Reiseberichte

Zentralamerika ab 8.6.2019

Vom 26 Stock des Hard Rock Hotels in Panama City hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt mit seinen Wolkenkratzern, sowie auf die Altstadt. Viele der Wolkenkratzer gehören Banken, die hier legal Möglichkeiten zur Steuervermeidung für große Firmen, aber auch Geldwäsche anbieten. Bekannt wurden diese Praktiken durch ein Whistleblower, der die sog. Panama-Papers öffentlich machte. Die haben zwar 2016 eine öffentliche Debatte über Steuermoral ausgelöst, aber sonst blieb wie immer alles beim Alten. Die Personen, die in den Papieren genannt werden, lesen sich wie das How is How der Welt. Zu den Klienten gehören auch mehrere tausend Deutsche. Und Panama City ist nur eine Steueroase von über Hundert. Dabei geht es um 25 bis 30 Billionen Dollar privates Schwarzgeld! Zocker- oder Spielgeld, welches an der Wirtschaft vorbei in private Taschen fließt.

Fahrradtour in Panama City mit Sicht auf die beeindruckende Skyline, in die Altstadt, und zum Bio-Museum (der Artenvielfalt) und zur Einfahrt zum Panamakanal. Zur und von der Jahrhundertbrücke hat man einen Blick auf den Panamakanal. Hier bekommt man einen Eindruck von den Erd- und Felsmassen, die beim Kanalbau bewegt werden mussten.

Nachdem ich den Kanal voll hatte, ging es wieder die Pazifikküste entlang. Am Strand von Farallon gibt es einen Golfplatz mit Flugplatz. Ich stehe im anschließenden Fischerdorf mit Campern aus Österreich, Argentinien und Brasilien. Junge Leute, die schon länger hier umsonst stehen und dafür den Platz sauber halten. Hunde bewachen nachts den Platz sicher, wie das hier üblich ist. Dass die Madonna gleich neben den Mülltonnen steht, ist eher unüblich.
Las Lajas stehe ich direkt am Strand, den ich wie so oft hier, fast für mich allein habe.  Es ist Regenzeit und es regnet fast jeden Abend. Aber trotzdem fehlt es an Abkühlung. Nichts ist schlimmer, als nachts in der Schwüle zu schwitzen. Ich schlafe im offenen Auto unterm Moskitonetz, das ich wie in Afrika jeden Abend um die Matraze aufspanne.

IIn der Hoffnung auf Abkühlung fahre ich von David aus in die Berge nach Bajo Boquete, eine der bekanntesten Tourismusstädte Panamas, die wegen ihres angenehmen Klimas auch von europäischen und US-amerikanischen Auswanderern als Alterssitz gewählt wird. Die Kaffeebohnen Boquetes sollen die Besten des Landes sein.

Auf dem Weg nach Costa Rica mache ich ein Abstecher zu einem kleinen Canyon mit herrlich kaltem Badewasser.
Hinter der Grenze am Rio Tortuga übernachte ich im gleichnamgen Camp mit Pool. Das nächste Camp Swiss Palmgarden in Parrita wird von Inka und Jörg betrieben.  Das Schweizer Ehepaar ist seit etwa 5 Jahre hier und hat das Grundstück urbar gemacht. Ein Camp wie es sich Europäer vorstellen (nicht nur mit WC und Dusche, sondern auch mit Strom am Camper, Küche und kühlem Pool), wie man es hier nicht oft findet. Ich nehme mir Zeit für eine kleine Fahrradtor am Strand entlang.

Hinter La Cruz, kurz vor der Grenze nach Nicaragua stehe ich in der Finka Canas Castilla, die auch von einem Schweizer Paar, Agi und Guido, betrieben wird. Ihre Tochter ist hier geboren, zur Schule gegangen und macht jetzt ihren Master. Sie spricht deutsch und spanisch und einen nicht zu verstehenden schweizer Dialekt. Auf dem naturbelassenen Camp bekomme ich ohne Eintritt das besondere Naturerlebnis mit der Tierwelt. In dem kleinen Stausee vor dem Camp schwimmt ein Ast. Als ich frage, wo man ins Wasser kann, rät man mir ab. Der Ast ist ein Krokodil, was träge im Wasser schwebt. Manch ein Hund hat es schon erwischt. Braune Klammer- und  schwarze Brüllaffen schwingen sich in freier Wildnis in den Baumwipfeln über mein Camper. Das Faultier bekomme ich wegen Faulheit nicht zu Gesicht. Es liegt zusammengerollt auf einem Ast hoch oben. Die Affen gibts sogar zum fürstlichen Frühstück. Nein, nicht was ihr denkt: Die gibts zu sehen. Zumindest bei Menschenaffen gilt es inzwischen als ethisch fragwürdig, sie zu essen. Tierversuche an Menschenaffen sind in vielen Ländern gesetzlich verboten. Sie lachen und trauern, sie lügen und stehlen und lösen komplexe Aufgaben. Das Erbgut von Schimpansen stimmt mit dem des Menschen zu fast 99 Prozent überein. Bonobos z.B. sind dadurch bekannt, dass sie Sex zum Abbau sozialer Spannungen einsetzen und ähnlich wie Menschen gleichgeschlechtliche Kontakte pflegen. Deshalb wird von Wissenschaftlern gedordert, Menschenaffen Grundrechte zu gewähren, die bisher nur für Menschen gelten. Also: Das Recht auf Leben, der Schutz der individuellen Freiheit sowie die Garantie der körperlichen und psychischen Unversehrtheit. Noch zu Zeiten der Sklaverei herrschte die Meinung, Sklaven sind keine Menschen, sondern eine minderwertige Rasse, nur Besitz ihrer Eigentümer. Nach der Abschaffung der Sklaverei (gar nicht so lange her) sei es an der Zeit, den nächsten Schritt zu tun.

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Panamericana ab 27.2.2019

Von Barliloche geht es wieder über die Grenze nach Chile. Der Vulkan Lanin sticht mit seinen 3747 m und dem Gletscher aus der Landschaft hervor. Dagegen ist der Villarrica in Chile mit 2840 m eher bescheiden. Am pazifischen Feuerring (Vulkangürtel) entlang sind einige Vulkane noch aktiv.
Auf dem Weg nach Santiago steht man auf einem Stellplatz mit Wasserfall sehr angenehm. Das Rauschen des Wassers übertönt alle lästigen Geräusche.Kurz vor Santiago ist ein Stellplatz am Pool mitten unter Palmen. In Santiago selbst findet man keinen Stellplatz. Also muss ich mit einem Hotel vorlieb nehmen.

Santiago ist eine fahrradfreundliche Stadt. Also erobere ich die Stadt mit meinem Fahrrad. Am Präsidentenpalast (La Moneda) an dem vor einigen Jahren noch die Einschusslöcher des Militärputsches 1973 zu sehen waren, steht ein Denkmal für den sozialistischen Präsidenten Allende. Die USA hat sich damals massiv mit Geheimdienstoperationen in Chile eingemischt, mit dem Ziel, die linke Regierung in Chile zu destabilisieren und die Voraussetzungen für den Militärputsch am 11. September 1973 zu schaffen.
Das gleiche läuft gegenwärtig wieder in Venezuela ab. Wenn es dort noch zu keinem Putsch kam, dann weil das Militär in Venezuela, anders als unter Pinochet in Chile, noch auf der Seite des vom Volk gewählten Präsidenten steht.

Im Zusammenhang mit dem aktuellen Stromausfall in Venezuela streiten Regierung und Opposition über die Ursachen. Dass dieser Ausfall eine Cyberattacke der USA waren, dafür spricht der Zeitpunkt und die Tatsache, dass das Szenario eines anhaltenden Blackouts in Handbüchern für Regime Change beschrieben ist und auch vor dem Putsch gegen Salvador Allende in Chile 1973 Anwendung fand.
Pinochet und seine Militärdiktatur ermordete und folterte tausende Chilenen, vor allem Linke. Die USA haben sich an diesen zahllosen Menschrechtsverletzungen mitschuldig gemacht. Chile fand erst nach fast 30 Jahren zur Demokratie zurück. Das sollte man*frau nicht vergessen, die meinen, Chile sei unter Pinochet marktwirtschaftlich geöffnet und entwickelt worden. An die Zeit eines sozialistischen Präsidenten Allende erinnert nicht mehr viel in diesem Land.

Buntes Treiben in der Stadt, wie hier auf dem zentralen Plaza de Armas mit Musik oder Schachspiel. Zum Schach bin ich leider zu spät gekommen. Oder im Park mit Fahrrad über Kopf. Mit der Gondel- oder der Seilbahn kann man hoch hinaus und die Aussicht auf die Stadt genießen, soweit es der Dunst zulässt. Der Berg ist heilig und somit wird auf einem Schild auch eine angemessene Kleidung gefordert. Der Papst war auch schon mal da.
Unter der Überschrift „Wir begrüßen jede der Frauen, die ein besseres Land aufbauen“ setzen sich Studenten an der Universität in Santiago zum Frauentag für Gleichstellungsfragen ein, und für eine volle Beteiligung von Frauen in der Gesellschaft. Sie sehen den  8. März als Gedenktag, um daran zu erinnern, dass bei der Gleichstellung noch viel zu tun ist. Sicherlich noch viel mehr, als in entwickelten Industrienationen. Die Frauen in Berlin haben es da leichter. Seit diesem Jahr ist der 8. März in der Hauptstadt ein Feiertag, lt. Beschluss der Berliner Regierungskoalition aus SPD, Grüne und Linkspartei.

In Vina del Mar erreiche ich wieder das Meer, diesmal den Pazifik. An der Westküste Südamerikas ist auch wieder der Sonnenuntergang zu bewundern.

Zwischen Tongoy und Caldera liegt das La-Silla-Observatorium der ESO (Euopäische Südsternwarte), 2400 m hoch auf dem gleichnamigen Berg, neben dem Observatorium auf dem Cerro Paranal. Die schon in Jahre gekommenen Teleskope sind immer noch hochproduktiv im Entdecken von neuen Sternbildern. Man soll sich zur Besichtigung lange vorher anmelden. Ich habe Glück und kann mich ungeplant einer Gruppe mit 4 Fahrzeugen (dav. 3 Schweizer) anschließen. Von Null auf nix geht es auf eine Höhe von 2.400 m. Dort hat man einen faszinierenden Panoramablick auf die Berge der Atacama Wüste. Bei gutem Wetter bis zu 190 km. 300 Tage wolkenloser Himmel, sowie geringe Luft- und Lichtverschmutzung zeichnet den Standort aus. Im Observatorium arbeiten viele Nationen. Rassistisches Denken und Fremdenhass ist verpönt, wie einer Skizze an der Pinwand zu entnehmen ist.

In TalTal handle ich an der Rezeption der Hostelleria einen günstigen Preis für Toilettennutzung aus. Nebenan ein Standplatz auf dem Parkplatz mit Blick auf das Meer. Eine Unmenge von Möwen und sogar eine Robbe kann ich beim Frühstück vom Auto aus beobachten. Und ich habe Internet, um in Ruhe den Block zu vervollständigen.

Hinter Chanaral im Nationalpark Pan de Azucar liegt ein Camping, Platz inmitten der Natur bietet, direkt am Strand und das außerhalb der Ferienzeit kaum besucht ist.

Zwischen TalTal und Antofagasta liegt das Teleskop Very Large auf 2600m Höhe. Besichtigung ist nur Samstags nach wochenlanger vorheriger Reservierung im Internet möglich, wie ich unten an der Einfahrt erfahre. Daher begnüge ich mich diesmal  nur mit einem Blick von, obwohl Very Large höher  liegt und moderner ist, als das Teleskop auf La Silla.

In Antofagasta hält mich nichts auf. Ich stehe zwar auf einem Stellplatz mit Meerblick, aber der ist zu weit außerhalb der Stadt.

Auf dem Weg durch die Wüste sieht man schon von weitem eine Kette von Vulkanen und seltsame Linien im Wüstensand. Ausläufer der Nazca-Linien? Sicher nicht, aber dazu später. San Pedro, eine Oase in der Atacama-Wüste, erinnert auf den ersten Blick an Ballermann, zumindest was die vielen Touristen betrifft. Auch hier wird bis früh um 6 sinnlos geballert. Aber hier gibt es auch viel zu entdecken. Z.B. das Valle da la Luna (Tal des Mondes). Dort treffe ich auch viele deutsche Touristen: Ein Pärchen mit Fahrrad und 2 Kleinkindern, hinten auf dem Sattel. Sicher sehr anstrengend für alle. Und sehr mutig von den Eltern. Ein Pärchen auf dem Fahrrad, die sehr interessiert nach meinem Weg fragen. Ihre Eltern würden auch gerne noch so eine Reise machen wollen, lassen es aber wegen Bluthochdruck und künstlicher Hüfte lieber sein. Wenns danach ginge …. . Dann ist da noch eine Gruppe  angehender Geologen, die eine Exkursion an diesen für sie fachlich sehr spannenden Ort machen. Nicht zuletzt ist da noch ein Pärchen zu Fuß. Er bittet mich um Wasser, sie seien kurz vor dem verdursten. Ich fülle ihre Flasche und sie fällt ihm in den Arm, weil er Wasser organisiert hat. Na ja …. , aber ich bin ja gern rettenender Engel.

Massen an Touristen strömen auch zu den Geysiren. Wer kann, kann auch den nahe gelegenen Vulkan Licancabur bis auf 6000 m besteigen. Aber da wird die Luft sehr dünn und ab 4000 m sollte man nicht anfällig für die Höhenkrankheit sein. In der trockensten Wüste der Welt ist auch die Atmosphäre sehr trocken. Zudem wurde auf dem Krater die höchste UV-Strahlung auf der Erde gemessen. Astro-Touristen mit Bluthochdruck sollten daher Alma (Large Millimeter/Submillimeter Array) besser nicht besuchen), denn es liegt 5000 Meter über dem Meeresspiegel. Auf einem Hochplateau, unweit von San Pedro, formen sich 66 bewegliche Parabolantennen zu einem riesigen Auge für Radiowellen. Es besteht, wie bei Fliegen, aus vielen einzelnen Augen, die zu einem fast 360 Grad-Blick verhelfen. Astronomen eröffnet es einen tiefen Blick ins Universum: Sie sehen Galaxien aus der Frühzeit des Universums, aber auch Planeten im Embryonalzustand. Das Extremely Large Telescope, das größte (Radio-)Auge der Welt, ist im Bau und in Nordchile keine 500 Kilometer von Alma entfernt.

In der von San Pedro am nächsten liegenden Lagune in der Salzwüste sind zwar keine Flamingos zu sehen, aber man kann im Salzsee baden. Untergehen kann man bei dem hohen Salzgehalt nicht. Bei der sengenden Hitze eine willkommene Abkühlung. Die kommt auch nachts, da die Temperaturen extrem fallen.

In Iquique kommt mein Fahrrad wieder zum Einsatz. Auf dem Camp stehen Silke und Stefan, welche etwa den gleichen Weg haben. Die beiden sind mir sympathisch und es gibt eine Menge zu erzählen. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

Auf dem Weg von Iquique nach La Paz über Oruro geht es hoch über die Anden. Unterwegs sehe ich abseits von der Straße einen mir bekannten Camper. Und siehe da es sind Silke und Stefan, die ich in der Mittagsruhe störe. Auf einer Höhe von 3.260 m stehen wir mit herrlichem Ausblick auf einem freien Stellplatz in der Natur und genießen bei gekühltem Bier den Sonnenuntergang. In Ihrem gemütlichen Camper  lerne ich das Kartenspiel Skip-Bo. Der richtige Ort um noch größere Höhen langsam anzugehen.

Am nächsten Tag geht es über einen 4.340 m hohen Pass. Anzeichen für eine Höhenkrankheit stellt sich Gott sei Dank nicht ein. Vor der Grenze nach Bolivien führt eine Schotterpiste durch ein gespenstisch leeres Dorf mit Kirche vor schneebedeckten Bergen zu einem Stellplatz mit Therme in Caraguano bei Isluga in 3.915 m Höhe. Silke und Stefan stehen schon da.Am nächsten Tag sehen wir schon in der Frühe, dass eine Herde Lamas herangetrieben werden (oder sind es Guanakos, Alpaka oder Wikunias?). Wie wir erfahren, werden die Tiere nach der Regenzeit gewaschen, um sie vom Ungeziefer zu befreien. Gleichzeitig wird ein Tier ausgesondert und anschließend geschlachtet. Das ganze Dorf trifft sich auf dem Stellplatz zum Grillen. Mit der Ruhe ist es leider vorbei. Zuerst helfen wir die Herde zusammenzuhalten und beobachten aus der Nähe, wie die Tiere in einem kleinen Wasserkanal untergetaucht werden. Aber als es auch noch anfängt zu regnen, ziehen wir es vor zum nahen Grenzort Colohani zu fahren. Ich übernachte am Municipal mit WC.

Anderntags geht es nach Oruro. Silke und Stefan müssen noch bleiben, um einen Automechaniker zu suchen. Die faulen Grenzer hinter der Scheibe lassen mich ins Messer laufen. Ich muss sie darauf aufmerksam machen, dass ich mit Auto einreise. Wenn ich ohne Formular weitergefahren wäre, hätte sich das bei der Ausreise bitter gerächt.

Die Straße zwischen Iquique und Oruro ist zwar neu asphaltiert, aber es gibt noch keine Tankstellen. Im peruanischen Grenzort Pisiga Bolivar fehlt mir wiederum das nötige Cash, da man mit Karte nicht zahlen kann. Touristen zahlen etwa das 3-fache für Diesel, der sehr preiswert ist (aus der €-Sicht). Die LKW-Schlange in umgekehrte Richtung vor der chilenischen Grenze ist km lang.

Oruro ist eine quirlige Großstadt, leider ohne Stellplatz. Ich finde ein Hotel mitten in der Stadt und kann das Markttreiben unmittelbar vor dem Hotel beobachten. Die ganze Innenstadt ist ein Markt, alles spielt sich auf der Straße oder in den Markthallen ab. Größere Supermärkte oder gar Malls gibt es nicht. Auffallend gegenüber Brasilien, Argentinien und Chile ist der Wohlstand auf unterem Niveau, bzw. die mehr verbreitete Armut.
Als ich nach wenigen Tagen auf dem Weg zum größten Salzsee bin, holt mich im dichten Autoverkehr Stefan zu Fuß ein. Ich bleibe noch eine Nacht und erfahre beim Kartenspiel, dass der Salzsee kurz nach Ende der Regenzeit noch mit Wasser bedeckt ist. Am Rand des Salzsees könnte man sich zu dieser Zeit im größten Spiegel der Welt betrachten, aber ich ändere meine Route und fahre weiter auf der Route nach La Paz. Silke und Stefan wollen später noch über den Salzsee fahren. Unsere Wege trennen sich.

La Paz liegt in einem Kessel, dessen Rand auf einer Höhe von etwa 4100 m liegt. Die Stadt ist nicht nur der höchste Regierungssitz, bzw. Verwaltungshauptstadt, sondern auch die Stadt mit dem größten Seilbahnnetz (anstelle z.B. einer U-Bahn). Hauptstadt Boliviens ist Sucre. Für etwa 20 Boliviano (etwa 3,-€) kann man in Gondeln mit 11 Linien über die gesamte Stadt schweben. Dabei hat man eine spektakuläre Sicht auf die Stadt. Im Hintergrund ragen schneebedeckte Berge hervor. Der höchste davon ist der 6.438 hohe Illimani.
Gert (genannt Gustavo), zeigt mir die Stadt. Er ist Deutscher, der mit seinen Eltern nach Bolivien kam und jetzt in der Tourismusbranche arbeitet. Nebenbei arbeitet er für das Camp (Hotel Oberland) als Guide. Aufmerksame Zuhörer können von ihm viel über Land und Leute hören.
Am Hexenmarkt gibt es alles an Zubehör für okkulte Rituale, Opfergaben, Mittel für Potenzsteigerung oder gegen böse Nachbarn. Soger Lama-Föten, die unter einem Hausbau Glück bringen sollen. Überhaupt spielen ethisch-religiöse Haltungen, oder Aberglaube eine große Rolle. In der Schamanen-Straße, mit einem atemberaubenden Blick über La Paz, stehen am Abhang kleine Hütten dicht an dicht, in denen man sich von Schamanen z.B bei gesundheitlichen Problemen „beraten“ lassen kann. Gegenüber steht eine grün-weiße katholische Kirche in  ungewöhnlicher Architektur.

In der historischen Altstadt, in der die Unabhängigkeitsbewegung gegen die spanische Kolonialherren ihren Anfang nahm, erklärt uns eine indigene Frau in Cholitas-Kleidung, der typischen Nationaltracht, dass die Mode in den 20`ern aus Spanien kam. Die Hüte waren ursprünglich für Männer entworfen. Die Röcke sind schwer, weil sie sich in der Hüfte ausweiten. Außerdem ist eine starke Hüfte leider ein Zeichen für Fruchtbarkeit. Während man in Deutschland bei einem Einkommen etwa unter 1.100,-€ von einer „Armutsgefährdung“ spricht, liegt die Armutsgrenze in El Alto (Nachbarstadt von La Paz, der wohl ärmsten Stadt Südamerikas), bei 2 Dollar am Tag! Auch Bolivien leidet noch schwer an kolonialen Folgen. Lässt sich ein Gringo (Jargon: von Europäern abstammende Person) vom Latino die Schuhe putzen, hat das einen unwürdigen Anschein, der an koloniale Zeiten erinnert. Auch ein Grund, warum die meisten vermummt Schuhe putzen. Andererseits hat der Schuhputzer die Möglichkeit, mit dem sehr bescheidenen Lohn (max. 3 Boliviano in den besseren Gegenden), zumindst über die Armutsgrenze zu kommen. In diesem Zusammenhang muss man auch die Kokabauern sehen. Sie für die Droge Kokain verantwortlich zu machen, ist der falsche Ansatz. In Bolivien wird Koka wie Erdbeeren geerntet. Die Blätter sind heilig und sollen gegen Erschöpfung, wie auch gegen die Höhenkrankheit helfen.  Die Weiterverarbeitung der Blätter zu Kokain ist verboten, d.h. die Bauern verdienen in der Drogen-Kette am Wenigsten. Schuld ist die Nachfrage nach Rauschgift insbesondere aus dem Westen. Bei der Bekämpfung des Kokains setzt die linke Regierung nicht auf das Verbot der zuerst nützlichen Pflanze, sondern auf deren Anbaubegrenzung, um den Mindestverdienst der Bauern zu sichern und auf den Eigenverbrauch zu beschränken.
Evo Morales wurde 2006 als erster  Indigener Präsident mit großer Mehrheit gewählt.  Der linke Präsident ist angetreten um über die Wirtschaft die soziale Lage zu verbessern. Das braucht Zeit. Ein Referendum zu einer Verfassungsänderung, nach der der Präsident für weitere 2 x 5 Jahre gewählt werden kann, brachte keine Zustimmung. Doch das oberste Wahlgericht hat sich widersetzt. Nun kann er 2019 abermals kandidieren. Dabei berief sich der Präsident u.a. auf Merkel, die schon viel länger regiert als er.
Das Valle de Luna (Mondtal) unweit des Camps in La Paz erinnert sehr an Capadokien in der Türkei. Wasser und Wind haben aus Sandstein bizarre Formen gebildet.

Hinter La Paz erreicht man das bolivianische Copacabana über eine Fähre aus Pontons. Der kleine Touristenort hat eine riesige Basilika mit einer schwarzen Madonna und liegt am  Titicacasee, der einer der größten Süßwasser Seen in Südamerika. Der See gilt auch als Geburtsort der Inkakultur und ist das höchste (3.800 m) schiffbare Gewässer der Welt. Bolivien hat zwar keinen Meerzugang, bildet aber eine Flotte aus, die am Titicacasee stationiert ist. Die Politik und die Diplomatie Boliviens ist darauf ausgerichtet, einen Zugang zum Meer zu erhalten. Gespräche mit Chile haben bisher zu nichts geführt.

Am Titicacasee geht es über die Grenze nach Peru. In Puno stehe ich im Hof eines Hotels und beobachte Meerschweinchen, die dort massenweise rumlaufen. Erst dachte ich an Ratten. Die Meerschweinchen stammen aus den Anden und sind dort ein kulinarisches Grundnahrungsmittel. In Peru wurde in den 1960er Jahren ein modernes Zuchtprogramm gestartet, mit dem Ziel den Verbrauch des Tieres außerhalb Südamerikas zu steigern.

Hinter Puno geht es über den Abra la Raya- Pass (4.338 m). Von Cusco aus plane ich den Ausflug nach Machu Picchu, da man dort nicht mit dem Auto vorfahren kann. Außerdem gibt es hier eine Toyota Werkstatt, die ich konsultiere. Wegen Machu Picchu ist Cusco ein Touristemagnet.

Machu Picchu, Ausflug von Cusco mit Bus und Bahn

Camper mit Wohnmobil stehen am besten in Cusco auf dem Campingplatz „Quinta Lala“, der auch Storage (Langzeitstellplatz für Urlaub vom Urlaub) bietet. Von Cusco nimmt man nach Machupicchu am besten den Bus bis Ollantaytambo und steigt dort in die Bahn (Luxuszug mit Modenschau) um. Statt mit der teuren Bahn kann auch mit dem Kleinbus über die Berge bis zur Bahnstation Hidroelectrica (eine hinter Macchu Picchu) fahren. Das ist aber sehr unbequem und zudem schwindelerregend, gefühlte 1.000 m über dem Abgrund. Von da aus mit dem Zug nach Aguas Calientes, bzw. Machu Picchu Pueblo. Hier nimmt man sich ein Hotel und kann am nächsten Tag mit dem großen Bus die Serpentinen nach Machopicchu hinauffahren. Ganz sportliche können auch laufen. Wer nur eine Nacht bleibt, ist etwa 9 pm zurück in Cusco. Für diesen Ausflug muss man etwa 180,-US-Dollar berappen.
Man kann das Ganze auch bei einer sog. Reisefirma buchen, hat aber den Nachteil, dass man doch alles selber organisieren muss. Die Reiseanbieter am Plaza Regocijo in Cosco bieten zwar ein Gesamtpaket und kassieren dafür auch, aber dann fehlt jede Organisation: d.h. kein Guide, der einem das Hotel zeigt, kein Ticket für die Rückfart, keine Information usw.).
Aguas Calientes ist ein kleines Dorf am Fuße des „alten Gipfels“, das nicht mit dem Auto zu erreichen ist. „Machu Picchu“ ist die Sehenswürdigkeit als Solche und leider auch Ort des Massentourismus in Reinkultur. D.h. das Weltkultur- und Naturerbe ist bedroht, wenn man es vor lauter Touristen nicht mehr sieht. Über 2.000 täglich! Den Einheimischen, bei denen am Wenigsten von der riesigen Rendite verbleibt, sehen vor lauter Touristen (meist Ausländer) ihren eigenen Ort nicht mehr.

Der Anblick dieses einmaligen Naturwunders, bzw. der Blick über die Ruinen der peruanischen Inkastadt, entschädigt aber für Vieles.

Von Cusco nach Nasca geht es meist am Fluss entlang, bzw. die Serpentinen rauf bis auf 4550 m und wieder runter auf 2000m über dem Meeresspiegel. Eine sehr schöne Strecke. Z.T. über den Wolken.


In Nazkca schaue ich mir Perus Nazca-Linien, die im Zeitraum zwischen 800 Jahren vor und 600 Jahren nach unserer Zeitrechnung  entstanden, von oben an. Sie zeigen 100 Meter große Tierfiguren, sowie Linien und Richtungspfeile, die als Stätten für Fruchtbarkeitskulte in Zeiten abnehmender Niederschläge sowie Wegmarkierungen zum Erreichen dieser Kultstätten gedeutet werden. Sie liegen auf halbem Wege zwischen Perus Hauptstadt Lima und der Inka-Festung Machu Pichu. Die Linien sind in den Wüstenboden eingeritzt. Da nicht restlich geklärt ist, wozu die Linien gedient haben, wurde und wird die Fantasie vieler Menschen beflügelt. Erich von Däniken geht hier von einem Kontakt mit Außerirdischen aus. Schon Anfang der 60er Jahre war in Dresden ein entsprechender Dokumentarfilm von ihm zu sehen, der die Figuren und Linien so  deutete. Jüngere Forschungen konnten aber keinen systematischen Zusammenhang zu Gestirnen erkennen. Bestätigt wurde allerdings, dass ein Teil der Linien, von einer bestimmten Stelle aus gesehen, auf einen Ort am Horizont zulaufen, an dem am Tag der Sommersonnenwende die Sonne untergeht. Die Pfeile könnten also als Wegmarkierungen für eine kultische Massenveranstaltung (ein frühzeitliches Woodstock) gedient haben, zu der die Menschen in Scharen von den Hängen der Anden herunterströmten. Reizend altmodisches das Museum einer Nazca Pionierin in ihrem ehemaligen Wohnhaus im Örtchen El Ingenio, etwa 40 Kilometer von Nazca entfernt. Maria Reiche, eine 1903 in Dresden geborene Mathematikerin, hat sich bei der Kartographierung und Erhaltung der Linien verdient gemacht. Maria Reiche, eine 1903 in Dresden geborene Mathematikerin, hat sich bei der Kartographierung und Erhaltung der Linien verdient gemacht, die als 8.Weltwunder jetzt Weltkulturerbe sind. Altmodisch das Museum der Nazca Pionierin in ihrem ehemaligen Wohnhaus im Örtchen El Ingenio, etwa 40 Kilometer von Nazca entfernt.

Wie fruchtbar die Gegend zu Zeiten der Erschaffer der Linien gewesen sein muss, lässt sich bei der Anfahrt von Lima in der Oase Huacachina nahe der Stadt Ica ermessen. Früher waren hier vorwiegend die reichen Limeños zugegen, um einen kleinen Wellness- und Erholungsurlaub zu machen, da die kleine Lagune heilende Kräfte durch ihren Mineralstoffgehalt verspricht. Heutzutage ist das Wasser aber sehr stark zurückgegangen und kaum mehr zum Baden geeignet. Dennoch haben sich hier kleine Hostels und Hotels für Backpacker und Paushal-Touristen angesiedelt, die unter anderem mit erfrischenden Pools punkten. Das stetig gute Wetter und die umliegenden, bis zu 100 Meter hohen Sanddünen, die Sandboarding und Buggyfahren ermöglichen, machen dieses kleine Stück Wüste zu einem Adrenalin-Erlebnisort mit Spaßgarantie.

In Lima erkunde ich vom Hitchhikers Hostel aus die Hauptstadt Perus mit dem Fahrrad. Z.B. den Präsidentenpalast am Plaza de Armas, hier bei der täglichen Wachwechselzeremonie. Lima hat zwei Seiten. Als es abends dunkel wird und ich im Marktgewühl der ärmeren Randgegenden versinke, bin ich doch froh wieder die etwas besseren Lagen zu erreichen. Das Hitchhikers liegt günstig im Zentrum.
Eigentlich wollte ich die Gelegenheit nutzen, um in der Toyota Werkstatt ein Fehler beseitigen zu lassen, die die Anzeige meldet. Man erklärt mir in der Werkstatt, dass ihr Computer-System den europäischen Computer des Fahrzeugs nicht auslesen kann. Aber es sollte doch ein Liter Motoröl nachgefüllt werden. Das aber haben sie nicht und ich müsste es mir in der Stadt besorgen. Über soviel „Service“ bin ich dann doch etwas sauer. Der Toyota- Pro Ace ist ein Mix aus dem Japaner mit Citroën und Renault. In der Renault-Werkstatt eröffnet man mir, dass grundsätzlich keine fremden Typen zur Reparatur angenommen werden. Also kann ich nur hoffen, in diesem Land keine größeren Probleme zu bekommen.

Ein wenig abseits von der Piste liegt das kleine Fischerdorf La Gramita, in dem man das Gasthaus Las Aldas findet. Ich stehe zwar allein dort, aber der freundliche Gastwirt mit seiner zauberhaften Bedienung zaubert mir in seinem bezaubernden Restaurant mit Blick aufs Meer ein fürstliches Abendmal. Soviel Ambiente bekommt man auf keinem Pauschalurlaub.

In Huanchacho (nahe Trujillo) halte ich mich nicht lange auf. Nächster Ort ist Pimentel, bei Chiclayo. dort treffe ich Santiago, ein Argentinier, der als Backpacker unterwegs ist und nach Lima mit dem Bus fahren will. Er bringt mir beim Abendessen und beim Frühstück auf dem Markt, ein Stück die Lebensweise der Südamerikaner näher, soweit das die Verständigung in englisch zulässt. Leider ist der Stellplatz vor dem Hostel Casa Amelia mehr als mies. Santiago meint, es gibt ein paar schöne Badeorte an der ecuadorianische Küste. Also wähle ich nicht den direkten Weg in Richtung Quito, sondern den an der Küste entlang, damit der Badeurlaub nicht zu kurz kommt. Dafür entfällt Ingapirca, die bedeutendste Inka-Stätte Ecuadors. Man kann nicht alles sehen und muss Prioritäten setzen. Außerdem, wer Machu Picchu gesehen hat, ist hier eher enttäuscht. Weiter entfällt Cuenca, die koloniale Stadt mit besonderem Charme, sowie die Thermalbäder in Baños.

Das Casa Mediteranea in Mancora bietet das, was das Hotel in Pimentel nicht hatte: Einen Stellplatz zwar auf dem Hof des  guten Hotels, dafür aber mit Pool am Strand, und Gastronomie im Ort. Hier gehe ich 3 mal am Tag ins Wasser, was am wilden Pazifik mehr für Surfer ideal ist, weniger zum baden. Einige dieser Badeorte leben heute mehr vom Tourismus, als von der Fischerei.

Auch das letzte Camp in Caleta Cruz, vor Grenze nach Ecuador habe ich wieder für mich allein.
In Ecuador gibt es einige Besonderheiten: Landeswährung ist US-Dollar, Haftpflichtversicherung fürs Fahrzeug ist nicht vorgeschrieben, für die 110-V Stecker braucht man einen anderen Adapter, als in den Nachbarländern. Für besondere Geräte wahrscheinlich einen Transformator. Ladegeräte für Laptop und I-Phone haben i.d.R. keine Probleme, auch nicht mit der anderen Frequenz. Das Wasser braucht in meinem Kocher länger bis es kocht. Gespannt bin ich, ob das Wasser genau ab Äquator wieder im Urzeigersinn abfließt. Diesel bekommt man pro Gallone und kostet nur etwa 0,30 € pro Liter, etwa ein Drittel vom Preis in den Nachbarländern.
Hinter der Grenze fährt man in Ecuador durch riesige Bananenplantagen. Salinas ist ein Touristenort, leider ist der Campingplatz mies und zu weit vom herrlichen Strand entfernt.

Die gut geführte Hosteria Farallon Dillon kurz hinter Salinas hat dagegen eine herrliche Lage am Strand und mit herrlichem Blick. Allerdings von einer größeren Anhöhe mit Leuchtturm aus. Wem das Treppensteigen nicht liegt kann auch im Pool direkt am Leuchtturm baden. Wahrscheinlich weil der Eigner ein Käpt’n war, hat das Anwesen auch ein Museum mit vielen nautischen Ausstellungsstücken. Einige Bewohner aus den weißen Villen der Umgebung kommen Samstags um Gitarren-Musikern zuzuhören. Viel mehr kommen aber Sonntags, um dort zu essen. Stört aber nicht auf dem großen Stellplatz, der insgesamt etwas Besonderes ist. Von der Besitzerin der Hosteria werden auch die Camper freundlich begrüßt.

Montanita ist ein kleiner Touristenort, in dem sich neben Hippies auch Kiffer treffen. Am Traveller Point (ein sehr einfacher Stellplatz mit WC und DU) an dem sich Traveller insbesondere aus den angrenzenden Ländern treffen, bekomme ich eine weitere Lektion zum Entschleunigen. Ich beobachte junge Leute beim jonglieren mit Kegeln (wahrscheinlich um sich an der nächsten Kreuzung ein paar Cent zu verdienen), beim Gitarre spielen, beim Nähen von Bezügen oder beim tagelangen Liegen in der Hängematte. Nachmittags dröhnt Musik aus der Anlage, um Leute zu animieren, hier ein Drink zu nehmen. Leider wird auch Gitarre gespielt bei laufender Musikanlage. Die Südamerikaner lieben offenbar Krach. Aus Erzählungen anderer Gringos weiß ich, dass ich nicht der Einzige bin, den das stört. Kein Mensch hört oder sieht hin, aber in jedem Camp oder in jeder Gaststätte dröhnt der Fernseher.

Entschleunigen ist ein relativer Begriff. Aus Sportlerzeiten weiß ich, dass jeder sein Rhythmus finden muss. Wer sich aus seinem Rhythmus bringen lässt, hat schon verloren. Mein Rhythmus beim Reisen sieht so aus (nach 215 Tagen und rd. 25.000 km in 81 Etappen): Im Schnitt pro Etappe 280 km bei 2,8 Tage Standzeit. Das deckt sich in etwa mit den Reisen durch Asien und Afrika. Wobei Start und Ziel, sowie Dauer der Reise (1 Jahr) selbst gewählten Vorgaben entspricht, die in etwa eingehalten werden. Auch die Strecke weicht vom Plan mehr oder weniger ab, je nachdem, welche Informationen man z.B. unterwegs bekommt.
Fabian ein Motoradfahrer aus der Schweiz, den ich hier traf, und mit dem ich mir ein Container ab Cartagena nach Panama teilen könnte, ist schon 5 Jahre auf mehreren Kontinenten unterwegs und nimmt sich entsprechend mehr Zeit beim kreuz und quer fahren. Ein ganz anderer Rhythmus, bei dem man sich kaum ein zweites mal trifft.

Dann heißt es vorerst Abschied nehmen vom Pazifischen Ozean und dem Strand von Ayampe im  Nationalpark Machalilla. Auf nach Quito, Hauptstadt von Ecuador, die höchste der Welt. La Paz liegt zwar höher ist aber „nur“ Regierungssitz und nicht Hauptstadt.

In Quito stehe ich im Hostel Zentral (https://hostalzentrum.com/wohnmobil-stellplatz) mitten in der Stadt. Gert, der Eigner aus Hamburg, ist 88 Jahre, schmeißt aber den Laden immer noch. Es ist ein deutsch geführtes Haus, d.h. die Frage, ob Wi-Fi überall funktioniert, sollte man sich sparen. Es gibt neben den Hotelzimmern eine Küche für Camper, 220 V-Steckdosen, eine Kneipe in der höchstens dezente Musik läuft und in der man auch arbeiten kann. Und es gibt ein Frühstück wie zu Hause.
Mit dem Fahrrad zu erreichen ist gleich eine Toyota-Werkstatt, die mir sogar helfen kann. Ein Motorölwechsel ist fällig und die Bremsbelege müssen gewechselt werden. Diese gibt es nicht im Original, also werden sie eigens angefertigt.

Zwischen Quito und Ibarra befinden sich die Überreste eines Bauwerks aus der Inkazeit (13.bis 16. Jahrhundert), das den Äquator genauer markieren soll und bereits vor über 1.000 Jahren errichtet wurde (Anlage Quitsato). D.h. die Inkas, die an ihren Sonnengott glaubten, waren z.B. in der Astronomie dem Abendland weit voraus! Während die konservative katholische Kirche noch glauben ließ (Beharren auf Althergebrachtem), die Erde sei eine Scheibe und Mittelpunkt des Universums, konnten die Inka  schon lange die Sonnen- und Erdbahn bestimmen. Der mittelalterliche Papst bezeichnete Kopernikus als Schwätzer. Die Bibel wurde als Waffe gegen Andersgläubige benutzt. Galilei, der das kopernikanischen System verteidigte, erklärte, die Forschung sollte frei von Kirchendoktrin sein. Er, der die Kirche vor einem Irrtum bewahren wollte, wurde von der römischen Inquisition noch 1633 zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt.Ecuador ist das einzige Land in Südamerika, in dem der Äquator an festen, natürlichen Orientierungspunkten verläuft, d.h. wo man die Bahnen der Himmelkörper beobachten kann. Ein paar km nördlich von Quito wurde das Monument La Mitad del Mundo (Stadt Mitte der Welt) an der Stelle errichtet, an der eine französischen Expedition 1736 eine (auf 240 m) genaue Position des Äquators bestimmte. In Zeiten des GPS stellte sich heraus, dass der Äquator tatsächlich 240 m nördlich verläuft. Die unzähligen Selfies (Narzissmus des Jahrhunderts, oder nur nur eine moderne Form der Identitätssuche?), welche belegen sollen, man stehe mit einem Bein auf der nördlichen, und mit dem anderen auf der südlichen Halbkugel, sind an dieser Stelle eine Falschinformation (fake news).

Auch in Iberra gibt es ein von Hans geführtes deutsches Haus, die Finka Sommerwind an der Laguna de Yahuarcocha, die von einigen Campern auch als Langzeitstellplatz (Storage) genutzt wird, um Urlaub vom Urlaub zu machen. Diese Idee hatte ich zwischendurch auch einmal. Aber dann habe ich in Quito über das Panamerikana-Forum das Angebot bekommen, mir mit York einen Container zu teilen, zwecks Verschiffung des Fahrzeuges von Cartagena (Kolumbien) nach Colon (Panama).
Hier halten die Fährgesellschaften richtig die Hand auf. Das Verschiffen ist hier so teuer wie von Hamburg nach Montevideo! Und RoRo-Fähren gibt es nicht, eine Landverbindung sowieso nicht. D.h. ich muss in relativ kurzer Zeit in Cartagena sein.

Übrigens: Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs ist vielleicht nicht entgangen, dass die Qualität der Bilder nachgelassen hat, oder dass der langsame Rechner schneller geworden ist.  Das liegt einfach daran, dass ich in aufwändiger Handarbeit die Bilder dieser Reise in WordPress skalieren musste. Erst als der kostenlose Speicher übervoll war, bzw. als es zu spät war, konnte ich keine weiteren Bilder hochladen. Als auch das Skalieren nichts half, musste ich Speicher nachkaufen. Die Freaks haben für so viel Unkenntnis natürlich nur ein müdes und überhebliches Grinsen übrig und behalten ihr Wissen für sich. Ich bin sauer über so eine müde Software, die keinen Hinweis anbietet und mich ins offene Messer laufen lässt.

Auf Reisen sollte man keine Termine haben. Und schon gar nicht, wenn man durch Kolumbien fährt! Durch hunderte Schluchten mit 2.000 m Höhenunterschied, Millionen Kurven, hinter tausend langsamen Tracks und noch mehr Motorrädern. Wer vorbei will, riskiert viel. Autobahnen oder Tunnel gibt es in den Bergen nicht. Kolumbien war bis vor kurzem im Bürgerkrieg versunken. Dann brach der Kapitalismus über das Land ein und schüttete es mit Autos wie mit Müll zu. Jetzt beginnt man die Straßen zu erweitern und abgerutschte Hänge müssen saniert werden. Baustellen verschlimmern die Lage auf viele Jahre. Bei dieser Fahrweise, eingezwängt im Stau, bleiben kaum Möglichkeiten die schöne Landschaft auf Bildern zu bannen. Gleich hinter der Grenze Ecuador – Kolumbien nahe bei Ipiales gibt es z.B. diese in eine Schlucht auf einer Brücke gebaute Kirche (Santuario de las Lajas).

Am Karibischen Meer treffe ich York und Rita in Santiago de Tolu, mit denen ich mir einen Container teile. In Cartagena teilen wir uns auch ein Apartment im 16 Geschoss. Von dort, wie auch vom Pool im 26. Dachgeschoss hat man einen traumhaften Blick auf die sehr schöne Altstadt. In Panama City ist es dann genau umgekehrt.

Die Panamerikana: Mindestens 25.750 Km lang, führt durch 14 Länder, berührt dabei alle Klimazonen der Erde und verbindet Alaska im Norden der USA mit Feuerland an der Spitze Südamerikas. Keine Straße im klassischem Sinne, sondern wie die Seidenstraße ein Netz aus Straßen. Grandios. Wenn da nicht diese lächerlich kleine Lücke wäre, etwa 100 km Urwald im äußersten Südosten Panamas, an der Grenze zu Kolumbien. Ein Katzensprung auf der längsten Traumstraße der Erde.
Die Vereinigten Staaten, die Latein- und Mittelamerika als ihr Hinterhof betrachten, und die nach der „Rückgabe des Panama-Kanals“ weiterhin der „Große Bruder“ panamaischer Politik sind, tun alles, um zu verhindern, diese Lücke zu schließen. Sie fürchten das Einsickern von Rebellen und Drogen, so wie sie heute das Einsickern von Flüchtlingen befürchten und Mauern errichten, an denen auch geschossen wird. Das mit den Rebellen hat sich erledigt, dank des Friedensabkommens in Kolumbien. Bleibt die Einwanderungspolitik Trumps, die sich nicht wesentlich von der in Europa  unterscheidet. In Panama (oder Kolumbien) endet der Mythos Panamericana mitten im Dschungel. Das ist wie Panama ohne „a“, oder Kolumbus ohne Schiff. Das Ende der Zivilisation, ein Hohn auf das Machbare, in einem Land, wo der Panamakanal errichtet wurde (vor über 100 Jahren eine technische und logistische Meisterleistung, ein Jahrhundertbauwerk. Anders als am Suezkanal musste hier noch der Höhenunterschied überwunden werden). Der amerikanische Präsident Roosevelt, der das steckengebliebene Projekt übenahm, begriff den Bau eines Kanals als politisches Vorhaben. 1903 besetzten US-Truppen kurzerhand das damals kolumbianische Gebiet und riefen den Staat Panama aus. Die Kanalzone blieb jedoch in US-amerikanischer Hand und wurde erst Ende 1999 an Panama übergeben. Der Kanal verhalf der USA zu Ihrer globalen Rolle, wie sich schon im 1. Weltkrieg zeigte. Die Ersparnis an Zeit und Treibstoff wiegt heute die Transitkosten bei weitem auf, und für den Kleinstaat Panama sichern die Einnahmen durch die Kanalgebühren rund 1/12 des Staatshaushalts.
Seit dem Bau des Kanals sind zwar die beiden großen Ozeane verbunden, aber Zentralamerika ist nur noch durch drei Brücken miteinander verbunden und zwischen den beiden amerikanischen Kontinenten gibt es gar keine Landverbindung. Auch Versuche eine RoRo-Fähre einzurichten, (zum drauf- und mitfahren, wie in Europa üblich), sind gescheitert. „Verschluss des Darién“ für die Panamaer, ein Stachel im Fleisch für motorisierter Abenteurer, die die schmale Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika mit dem Schiff umfahren müssen. Für mich heißt das: Trennung von Auto (Wohn- und Schlafplatz) und Fahrrad, einen Partner finden, mit dem man die unverschämt, horrenden Kosten der Verschiffung teilen kann, einen Container chartern, einen Agenten finden, der die endlosen Formalitäten im Hafen hilft abzuwickeln, einen Flug nebst Unterkunft in Cartagena und Panama-City zu buchen, ein Mietauto organisieren, um das Auto aus dem Hafen Colon zu holen. Das hört sich vielleicht spannend an, ist aber auch anstrengend bei etwa 35° und 90% Luftfeuchtigkeit wie im Urwald. Glück für mich, dass York und Rita einen Großteil der Organisation übernommen haben.

Die Verschiffung per Container von Cartagena (Panama) nach Colon (Panama), oder umgekehrt, ist praktisch alternativlos. Es sei denn, man setzt gleich bis Mexiko oder bis Los Angeles über. Die Verschiffung der Fracht mit der Fährgesellschaft Seaboard hat über die Agentin Ana Rodriguez (+57 301 4146464, Büro in Cartagena, 10° 23′ 46.7″ -75° 31′ 09.4″) problemlos funktioniert. Ein Schiff fährt 2 mal die Woche und 3 Tage vor Abfahrt sollte man im Büro von Ana sein. Das Fahrzeug muss im Hafen komplett ausgeräumt werden und die Polizei lässt sich mit der Drogenkontrolle leider sehr viel Zeit. Leider hat Ana kein Partner in Colon, der die Auslieferung organisiert. Die kann aber auch allein wie folgt realisiert werden: Mit den Unterlagen von Ana kann der Frachtbrief (Bill of Lading) für den Container im Büro von Seaboard abgeholt werden (Manzanillo Port Administration, neben dem Restaurant, 9° 21′ 50.7″ -79° 52′ 49.4″). Der Frachtbrief muss komplettiert werden um eine Haftpflichtversicherung für Panama für max. 30 Tage (Büro bei Mapfre im Millennium Plaza erfragen, 9° 20′ 39.9″ -79° 53′ 33.3″). Nächste Station ist der Zoll (Manzanillo Port Administration, 9° 21′ 50.7″ -79° 52′ 49.4″). Der Schlüssel für das Fahrzeug ist dann mit vollständigen Papieren (Frachtbrief, Versicherung und Zoll) abzugeben im Manzanillo Terminal RoRo 9° 22′ 01.3″ -79° 52′ 43.9″. Dort kann auch das Fahrzeug abgeholt werden. Insgesamt braucht man etwa für 10 Tage ein Hotel in Cartagena, Panama City und ggf. in Colon. Kosten: 1.300,- USD Container + 100,- USD Hafengebühren Colon. Hinzu kommen Zusatzkosten für Hotel und Flug.

Das war die gefahrene Route (lt. GPS) auf der Panamericana von Santiago de Chiele bis Cartagena in Kolumbien.
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Reise Europa-Ost

RouteEuroOstGefahrene Route vom 20.6. bis 27.8.2017 über Polen, Kaliningrad (RUS), Litauen, Lettland, Russland, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark: 7.740 km in 67 Tagen und 47 Etappen.
Die Route berührt nur EU-Staaten im Schengener Raum, außer Russland, in dem ein Visum erforderlich ist. Eine andere Währung als € gibt es in Polen, Russland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Das nervt, wie das Visum.
Alle Staaten sind in der Nato, außer Russland. Mit der bereits gefahrenen Route „Rund um die Ostsee“ kreuzt sich diese Route nur in Litauen, in Vaasa (Finnland) und Trondheim (Norwegen) .
Es ist das 4. Jahr nach der Asien- und Afrika-Reise mit „nur“ einer weiteren Europatour. Damit war ich in den letzten 8 Jahren etwa 3 Jahre unterwegs. Der 3. Teil der Weltreise: 1 Jahr durch Süd- und Nord-Amerika, steht noch aus. Je länger ich damit warte, um so unwahrscheinlicher wird es diese noch zu realisieren.
Unterwegs bin ich immer noch mit dem als Camper selbst ausgebauten Toyota. Jetzt aber nicht mehr im alten Mr. „Hiace“, sondern der neue Typ heißt jetzt „Proace“, der Nachfolger aus der Toyota-Serie. Den Camper-Ausbau habe ich im Blog näher beschrieben (s. „In eigener Sache“). Das Fahrrad, das ich nur für kurze Ausflüge und für Fahrten in größere Städte nutze, hängt wieder hinten an der Kupplung.

In Polen halte ich mich, wie auch in Litauen und Lettland, nicht lange auf. Das Wetter kühlt ab und wird launisch. Ich fahre in die Sonne, die Wolken trotten hinter mir her. Nördlich von Chojnice finde ich an einem See ein Campingplatz am Hotel für mich allein.
 

Nahe Sztutowo, westlich von Danzig, gehe ich in der Ostsee baden und beobachte, wie schon am See in Chojnice, die Sonne beim Untergang.
 

In Elblag gibt es nahe der City einen netten Campingplatz, der relativ dicht mit Wohnwagen besetzt ist. Ich finde eine Werkstatt, die mir am Fahrrad einen neuen Mantel montiert, um in das nahe Zentrum zu fahren.

Nach meinem Erkenntnisstand ist die Einreise nach Russland über Weißrussland nicht erlaubt, weil dort die Grenze nicht kontrolliert wird. Wenn schon ein Visum für Russland, dann eins mit doppelter Einreise. Also verlasse ich den Schengener Raum und fahre durch Kaliningrad, eine nach dem 2. Weltkrieg entstandene russische Enklave zwischen Polen und Litauen. Der Grenzübergang ist relativ entspannt. Gerade noch so viel Zeit, um mich mit einem jungen Radfahrer aus Deutsch zu unterhalten, der in Frankreich gestartet ist und auch nach Moskau und Sankt Petersburg will, mit dem Fahrrad. Da wird es leider schwierig sich wie meist ein zweites Mal zu sehen, obwohl er auch auf der Straße fahren muss, denn in Russland gibt es so gut wie keine Fahrradwege. Durch Deutschland zu fahren war für ihn eher langweilig und er ist gespannt auf Osteuropa. In Russland ist es (noch) nicht üblich mit dem Wohnwagen zu reisen, deshalb gibt es auch so gut wie keine Campingplätze. Dass man nicht mehr in der Eurozone ist, merkt man auch sonst sofort: Ein anderes Preisniveau (umgerechnet in Rubel), keine aus dem Westen importierten Supermärkte, mit wenigen Ausnahmen wie Mac Donald z.B. Das Straßennetz ist gut ausgebaut, außer in Kaliningrad selbst. Ohne Navi wegen der vielen Baustellen unmöglich zu finden, erreiche ich den über Basecamp gefundenen Campingplatz am östlichen Stadtrand am Hotel Baltic (N54° 42.473′ E20° 36.942′), mit Blick auf einen kleinen See. Vorher ist es mir noch gelungen den zweiten Navi mit einer nicht Garmin konformen Software und mit einer Russlandkarte zu bestücken. Nach einem Missverständnis musste ich feststellen, dass der im Auto integrierte Navi keine Russlandkarte beinhaltet.


Da nur eine Autobahn ohne Fahrradspur in die nahe City führt, fahre ich mit dem Bus und nehme das Fahrrad mit.

Im Bernsteinmuseum wimmelt es nur so von Bernstein. Ganze Schiffe werden daraus geschnitzt. In der Nähe wird er im Tagebau tonnenweise abgebaut. Etwa 80% der Weltvorräte lagern hier auf der Halbinsel. Viel geredet wird vom Bernsteinzimmer, das noch immer verschollen ist. Mit Kaliningrad hat es nur so viel zu tun, dass es hier am Ende des 2. Weltkrieges von den Nazis im vom Krieg zerstörten Schloss ausgestellt wurde, wo das bis heute noch nicht fertiggestellte sowjetische Haus steht. Im dem von ihnen angefangenen Krieg handelten die Faschisten nach dem Motto: Geschenkt ist geschenkt (vom Fürsten an den Zaren), wiederholen ist gestohlen. Eine Kopie des kompletten Bernsteinzimmers steht heute wieder in Sankt Petersburg. In Deutschland gefundene Teile des Originals wurden an Russland zurückgegeben.

Sonntags wird, wie in Russland üblich, an den schönsten Plätzen geheiratet, wie hier am Dom. Auch die Matrosen sind hier ausgelassen und feiern abends mit ihren Familien im Hotel Baltic.

Unterwegs kurbelt mir die Pedale vom Fahrrad ab, das schon in die Jahre gekommen ist, aber für diesen Zweck noch gut genug ist. Zum Glück besteht die Möglichkeit mit dem Bus zurückfahren. Die Preise für die Öffentlichen sind auch noch aus sowjetischen Zeiten, also spottbillig. Nicht so wie im Auto-Deutsch -land, wo es mit dem Auto etwa so teuer wie mit den Öffentlichen ist. Da haben die Grünen noch nichts erreicht, wenn sie es denn wollten.
Richtung Norden fahre ich über die Kurische Nehrung, eine sehr schmale und über hundert Kilometer lange Halbinsel zwischen Kaliningrad und Klaipeda, welche jetzt unter dem Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes steht. Einfach in der Natur mit dem Auto stehen geht gar nicht im Schutzgebiet. In einem Ferienobjekt lässt mich der Security durch und für ein paar Rubel direkt am Haff stehen.

Ganze Völkerwanderungen wollen z.B. den tanzenden Wald sehen. Alle stolpern über Holzstege mit Geländer, die den Wald vor ihnen schützen sollen.

Auf der Fahrt zur Grenze öffnet sich mal der Panoramablick auf das Haff, mal auf die stürmische Ostsee.

Unterbrochen wird das schmale Land nur durch die Grenze zwischen Russland und Litauen. Wieder sind es nur sehr wenige Fahrzeuge, die die Seite wechseln. Früher eine Grenze zwischen in einer Union verbundenen Bruderstaaten und nun zwischen sich feindlich gegenüberstehenden Ländern. Den Baltischen Staaten wurde der EU-Beitritt aus geostrategischen Gründen hinterhergeschmissen, den Russen würde er verwehrt werden. Die Ukrainer dagegen wollen in die EU, man lässt sie aber noch lange darauf warten. Entscheidend für den Westen ist erst mal nur, dass ihre Nato-Panzer bis kurz vor Wolgograd (ehemals Stalingrad) vorrücken, und sie derweil von der russischen Gefahr schwadronieren können.
Entsprechend verläuft die Grenzkontrolle: Die Russen machen Dienst nach Vorschrift besonders gründlich, im Schengener Raum werden EU-Bürger durchgewinkt. Dafür kostet der nochmalige Eintritt in das Naturschutzgebiet in Litauen gegenüber der in Russland das zig-fache. Die Natur berührt das nicht. Fuchs und Hase sagen sich hier nicht nur gute Nacht und werden geschützt, sondern wechseln auch ungehindert die Grenze.

Gleich hinter der Grenze mache ich in Litauen (Lithuania, LTU) Halt in Neringa. Ein netter kleiner Urlaubsort auf westlichem Niveau. Hier hat schon Thomas Mann sein Domizil aufgeschlagen. Der Campingplatz liegt im Kiefernwald nahe einer über 50 m hohen wandernden Sanddüne. Er ist nicht so überlaufen und fischgrätenartig angeordnet, wie sonst meist in Westeuropa. Hier bleibe ich ein paar Tage länger und würde auch immer wieder herkommen, in der Vorsaison. Ab Berlin bin ich der Sonne vorweggefahren und es wurde unangenehm kühl. Jetzt hat mich das Hochdruckgebiet mit seiner Wärme eingeholt und ich kann im kalten Wasser baden an dem herrlichen Ostseestrand, der auch nicht so überbelegt ist.

Auf dem Campingplatz stehen auch viele Westdeutsche mit ihren Wohnwagen. Für die ist hier das Ende ihrer Welt, auf der russischen Seite habe ich keinen gesehen. In das Reich des Bösen und zu Putin wollen sie nicht (lt. Stammtischgespräch am Biertisch). Im Jargon der Bildzeitung erwartet sie dort doch nur grauer, verrotteter Beton und Plattenbauten, igitt. Was zum Teil stimmt, aber eben wie meist in den Mainstream-Medien, nur die halbe Wahrheit ist. Ostdeutsche leiden weniger unter Russophobie, haben weniger Berührungsängste und machen sich ihr eigenes Bild von Land und Leuten.
Laut Rassenideologie der Faschisten waren Russen genauso wie Juden deklassierte Menschen und wurden entsprechend unmenschlich behandelt. Heute wird Russland mit Embargo belegt. Das hat beides miteinander nichts zu tun? Man kann zwar die Wut auf Muslime und Flüchtlinge zumindest in der Intensität nicht vergleichen mit dem Antisemitismus zur Zeit des Faschismus. Aber wieviel von diesem Rassenhass steckt noch heute in den Köpfen nicht nur der sog. Rechtsextremen im vereinigten Deutschland? Rechtspopulisten lenken die Verbitterung von Deklassierten auf Sündenböcke. Die Verbitterung der Verlierer kann aber auch zur Stärkung sozialstaatlicher Ideen führen, wie die Erfolge von Corbyn, Labour-Chef in England, oder von Sanders, Sozialist in den USA, zeigen, die von der marktreligiösen Vernebelung ablenken. Das starke Anwachsen der Deklassierten ist das Ergebnis von 30 Jahren neoliberaler Politik. Insofern hat auch die EU den Nationalismus gefördert, wenn auch ungewollt. Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik und die Politik gegenüber Russland tun ihr Übriges. Sicher kommt noch einiges hinzu, wie das Verharren im Muster des Antikommunismus und des Kalten Krieges. Dass sich Moskau im Gebietspoker aller Seiten die Krim gesichert hat, ist die offizielle Begründung der Politik des Westens gegenüber Russland. Russland hatte zwar in Abstimmung mit den Krimrussen gehandelt, aber völkerrechtswidrig. Dass sich gerade der Westen darüber echauffiert ist angesichts seiner vielen Kriege (Afghanistan, Irak, Libyen usw.) jedoch nicht gerechtfertigt. In den USA wird täglich, noch stärker als in Deutschland, die antirussische Propaganda aufgefrischt. Kritik an der irrationalen Hass-Kampagne gegen Russland macht sich z.B. laut in einem 4-teiligen Film von Oliver Stone „The Putin Interviews“.

Nach einem letzten Strandbesuch auf er Kurischen Nehrung geht es mit der kostenlosen Fähre nach Klaipeda. Zwecks Ausbau der Handelsbeziehungen wurde vor der Implosion der sozialistischen Staaten eine Fährverbindung zwischen Saßnitz/Rügen und Klaipeda ausgebaut. Mit der Wende wurden diese Wirtschaftsbeziehungen fast völlig gekappt. Auch die Fährverbindung wurde 2013 stillgelegt, und fährt jetzt wohl ab Kiel.
Nördlich von Vilnius finde ich in Sudeikiu einen kleinen Campingplatz. Erst stehe ich allein, später landet dort noch ein fast 50-jährigen Fahrradfahrer aus Italien, bevor abends noch ein sehr finsteres Gewitter aufzieht. Der Radler hat beneidenswert gute Laune, trotz des sehr regnerischen Wetters.

Die Landschaft, die der mecklenburgischen Seenplatte sehr ähnelt, lädt eigentlich für einen längeren Aufenthalt ein. Schon seit Polen sieht man in jedem Dorf ein Storchennest.

Durch Lettland fahre ich nur durch. Ab hier beginnen längere Strecken, wie auch in Russland, die gerade ausgebaut werden. Hinter der Grenze nach Russland suche einen schon vorher ausgewählten Campingplatz. Das Problem: in Russland gibt es kaum Campingplätze. Und die vorher runtergeladene OSM- Russland-Karte für Basecamp ist unpräzise. Als Camping ausgewiesene Wegepunkte (Koordinaten) gibt es z.T. gar nicht. Erst spät finde ich daher ein Hotel an einem See, welches mir eine Bleibe im Auto auf dem Parkplatz mit toller Aussicht bietet. Auch ein Zimmer wäre preiswert gewesen, aber im Camper schlafe ich am besten.
Das Hotel bietet mir ein leeres Zimmer zum Duschen, wofür ich für einen kleinen Aufschlag zahle. Der Stellplatz kostet mich pro Nacht 100 Rubel (1 €=68 Rubel).
Wie schon in Afrika beobachte ich einen hohen Anteil an Dienstleistungskräften (Hotel, Küche, Bewachung usw.). Auch in Russland sichert es vielen ein Einkommen. Diesen Luxus kann und will sich Deutschland nicht leisten. Denn es ist Exportweltmeister (neben China) und lebt so auf Pump, bzw.  schmarotzt an der Wirtschaft der Staaten, die weniger Waren aus Deutschland einführen, als sie exportieren. Und Weltmeister ist Deutschland nur, weil es entsprechende Waren anbietet und deren Kosten reduziert. Insbesondere durch Verbilligung der Arbeitskraft, auf Teufel komm raus: Sinkende Lohnquote, Arbeitslosigkeit, Hartz 4, Erhöhung der relativen Armut usw.. Um die Euro-Zone zu einer Exportmaschine umzubauen, schließt die Währungsunion rund um die Welt im Eiltempo neue Freihandelsabkommen ab. Nicht nur Trump ist egoistisch, sondern vor allem die G20-Staaten sichern ihre Interessen, zuerst „natürlich“ jeder seine. Natürlich ist es nicht, sondern kapitalistisch. Da ist Russland nicht ausgenommen, nur eben anders.

Auch in Rzhev, eine Stadt an der Wolga, finde ich nicht den angeblichen Campingplatz. Dafür ein Platz mit Geschichte, der noch an Lenin und an den 2.Weltkrig erinnert. D.h. die Russen haben kein Problem mit ihrer Geschichte. Anders als in Ostdeutschland, wo allles, was mit der jüngeren Geschichte zu tun hat, durch die Bundesrepublik getilgt wird, soweit es nicht an finstere Seiten erinnert.
  Schon in der Nacht hat es nur geregnet. Größere, modernere Raststätten bieten für LKW-Fernfahrer Parkplätze mit Dusche und WC. Im Regen war ich froh, kurz vor Wolokolamsk überhaupt einen Stellplatz gefunden zu haben.  Moskau empfängt mich mit Starkregen. In Moskau gibt es einen Campingplatz. Den finde ich wegen der ungenauen Koordinaten aber auch nur im Schlepptau eines Russen mit niederländischer Autonummer, der mal in Deutschland gearbeitet hat, und mir freundlicherweise den Weg zeigt. Er ist ohne Familie wieder nach Moskau zurückgekehrt, weil nach Deutschland zu viele Ausländer gekommen sind, meint er. Hier betreibt er jetzt ein Campingwagen-Geschäft, kann aber in meinen Camper kein Fenster einbauen, weil er die auch erst in Deutschland bestellen müsste. Auf dem Campingplatz stehen einige Touristen, wie auch ein Radfahrer, der noch bis Irkutzk fahren will. Hut ab bei diesem Wetter. Ich hole mir ein 3-Tages-Ticket für alle Öffentlichen für 300 Rubel, also etwa 1,50 € pro Tag, inclusive Fahrrad. Dann noch eine Prepaid-Karte fürs Internet. Aber wegen meiner und der Unwissenheit der Dienstleister, sowie der Verständigungsschwierigkeiten kaufe ich eine Karte ohne Thethering, das Surfen im Internet über einen USB-Stick mit SIM-Karte ermöglichen soll. Den hier extra zu kaufen ist mir zu teuer, da einer zu hause liegt. Also bin ich weiter, wie immer, auf WIFI angewiesen.

Der Rote Platz ist ein Schmuckkästchen. Das Kaufhaus GUM grenzt daran an mit seinen bunten Blumenbeeten und Springbrunnen. Habe selten so ein tolles Center gesehen.

 

 

 

 

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Die nahe Christ-Erlöser-Kathedrale (ein orthodoxer Sakralbau) ist weiträumig abgesperrt. Sie ist weltweit die höchste orthodoxe Kirche.  Aus besonderem Anlass (irgendwelche besonders heiligen Gebeine können z.Z. angebetet werden) haben wohl nur Orthodoxe Zutritt. Diese kommen von überall her, und  stehen formiert und diszipliniert kilometerlang an, wie diese hier an der Moskwa, die nicht etwa auf den Dampfer warten. Warum mich der Einlass nur nach Gesichtskontrolle nicht durchgelassen hat, bleibt mir schleierhaft. Oder war es der Ausgang wo ich rein wollte? Na ja, nix versteeen.

 

Moskau hat in den vergangenen sieben Jahren einen rasanten Strukturwandel erlebt, der noch nicht abgeschlossen ist. Wie in allen westlichen Metropolen besteht die Gefahr, dass Geringverdiener in Außenbezirke verdrängt werden. Im Rahmen einer groß angelegten Sanierung will die Stadt über 50 Milliaden Euro ausgeben. Bei der „Renowazija“ sollen alte Wohnungen, die in den 50er Jahren zur Linderung der Wohnungsnot nach dem Krieg vielerorts in der Sowjetunion errichtet wurden (meist vierstöckige Häuser, sog. Chruschtschowkas) abgerissen werden. In diesem Zusammenhang sollen 1,6 Millionen der 11-Millionen-Einwohner-Metropole umgesiedelt werden. Gegen den Abriss ihrer Plattenbauwohnungen regt sich massenhafter Widerstand bei den Bewohnern, die Angst davor haben, in unaktraktive Wohngebiete ziehen zu müssen. Die Mehrheit ist für den Abriss, will aber Auskunft über die konkreten Bedingungen der Umsiedlung. Dabei gibt es ein 1991 noch vom damaligen Obersten Sowjet beschlossenes Gesetz zu berücksichtigen, wonach die meisten Bewohner der Chruschtschowkas, die in einer Wohnung gemeldet waren, sich gegen eine geringe Gebühr als Eigentümer registrieren lassen konnten. Ein Trostpflaster für das ehemalige Volk, welches zusehen musste, wie Zehntausende von sowjetischen Staatsbetrieben oft mit kriminellen Methoden an die neuen Eigner (an „Rote Direktoren“, an Komsomolsekretäre wie Choderkowski und an die „Neuen Russen“) überschrieben wurden. Die Wohnungseigentümer haben gegenüber Mietern natürlich heute die besseren Rechte und können Genossenschaften gründen und die Modernisierung des Hauses, in dem es seit Jahrzehnten keine Grundsanierung gegeben hat, selbst in die Hand nehmen. Allerdings bekommen sie von den Katasterämtern noch nicht ihre Grundstücksgrenzen benannt. Die Aufteilung der Grundstücke war zu sowjetischen Zeiten nicht erforderlich und wurde offensichtlich noch nicht nachgeholt. Rein rechtlich sind  Wohnungseigentümer auch Eigentümer des Grundstükes. Das hat die Stadtverwaltung bei ihrem Umsiedlungsprogramm wahrscheinlich nicht berücksichtigt.
Da tun sich Parralelen auf: Wohnungen in Plattenbauten wurden in der DDR zu Wendezeiten nicht wie in Moskau an Eigentümer übertragen. Die gingen an städtische Wohnungsbaugesellschaften und wurden z.T. nach Modernisierung zu hohen Preisen verkauft. Die noch DDR-Regierung hat es denen, die ihre Wohnhäuser auf Pachtgrundstücken gebaut haben, kurz vor der Abgabe ihrer Regierungsgeschäfte ermöglicht, die dazu gehörenden Grundstücke zu DDR-Preisen zu kaufen. Die z.B., die ihre „Datschen“ auf „volkseigenen“ Pachtland errichtet haben, „durften“ weit nach der Wende das mitunter zwischenzeitlich zu Bauland umgewidmete (aufgewertete) Grundstück zu BRD-Preisen von der Treuhand kaufen. D.h. die meisten Ostdeutschen gingen leer aus und mussten zusehen, wie das sog. „Volkseigentum“ an die Treuhand überging. Ach ja, da gab es ja noch das Begrüßungsgeld von 100 DM.

Die Innenstadt ist ein einziger Bauplatz, die Straßen hoffnungslos verstopft. Mit dem Fahrrad bin ich den innersten Ring abgefahren und musste teppauf, treppab durch Fußgängertunnel laufen, um dem Verkehr auszuweichen. Zu Fuß sind es Kilometer, bis man die Straßenseite wechseln kann. Wegen der Baustellen und der fehlenden Fahrradspuren muss ich zwischen die Füßgänger. Das Geschäft auf der anderen Straßenseite kann man kaum erkennen. Zu Stalins Zeiten wurde weiträumiger, monumentaler gebaut, als zu Zeiten des Zahren. Als Fahradfahrer, die es kaum gibt, ist man ein Fremdkörper, auf den Straßen und in der Metro. In die Stadt hinein konnte ich die Metro auch mit dem Fahrrad nutzen. Nach Feierabend strömten die Massen in die Außenstädte und ich hatte keinen Zugang mehr mit dem Fahrrad. Also besser zu Fuß, wer kann.

Hinter Moskau lege ich auf halber Streke noch einen Halt ein, auf einem 100 Rubel-Parkplatz mit Anschluss an ein Restaurant.

Kurz vor Sankt Petersburg sehe ich einen Unfall (Tanklaster mit abgeschnittener Fahrerkabine). Wenig Unfälle für die Fahrweise von Einigen, die ihr und das Leben Anderer riskieren, nur wegen ein paar Meter Vorsprung. Es gibt genug davon unter den Gewinnern (große, schwarze Karossen) und unter den Verlierern (alte, verrostete Ladas) der russischen Variante einer gesellschaftlichen Neuordnung, das zwischen Arm und Reich geteilt ist. Rasen ist hier noch ein Kavaliersdelikt, und noch nicht wie neuerdings in Deutschland und richtigerweise eine Straftat.

Sankt Petersburg (die Partnerstadt Hamburgs, das Venedig des Nordens, das Fenster Russlands zum Westen Europas) erobere ich mit dem Fahrrad, was Dank des relativ milden Straßenverkehrs und der nahen Lage des Camps möglich ist. Man sieht mehr Fahrräder als in Moskau. Die Stadt, in der Wasserflächen und Stadtarchitektur verschmelzen und in der auf morastigem Boden viel Historie glänzt. Unter Europas Metropolen ist dies mit 300 Jahren (2003) die Jüngste. Die Stadtstruktur wurde seit dem 17. Jahrhundert kaum verändert. Das unterscheidet das von Peter des Großen gegründeten Sankt Petersburg von der durch Stalins Gigantismus geprägten Hauptstadt Moskau, in die die russische Regierung 1914 zog. Nach der Oktoberrevolution wurde Sankt Petersburg in Petrograd umbenannt. Nach dem Tod Lenins hieß sie Leningrad und bekam nach dem Ende der Sowjetunion wieder ihren alten Namen. Gemäß Dekret des Zaren sollte in Sankt Petersburg jeder Neubau unter der Firsthöhe des Winterpalastes bleiben. Daran hielt sich auch die Sowjetunion und so wurde die klassizistische Stadtkontur in rötlichem Granit erhalten.

So wie im Warschauer Pakt nicht an die Hungerjahre im Bürgerkrieg (Weiße gegen Rote Armee) nach der Okoberrevolution, sowie an die GPU-, KGB- und Gulag-Schrecken und Stalin-Terror erinnert wurde, so erinnert heute im hundertsten Jahr wenig an die Oktoberrevolution, die das 20. Jahrhundert prägte. Erinnert wird jedoch an die etwa eine Million zivilen Opfer, sowie an die sowjetischen Soldaten, die in der Zeit der faschistischen Belagerung fielen oder verhungerten. Auf vielen Denkmählern für die Gefallenen im 2. Weltkrieg (russisch: Große Vaterländische Krieg) liegen frische Blumen. Leningrad erlebte während der Belagerung eine unermesslich, grauenvolle Hungerkatastrophe, die in der Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Nach dem Durchbruch der Blockade erlebte die Stadt eine zweite Auferstehung. Mit der Marktwirtschaft kamen dann die Ganoven (Mafia, Olligarchen) und mit ihnen die Korruption, Gawalt, Reichtum und Armut. Wie im Westen, mit dem Unterschied, dass es dort kaum noch schlammige Wege und Straßen gibt, oder vergraute Betonblocks, oder Bretterbuden auf dem Markt, oder alte Matruschkas, die ihr bisschen Obst auf Holzkisten, oder auf Zeitungen anbieten (müssen). Diese Bild wird die Marktwirtschaft schneller beseitigen und ist im Touristen-Zentrum auch nicht mehr zu sehen.
Der Blindschuss vom Panzerkreuzer Aurora auf das Winterpalais des Zaren war das verabredete Zeichen für den Beginn der Oktoberrevolution 1917. Heute ist das Schiff ein Museum und schießt weder auf Samsung, noch verhindert es, dass Tauben auffliegen. Und Lenin weist nicht mehr den Weg, wurde aber auch nicht abgerissen.

Bis heute wird Lenin in Russland verehrt, Er schrieb Geschichte, schuf eine neue Form von Staat, die später in fast der halben Welt übernommen wurde. Allerdings soll er einem Posten im Mausoleum anvertraut haben: „Ich muss zurück in die Schweiz. Wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen“.
Gleich hinter der Moschee steht die Villa, in der Lenin ein Büro hatte. Heute ist sie ein Museum der politischen Geschichte Russlands, in der die sowjetische Geschichte umgeschrieben (angepasst) wurde.

Strand vor der Peter Paul- Festung, aus der das Wahrzeichen des schlanken Turms der Kathedrale herausragt, sowie die mit Schiffsschnäbeln geschmückten, ehemaligen Leuchttürme an der Newa.

Zu den ersten Sehenswürdigkeiten zählen das Winterpalais und die in kaisergelb ins Licht gestellte Eremitage, die als Museum zu den größten Kunstsammlungen der Welt zählt. Von innen habe ich es schon vor etwa 10 Jahren gesehen.

Der Schlossplatz mit Alexander-Säule und einer alten Matruschka, die wohl fotgrafiert werden wollte.

Straßenmusikszene rund um die Christi-Auferstehungskirche „Auf dem Blute“, die dort errichtet wurde, wo einer der ermordeten Zaren und sein Attentäter verblutete.

SAM_3634Edelkarosse „Wolga“ aus sowjetischen Zeiten und entspannter Tag im Park, endlich wieder in der Sonne. Und Weltstadt-Rhythmus am Newski-Prospekt.

Feinkosttempel im Jugendstildesign, Kaufhauspassage, Wandelgang am Großen Kaufhof.

 

Die St.-Isaak-Kathedrale, eine der größten Kuppelkirchen der Welt mit ihren riesigen Säulen.

 

 

 

 

 

Eine fotogene Schönheit in rot vor der Kathedrale der Mutter-gottes von Kasan und ein Geländerdetail an einer der vielen Brüken.

Und immer wieder die Newa: Am oberen Fluss, am Stadtzentrum und an der Mündung in die Ostsee, bzw. Finnischen Meerbusen, wo ein Wolkenkratzer entsteht.

 

Zuletzt noch ein Besuch im botanischen Garten, dann geht es weiter nach Finnland.

 

 

 

 

 

Durch Finnland fahre ich im Prinzip nur durch und halte nur in Lappeenranta, Jyväskylä und Vaasa. Am 24. Juni, der längste Tag des Jahres mit der kürzesten Nacht, muss man auf den Sonnenuntergang hier im Norden besonders lange warten. Auch jetzt noch und weit vor dem Nordkap.

 

 

 

 

Alte Autos verrosten nicht, sondern werden ausgestellt. Hier eine Sammlung auf einem kleinen Campingplatz.

In Vaasa nehme ich die Fähre nach Umea und setze nach Schweden über. Die Fähre fährt einmal pro Tag und ist so voll, wie ich es bisher nur von Sudan nach Saudi-Arabien erlebt habe.