt im umgekehrten Urzeigersinn um die Ostsee, wobei wir auch in Norwegen entlang des Atlantiks fahren. Sie entspricht im Großen und Ganzen der gefahrenen Route (nicht so weit nördlich und etwas mehr Norwegen um Alesund)

gefahrene Route
gefahrene Route (Stand 29.8.2014, nach Rückkehr)

Polen und die Baltischen Staaten haben wir relativ schnell durchfahren. Da wir auf den Stress der Visa-Einholung verzichten wollten, haben wir den Landweg über St. Petersburg abgekürzt und die Fähre Tallin – Helsinki genommen. Die Route führt durch 7 Länder (ohne Deutschland), alle im Schengener Raum, d.h. ohne Grenzkontrollen. Nur Finnland und Schweden sind nicht gleichzeitig Mitglied der Nato. 5 dieser europäischen Länder haben noch ihre eigene Währung. Lettland hat erst ab diesem Jahr den Euro eingeführt. Mit „Lat it be … Lat it be“, haben einige Letten scherzhaft ihrer Währung Lat nachgetrauert.

Die Campingplätze, auf denen wir auf der bisher gefahrenen Route übernachtet haben, sind mit roten Fähnchen gekennzeichnet. Das Netz der Campingplätze ist insbesondere in den skandinavischen Ländern sehr dicht gespannt. Das macht die spontane Planung des nächsten Tageszieles sehr einfach. Ein Kinderspiel im Vergleich zur Tour durch Afrika oder Asien. Man bekommt den Eindruck, alle Skandinavier sind mit dem Wohnmobil oder dem Wohnwagen unterwegs. Die Anzahl der Touristen aus Deutschland nimmt im Norden der skandinavischen Länder jedoch ab, sicherlich weil man für die längeren Strecken doch mehr als 2 Wochen Urlaub benötigt, und über den verfügen meist nur Rentner. Im Unterschied zur Asien- oder Afrikatour trifft man kaum auf weltreisende Traveller, fast „nur“ auf Touristen. Mit dem Wetter hatten wir bisher großes Glück, nur Sonnenschein, mit wenigen Ausnahmen kurzer Gewitterschauer. Im Unterschied zu Deutschland erreicht das Quecksilber aber nur etwa die 25°C-Marke. Anfangs hatte ich Befürchtungen, da der Siebenschläfer doch sehr durchwachsen war. Aber erstens ist es wohl doch nur eine Bauernregel und zweitens nimmt diese gen Norden stark ab, so wie der Salzgehalt der Ostsee. In Norwegen allerdings kippt das Wetter und es wird kalt und nass. Ein um die britischen Inseln drehendes Tief schickt immer wieder Wolken, lässt aber auch noch ausreichend Sonne durchblicken.
Das Fahren ist sehr entspannt. Wir haben noch nicht einen Unfall gesehen. Die Fahrer in den skandinavischen Ländern fahren sehr defensiv und diszipliniert, keine Raser, keine Drängler. Auch haben wir in den skandinavischen Ländern noch keinen Polizisten auf der Strecke gesehen. Blitzer gibt es zur Genüge, aber nicht einer hat uns geblitzt. Sie sind mit Vorwarnung so aufgestellt, dass sie offensichtlich nicht nur der Abzocke dienen. Zu meiner Überraschung ist der W-Lan Netzausbau auf den Campingplätzen Skandinaviens sehr durchwachsen. Eine gute Verbindung ins Internet kommt nur selten zustande.
Etwa 100 km vor dem nördlichen Polarkreis wenden wir. Wir verzichten auf die Fahrt zum Nordkap zugunsten eines Umwegs über Norwegen. Die Mitternachtssonne ist am Kap auch nur vom 12. Juni bis 1. Juli zu erleben. Aber auch am nördlichsten Punkt der Ostsee ist Ende Juli die Nacht noch sehr kurz, etwa nach 4 Stunden geht die Sonne schon wieder auf. Daran muss man sich erst gewöhnen, um Schlaf zu finden.

Polen

Die 1. Nacht halten wir auf einem Camp in Poznan. In Krutyn (Masurische Seenplatte) bleiben wir ein Tag, um Kanu zu fahren. Die Miete incl. Autofahrt mit Kanu-Anhänger zum Ausgangsort seiner Wahl ist sehr preiswert. Von dort kann man die Krutyn flussabwärts bis zum Ausgangsort fahren. Allerdings hat sich der Ort zum Eldorado der Kanufahrer entwickelt. Die Idee, Kanus zum gewähltem Start zu bringen oder vom gewählten Ziel wieder abzuholen, hat eine Marktlücke gefüllt. Heute leihen zig Anbieter hunderte Kanus aus. Einen Weg im Fließ durch die vielen ungeübten Kanufahrer zu finden ist nicht so einfach. So wird unser Ausflug mehr zur Rallye, statt dem gemütlichen Paddeln durch die schöne, ehemals unberührte Natur.

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Baltikum
Von den Balten will keiner Baltikum hören, denn sie sind Nationalisten geworden und halten nichts mehr von Staatenbünden. So ist es eigentlich ein Widerspruch, wenn sie, kaum dass sie sich aus dem Staatenbund der Sowjetunion verabschiedet hatten, wieder in die europäische Union wollten. Aber wer das Eine will, muss das Andere mögen. Kaunas ist so sehenswert wie die Hauptstadt Litauens. Viel ist es nicht.

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Hinter Kaunas kommt man auf dem Weg nach Riga an einem Hügel voller Kruzifixe vorbei, nördlich des Ortes  Šiauliai. Viele Litauer tragen ihr christliches Kreuz auf diesen Hügel. Insbesondere seit der polnische Papst als größter Antikommunist unter den Päpsten den Hügel geweiht hat. Entstanden ist diese Tradition nach dem Aufstand gegen Russen 1831 und 1863. Es war ein Zeichen des Widerstands gegen die Unterdrückung Litauens, Kreuze für gefallene Litauer. Heute ist dieser Ort vor allem ein Wallfahrtsort für Touristen. Und ein Ort, an dem Geschichte umgeschrieben wird und an dem ein Demokrat ins Grübeln kommen müsste, ein sozialistischer Demokrat sowieso. Mehr dazu in „Das Kreuz mit dem Kreuz“ in der politischen Reise.

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAErst kurz vor Riga landen wir an der Ostsee am Strand von Jurmala. Den km-langen Sandstrand in Jurmala kann man mit dem Fahrrad entlang fahren. Auch Riga erkunden wir wie alle anderen größeren Städte mit dem Fahrrad, vom Camp in der Nähe der Stadt aus. Das als Symbol der Unabhängigkeit Litauens neu errichtete Denkmal (im Stil sowjetischer Monomentalarchitektur) ist so groß, dass es nur in der Diagonale aufs Bild passt.

 

 

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Von Riga ist es nur ein Katzensprung nach Tallin (Estland).

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SAM_0744 TallinMahnmalSAM_0739 Tallin

Sowjetisches Ehrenmal auf dem Maarjamäe- Hügel

 Wir genießen noch die Aussicht auf Tallin mit Ehrenmahl und Fernsehturm im Hintergrund. Im Hafen wartet schon die Fähre nach Helsinki.
In Tallin hat vor 20 Jahren die Fähre Estonia abgelegt und ist auf halben Weg nach Stockholm 60 m tief gesunken. 700 Menschen sind dabei ertrunken. Verantwortliche konnten nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil die Ursache (defekte oder gesprengte Bugklappe) nie geklärt wurde. So haben Verschwörungstheoretiker wieder freien Raum, diese im Zusammenhang z.B. mit illegalen, schwedisch-russischen Militärgütertransporten auf dieser zivilen Fähre zu stellen. Tallin war quasi die letzte Station für viele Menschen auf der Estonia.
Wir haben Glück und erreichen ohne Unglück den Hafen von Helsinki.

Skandinavien
Finnland

Die finnischen Hauptstadt Helsinki liegt lt. Rangliste der „The Economist“ auf Platz 8 der Top Ten der lebenswertesten Städte. Dabei werden die Themen Gesundheitswesen, Bildung, Stabilität, Kultur, Umwelt und Infrastruktur beurteilt. Aus der Sicht der Radfahrer können wir das bestätigen. Was Radwege und Rücksicht auf Fahrradfahrer angeht, liegt Berlin wohl weit dahinter.

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SAM_0765 HelsinkiAussicht SAM_0766HelsinkiOlympia
Helsinki, Aussicht vom Olympiaturm           Denkmal Olympiadeläufer 1952

Nach den Großstädten endlich wieder in die Natur, von der wir auf dem Camp nahe Turku reichlich finden. In dem kleinen Ort Pargas gibt es nahe dem Camp ein Pub mit großem Fernseher. Dort können wir das Endspiel Deutschland gegen Argentinien sehen. Das letzte Fußball-Weltmeister-Endspiel haben wir in Tscheljabinsk (Asien Tour) verfolgen können. Auch dort waren wir wohl die Einzigen in dem Spiel gegen Spanien, die für die Tore der deutschen Mannschaft gejubelt haben.
SAM_0769PargasSAM_0768Pargas

SAM_0719SonnenuntergandSAM_0787 Panorama

Wir bewundern das Panorama der Ostsee und genießen die vielen Sonnenuntergänge.

SAM_0807Sonnenuntergang3 SAM_0786Sonnenuntergang2

Schweden
Lulea, Norsjö Seilbahn, Tarneby

Schilder, die vor Elche warnen, gibt es wesentlich mehr als Elche. Wir bekommen erst wElche zu sehen, als wir Schweden von Finnland in Richtung Norwegen durchqueren.

SAM_0772 Elch-Schild SAM_0835 Elch

SAM_0776MerikarviaCamp SAM_0780KokkollaCamp

SAM_0824Lulea Camp SAM_0825LuleaCamp2

SAM_0840NorsjöSeilbahn SAM_0844NorsjöCamp

SAM_0852TärnabyCamp OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Norwegen

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Fiskumfossen (so viel wie Wasserfall für Fische, ganz frei übersetzt)

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Trondheim Aussicht                                                            Trondheim Cafe

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Trondheim Dom                                             Wolken am Camp bei Trondheim

SAM_0886FähreTrondheim-Kristiansund SAM_0942Wasserfall
Fähre nach Kristiansund                             Wasserfall

SAM_0901KristiansundKanone SAM_0897Kristiansund Haus
Kanone auf Kristiansund                                                     Kristiansund Häuser

SAM_0905AtlantikroadSAM_0912Atlantiroad2
Atlantic-Straße schönste Autofahrt der Welt, „Bauwerk des Jahrhunderts“ in Norwegen

SAM_0918Camping BudSAM_0922Fähre nach Alesund
Camp Bud                                                                                   Fähre nach Alesund

SAM_0929Alesund Aussicht SAM_0924Alesund
Alesund Aussicht

SAM_0939Hausdach2 SAM_0932HausDach
Begrünte Dächer

SAM_0947Mandalen Camp SAM_0940MandalenBerg
Mandalen in den Bergen und Camp am Romsdalsfjörd

SAM_0976Trollstigen SAM_0984Trollstiegen2

Trollstiegen einer der bekanntesten Touristen-Strecken in Norwegen

SAM_0987Wasserfall SAM_0994Wasserfall2

Wasserfälle nahe Trollstiegen

SAM_0997Fähre SAM_1003Geiranger

Fähre nach Geiranger                                                           Geirangerfjord Weltnaturerbe

SAM_1017GeirangerStellplatz SAM_1036Geiranger2

Geiranger Stellplatz                                                               Geiranger Schiffsverkehr

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Geiranger Schiffsausflug                                                     Geiranger Dorf

SAM_1066Geiranger5 SAM_1075Schneeberg

Letzter Blick auf Geiranger                                                Letzter Gletscher

Oslo ist die teuerste Stadt der Welt (ohne Berücksichtigung der Mieten, dann wäre es New York), nach einem Preis- und Lohnvergleich einer Schweizer Bank. Oslo ist aber nicht gleichzeitig Spitzenreiter bei den Löhnen, so dass es zur teuersten Stadt wird. So gesehen bestätigt es unseren Eindruck, dass Norwegen, wie auch die anderen skandinavischen Länder sehr teuer im Vergleich zu Deutschland sind. Bei Lebensmitteln z.B. zahlen wir fast das Doppelte. Gefragt danach hören wir solche Antworten wie: „Einfach ist es nicht, man muss sich eben einrichten“. So viel zum Thema Wohlstand in diesen Ländern. Alles ist relativ. Am meisten fällt das Missverhältnis zwischen Lebenshaltungskosten und Lohn in den Schwellenländern auf, wie z.B. in der angolanische Hauptstadt Luanda (siehe hier im Blog-Teil Afrika). Finnland, Schweden und Norwegen gehören zu den zehn wohlhabendsten Nationen der Welt. Lt. Wohlstandsindex ist Deutschland seit 2008 auf den 14. Platz abgerutscht. Das Ranking ermittelt das britische Legatum Institute aus 89 Faktoren, wie Wirtschaft, soziales Kapital, Gesundheitssystem, Sicherheit usw..

SAM_1085 OsloCamp SAM_1087 OsloAussicht
Camp Oslo mit Blick auf Oslo

SAM_1092 OsloOper SAM_1105 OsloStraßenkünstler
Oslo Oper                                                             Oslo Stadt der Straßenkünstler

SAM_1102 OsloSchlossSAM_1099 SchlossWache
Oslo, Schloss und Wachablösung


Mittel- und Süd-Schweden

SAM_1112CampOrje SAM_1114CampVillingsberg
Camp Orje                                                          Camp Villingsberg

SAM_1118MoritzburgRomantik SAM_1119Moritzburg
Schloss Gripsholm, Inbegriff der Romantik

SAM_1142Stockholm SAM_1163StockholmCamp
Stockholm, Blick vom „Balkon“                                          und von der Brücke auf das Camp

SAM_1157StockholmSchloss SAM_1154StockholmWachablösung
Stockholm, Schloss und Wachablösung

SAM_1172 Norrköping SAM_1185 Kalmar Schloss
Norrköping                                                                              Kalmar Schloss

SAM_1194 Insel Öland  SAM_1197 Karlskrona
Von Öland nach Kalmar                                                      Karlskrona

SAM_1218Malmö2 SAM_1212 Malmö
Malmö                                                                  Malmö

SAM_1228 Malmö4Wahl SAM_1227Malmö3
Schweden wählt  eine rot-rot-grüne Mehrheit, wie hier in Malmö

SAM_1242 Malmö Sonnenuntergang SAM_1247 Fähre Warnemünde
Malmö Sonnenuntergang  hinter Kopenhagen           zurück in Warnemünde

SAM_1210Wie immer nach einer Reise verbleiben nur die schönen Erinnerungen an einige der vielen neuen Eindrücke.
Am Ort bleiben nur die Schatten unserer Selbst.

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ZwischenStop zu Hause

Georgia & Nikos (Web: thepinproject.blogspot.com) schrieben mir (Mail leicht gekürzt):
Georgia & NikosDear all, after 690 days on the roads of Africa, we arrived safely back home. In the 19.3.2014, we landed of Athens while our little trusty Suzuki arrived in a RORO ship from Israel. If someone would tell us that we would spend two years in Africa, experiencing so many different things and meeting so many different people, we would have thought that it was a weird joke. At the end, we must say that something divine and full of energy (most of the times this energy was positive), gave to any decision and any unexpected event, a reason to happen. This is the most important thing for us and we much appreciate all these moments mainly thanks to the people we met on our way. The Pin Project takes a break in Greece. At the same time, we make plans for the next step in Americas. We hope our dreams and footsteps will cross one day with each one of you.
Hallo Georgia & Nikos , willkommen zu Hause in Europa. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie es euch geht, nachdem ihr das fast Unglaubliche geschafft habt. Was bleibt sind Erinnerungen für das Leben. Aber eure Reise ist ja noch nicht zu Ende. Wie meine auch noch nicht. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder in Amerika, wie schon in Marokko und am Kap Agulhas. Aber zuerst fahre ich um die Ostsee. Es ist die Verlängerung der Afrikariese: vom Süd- zum Nord-Cap. Barbara hat dafür 2 Monate frei bekommen. Wenn ihr mal durch Deutschland fahrt, seid ihr herzlich willkommen.
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Bildungsreise

Heinz  schreibt am 1.9.2013 in seinem Blog über diesen Blog Afrikatrip:

Selten bin ich über einen Blog eines Reisenden gestolpert – der mit der Dokumentation seiner Reise auch die politische Situation derart beleuchtet und es schafft den Leser in eine kleine Bildungsreise zu entführen.
Man muss die Meinung des Autors nicht in allen Punkten teilen – aber das Lesen eröffnet eine andere Perspektive, verknüpft das (Mit-)Reiseerlebnis mit einem stillen Diskurs.

http://www.4x4tripping.com/2013/09/afrikatrip-nicht-nur-eine-afrika.html

Hallo Heinz, danke für das Kompliment. Dass meine politische Meinung  nicht in allem Punkten geteilt wird, war zu erwarten. Deine Seite 4x4tripping ist für jeden Traveller sehr informativ. Dort  bin ich auch auf dieses Video gestoßen: http://www.youtube.com/watch?v=kkq8YtGG6gI&feature=player_embedded . Es beschreibt sehr eindrucksvoll die Schlammschlacht der Tracker, die ihre „normale“ Fracht auf normalen „Straßen“ transportieren. Hier von Lumbumbashi nach Kinshasa. Aus geplanten 4 Tagen wurden 2 Wochen. Die machen das vielleicht ein paar mal im Jahr. Ich bekomme wieder Herzklopfen, nur wenn ich an meine Schlammschlachten denke, die ich an den Grenzen von Nigeria nach Kamerun, oder von Kenia nach Äthiopien erlebt habe. Ohne die Hilfe der Einheimischen (die ich zum Teil aber auch teuer bezahlt habe), hätte ich dort nie wieder rausgefunden (allein und ohne 4×4). In Kinshasa habe ich einen Busfahrer kennengelernt, der einen Bus zum Verkauf nach Lumbumbashi bringen wollte. Er ist die südliche Route über Angola gefahren, weil die „Straße“ in der DR Kongo teilweise nicht befahrbar ist, zumindest nicht für ein Bus. Außerdem habe ich auf meiner Tour den Traveller Uwe in Kinshasa kennengelernt, der sich mit seinem VW einen großen Teil der Strecke ab Lumbumbashi abschleppen lassen musste. Uwe ist immer noch in Afrika, schreibt aber leider keinen Blog.

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Europa zurück 2.6. – 20.6.2013

Griechenland 2.6.2013
Von der Fähre fahre ich durch Athen und von dort aber direkt auf dem freien Stellplatz 50 km nördlich von Athen bei Nea Palatia, am Mittelmeer. Nachts werde ich geweckt, weil das Auto schaukelt. Aber ich bin zu müde, um auszusteigen und nach dem Rechten zu sehen. Sonst war die Nacht ruhig und ich kann wie immer gut schlafen, in meinem kleinen Apartment. Am nächsten Tag stelle ich einige Kilometer weiter fest, dass mir 2 kleine Riemchen fehlen, die die Räder vom Fahrrad halten. Also war es doch kein großer Hund, der an meinem Auto rüttelte. Bei dieser kleinen Begebenheit fällt mir ein Gespräch mit einem „erfahrenen Weltreisenden“ ein, der mich vor Afrika warnte, weil dort vor allem Kinder an „allem herumdrehen“.  Ich mache diese Erfahrung nicht in Afrika, sondern erst in Europa.

NeaPalitia149

In Stylida, nahe dem Campingplatz am Mittelmeer östlich der kleinen Stadt, nehme ich mir Zeit die weitere Strecke zu planen. Ich fahre westlich ins Landesinnere nach Kalambaka.  Damit ist auch die nächste Entscheidung naheliegend, nicht die kürzere Schnellstraße über Serbien zu nehmen, sondern weiter in westliche Richtung an der Adria-Küste entlang zu fahren

Stylida152  Stylida153

Am Morgen nach der Übernachtung auf dem Campingplatz Philoxenia bei Kalambaka erlebe ich eine böse Überraschung: Das Auto startet nicht, die Batterien sind leer. Hilfe ist sofort da, aber die Batterien müssen aus der nächsten größeren Stadt mit einem Aufpreis beschafft werden. Das dauert. Also nehme ich das Fahrrad und besuche die schwebenden Klöster von Meteora (Weltkulturerbe, für die Griechen das 8.Weltwunder). Die Rundtour beträgt zwar nur etwa 15 km, aber mit 400 m Höhenunterschied und mit einem alles andere als fahrtüchtigem Fahrrad. Für mich ist es ein kleiner Ausgleich zum Velothon, dem Fahrradrennen in Berlin, an dem jeder teilnehmen kann, nur ich dieses Jahr wieder nicht. Die Fahrt durch die Sandsteinfelsen, die grandiose Aussicht und der Blick auf die Klöster entschädigt für die Anstrengung. Gegenwärtig sind noch 6 Klöster erhalten und bewohnt, davon vier mit Mönchen und zwei mit Nonnen. Bis weit ins 20. Jahrhundert mussten die Mönche mit Strickleitern hochklettern, heute haben sie z.T. eine kleine Seilbahn (Pater-Noster). Dort übernachte ich auf einem freien Standplatz an der Burg. Aber ich fahre nicht in den Himmel und stehe am nächsten Morgen immer noch dort.

Meteora177  IchFahrrad198

Meteora164  Meteora162

Meteora193  Seilbahn188

Metedoa185 HinterMeteora219

Der  Campingplatz Limnopoula in Ioenia am See ist die letzte Station in Griechenland.

LimnopoulaCamp am See220

Albanien 9.6.13
In Albanien sind Campingplätze erst im Entstehen. Ich finde das Camp Paemer am Mittelmeer südlich von Dorres.

AlbanienCampPaemer222  AlbanienCamp Paemer223

Von der Burg Razafa in Shkoder bekommt man den nötigen Überblick und kann über die Stadt und den See bis zum Camp Resort am Lake Shkodra nördlich der Stadt schauen.

AlbanienShkoders233  AlbanienCamp225

Montenegro 11.6.13
Die kurze Küstenstraße am Mittelmeer in Montenegro ist mindestens genau so herrlich, wie die in Kroatien. Vielleicht noch ein wenig eindrucksvoller, da die Küste geprägt ist von vielen Buchten mit kleinen bebauten Inseln. Ich übernachte auf einem freien Platz neben dem Camp Donji Morinj.

Bar Montenegro240  Montenegro246

Kroatien 12.6.13
Kroatien ist ein Urlaubsland, in dem die Infrastruktur für Camper sehr gut entwickelt ist. Und die Altstadt von Dubrovnik. ist eine Perle an der Adria (UNESKO Weltkulturerbe).

Dubrovnik256  Dubrovnik273

Dubrovnik270  Dubrovnik264

Auf dem nicht so überlaufenen und naturbelassenen Camp Pod Maslinom in Orasac, 11km nordwestlich von Dubrovnik, sitze ich mit Blick aufs Meer unter Oliven Bäumen, bei Staropramen und Grill-Würstchen.

CampMasliam289  Camp Maslinam286

Bosnien-Herzegowina 12.6.13
Die Fahrt an der Küstenstraße ist hinter Dubrovnik durch 2 Grenzübergangsstellen unterbrochen. Aber Transitreisende durch Bosnien-Herzegowina haben auf den etwa 10 km nur kurz eine Passkontrolle über sich ergehen zu lassen.
In Griechenland habe ich vergessen Euro zu bunkern. Auf meiner Route durch Europa sind nur Zypern, Griechenland und Slowakei EU-Mitglieder mit € als gesetzliche Währung (€-Zone). Ungarn und Tschechien sind ebenfalls EU-Mitglieder, aber mit freiem Wechselkurs zum €, d.h. mit eigener Währung. Nicht EU-Mitglieder mit eigener Währung sind Albanien, Kroatien und Slowakei. Mazedonien und Bosnien-Herzegowina sind auch keine EU-Mitglieder, Erstere nutzen aber den € als Landeswährung („unilaterale Fremdwährung“) und Zweite haben eine eigene Währung mit festem Wechselkurs zum €. Kroatien kann nach Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedsländer am 1. Juli 2013 der 28. Mitgliedstaat werden. Mazedonien und Montenegro sind Beitrittskandidaten, Albanien und Bosnien Herzegowina sind potentielle Beitrittskandidaten. Ein wenig Chaos. Hier scheint mir ein kleiner Rückblick in die jüngste politische Vergangenheit angebracht, auch zu meiner eigenen Verständigung (s. politische Reise „Jogoslwien und die NATO“).
Die vielen Grenzen, die heute zu überwinden sind, stellen sich für europäische Touristen nicht als Problem dar. In den Ländern mit eigener Währung kann € getauscht, z.T. mit € eingekauft, oder Landeswährung am ATM abgehoben werden. Ansonsten sind auf der Route durch das zerfallene Jugoslawien keine Visa erforderlich und es fallen auch keine Gebühren an den Grenzen an. In Griechenland und Kroatien sind für mich umgerechnet etwa“ nur“ 50,- € Maut-Gebühren angefallen, da ich weite Strecken nicht die schnellen Maut-Straßen genutzt habe.

Vor und nach dem Camp in der Stadt Voice noch ein letzter Blick auf die glitzernde Adria Kroatiens mit den mehr als 1.100 Inseln. Abschied von der mediterranen Landschaft und mittelalterlichen Städten, sowie den tiefgrünen Wäldern mit duftenden Pinien, den abgeschiedenen Buchten mit sauberen Kiesstränden und dem wohl klarsten Wasser im Mittelmeer. Istrien (die neue Toskana) kann ich auslassen, dort habe ich vor Jahren mal Inselhüpfen gemacht. D.h. ich bin mit dem Fahrrad von einer Insel auf die andere gefahren.

Bosnien296  Bosnien291

Ungarn 15.6.13
Nahe dem Camp Termal in Zulakaros, kurz vor dem Balaton, wird getanzt.

Ungarn303  Ungarn305

Am nördlichen Ufer des Balaton mache ich noch mal Station auf den gepflegten Camps nahe der Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Vonyarcvashegy, sowie bei Alsoörs auf dem Camp Europa. Ich lasse es mir nicht nehmen, das Afrika-Museum zu besuchen. Hätte ich auch sein lassen können, weil es den Namen nicht verdient hat. Es ist mehr eine Ausstellung eines ungarischen Sammlers und Jägers, der in Tansania ab 1958 im Auftrag von westdeutschen Tiergärten als Wildfänger seinen Unterhalt verdient hat.

Balaton306  Balaton Jagd310

Die allerletzte Station auf der Rückreise ist in Prag. Vom Camp Dana Troja aus mache ich die letzte Fahrradtour durch die Stadt.

Prag330  Prag318

ENDE :

s. Auswertung, Statistik (in Arbeit)

Geplante und gefahrene Route durch:
Griechenland, Albanien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn, Österreich, Slowakei, Tschechien, Berlin.

Griech-Berlin   Europa übe Adria

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Israel 18.5. – 30.5.2013

30 Länder habe ich bisher auf dieser Tour besucht, 30 mal die Grenze gewechselt. Das Schärfste habe ich mir zum Schluss aufgespart: An der israelischen Grenze ist der komplette Inhalt des Autos auszuräumen und durch den Scanner zu schleusen. Aber die Prozedur hatten wir vor 2 Jahren hier schon mal durch, war also keine Überraschung. Nach 2 Stunden war alles erledigt, da ich mich vorbereitet hatte. Auf jordanischer Seite waren noch mal 35,-JD fällig, und für Israel noch mal knapp 100,- € umgerechnet für die Auto-Versicherung fällig. Wegen der vielen Stempel im Pass werde ich im Hochsicherheitstrakt noch interviewt, und muss solche Fragen beantworten wie, was ich im Iran und in Syrien vor 2 Jahre zu suchen hatte. Da gibt es nicht viel zu erklären, ich bin Tourist und das ist Teil 2 meiner Weltreise.
Gleich hinter der Grenze liegt Elat. Ich stelle mich zwischen Aqaba und Elat ans Rote Meer.

Eilat DSCF0008  Kibbuz DSCF0009

Hier muss ich die Frage klären, wie ich zurück nach Europa komme? Die Möglichkeit auf dem Landweg durch Libanon und Syrien zu fahren scheitert nur daran, dass Libanon keine Einreise von Israel aus gestattet, so die Antwort der libanesischen Botschaft in Berlin. Die Durchfahrt durch Syrien an der Küste entlang zur Türkei wäre wahrscheinlich nicht das Problem, da dieses Gebiet, in dem vor allem die Religionsgemeinschaft der Alawiten lebt, von Assad kontrolliert wird, der zunehmend in dem Bürgerkrieg an Hoheit zurückgewinnt. Auch der Landweg über Libyen schied von vornherein wegen ungeklärter staatlicher Verhältnisse aus. Für beide Wege bekommt man wohl auch kein Visum. Also werde ich die Fähre nehmen müssen, um Europa zu erreichen. Nach unseren Recherchen gibt es folgende Möglichkeiten mit einer RoRo- Fähre ab Israel:

  1. Haifa – Iskenderun (Türkei),          660,-USD, Elif Göndem von Clipper Shipping, Fähre SISA.
  2. Ashdod – Monfalcone (Italien) , 1.600,-€, Manfred Franz von Mafratours, Fähre Grimaldi.
  3. Ashdod – Salerno (Italien),         1.025,-€*, Richard Hellyer von Pathfinder , Fähre Grimaldi.
  4. Haifa – Lavrio (Griechenland),   1.310,-€, Alicia Rozner von A. Rosenfeld Shipping, Fähre Salamis Lines.

Da ich Griechenland noch nicht kenne, tendiere ich zur letzten Variante. Außerdem ist Salamis Lines unkompliziert bei der Reservierung. Während Clipper Shipping 3 Wochen Vorlaufzeit voraussetzt, genügt bei Rosenfeld Shipping auch 1 Woche. Im Preis für die Fähre nach Griechenland (1.020,-€) sind die Hafengebühren in Lavrino enthalten. Die für Haifa kommen noch hinzu und sind mit rd. 290,-€ doch recht happig. *Ich nehme an, dass die bei Salemo auch noch hinzukommen. Wie ich im Nachhinein höre, soll die Fähre nach Iskenderun ganz weggefallen sein.
Aber bis zur Abfahrt der Fähre habe ich noch ein paar Tage Zeit, mir Israel anzusehen. Zuerst fahre ich vom Roten-an das Mittel-Meer, durch die Nagev-Wüste, vorbei an einem Kibbuz – Dorf und durch den Ramon Krater. Ein Museum erinnert dort auch an den israelischen Astronauten Ilan Ramon, der bei einer Columbia-Mission ums Leben kam. Er war einer der Piloten der israelischen Luftwaffe, der beim Angriff gegen den Iran beteiligt war.
In Ashdod gehe ich erst mal baden und beobachte bei untergehender Sonne ein jüdisches Hochzeitspaar. Südlich von Ashdod stelle ich mich auf einen Campingplatz, direkt ans Meer. Hier sind es „nur“ noch 30 Grad im Schatten, die große Hitze ist überstanden.

Ramon Crater DSCF0014  Hochzeit DSCF0020

Auffallend in Ashdod sind die vielen russischen Läden. Russischsprachige Juden sind momentan die größte Minderheit in Israel.
In Israel unterwegs sein, heißt auf den Spuren von Jesus zu sein. In der Old City von Jerusalem befinden sich gleich 3 religiöse Heiligtümer, die der Christen, der Moslems und der Juden. Israel das Land der Bibel, des Glaubens und Wiege der monotheistischen Religionen. Vor etwa 2.000 Jahren prägte hier die Geburt Jesus die menschliche Geschichte.

Jerusalem DSCF0026Vom Ölberg, bietet sich das Panorama auf die Altstadt Jerusalems mit der vergoldeten Kuppel des Felsendoms.
Zwischen Europa und Afrika war dieses strategisch wichtige Gebiet stets umkämpft. Etwa 1.000 Jahre vor Christus wurde in Jerusalem der erste Tempel der Christen errichtet und mehrmals zerstört. 632 wurde Jerusalem von den Moslems erobert. Sie bauten den heutigen Tempeldom über den Tempel der Christen, von dem nur die Klagemauer westlich des Tempelberges übrig bleib.

Jerusalem DSCF0058  Jerusalem DSCF0057

Heute ist die Westmauer der Wallfahrtsort der Christen, wo sie die Zerstörung ihres Tempels beklagen, und Zettel mit Wünschen hinterlassen, Dankgebete und Wünsche für eine glückliche Ehe, für ein gutes Geschäft, eine gelungene Prüfung, oder auch um geheilt zu werden. Selbst Atheisten haben dort Zutritt, auch ohne Kopfbedeckung. Es soll ein Ort der Religionsfreiheit sein. Der neue Papst hält sich an die biblische Botschaft, wonach jeder Mensch ein Ebenbild Gottes ist, Gläubige ebenso wie Ungläubige. D.h. die Religion hat nicht das Recht Ungläubige zu verurteilen, wie umgekehrt auch nicht.
Ich sehe den Heiligenschein über der Grabeskirche, aus der Jesus als Sohn Gottes auferstanden sein soll.

Jerusalem DSCF0049 Jerusalem DSCF0052

Der größte Teil der Historiker des neuen Testamentes nimmt an, dass Jesus von Nazareth tatsächlich existiert hat. In Jerusalem bekleidete er ein geistliches Amt. Für den, der nicht an Wunder glaubt, fängt mit dessen Auferstehung die Sage an.

Der Theologe Eugen Drewermann, der bekannteste Vertreter der Bibelexegese, sieht das sinngemäß so: Das kirchliche Dogma leitet aus Aussagen, die in der Geschichte des Menschen selbst ihre Begründung haben, die Wahrheit Gottes ab. Die Kirche als Institution maßt sich an, über das, was die in der Bibel niedergeschrieben ist, sich als Mittler zwischen Gott und den Menschen zu erheben.
Über der Klagemauer (der übriggebliebenen Stützmauer des Tempels der Christen) befindet sich das drittgrößte Heiligtum der Moslems, die El-Aqsa-Moscheee, dem Felsendom. Wie schon in Saudi Arabien habe ich als Nicht-Moslem keinen Zutritt. Der Tempel der Moslems wurde auf die Mauern des Tempels der Christen errichtet. Für die Moslems ist ihr Felsendom heilig, weil nach ihrer Tradition von hier aus Mohammed auf seiner geflügelten Stute in den Himmel fuhr. Mohammed war „nur“ Prophet, nicht Sohn Gottes, von dem gibt es für Moslems nur den Einen. Für die Juden wiederum ist es unmöglich zu glauben, dass Gott zulassen würde, dass sein Sohn gekreuzigt (hingerichtet) wird.
Vom Ölberg aus soll Jesus in den Himmel gefahren, und seine Mutter, die Jungfrau Maria in einen ewigen Schlaf gefallen sein. Das Wunder, eine Jungfrau Mutter werden zu lassen, konnte nur Gott selbst vollbringen, glauben die Christen.
Für einen Atheisten kann so eine Visite ins Allerheiligste Bildungslücken schließen, um sich z.B. Bilder mit biblischem Hintergrund zu erschließen, oder aus einer anderen Perspektive zu sehen.
Mir ist mein Fahrrad heilig. Inzwischen mehr ein Schrotthaufen, erfüllt es aber auch hier immer noch seinen Zweck.

Fahrrad DSCF0043  Jerusalem DSCF0044

Von der Ostseite des Ölbergs bietet sich auch ein Blick auf die Schattenseiten dieser Stadt und dieses Landes: Auf die Mauer mit der sich der jüdische Staat Israel gegen die Palästinenser abschottet. Eine Mauer, die zumindest rein äußerlich an die Berliner Mauer erinnert.

Jerusalem DSCF0035Mauer68

Jerusalem ist eine geteilte Stadt. Die Palästinensergebiete sind eingeschlossen und werden von der israelischen Besatzungsmacht bewacht. In Richtung Totes Meer passiere ich ohne Probleme die Grenzanlagen (Waffenstillstandslinie) und fahre durch das von Israel besetzte Westjordanland, welches von den Palästinensern zu 40% selbst verwaltet wird.
Das Jordantal ist mit 420 m unter dem Meeresspiegel die tiefste Stelle der Erde. Hier unten staut sich wieder die Hitze. Es gibt Pläne, nach denen das Tote Meer mit dem roten Meer durch eine Pipeline verbunden werden soll, um das Tote Meer mit Wasser nachzufüllen. Dagegen laufen Naturschützer Sturm.
Vor dem Toten Meer, welches wir bereits von der jordanischen Seite aus gesehen haben (s. www.asien.blogger.de ), biege ich zum See Galilee ab. Am Berg, wo Jesus seine Bergpredigt hielt, steht auch die Kirche der Seeligpreisungen. Die Bergpredigt ist einer der Gründe, warum einige Linke Christen sind, oder vielleicht auch umgekehrt.

Bergpredigt76   Kirche Seeligpreisung73

Hier hat Jesus von Nazareth als historische Person, einen großen Teil seines Lebens verbracht. Geboren wurde er in Betlehem (Weihnachten), ganz in der Nähe. In Jerusalem wurde er gekreuzigt und ist wiederauferstanden (Ostern) und zum Himmel gefahren (Himmelfahrt). Die Geburt Jesu und seien Fahrt zum Himmel wurde bestimmten Personen jeweils über Engel „verkündet“. War Jesus von Nazareth, soweit es ihn tatsächlich gab, bewusst, dass er Sohn Gottes war, oder wurde ihm das nachgesagt, also angedichtet?
Das Boot auf dem See Genezareth und Kirche der Apostel

ApostelKirche84  SeeGalilee71

In Haifa bezahle ich zuerst mein Ticket für die Fähre nach Europa und schaue mir dann noch die Stadt ein wenig an. Das Büro von A. Rosenfeld Shipping liegt unmittelbar am Gate 5, am Fuße des Berges Karmel. Die vergoldete Kuppel des Bahai-Tempels ist von persischen Gärten umgeben. Von ganz oben hat man einen herrlichen Blick auf die Stadt und den Hafen. Leider haben zerstreute Touristen, soweit sie nicht im Rudel mit dem Bus anreisen, kaum Zutritt, wegen fehlender Sicherheitskräfte!

Haifa89  Haifa96

Auch in Haifa steuere ich einen Standplatz an, direkt am Meer, allerdings unbewacht. In Jerusalem war es ein großer Parkplatz mitten in der Stadt, auf dem die Polizei spät abends meinen Pass sehen will um mir dann eine gute Nacht zu wünschen. In Israel kennt man leider keine Campingplätze für Campingautos, nur für Zelte. Auch Hotels findet man nicht, die einen Car-Camper akzeptieren würden. Aber es ist kein Problem und es besteht auch keine Gefahr, öffentliche Plätze zu nutzen. Findet man einen ruhigen Platz, kann man in Frieden schlafen. Oft findet man in der Nähe solcher zentralen Plätze in der Stadt auch eine Toilette. Aber ein öffentlicher Platz bleibt immer ein öffentlicher Platz, mit all seinen Nachteilen. Die Interessen von Nachtschwärmern kollidieren mit denen, die nachts Ruhe suchen. Freies Internet zu finden, ist dagegen in Israel überhaupt kein Problem, das gibt es z.T. auch auf den öffentlichen Plätzen.  An Erreichbarkeit und Schnelligkeit des Internets war auf der gesamten Reise Israel Spitze.
In Haifa fährt unmittelbar von meinem Stellplatz am Meer eine Seilbahn zur Stella Maris.

Haifa101

  Haifa99

Haifa98

In Tel Aviv stelle ich mich auf einen Parkplatz direkt in der Altstadt von Jaffa, den ich mit Markus-Koordinaten schnell finde. Vor der Skyline der Neustadt befinden sich helle Sandstrände. Hier gab es bis kurz nach 1900 nur Palmen. Und die Stadt verspricht, was man ihr nachsagt: sie schläft nie.

TelAviv115  TelAviv107

Im Park der Altstadt beobachte ich wieder ein Hochzeitspaar und einen Rabbi.

TelAviv109  TelAviv105

Seefahrt 30.5.- 2.5.13

Wieder in Haifa zurück beginnt am Freitag um 15 Uhr die Einschiffung. Diesmal zwar keine Kontrolle des Fahrzeuges aber wieder endlose Fragen, wie: Warum und zu welchem Zweck in Israel, warum schon mal im Iran und in Syrien, warum vorher in Sudan und Saudi-Arabien gewesen, was ich dort wollte, ob ich Waffen mit mir führe usw. Außer mir sind nur noch 2 Passagiere auf dem Boot: Bram & Lore aus Belgien: www.offexploring.com/bramlore. Sie sind von Südafrika auf dem Weg nach Hause über Ägypten gefahren, steigen aber am nächsten Morgen in Zypern schon wieder aus. Sie haben an den ägyptischen Grenzen keine schlechten Erfahrungen machen können.

Fähre121  Fähre125

Mir gibt der Kapitän meinen Pass für eine Stippvisite mit dem Fahrrad in Limassol. In der Zeit werden einige LKW zugeladen. Ich mache auf Zypern, was ich ein Jahr nicht mehr gemacht habe: Ich lasse mir am ATM € auszahlen! Zypern ist geteilt, wie einst Deutschland. Mit dem Unterschied, dass sich an der Mauer in Zypern nicht zwei Machtblöcke gegenüberstehen, sondern „nur“ zwei Volksgruppen auf einer Insel. 1960 wurde Zypern von der britischen Kolonialherrschaft in die Unabhängigkeit entlassen. Weil sich die türkischen Zyprer nicht als Minderheit behandeln lassen wollten, spitzte sich der Konflikt der beiden Volksgruppen 1964 zu einem Bürgerkrieg zu. Als 1974 griechisches Militär gegen den zyprischen Präsidenten Makarios putschte, griff die Türkei militärisch ein und besetzte im Norden 37% des Territoriums Zyperns. Seitdem ist Limassol die Hauptstadt der griechischen Süd-Zyprer, und Nikosia die der türkischen Nord-Zyprer. Die letzte Volksabstimmung 2004 brachte noch keine Wiedervereinigung. Sie ist an den griechischen Zyprern gescheitert.
Zypern ist nach Griechenland, Spanien, Portugal und Italien ein weiterer Krisenherd im Süden Europas. Auch dort schrumpft die Industrieproduktion, bricht die Investitionstätigkeit ein und steigt die Arbeitslosigkeit. Nach der letzten Finanzkrise ist Süd-Zypern im Prinzip pleite.
Auf dem Schiff lädt der Kapitän mit seinen 1, Offizieren in zivil zum Grillen auf Deck, sowie auf die Brücke ein. Am nächsten Tag passieren wir gegen 19 Uhr Rhodos. Am Sonntag früh legen wir in Lavrio an. Nebenbei kuriere ich ein Infekt aus, den ich mir wahrscheinlich bei ständigem Wechsel zwischen Air Kondition und Hitze schon in Sudan zugezogen habe. Ansonsten genieße ich die 3 Tage und Nächte auf dem Schiff, bei voller Verpflegung und einem ruhigem Zimmer mit Meerblick. Ich lege eine große Strecke zurück, ohne mich selbst um das Fortkommen kümmern zu müssen. So spare ich 1.900 km, die ich hätte selber auf dem Landweg fahren müssen. Ich spare auch an Zeit, denn für diese Strecke hätte ich etwa 12 Tage gebraucht bis auf gleiche Höhe, wenn ich vom Durchschnitt der bisherigen Reise ausgehe. Ich spare aber nicht an Geld, denn für die 12 Tage hätte ich etwa nur 620,-€ ausgegeben. Auf dem Schiff zahle ich also mehr als das Doppelte, um 9 Tage zu sparen. Aber die Frage stand ja so nicht.

Cyprus136Rhodos141

Die Seefahrt war relativ ruhig, nur ein wenig Wind von vorn. Vorbei an Rhodos erreiche ich nach 3 Tagen das rettende Festland in Lavrio, Griechenland. Auch das Ausschiffen ging reibungslos, kein Visum, keine Immigration, kein Custom. Wäre echt schade um Europa, wenn es wegen ein paar Finanz-Zockern und ein paar regierenden Sparschweinen kaputt gehen würde.

Geplante und gefahrene Route in Israel

Israel

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Saudi Arabien, Jordanien 11.5. – 18.5.2013

Saudi-Arabien 11.5. – 13.5.13

Der Grenzübergang, bzw. das Ausschiffen in Jiddah zieht sich in die Länge, da die Autos vor Herausgabe durch den Zoll/ Custom müssen. Meine Aufkleber mit dem weißen Kreuz auf rotem Grund verursacht Rückfragen in Saudi Arabien. Warum, wird mir erst später klar. Die Saudis verwechseln jede Art von Kreuz mit einem christlichen. Das Rote Kreuz (die Umkehrung der Schweizer Flagge) hat das religiöse Empfinden der Soldaten im osmanischen Reich schon verletzt. Darum wurde an die Stelle des Roten Kreuzes der Rote Halbmond gesetzt. Ich muss mit dem Zollbeamten zu seinem Chef. Der scheint, wie es Chefs so an sich haben, die Situation etwas schneller zu erfassen und lässt mich laufen. Gegen 14 Uhr kann ich endlich weiter fahren. Die Warterei macht mich nervös, da ich ja für über 1.000 km nur Transit-Visum habe. Das ist wie ein Marschbefehl: Durchquere die Wüste in 3 Tagen. Wenn nicht, dann …….
Das sind die behördlichen Auflagen, die einem das Reisen vermiesen können. Wenn ich dann die Schlaumeier höre, dass das nun einmal zum Reisen dazu gehöre; das sind die Krönungen, die ich so liebe. Reisen sei doch dazu da, höre ich dann, um Land und Leute kennenzulernen. Stimmt, aber wie soll ich das tun in 3 Tagen?
Keine Ahnung, was passiert, wenn ich zu spät an der Grenze ankomme.  Will ich auch gar nicht wissen, aber ich muss es ernst nehmen, da ich schon zu viel schlechte Erfahrungen gemacht habe. Die kriegen es fertig und schicken mich zurück in die Hauptstadt, um das Visum zu verlängern. Die Straßen (6 bis 4-spuriger Asphalt, durchgehend) sind nicht das Problem, auch das Diesel ist spottbillig. Aber was ist wenn z.B. das Auto stehen bleibt?
Und wie ich so darüber nachsinne und „Km schruppe“ (sagt der Tracker so?) mit bis zu 140 Km/Std., fällt doch tatsächlich der Motor aus. Er springt aber noch mal an. Mr. Hiace, der auch viel schlucken musste, schafft es gerade so bis zum Radisson Blu Hotel in Yanbu. Da der Tank noch keine Reserve anzeigt, ist für mich klar: Ursache ist wieder, oder immer noch, schlechter Diesel, den ich zuletzt in Sudan getankt habe. Ich lasse mich auf den Hotel-Parkplatz schieben und der Manager hat auch nichts dagegen, dass ich dort im Auto übernachte. Ich gehe noch in die Sauna (seit einem Jahr mal wieder) und in den Pool. Am Morgen springt der Motor noch mal an, die Toyota Werkstatt ist nicht weit. Aber die weisen mich ab mit der Begründung, dass deutsche Fahrzeuge nicht in ihre Werkstatt dürfen und dass der Toyota-Typ in Saudi nicht in ihrem Sortiment sei, also sie dafür keine Technik und Ersatzteile hätten. Das ist die Höhe! Ich suche also eine kleine Werkstatt, d.h. ich bin auf freundliche Menschen angewiesen, die mich dort hin schleppen. Nach dem 3. Anlauf finde ich eine Diesel-Mechanik-Werkstatt. Aber inzwischen ist es 14 Uhr, Allah ruft und das Werkzeug wird fallen gelassen, bis halb vor Fünf. Aber der Meister scheint Profi zu sein. Nicht lange und er hat die Ursache gefunden: Kein Benzin im Tank!! Oh wie peinlich. D.h. die Tankanzeige ist bei den letzten Reparaturen verstellt worden. Ich höre schon die Schlaumeier: Man hätte ja mal tanken können. Habe ich aber ganz bewusst nicht, weil ich davon ausging, dass der Tank wieder geleert werden muss.  Aber letztendlich bin ich froh, dass ich nach dem Tanken weiterfahren kann und so billig davon gekommen bin. Der Meister will kein Geld! Das muss ich ihn aufdrängeln, verkehrte Welt. Weit komme ich an dem Tag nicht mehr, nur bis Al Wajh und stelle mich dort vor ein Apartment direkt vor dem Roten Meer. Für die letzten 800 km habe ich am nächsten Tag noch genug Zeit und bin rechtzeitig an der jordanischen Grenze hinter Haql. Die Saudis sind gut sortiert, es geht schnell. Auf der jordanischen Seite geht es durcheinander und es sind umgerechnet noch mal fast 100,-€ für die Auto-Versicherung fällig, gültig für 1 Monat, obwohl ich nur 7 Tage lt. Visum habe. Diskussionen werden nicht zugelassen. In Aqaba stellt sich das beruhigende Gefühl ein, hier schon mal gewesen zu sein, also nach Hause kann es nicht mehr weit sein. In Aqaba kreuzen sich die Wege der Asienreise (www.asien.blogger.de) vor 2 Jahren mit der Afrikareise.

Jordanien 13.5. – 18.5.13
Auf dem Bedouin Moon Village, 11 km südlich von Aqaba, lasse ich mich nieder. Und dann ist Schnorcheln angesagt, mit Sebastian + Martin, die hier her geflogen sind und Jordanien mit dem Mietwagen erkundet haben (Petra, Wadi Rum usw.). Wir waren vor 2 Jahren schon dort und ich habe in Aqaba meinen Tauchschein gemacht. Unter Wasser eine Welt wie im großen Aquarium: Fische zum Anfassen im Roten Meer am Korallenriff.

schnorchel DSCI0056  Schnorchel2 DSCI0079

Schnorchel3 DSCI0066  Schnorchel4 DSCI0111

Schnorchel6 DSCI0127  Schnorchel 5 DSCI0082

Ansonsten nutze ich die 7 Tage, die ich laut Visum habe, zum Faulenzen. Der Stellplatz selbst hat keinen Schatten, aber am Pool oder im Roten Meer kann man es aushalten. Dann muss ich durch den Hochsicherheitstrakt der israelischen Grenze, die im Länderviereck von Jordanien, Israel, Saudi und Ägypten nicht weit entfernt ist.

Route Saudi, Jordanien

     Saudi

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Sudan 19.4. – 11.5.2013

Der Grenzübergang Äthiopien – Sudan bei Metema ist relativ schnell abgewickelt. Lediglich ein geringes Entgelt ist für die Immigration auf der sudanesischen Seite fällig. Camp-Sites gibt es auch hier keine. In Al-Cadarif sind auch die Hotels nicht auf Camper eingerichtet. Also beschließe ich, schon spät abends, die Nacht durchzufahren. Ein Halt auf offener Strecke bietet sich auf einem LKW- Stellplatz, um ein wenig zu schlafen. Ein alter Mann legt sich auf seinem Bettgestell gleich neben dem Auto und erwartet natürlich ein Entgelt für seine Bewachung.
In Karthum gibt es nach meiner Kenntnis 2 Camps. Den Blue Nile Sailing Club im Norden am blauen Nil und das Camp International im Süden der Stadt. Beide sind nicht sehr schön und eigentlich keine Car-Camps. Aber der im Norden verlangt 10 Dollar in harter Währung, obwohl es mehr ein Parkplatz ist. Und dann merke ich, dass ich in eine böse Falle getappt bin. Es gibt zwar eine Menge ATM (Bankomat), die akzeptieren aber keine Visa -Karten. Zum Glück hatte ich noch ein paar Dollar in Äthiopien gebunkert und ein Rest an Birr in sudanesische Pound an der Grenze getauscht. Die hin und her Rechnerei macht einen kirre. Ich hätte auf die Schlepper an der Grenze hören und noch mehr Dollar tauschen sollen.
In der Wall-Waha-Mall im Zentrum der Stadt gibt es air condition und kalte Softdrinks. Dort bereite ich die Heimreise vor. Die Variante über Wadi Halfa (Ägypten) mit der Fähre habe ich verworfen. Die Brücke ist noch nicht fertig, d.h. der Landweg nach Ägypten noch nicht durchgängig möglich, hat mir ein Reisebüro in Karthum Midhat.Sudan@gmail.com bestätigt. Es gibt zwar eine kurze Strecke direkt über den aufgestauten Nil mit Ponton-Fähre, aber wohl zum doppelten Preis. Außerdem habe ich auch keine Lust auf Grenz-Stress mit ägyptischen Behörden und Schleppern. Eine Verschiffung Port Sudan – Mersin habe ich auch verworfen, da zu den Fähr- noch die Flugkosten kommen (rd. 2.000,-USD zusammen), und ich lange auf das Auto warten müsste. Hatte auch die Variante über Saudi nach Dubai im Auge, aber von dort müsste ich wieder mit der Fähre nach Iran, um nicht über Irak zu müssen. Über Ägypten oder Dubai hätte ich mir auch eine Verlängerung meines Carnet de Passage aus Deutschland holen müssen. Habe mich daher entschlossen die RoRo-Fähre Port Sudan – Jiddah (Saudi Arabien) zu nehmen. Für Saudi-Arabien erhält man lediglich ein 3-Tage-Transitvisum. Die Saudis heißen Mekka-Touristen willkommen, andere sind nicht gern gesehen. Wer mit Frau einreist, muss mit dieser verheiratet sein. Von Aqaba (Jordanien) fahre ich rüber nach Eilat (Israel). Dann mit der RoRo-Fähre von Haifa nach Iskenderun (Türkei), oder nach Italien, um Syrien zu umgehen. Dann über Bulgarien, Serbien, Ungarn, Tschechei zurück nach Berlin. So der Plan.
Sudan ist eine Islamische Republik mit einer Militärregierung. Staatsreligion ist der Islam und es gilt die Scharia. Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Die Oppositionsparteien boykottieren die Wahlen. In den USA gilt der Sudan seit Osama bin Laden, der 1991 in den Sudan floh, als Terrorstaat. Bin Laden investierte 50 Millionen USDollar, unter anderem finanzierte er die Straße von Khartum nach Port Sudan im Osten des Landes. Die USA verhängte ein Embargo, an dem auch Barak Obama festhält. Durch die Sanktionen ist Sudan der Weg zu multilateralen Krediten beim Internationalen Währungsfonds und Weltbank verbaut. Zudem boimbardierten US-Kampfflugzeuge im August 1998 die asch-Schifa-Arzneimittelfabrik in der Nähe von Khartum wegen angeblicher Verwicklung in Chemiewaffenproduktion. Der Internationale Gerichtshof (ICC) stellte 2009 einen Haftbefehl gegen Präsident al-Bashir (zum ersten mal gegen ein Staatsoberhaupt überhaupt) wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Darfur aus. 13 Ethnien leben in Darfur, die größten sind die Fur, die Massalit und die Zaghawa. Eine schwer überschaubare Zahl von Milizen und Rebellengruppen kämpft gegeneinander und die sudanesische Armee mischt kräftig mit. Seit dem Doha-Dokument vom März 2012 ebbt der Konflikt ab. Inzwischen steht Sudan für Stabilität in einer Krisenregion, was von den USA aber bisher nicht honoriert wird.
Daher ist das Verhältnis Sudans zum Westen also mehr als gespannt. Daher funktioniert auch keine Visa-Karte bei den Banken, und der Aufenthalt ist auf 14 Tage beschränkt. Ich muss mir also als erstes Geld aus Deutschland schicken lassen, was über Western Union funktioniert. Dann fahre ich zur Botschaft der Saudis. Die verlangen zuerst ein Visum für das Folgeland (also Jordanien), sowie eine Empfehlung der deutschen Botschaft. Also ziehe ich unverrichteter Dinge wieder los und suche die deutsche Botschaft. Die aber ist abgebrannt. Nach dem Anti-Schmähvideo von Fanatikern im Oktober 2012 wurde die Botschaft wie die amerikanische von ebensolchen Fanatikern gestürmt. Auch die Botschaft Jordaniens ist nicht dort, wo sie auf meiner digitalen Karte zu finden ist. Der Weg dorthin wird zur Odyssee, weil es keinen Stadtplan, kaum Straßenschilder und keine Straßennummern gibt. Selbst Googl-Map findet keine Ortsangaben. Hat man sich mal eine Adresse auf Arabisch aufschreiben lassen, können selbst Taxifahrer keine Auskunft geben.
Hinzu kommt, dass Khartum eine der heißesten Metropolen der Welt ist. Die Temperatur beträgt im Mai durchschnittlich! 42° (Nachts 27°). Die Luft ist trocken (Luftfeuchtigkeit 14%!) und heiß. Heiß hat für mich jetzt einen neuen Ort: Khartum. Holz schwindet ungewöhnlich, selbst Sperrholz um Zentimeter. Das Thermometer schlägt im Auto bei 60 Grad an. Meine dicke Entfernungs-Überbrückungs-Plastikkarte (mein Glücks- und Engelbringer) verbiegt sich auf dem Armaturenbrett wie Wachs. Da werden auch kleine Behördengänge zur Qual. Eine Versorgung mit Essen aus der Kühlbox im Auto ist nicht mehr möglich. Nachts liegt man schweißgebadet. Oh wie schön war die frische Luft in den Bergen von Äthiopien oder das kalte Wasser im Atlantik.
Meine Stimmung sinkt dem Tiefpunkt entgegen. Ich habe schon den halben Tank in der Stadt verfahren, aber zum Glück kostet der Liter Diesel hier nur 25 Cent. Bei so viel schlechter Energie kommt was kommen muss. Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit in der Western Union Ecke im Stadtzentrum nutzt ein Profi zum gezielten Handgriff: Navi und Kamera sind gestohlen aus dem Fahrerhaus! Die Warnung des Auswärtigen Amtes war insofern berechtigt: „Die Kriminalität in Khartum nimmt – auf für afrikanische Verhältnisse niedrigem Niveau – zu (insb. Einbrüche in KFZ)“.
Unweit der jordanischen Botschaft frage ich einen Einheimischen, der die Sorgen eines Ausländers erahnt, was hier ganz, ganz selten ist, und mich zur Botschaft Jordaniens begleitet. Anschließend hilft er mir noch beim Kauf einer sudanesischen Telefonkarte. Barbara schickt mir einen Engel und der stellvertretende deutsche Konsul eine Wege-Skizze, nachdem ich ihn dazu aufgefordert hatte. Unweit der deutschen Botschaft treffe ich zufällig einen deutschen Architekten und frage nach dem Weg. Als wenn wir uns schon lange kennen würden, hatte ich nach 3 Minuten eine Einladung zum Bier am Abend. Im ganzen Land gibt es kein Alkohol zu kaufen! Inzwischen kenne ich mich aus in der Stadt und finde auch ohne Navi sein Haus. Nach 2 Bier meint Bernd ich sehe schon etwas besser aus und solle mich erst einmal erholen. Ich bin Gast in seinem Haus und bekomme auch einen Schlüssel. Erstaunlich, auf was für tolle Menschen man auf so einer Reise trifft. Und wie der Zufall es so will, sucht der Architekt mit vielen Ideen und Objekten gerade Mitstreiter. Jedenfalls gibt es erst einmal eine Menge zu erzählen. Khartum ist wie ganz Afrika eine Goldgrube für Leute mit Ideen. Die Stadt ist noch im Entstehen und hat ein riesen Potential an Wachstumschancen. Der Westen hat den Zug nach Afrika verpasst. Auch hier haben die Chinesen das Rennen gemacht. China ist der wichtigste ausländische Investor im Sudan.
Ich schlafe gut in einem gekühlten Zimmer, und habe die nächsten Tage Zeit und sammle neue Kraft für Behördengänge. Für das Sudan-Immigration-Register sind 250,- Pound fällig. Zudem braucht man dafür einen Sponsor. Witziger weise meint der Beamte, sein Helfer könnte den Sponsor spielen. Macht er gerne und nimmt dafür 250,- Pound Da die 14 Tage im Sudan Visum schnell um sind, brauche ich eine Verlängerung: für 260,- Pound. Die deutsche Botschaft berechnet für die Verbalnote (Empfehlungsschreiben), die die Saudis verlangen, 175,- Pound. Der offizielle Umrechnungskurs beträgt 4,5 Pound auf 1 €, auf dem Schwarzmarkt erhält man bis zu 7,5 Pound. Durch das westliche Embargo besteht eine sehr hohe Nachfrage (Abhängigkeit) nach harter Währung. Das erinnert sehr an DDR-Zeiten.
Auf dem Dach des Goethe-Institutes schaue ich mir den neuen deutschen Film „Das Knistern der Zeit“ über Schlingensief und sein Operndorf in Burkina Faso an. Auf meiner Reise hatte ich ja Gelegenheit mir das Objekt selbst anzusehen. Ausländer benötigen außerhalb Khartums eine Reisegenehmigung. Ich bringe Bernd in die Stadt und er zeigt mir das Büro, wo ich ein travel permit bekomme.
Bernd lebt und arbeitet schon 5 Jahre hier. Sein Haus nahe am Zentrum steht offen für gern gesehene Besucher, so auch für mich. Ich lerne Ozcan kennen, der für Bernd arbeitet und mit mir zur Immigration geht. Er kennt auf jedem Amt eine Frau, die alles für ihn macht. Dann lerne ich dort noch Patric von der humanitären Hilfe der Schweiz kennen.
Bernds Arbeitsfeld erinnert mich an mein 1. und 2. Arbeitsleben. Allerdings wird hier inhaltlich vieles auf den Kopf gestellt. Ich versuche auszuhelfen und befasse mich mit der angelsächsischen Sicht der Bewertung von Immobilien und Investitionen, sowie mit dem Immobilien-Markt in Khartum, der noch nicht transparent ist. Vielleicht gibt es ja eine Fortsetzung?

Die Saudis, die die Büroarbeiten aus der Botschaft ausgelagert haben, brauchen viel Zeit für die Ausstellung meines Visums. Mal fehlt eine Originalunterschrift und dann ist es wieder Donnerstag und das islamische Wochenende beginnt. Zum Glück habe ich mir Zeit zum Verbleib erkauft und bin gut untergebracht, so dass mich das nicht sonderlich aufregt. 5 Tage bevor das Carnet de Passage ausläuft, bekomme ich Donnerstag 16 Uhr das Saudi-Visum. Ich fahre die Nacht durch und halte für einen kurzen Schlaf auf einem LKW-Parkplatz. Die Straße über Atbarah ist durchgängig asphaltiert. Um 9 Uhr erreiche ich die Hafenstadt Suakin und kaufe ein Ticket für die Baaboud-Fähre nach Jeddah: umgerechnet etwa 220,- € für 1 Person, PKW, Hafengebühr (in Pound: 425+1.005+235). Da die Fähre regelmäßig dienstags, freitags und sonntags fährt, braucht man vorher keinen Kontakt. Man muss auch nicht nach Port Sudan. Ich habe genug Zeit für die Formalitäten im Hafen. Die Abfertigung beginnt erst ab 12 Uhr und die Fähre legt erst gegen 18 ab. Nach stundenlangem Warten bin ich durch Immigration und Custom durch (ohne weitere Kosten). Ich habe keine Kabine und keine 1. Klasse gelöst, wäre auch der Einzige gewesen. Erst dachte ich, dass ich Platz habe auf dem schon etwas in die Jahre gekommenen Kahn. Aber er füllt sich bis auf den letzten Platz mit weiß bekittelten Moslems. Wahrscheinlich allesamt Wanderarbeiter. Auch die Gänge sind im wahrsten Sinne des Wortes belegt, man muss über zig Leibern steigen. Neben meinem Platz bildet sich eine Gruppe Kartenspieler, die das Spiel sehr ernst nehmen. Es wird laut, an Schlaf ist nicht zu denken. Ich suche mir zwischen den Gestellen abmontierter Sessel einen Schlafplatz auf dem Boden, bzw. auf meinem Laptop. Den mitzunehmen war keine gute Idee. Aber das Auto wurde auf den Kahn gefahren, und man hat keinen Zugang mehr zum Auto. Aber es gelingt mir, ein paar Stunden zu schlafen. War es die Müdigkeit, habe ich mich verändert, oder bin ich noch der Alte?
Wie ich so zwischen zig Muslime schlafe, geraten in Deutschland gerade wieder Islamhasser und verknöcherte konservative Islamisten aneinander. Letztere vertreten vielleicht 20% der Muslime. Die schweigende Mehrheit ist eher liberal und säkular eingestellt. Grade sie haben aber keine Interessenverbände, weil der Islam im Grunde keine Organisation kennt. Mit ihnen könnte man darüber reden, wie der Islam zur Weltlichkeit des Rechtsstaates, oder zum Pluralismus der Weltanschauungen, zur Demokratie, zur Stellung der Frauen in der Gesellschaft steht. Oder darüber, dass nichtmuslimische Minderheiten in muslimisch dominierten Ländern bis aufs Messer bekämpft werden. In den existierenden Verbänden sind eher die traditionell-orthodoxen Muslime organisiert. Mit denen kann man über solche Fragen nicht diskutieren. Die Muslime, die sich kritisch mit den Gottesbildern auseinanderzusetzen, und die die Gesetzestexte des Koran als zeitgebundene Texte bezeichnen, die in einem modernen Rechtsstaat einer zeitgemäßen Interpretation bedürfen, werden mundtot gemacht. Zumindest so die Situation in Deutschland, meint eine Abgeordnete der SPD mit muslimischen Glauben im deutschen Bundestag.

Gegen 8 Uhr morgens legen wir in Jeddah auf der arabischen Halbinsel an. Die Reise ist zwar noch nicht zu Ende, aber ich habe es geschafft: In einem Jahr auf dem Landweg rund um Afrika.

Route Sudan
SudanTrack+Route

Kategorien: Ost-Afrika, Reiseberichte | Schlagwörter: | 3 Kommentare

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