West-Afrika

Nigeria 30.8. – 5.9.12

Bis nach Nigeria ist es nicht weit. Früh losgefahren, bin ich bald an der Grenze. Wie fast immer hier in Afrika verjüngt sich die Straße vor der Grenze, und mündet in einen Markt. Damit wird der Grenzübergang völlig chaotisch. Die Grenzer verstecken sich irgendwo in dem Getümmel. Erst wenn man sie übersieht, werden sie aktiv. Man hat Schwierigkeiten, den eigentlichen Grenzübertritt wahrzunehmen, er ist mehr fließend. An der nigerianischen Grenze wird das Klima rauer. Wenn die Musik den Ton macht, war es ein fürchterlicher Song. Nur der Grenzer, dem ich in meinem Interesse beim Ausfüllen des Carnet de Passage helfe, spricht nicht im Befehlston.
In Lagos spreche ich, bevor ich das Zentrum erreicht habe, einen Mann mit „Mister“ an. Der will zufällig in die gleiche Richtung und zeigt mir den Weg zur Botschaft Kameruns. Dort erklärt man mir, dass ich das Visum hier erst am Montag oder in Calabar bekommen kann.
Auf der langen Suche anschließend komme ich zum Hotel Oriental  Hotel Oriental (www.lagosoriental.com).
Man holt einen Hotel-Manager, der Deutscher ist. Ich erkläre ihm, dass ich einen sicheren Hafen als Car-Camper  suche. Andreas B. ist beeindruckt von meinem Vorhaben und besorgt um meine Sicherheit, so dass er mir den Platz kostenlos anbietet. Der Standplatz im Parkhochhaus gehört zwar nicht zu den Schönsten, (stimmt: ist aber besser als auf der Parkbank). Aber dafür habe ich bis zum Schlafen gehen alle Annehmlichkeiten, wie Fitness, Pool, Dusche, Restaurant usw., und seit langem schnelles Internet. Er beschreibt mir noch den Weg zur Toyota-Werkstatt. Mrs. Hiace hat wieder mal ein Ölwechsel angemeldet. Damit ist der 1. Tag in Nigeria insgesamt sehr gut verlaufen. In der Toyota Werkstatt bin ich am nächsten Tag bestens bedient worden. Nach 2 Std. war auch Mr. Hiace zufrieden.
Fotos ab hier fehlen, weil mir der Fotoapparat in der folgenden Schlammschlacht abhanden gekommen ist. Geklaut oder verloren? Aber dazu später.
Auf der Fahrt nach Kamerun übernachte ich in Owerri. Von HeikoHowey@gmx.net, dessen Adresse ich über Alfred (aus dem Nationalpark Benin) bekommen hatte, hat gute Informationen über Nigeria und Angola-Visum, was unterwegs so gut wie nicht zu erhalten ist. Dank Barbara ist mein in Berlin von ihr eingeholtes Angola-Visum in Richtung Kinshasa unterwegs. Heiko, der mir eine Einladung aus Nigeria schicken wollte, meint, ich soll in Nigeria aufpassen. In manchen Gegenden, z.B. um Uyo haben sich Schwarze auf Kidnapping Weißer spezialisiert. Bin ich da nicht lang gefahren, oder hatte ich einfach nur Glück?  Jedenfalls hat mich die Nachricht zu spät ereilt. Angolaner wollen nicht nur eine Durchreise von Touristen. Deshalb kann man in Bamako ein Nigeria-Visum für 1 Jahr holen, damit bekommt man in Abuja ein Angola-Visum. Außerdem meint er, dass man mit Glücke ein Angola-Visum in Yaoundé (Kamerun) erhält. Das versuchen wahrscheinlich die beiden Niederländer, die ich in Lomé kennenlernte.
Ich schaffe es an dem Tag bis Owerry und übernachte auf den großzügig angelegten Parkplatz des größten Hotels. Neben Polizei-Fahrzeugen. Andere, kleiner Hotels haben mich abgewiesen, weil „die Polizei was dagegen hätte“. Das Hotel, in dem ich essen und Toilette benutzen kann, ist in einem Zustand verblichener Eleganz. Das hatte wahrscheinlich der deutsche Hotel-Manager aus Lagos, Andreas B., gemeint, der sagte, dass sich die Chinesen, die das Hotel errichtet haben deutsche Fachkräfte holen, weil das die Afrikaner nicht hinbekommen. Aber in Owerry fällt das wahrscheinlich nicht auf, mangels internationaler Kundschaft. Jedenfalls habe ich ab hier kein Weißgesicht mehr gesehen. Ich halte mich nicht auf und fahre weiter bis Calarbar, wo ich am nächsten Tag mein Kamerun-Visum erhalte. Auf den Straßen bekomme ich einen kleinen Vorgeschmack auf das, was mich noch erwarten soll. Bei Ankunft in Calabar komme ich noch bei strömenden Regen bis zu einem Hotel. Dort springt mein Motor nicht mehr an. Schon unterwegs hatte die Motorleistung erheblich nachgelassen. Und das in einer Stadt vor Calarbar, wo ich mehr als Glück hatte durchzukommen. Ein schreckliches Gewühl zwischen LKWs, die sich durch den Schlamm quälen. Entsteht irgendwo eine Lücke, wird sie wieder sofort sinnlos von einem Idioten gefüllt, und dann geht gar nichts mehr. Ich streife einen anderen PKW, bei mir entsteht „nur“ Lackschaden. Ein Stück später fährt vor mir in dem Chaos ein LKW rückwärts, ich ebenfalls und voll auf den hinter mir stehenden PKW. Wo der plötzlich herkam weiß ich nicht, habe ich in der Hektik übersehen. Er fuchtelt aus dem Fenster, aber steigt nicht einmal aus. Damit war die Sache erledigt. Alfred erzählte, auch ein Menschenleben hat unter den herrschenden Bedingungen nicht viel Wert, was ich Gott sei Dank noch nicht erfahren habe, aber glaube.
Vor dem Hotel in Calarbar spreche ich einen Toyota-Fahrer an, der eine Auto-Werkstatt anruft. Wenig später kommt ein Mechaniker. Der bekommt wie auch immer mein Fahrzeug wieder zum Laufen und ich „follow him“ zu ihm nach Hause. Dort darf ich stehen. Er zeigt mir stolz seine mit Blech gedeckte Hütte und wir schauen „sogar“ Video. Wir essen Abendbrot zu dritt aus einer Schüssel, Reis mit Gemüse, schmeckte aber lecker. Er als Mittelständler, die es in Nigeria schon mehr als anderswo in Afrika gibt, hat ein „Haus“, was er sich mit anderen Nachbarn teilt, mit etwas höherem Standard. Plumps-Clo befindet sich auf dem Hof, umgeben mit hoher Mauer. Erinnert mich an Usbekistan. Abends gehen wir in seine Kneipe, ein Treffpunkt besser gestellter Jugendlicher nach westlichem Standard. Unterwegs hält er bei seiner „Freundin“. Ich sage ihm, wenn ich das in Deutschland öffentlich tun würde, bekäme ich Schwierigkeiten mit meiner Frau (hallo Barbara). Er lacht nur. Wie auch immer, am nächsten Tag fahren wir zu seiner „Werkstatt“. Die Reparatur findet auf der Straße statt, wie alles hier in Afrika. Seine Mitarbeiter stellen fest, dass ich Benzin statt Diesel getankt habe. Zuerst bin ich selber schuld, dass ich das Benzin an der Tankstelle nicht gekostet habe. Aber den mit Dummheit geplagten Tankschüler könnte ich umbringen. Ich habe extra eine Tankstelle gewählt, weil ich an den vielen kleinen Ständen, wo Petrol in zweckentfremdeten Wasserflaschen und billiger angeboten wird, genau aus diesem Grund gemieden habe. Es müssen ein paar Teile ausgewechselt werden, ich muss Geld nachtanken. Vor Abhebung mit Visakarte wird in Nigeria wegen Fälschung eindringlich gewarnt.
Außerdem finde ich einen Schuster, was sich noch als sehr nützlich erweisen sollte, denn so habe ich noch ein paar Sandalen für Schlamm. Die Piste (unbefestigte Sandwege) bis zum Grenzübergang nach Kamerun (Otu) wird dann zur absoluten Hölle für mich. Eigentlich ist sie für normale tiefliegende Fahrzeuge ohne Allradantrieb, wie meins, nicht befahrbar. Zumindest nicht nach Regen. Und hier ist zu allem Unglück für mich Regenzeit. Löcher so tief, dass halbe Fahrzeuge darin versinken, halb gefüllt mit Wasser. Soweit nicht, vor allem von LKWs aufgewühlter Schlamm mit dabei ist, wäre das noch kein Problem, außer dass ich laufend aufsetze, vorn und hinten. Ohne den Bullenfänger hätte ich die Schürze schon zigmal verloren. So habe ich nur einen Radkastenschutz verloren. Aber allein hatte ich keine Chance da durchzukommen. An der ersten Stelle, einige zig Kilometer vor der Grenze, haben mich ein paar Jugendliche rausge-„puscht“, also durchgeschoben. Die haben mich dann mit Mopeds, die hier vor allem üblich sind, bis zu ihrem Dorf begleitet und noch ein paarmal „geholfen“ nachdem der Preis ausgehandelt war. Die Bewaffnung mit Buschmesser ist landwirtschaftlich bedingt, also keine Gefahr. In ihrem Dorf war ich in der Familie zu Gast, mit derem Sohn ich den Preis verhandelt habe. Als weißer Exot war ich Mittelpunkt des Dorfes und bin auch mit Abendbrot und Bier bewirtet worden. Er zeigte mir noch, wie ich duschen kann. Mit einem 10 Liter-Eimer hinter dem Haus. Als ich mein Bier weggetragen wollte, zeigte er mir die Stelle, wo ich geduscht hatte. Aber: Ich habe mich absolut sicher gefühlt und konnte mit offener Tür schlafen. Am Morgen gegen 5 Uhr, übertrumpfte eine krächzende Megofonstimme das Krähen der Hähne. Eine halbe Stunde lief der Wecker das Dorf auf und ab und blieb bei mir stehen, als wenn er mich bekehren wollte. Die Zeremonie erinnert an muslimische Megafone auf Moschen, obwohl es hier nur Christen gibt. Die Aggressivität der Stimme lässt bei mir Zweifel aufkommen, dass hier alle friedlich miteinander leben, wie mir am Abend versichert wurde. Das stimmt sicher nur so lange, wie nur eine Religion, wenn auch in vielen Unterarten, zusammen leben muss. Im Norden dieses Landes sieht das anders aus (s. auch zum Thema: „Meine Weltansicht“). Am nächsten Morgen steht ein Driver mit seinem Allrad- Toyota neben mir. Er bietet mir an, mir zu helfen, natürlich nur gegen Money, was ich in Landeswährung ausgegeben hatte, die ich im Nachbarland nicht mehr brauchte. Eine Fehlkalkulation. Ich habe ihm den Rücken gezeigt, als ich sein Angebot vernahm. Ich bin mit „meinen Jungs“ weitergezogen. Der nächste Punkt (Danger) war eine schwere Arbeit für sie. Der Diver stand mit seinem Fahrzeug bereit. Die Jungs fielen mir in den Rücken, weil hier alle unter einer Decke stecken, und ich war am Ende meiner Nerven und schlug ihm die Hälfte vor. Er willigte ein und ich ließ ihn die Skizze meines, unseres Kontraktes gegenzeichnen, der noch öfter eine Rolle spielen sollte. Er sollte mich bis 15 km hinter der Grenze begleiten. Er hatte als Driver den erforderlichen Ausweis zum Grenzwechsel. Später erfuhr ich, dass er nicht meinetwegen dorthin fuhr, sondern weil er 15 km hinter der Grenze wohnte. Ich hing an seiner Kette und es folgten noch viele Stellen, an denen ich allein keine Chance gehabt hätte. An der Grenze der nächste Stress von Beamten. Den Stempel im Pass hatte ich, ich konnte nicht mehr zurück nach Nigeria. Den Stempel für das Carnet de Pasage haben mir die Immigrationsbeamten nicht gegeben. Das Zimmer, an dem „Custom“ stand, war hier nicht besetzt. Wahrscheinlich zu wenig Verkehr an diesem Grenzpunkt. Also konnte ich mit dem Auto nicht ausreisen, d.h. ich wollte nicht, um nicht die Kaution für das Carnet zu gefährden. Der Driver ging mir auf die Nerven. Ich gab ihm zu verstehen: No Stemp, no Money, weil der Kontrakt nicht erfüllt war. Er wollte die Hälfte. Ich war so sauer, dass ich ihm auch den nicht gab. Er drohte das Fahrrad abzumontieren und fing an, daran rumzufingern. Aber ich war sicher, die haben viel zu viel Respekt vor der Staatsmacht. Die war zwar nicht auf meiner Seite, aber das hätten sie nicht zulassen können. Der Driver zeigte sich weinerlich und zog nach langer Zeit über die Grenze. Ich habe noch lange überlegt und auf die Beamten eingeredet, aber ebenso hätte ich mit den Hühnern reden können. Also fuhr ich über die Brücke ins nächste Land, nach Kamerun.

Das war die Route durch Nigeria über ca. 850 km, von Lagos zur Grenze nach Kamerun (Ekang, Cross River).
Visum für Kamerun gibt es in Calabar, ohne Problem.

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Benin 17.8. – 30.8.12

Der Grenzübergang von Togo nach Benin verläuft ganz ohne Stress in sehr kurzer Zeit. Für Benin und Cotonou habe ich weder eine Karte noch Navi. Also nehme ich ein Taxi (Mopedfahrer), der vorausfährt und mich durch die Hauptstadt Cotonou zur Botschaft Nigerias schleust. Aber die hat nur Die + Do von 10 -12 auf, und heute ist Freitag. Ich suche ein Hotel am Strand, etwa 15 km westlich vom Flughafen. Dort bleibe ich im Sand stecken. Im nu sind ein paar junge Männer da, und schieben mich gegen ein kleines Entgelt wieder raus. Ich finde ein Hotel mit Piskine direkt am Strand nur 5 km vom Flughafen. Ein paar Nachtmenschen (junge Liberianer) vermiesen mir dort die Nacht. Bis früh um 5 halte ich aus. Dann reicht’s. Im Schlafanzug fahre ich ziemlich verärgert, aber ohne Kommentar,  in die Stadt auf den Hof des Novotels und schlafe noch mal eine Runde. Anschließend frage ich an der Rezeption, ob ich dort stehen bleiben kann, als Car-Camper. „Was ist das? Was, im Auto schlafen, nein das geht gar nicht“. Ich fahre ein paar hundert Meter weiter zum Golfhotel Marina. Dort manage ich mich nach oben. Die 5 Männer im schwarzen Anzug haben zwar auch noch nichts von Car-Camping gehört, stimmen aber nach Diskussion meinem Vorschlag zu, für 5.000 CFA (ca. 8,-€/Nacht) auf ihrem sehr weiträumigen Parkplatz zu stehen. Toilette kann ich in der Hotellobby nutzen. Wenn ich mich dort rasiere, falle ich natürlich auf, außerdem muss ich mich entsprechend ankleiden. Für weiter 3.500,-CFA kann ich den Pool nutzen, der auch einen bewachten Zugang zum Strand hat.
Am Dienstag stehe ich pünktlich vor der nigerianischen Botschaft. Der Mann am Guckloch, bzw. auf dem Hochsitz hinter dem Stahltor meint, es sei geschlossen. Hätte ich wissen müssen (?!), es ist Zuckerfest, Ende des Ramadan. Am Donnerstag meint man (frau), ich bekomme kein Visum, weil mein Invitation Letter (Einladung) nicht ausreicht. Zu diesem Zweck hatte ich mir eine Hotelreservierung ausgedruckt, aber dummer Weise nur für die Nacht der erhofften Ankunft. Ein Residence Permit (Aufenthaltsgenehmigung für Benin) haben sie nicht nachgefragt. Erst die Verbal Note, die mir der Konsul der deutschen Botschaft in Cotonou (nahe der französischen Botschaft) mitgegeben hatte, führte dazu, dass sie mein Visa Applikation (Antrag) entgegen genommen haben. Noch am Donnerstag bin ich gegen Mittag in Richtung Pendjari gefahren, einen der schönsten Nationalparks Westafrikas. Die in Togo z.B. sind weitgehend leergeschossen. Unterwegs habe ich an einem kleinen Hotel gehalten, wo ich mich auf den Hof stellen konnte. Der Frau tat ich so leid, als ich im Auto schlafen wollte, dass sie mir ein Zimmer kostenlos anbieten wollte, was ich dankend ablehnte. Nach einer fürchterlichen Fahrt durch Schlaglöcher so tief, dass ich noch im Schritttempo teilweise aufsetzte, erreichte ich Tanguieta im Norden Benins. Ein Mann aus dem Hotel brachte mich zum Touristenbüro. Zufällig sprach der im Büro gerade mit Alfred, einem Deutschen aus Nordfranken. Der führt dort seit 30 Jahren das Hotel (www.camp-numi) in Battia, an der Einfahrt zum Park. Das traf sich sehr gut. Ich fahre hinter ihm her, die etwa 45 km Sandpiste. Es ist schon dunkel, es regnet aus Kannen und neben uns schlägt ein Blitz ein, mit zeitgleichem Kanonenschlag. Ich bin froh mit Alfred noch 2 Bier trinken zu können, statt im Schlamm stecken geblieben zu sein. Ich erfuhr noch, dass Jan und Mariska aus den Niederlanden, die ich in Lome kennenlernte, hier vor einem Tag abgereist sind. Anderntags fahre ich mit einem Guide, der dort Pflicht ist, in den Park. Wir sehen in freier Wildbahn alle dort lebenden Tiere, wenn auch manchmal weit entfernt, wie die Wasserpferde und Krokodile im See. Aber ein Löwe und ein Elefant z.B. laufen uns über die Sandpiste. Der Löwe fühlt sich genervt bei der Jagd, als wir ein Stück hinter ihm herfahren. Weiter sehen wir Wildschweine, Affen, jede Menge so eine Art Rotwild usw.

Die Nacht schlafe ich im Park, am geschlossen Hotel im Norden des Parks, an der Grenze zu Burkina Faso. Der Guide isst und schläft im leeren aber bewachten Hotel, wahrscheinlich auf dem nackten Boden. Sonst hatte er nichts mit, gar nix. Sonst sprach er nur französisch, so konnten wir uns ausschweigen. Am nächsten Mittag sind wir wieder im Camp und ich kann noch Wäsche waschen mit Quellwasser, am Rande eines Gebirgszuges, das den Park abgrenzt. Mit Alfred speise ich eigens für uns gemachtes Abendbrot und trinke ein paar Bier. Er ist nach langer Abwesenheit aus Deutschland noch immer sehr interessiert an deutscher Politik. Ich frage ihn, ob Schwarzafrikaner so etwas wie Schadenfreude kennen, die ich schon oft empfunden habe. Schlimmer meint er. Es ist eine ziemlich zerrissene Gesellschaft mit einer mehr äußerlichen Freundlichkeit. Sonst muss jeder zusehen, wie er seine Existenz sichert. Ein hartes Urteil eines Mannes, der sich ein Urteil bilden konnte.

Ich wäre noch geblieben, aber als Getriebener Getriebener der Botschaften muss ich zurück. Ausgerüstet mit den entsprechenden Informationen verläuft die Strecke an der togischen Grenze wesentlich ruhiger, als die Hinfahrt auf der Hauptstraße entlang der nigerianischen Grenze, die hoffnungslos durchlöchert ist. Wenn mich jemand fragt, ob ich die Tour von ca. 1.500 km hin und zurück, plus ca. 250 km im Park, noch einmal dafür machen würde, würde ich verneinen. In Dänemark hatten wir so einen Tierpark schon einmal mit dem Auto durchquert, mit dem Unterschied, dass dort die Löwen gelangweilt auf das nächste Futter warteten.

Am Dienstag war ich noch mal in der nigerianischen Botschaft. Sie können mir kein Visum geben. Meine letzte Chance: Der deutsche Konsul soll bei ihnen anrufen. Der meint, das ist ganz was Neues Erst lehnt er ab, aber lässt dann doch anrufen. Er sagt noch, die Nigerianer wollten nur wissen, ob seine Note echt war, obwohl sie Stempel und Unterschrift trug. Ich frage mich, was sollen dieses Kinderspielchen zwischen ausgewachsenen Diplomaten? Ein schwarzer Deutsch-Nigerianer, Hakeem A. info@ionsun-consulting.com, ein Wanderer zwischen den Kontinenten, der mit in der Botschaft Nigerias sitzt, gibt mir die inoffizielle Antwort, die mir so wie das Ganze abgelaufen ist, sehr plausibel erscheint: Nigeria ist ein aufstrebendes, selbstbewusstes Land, das die Führung in der Afrikanischen Union anstrebt, vor Südafrika. Nigerianer, auch Mitarbeiter der Botschaft, erhalten in Deutschland nur ein Einreisevisum, wenn sie Arbeit nachweisen können! Mehr als Retourkutsche erfahren deutsche Touristen die Einwanderungspolitik Deutschlands gegenüber Nigerianern. D.h. gerade deutsche Touristen werden erst einmal am ausgestreckten Arm hingehalten. Und da, wo die Verständigungsbereitschaft fehlt, ist es schwer sich zu verständigen, selbst bei sehr guten Sprachkenntnissen, die ich nicht habe. Bei der nigerianischen Botschaft in Lome bin ich ja ahnungslos schon im Vorraum abgeblitzt. Die fehlenden Unterlagen sind dann nur ein vorgeschobener, offizieller Grund.
Ich soll wiederkommen, wenn ich den deutschen Konsul dazu bringe anzurufen. Ich gehe Mittagessen in einem Restaurant nach europäischem Standard, wo es Pizza und Hotdogs gibt. Und wer sitzt da rein zufällig?…. die Mädchen aus der Botschaft. Keine Ahnung warum, aber dann kam eine der Vorzimmerdamen zu mir und sagte, ich soll um 4 noch mal kommen. Dann bekam ich mein Visum für 7 Tage (Transit) ausgestellt, für relativ wenig Geld. Der Vorsteher am Tor, dem ich meinen Ärger darüber zu verstehen gab, dass er mir erst kein Antrag mitgegeben, den Feiertag verschwiegen und mich eine Stunde später nach tatsächlicher Öffnungszeit kommen lassen hat, fragt, ob ich jetzt froh bin. Ich sage nein. Er meint für Deutschland erhält er überhaupt kein Visum. Ich sage, für die falsche Einwanderungspolitik meiner Regierung kann ich wenig. Da lacht er und wir haben uns wieder auf einer Ebene getroffen.
Problematisch für mich bleibt, dass die Zeit gegen die Uhr läuft. Das Visum für die DR Kongo läuft am 30.9. aus. Nicht viel Zeit bis nach Angola. Das Visum für Angola hat Barbara parallel in Berlin eingeholt, weil das nur in Berlin eingeholt werden kann und nur 30 Tage gültig ist. Mal sehen wo ich es abholen kann.
Ich nutze noch ein Tag und sitze in der Hotellobby am Blog und der weiteren Vorbereitung. Abends beim Bier am Pool lausche ich dem Rauschen des Meeres.

Das war die Route durch Ostafrika ab Dakar (Senegal) über Mali, Burkina Faso, Togo und  Benin.

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Togo 2.8. – 17.8.12

Von der Grenze Burkina Faso aus fahre ich die 40 km noch im Dunkeln bis Dapaong und finde einen Stellplatz in einem kleinen Hotel. Nachts soll man ja nicht fahren, aber manchmal gibt es keine andere Möglichkeit. Am nächsten Morgen, ich sitze noch am PC, sprechen mich zwei Weißgesichter an. Einer spricht auch deutsch. Ich erfahre, dass beide für eine amerikanische Firma arbeiten, die für Togo Technik des Digitalfernsehens der 2. Generation planen und vorbereiten. Das erinnert mich an mein 1. Berufsleben und an die Umstellung im 2. Berufsleben. Togo wäre dann wohl das erste Land in Afrika mit dieser neusten Technik. Ich denke mir noch so, dass die Einrichtung einer funktionierenden Internetverbindung ebenfalls angebracht wäre. Ich sehe mir noch ein paar afrikanische Masken an, die im Hotel angeboten werden und ärgere mich hinterher, nicht zugeschlagen, d.h. gekauft zu haben.
Ich setze meine Fahrt in Richtung Kara fort. Unterwegs überholen mich die zwei Weißgesichter mit Fahrer in einem Pickab. Bei der Rally um die Schlaglöcher ziehe ich bald den Kürzeren. In Kara brauche ich lange, um das passende Hotel zu finden. Polizisten ärgern mich noch, weil ich hinter einer Ampel gehalten habe. Nach einigem hin und her habe ich meine Papiere ungeschoren wieder, aber weiß den Weg immer noch nicht. Im Hotel angekommen, wen sehe ich da…? Richtig, man sieht sich im Leben immer zweimal. Florent und Marc, die beiden Weißgesichter, sitzen schon da, bei einer Arbeitsbesprechung. Sie bieten mir einen Platz an und es entwickelt sich ein für mich interessantes Gespräch in 3 Sprachen: französisch, englisch und deutsch. 2 davon kann ich nicht so gut. Florent vermittelt. Er ist Berliner, der in Frankreich geboren ist. Marc ist Kanadier. Bald interessieren sich beide für meine Fahrt. Ich erzähle ihnen auch von der schweren Seite dieser Fahrt. Beide beneiden mich um die Freiheit, die ich genieße. Besonders Marc, der selbst viel in der Welt rumgekommen ist, redet mir gut zu und meint, dass es schade wäre abzubrechen, wenn man schon so weit gekommen ist. Ich sage Ihnen, dass meine Entscheidung in Lome, der Hauptstadt Togos, fällt. Beide wohnen dort für die Zeit ihres Auftrages. Wir tauchen unsere Adressen aus, vielleicht sieht man sich auch ein drittes Mal.
Am nächsten Tag mache ich einen Ausflug in die nähere Umgebung, eine Rundreise über Kabou. Von Bassar geht es etwa 80 km Sand- und Schotterstraße durch den Urwald nach Bafilo. Hier leben viele Ethnien auf engem Raum. Ich gehe auf die Einheimischen zu und erhalte auch ein paar Eindrücke vom Innenleben der „Einfamilienhäuser“ in Lehm und einer Art Schilfdach. Die kleineren runden Bauten diehnen z.B. als Kornkammer.

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Dem Familienvater gebe ich 1.000 CFA (etwa 1,40 €) dafür, dass er mir Enlass gewährt hat. Er freut sich wie ein Schneekönig über die Summe, die er sonst vielleicht in einem Monat zur Verfügung hat. Für Selbstversorger ist das viel Geld. Wer hier als Weißer mit einem Auto  vorfährt, wird mit überraschten Augen beobachtet. Natürlich nehmen die Einheimischen an, ein Weißer, der nichts anderes zu tun hat, als hier mit dem Auto rumzufahren, muss reich sein. Aber auf die Idee zu betteln würden sie nicht kommen. Im Gegensatz zu Beamten, die auch nicht betteln, sondern oft auch grundlos über ihre Macht Geld verlangen.
Die Frauen tragen auf dem Kopf z.B Holz und Holzkohle zu Markte, sowie Produkte aus ihrem landwirtschaftlichen Anbau. Vor vielen dieser kleinen Dörfer findet man Brunnen, wie hier vor der Kirche, welche  z.B. von den USA gesponsert wurde.

 

Man mag sich aus der Sicht Pauschlareisender aus industrieellen Ländern fragen, warum die Menschen noch immer in diesen Verhältnissen leben. Eine der vielen Ursachen ist, dass die junge Generation die Alte nicht in Frage stellt und anders leben will, was in westlichen Gesellschaften hin und wieder zu Veränderungen führt (68ér, DDR-Wende, afrikanischer Frühling, orangene „Revolution“ usw). Revolutionen, die zu nachhaltigen Gesellschaftsänderungen führen, waren auch das noch nicht.
In einem Dorf und in der Stadt Bassar findet Markt statt. Ich steige aus und mische mich unter. 2 Welten beäugen sich interessiert und auch misstrauisch. Man hält Distanz und grüßt auch freundlich.

Dann kommt auf dem unbefestigtem Weg das, was nicht kommen sollte. Eine Brücke über einem kleinen Bach ist unterspühlt worden. Wacklige Stämme liegen über dem Abgrund. Ich wähle die Alternative unweit durch den Bach.

Das Geröll auf der andere Seite der relativ steilen Auffahrt ist aber noch feucht vom letztem Regen. Es kommen Erinnerungen von der Fahrt durch die Mongolei und über den Pamir hoch. Ich bleibe natürlich am Hang gegenüber stecken, die Räder drehen durch. Auf Hilfe kann ich hier lange warten. Nach mehreren vergeblichen Versuchen fahre ich rückwärts durch den Bach, nehme neuen Anlauf, und ….. Mr. Hiace schafft es gerade so. Keiner kann sich vorstellen, wie froh ich war, wieder raus aus dem Urwald zu sein. In Zukunft bleibe ich auf den Hauptstrecken. Ohne Allrad lernt man schnell seine Grenzen kennen.
Auf der Strecke nach Lome passiere ich hinter Bafilo den Faille d´Aledjo, eine in den Felsen gemeißelte Straße. Die LKW´s, die nicht durchpassen, fahren einfach auf der linken Spur, und landen mitunter im Straßengraben.

Von Atakpame will ich zum Wasserfall bei Badou fahren, gebe aber nach einiger Zeit auf, weil mir die Piste in Sand mit unheimlich tiefen Schlaglöchern auf die Nerven geht. Vor Lome mache ich für die Nacht noch mal Halt in Notse. Von dort soll die Piste auch sehr schlecht nach Kpalime sein. Also werde ich versuchen dieses Ziel von Lome aus zu erreichen. In Lome frage ich mich zur Auberge „Chez Alice“ durch (hinter dem Hafen in Richtung Benin). Alice ist die Chefin aus Österreich, die in Lome schon 30 Jahre lebt. In der Auberge stehen schon weitere Traveller, 2 Pärchen, Susanne + Karl aus Österreich (www.reise-igl.at), sowie Jan + Mariska aus den Niederlanden (www.travel2survive.com). Die beiden nächsten Abende klönen wir über unsere Reise-Abenteuer, diesmal nur in Deutsch. Alle sind etwa die gleiche Strecke gefahren und haben ein Ziel: Südafrika, und die Westküste wieder Richtung Norden. Aber die Vorstellungen von so einer Reise gehen mitunter eigene Wege. Das betrifft Reisegeschwindigkeit, Reiseziele, auch in Abhängigkeit z.B. von Allradantrieb), Art der Unterkünfte (auch in Abhängigkeit von der Größe des eigenen Fahrzeugs) usw.
Aber mich quält im Moment mehr die Entscheidung zwischen den Alternativen: Abbrechen, unterbrechen, abkürzen (Verschiffen) oder weiterfahren.?! Wollt ihr noch Bilder sehen?
Um Bilder zu machen, muss ich weiterfahren. Aber die Bilder kann eigentlich niemand bezahlen, gemessen an dem Aufwand, sie zu machen. In Lome muss ich fast jeden Tag in die Stadt, um Visa zu beschaffen usw, also nicht nur um Bilder zu machen. Und Chez Alice liegt etwa 15 km außerhalb der Stadt, vorbei am Hafen, wo die Brücke noch nicht fertig ist. Ein LKW liegt wieder mal fest, alle anderen quählen sich vorbei, auch auf der Gegenspur, und rammeln sich auch noch gegenseitig fest. Nichts geht mehr.
Alles dicht, jeder fährt wie er will, keiner regelt das Durcheinander. Jan zeigt mir die Auslandsvertretungen in der Stadt auf der Stadtkarte und den Sitz des zentralen Kommissariats. Dort hole ich mir ein „Zertifikat Residenz“ für 8.500 CFA, welches mir einen Wohnsitz in Lome bestätigt. Das verlangt z.B. die Vertretung Gabuns für ein Visum.
Am Wochenende mache ich einen Ausflug nach Kpalime, die Stadt der Künstler.  Die Gegend soll mit die Schönste sein in Togo.  Zeit wieder das Fahrrad abzuschnallen, um in die Berge zu fahren. 8 km aufwärts an einem kleinen Wasserfall und an deutschen Kolonialbauten vorbei.

In Deutschland erinnert so gut wie gar nichts an deutsche Kolonialgeschichte. In der Schule erfährt man dazu auch herzlich wenig. Welche Spuren haben die Kolonialmächte in Afrika hinterlassen? Welche Auswirkungen hat diese Fremdherrschaft, die z.T. erst vor 20 Jahren beendet wurde, auf die Entwicklung Afrikas? Darüber will ich bei Gelegenheit schreiben.
Jedenfalls bietet dieser verlassene und halb verfallene Bau auf der Missahöhe einen herrlichen Blick auf die Feuchtsavanne und den Mont Agou, den mit fast 1.000 m höchsten Berg Togos.

In toller Schussfahrt geht es wieder nach unten, musste vorher ja auch hart erarbeitet werden. Unten schnalle ich das Fahrrad wieder ans Auto und fahre zum großen Wasserfall, der von einem Stausee gespeist wird.

Die Togolesen kommen mit Bussen hierher. Das Treiben erinnert an einen Aquapark in Europa.

Als die Amtsstuben aufmachen, bin ich wieder in Lome. Das Visum für Gabun und DR Kongo kann ich schon am nächsten Tag abholen. Der alte Pass ist dann voll. Der dritte Pass wird in Berlin gebraucht, weil man das Visa für Angola wahrscheinlich nur im Heimatland bekommt. Der Antrag für Nigeria wird mir von einer extrem unkooperativen Beamtin nicht abgenommen, weil ich keine Aufenthaltserlaubnis über 3 Monate für  Lome  habe, soweit ihrem unsauberen englisch zu entnehmen war. Am 2.Tag ist angeblich Konferenz und am 3. Tag ist Mittwoch, also ist hier Ruhetag. Eines fernen Tages agieren Beamte vielleicht einmal als Dienstleister. Bis dahin bin ich ihr Postbote und Bittsteller. Am 4. Tag habe ich sogar Hausverbot, d.h. der Securite lässt mich gar nicht bis zum Emmpfang vor. Ich passe einen herauskommenden Mitarbeiter ab, der sich herablässt mir zu erklären, dass ich 100 Tage Residenz in Togo nachweisen muss, um überhaupt einen Visa-Antrag stellen zu können.
Ich nutze die verbliebende Freizeit um endlich mal wieder im Atlantik hinter dem Standplatz von Alice zu baden.

Mein Stellplatz befindet sich inmitten einer afrikanischen Wohnanlage. D.h. ich wohne mit den Togolesen zusammen, die Angestellte von Cez Alice sind. Ich kann das afrikanische Leben unmittelbar beobachten.
Wegen der fehlenden Kanalisation nutzen hier, wie bisher in den anderen Ländern Schwarzafrikas Männer wie auch Frauen ziemlich ungeniert die große Toilette.
Eine funktionierende Krankenversicherung gibt es hier natürlich noch nicht. In Not kann man auch an einen Scharlatan geraten. Hier ist es ein Firmenschild (oder besser Transparent, hier noch aus Burkina Faso), auf welchem ein „Wunder“- Heiler seine Dienstleistung anbietet. In Chez Aliice kann ich wie bisher in allen anderen afrikanischen Ländern beobachten, dass der Gast nicht unbedibngt auch König ist. Das sind hier grundsätzlich die Angestellten. In jedem Restaurant sind mind. 5 Angestellten-Augenpaare auf den Gast gerichtet. In den guten Hotels kümmern sie sich noch um den Gast. In den weniger guten sitzen sie auf den besten Plätzen, schauen Fernsehen und lassen sich vom Gast stören. Für Beschallung ist also rund um de Uhr gesorgt. Arbeiten am PC, ggf. mit WiFi ist also nur für gute Nerven möglich.

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Burkina Faso 27.7. – 2.8.12

Von Orodara fahre ich nach Bobo-Dioulasso. Da der Standplatz am Hotel ungeignet ist, fahre ich zum Frühstücken erst mal los und stell mich irgendwo in einem Weg an der Fernverkehrsstraße. Es braucht nicht lange und das halbe Dorf schaut mir beim Frühstück zu. Ich versuche diesmal nicht auszuweichen, denn sie sind friedfertig und nur neugierig. Man hält gewissen Abstand. Keiner schraubt am Fahrzeug rum oder bettelt, wie das in Städten üblich bis zum Überdruss ist.

 

 

 

 

 

Mein Brot gebe ich an die Kinder. Der Aufstrich scheint etwas Besonderes zu sein. Dafür darf ich auch mal den Hof einer Familie besichtigen. Am Ofen wird Mais gestampft. Das ist Frauenarbeit.

Ein Stück weiter fotografiere ich eine abgebrochene Eisenbahnverbindung.

Zwei Frauen sind neugierig, weil sie dachten ich fotografiere sie beim Wäsche-waschen im Fluss. Sofort sind sie da. Dass ich dann noch ihr Kind auf dem Rücken, wie das hier üblich ist, fotografiere, scheint sie was dagegen zu haben. Ich weiß nicht so richtig, worum es geht, oder was ich falsch gemacht habe und ziehe es vor, mich aus der Affaire zu ziehen, bevor es eine wird. Wahrscheinlich wollten sie für das Foto  nur Geld.

  

In Bobo-Dioulasso finde ich letztendich das Ran Hotel „Somketa“ im Stadtzentrum direkt am Bahnhof, aber mit Pool und WiFi, was nicht ging.
Als Stellplatz für einen Camper eigentlich ungeeignet, weil viel zu laut. Außerdem auch kein Platz, um seinen Frühstückstisch aufzustellen. Der Nachteil an Hotels als Campingplatz ist der, dass keine geeigneten Stellplätze für Camper vorhanden sind.

Ich lasse „Stadt“ wieder Stadt sein und mache am nächsten Tag, nachdem ich kurz WiFi-Anschluss hatte, einen Umweg über Banfora, südwestlich von Bobo-Dioulasso. WiFi ist eigentlich unverzichtbar, um seine Reise zu planen. Aber auch in dem tollen Hotel in Banfora gibt es zwar WiFi, aber kein Internetanschluss.

Ist in diesem Land wahrscheinlich ein echtes Problem.  Zudem gibt es auch kein Info-Material oder ein Buchladen mit Karten. Und nach dem Weg zu fragen ist meist völlig sinnlos. So habe ich mit dem Navi auch ein Sück meiner Selbständigkeit verloren.

Ich schwinge mich aufs Fahrrad und fahre einfach drauflos, der Nase nach und verlasse mich auf meinen Orientierungsinn, der Frauen meist fehlt. Kinder fotografieren mich unterwegs. Wie es aussah, hatten sie so einen Apperat noch nicht bedient.

 

 

 

Ich sehe Kinder auf dem Feld arbeiten. Eine Schule habe ich in Dörfern noch nicht gesehen. Aber Brunnen, an denen sie Arbeit mit Spiel verbinden können.

Ich fahre an riesengroßen Zuckerrohrfeldern vorbei, die nur aus Luft als kreisrunde Flächen zu erkennen sind. Kreisrund, weil sie mit riesigen Anlagen bewässert werden. Ich fahre durch subtropisch feuchte Wälder und durch Mango-Baum-Alleeen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mein Ziel sind diese wohl im Meerwasser geformte Steinformationen (Domes de Fabedeugou).

 

 

 

 

 

 

Nicht weit entfernt finde ich diesen Wasserfall (Cascades de Karfiguela) und Erfrischung im sandbraunen Wasser der oberen Becken.

 

Das Hotel bietet alle Annehmlichkeiten, hat nur einen französischen Eigner, welcher was gegen Camper in seinem Hotel hat. Das erfahre ich erst am nächsten Tag. Er bietet mir zum halben Preis ein Zimmer, aber da habe ich mein Stolz und ziehe ich weiter. Den Tangrelasee und die Pics de Sindou lasse ich ausfallen. Da es schon Nachmittag ist, übernachte ich nochmal in Bobo-Dioulasso.
Am nächsten Tag geht es weiter in die Hauptstadt Burkina Fasos mit dem unaussprechlichen Namen Ouagadougou in das Hotel Somkeita www.ran-hotel-somkeita.com (d.h. Standplatz am Pool).

Dort mache ich eine kleine „Stadt“-Rundfahrt und finde endlich einen Schuster, der mein Schuh repariert. Natürlich brauch ich nicht zu  warten und schaue zu.

Auf der Fahrt nach Togo mache ich einen kleinen Abstecher in einen Skulpturenpark nahe dem Dorf Zinare, etwa 40 km nordöstlich der Hauptstadt.  Ich bin der einzige Besucher des Parks.

Gleich gegenüber ist das Operndorf von Schlingensief.  Miit dem Bau des Theaters wurde begonnen, die Baugrube steht aber noch unter Wasser.

 

 

 

 

Auch das Festspielhaus ist im Bau und die Schule ist schon fertig. Z.Z.sind aber Ferien und kein Schulbetrieb zu sehen. Dem Objekt insgesamt ist zu wünschen, dass es bald mit Leben erfüllt wird.

 

Ein Theater in Afrika? Eine ziemlich verrückte Idee. Aber durch die Schule und sonstige Zweckbauten erhält das Ensemble seinen guuten Zweck. Es ist ja nicht so, dass die Afrikaner kein Interesse an Theater hätten, aber die haben noch ganz andere Sorgen: der tägliche Kampf um die nackte Existenz. Für Tourismus oder gar für einen Theaterbesuch bleibt da keine Zeit. Was die Afrikaner zuerst brauchen, ist die Teilhabe am Reichtum des Landes, die auch eine Schulbildung möglich machen würde. Zufällig treffe ich dort Teresa, eine Praktikantin in Burkina, die mit ihrer Freundin das Objekt sehen wollte. Ihre Freundin ist in Burkina Faso geboren und lebt schon lange in Deutschland. Mit der sympatischen Theresa kann ich ein paar erfrischende Worte in Deutsch wechseln. Sie erzählt mir aus ihren Erfahrungen in Burkina, und dass vom Reichtum des Landes kaum etwas bei der Bevölkerung ankommt. Ich sage ihr, dass das mein Thema ist, und ich in meinem Blog z. B. davon schon aus  Mauretanien berichtet habe. Das Problem ist also offensichtlich für ganz Afrika zutreffend.

Je näher ich der Grenze nach Togo komme, destso mehr LKW´s brettern über die Straße. Dieser Belastung hält die Straße nicht stand. Manchmal muss man einen Weg um die Löcher suchen, manchmal hat sich der Belag ganz aufgelöst. Aber das ist nicht so gefährlich, als mit 100 Sachen von einem Schlagloch unvermittelt überrascht zu werden. Manchmal schmeißen Kinder oder Frauen (mit ihren Kindern auf dem Rücken) Sand in die Löcher und halten die Hand auf und hoffen auf eine milde Gabe.

Die weitere Route führt weiter über Togo nach Cotonou (Benin).

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Mali 24.7. – 27.7.12

24.7.12 -25.7.12
Hinter der Grenze fahre ich noch die 80 km bis Kayes und habe wieder Glück gegen 18 Uhr Ortseingang ein 4-Sterne –Hotel zu finden, dass mich auch noch als Camper aufnimmt. Die Anfahrt ist zwar überhaupt nicht 4-Sterne-mäßig, dafür aber wieder eine Oase mit Pool und schattigem Stellplatz.

Ungeniert hänge ich die noch nicht trockene Wäsche auf. Keiner hat irgendwas dagegen, vielleicht auch aus Mangel an Touristen.

Abends an der strohgedeckten Bar braut sich noch ein tolles Gewitter zusammen. Petrus veranstaltet hier ein eindrucksvolles Theater, mit Blitz und Donner und Regen, um dann alles schnell wieder abklingen zu lassen.

Ich erkläre das dem Barkellner, der mir Bier bringt mit den Worten „Brrr…Bum..Bum,“ Hände in der Luft wirbeln „and than finish“, er versteht die geschilderte Situation und lacht sich kaputt. English for you and me.

26.7.12 von Kayes nach Bamako

In Kayes noch ein letzter Blick auf den Senegal und einen Waschplatz an der Brücke, wo so fast alles gewaschen wird. Und weiter geht es in Richtung Bamako, der Hauptstadt von Mali.

 

Nach Bamako sind es etwa 650 km. Unterwegs gibt es keinen Ort, in dem man sich aufhalten könnte, also muss ich durchfahren und brauche etwa 8 Stunden. An der Mautstrecke wird 3 mal kassiert, jeweils etwa 1 €. Ist wohl mehr ein Beitrag für den Asphalt, der noch fehlt, oder schon wieder durchlöchert ist. Unterwegs sind viele Schilder zu sehen mit dem Europazeichen, für Projekte mit europäischer Beteiligung.

   

Unterwegs gibt es eine Menge zu sehen.

 

 
Als ich eines der sauberen, idyllisch gelegenen Dörfer fotografiere, hält mich ein Vater mit seinem Kind an. Es dauert einige Zeit bis ich begriffen habe,dass er nur mal ein Stückchen mitfahren wollte.

 
In der Regenzeit spühlt es auch mal die Straße weg. Manche Diesel sind einfach nur schlecht eingestellt. Erst dachte ich der brennt. Alle 10 km liegt ein umgekippter, ausgebrannter Bus oder LKW am Straßenrand, oder es muss an den Schrottkisten „repariert“ werden. Mr. HiAce kann da nur schmunzeln. Toi…toi …toi.

 

In Bamako komme ich erst an,  als es schon dunkel ist. Ohne Navi finde ich die Koordinaten der gesuchten Auberge natürlich nicht. Ich lasse mir von einem Taxi den Weg zeigen und lande natürlich am größten 4-sterne Hotel mit im Zentrum, am Fluss Niger (www.laicohotels.com). Auch hier kann ich als Camper stehen, d.h. im Auto schlafen und alle Einrichtungen des Hotels nutzen, incl. Pool. Kostet zwar 10.000 CFA (etwa 14,-€), und ist bisher der teuerste Stellplatz. Aber unter diesen Umständen nicht zu viel. In der Hauptstadt und am Hotel sehe ich zum 1. Mal Militär, auch mit schwerem Gerät. Es besteht wohl keine akute Gefahr. Aber von einer Fahrt zu den Touristen- highlights in den Städten nördlich der Hauptstadt ab Mopti und in das kulturell und landschaftlich berühmte Dogonland wird abgeraten. Also sehe ich mir noch die Hauptstadt an und fahre weiter nach Burkina Faso.

Ich fahre ein Stück mit dem Fahrrad durch die Stadt, lasse es aber dann bald sein. Sehenswertes finde ich nicht. Undurchdringlicher Verkehr, Marktreiben überall und Dreck wohin man schaut. Mit dem Fahrrad durch die Stadt zu fahren ist nicht ungefährlich. Bei der Hitze mit dem Auto würde auch nur Stress bedeuten. Ein Foto kann dieses Chaos auch nicht wiedergeben. Man muss es gesehen und gerochen haben, oder auch nicht. Ich flüchte in meine Oase und lass die Stadt Stadt sein.

Aber das ist nicht Afrika. Am nächsten Tag fahre ich weiter über den Niger am Tor zur Hauptstadt vorbei.

 

 

 

 

 

In jedem größeren Dorf (Stadt?) kann man dieses Markttreiben direkt an der Fernverkehrsstraße erleben.

Soweit ich das beurteilen kann, und mir fehlt auch der Vergleich zu dem viel zu trockenem letzten Jahr, steht die Ernte in diesem Jahr aufgrund des öfteren Regens ganz gut. Die Hütten der Landbevölkerung sind sehr einfach, aber eben sehr sauber, d.h. ohne Müll. Seit langem habe ich wieder mal ein Schwein auf der Straße gesehen. D.h. die Anzahl der Muslime nimmt im Süden Afrikas ab, bzw. dort gibt es keine mehr. In den Übergangsregionen gibt es Probleme zwischen Muslimen und Christen, wie z.B. aktuell in Nigeria, weil vor allem die Muslime darauf bestehen, ihr Gott sei der einzig Wahre.

Hinter Sikasso auf der Fahrt zur Grenze nach Burkina Faso mache ich noch mal Halt an einem kleinen Wasserfall. Das Schild weist auf dieser Naturschönheit hin, wie das hier so üblich ist. Ohne Navi fährt man auch mal schnell daran vorbei.

Der Grenzübertritt am Abend verläuft relativ problemlos. Als Tourist bin ich natürlich wieder der Einzige. In Burkina Faso werde ich vom Grenzer zu einem Tee eingeladen und gebeten Platz zu nehmen, unterm Schilfdach im Freien versteht sich. Ein Novoum, das gab es auf meiner langen Reise noch nicht. Das war der für den Pass. Ein paar hundert Meter weiter eine weitere Schranke. Keiner zu sehen, also fahre ich langsam weiter. Das war der für den Zoll, der den Hintern nicht hochbekommen hat. Ein paar hundert Meter weiter noch eine letzte Straßensperre. Dort werde ich zurückgeschickt und der erste gute Eindruck von Burkina und Faso war wieder dahin. Bis Oradara fahre ich noch und finde ortseingangs auf Anhieb das Hotel „Le Prestige“ mit Stellplatz auf dem Hof und Nachtbar gegenüber.

Der Aufenthalt in Mali war leider sehr kurz aufgrund der aktuellen Situation. Eigentlich wollte ich noch in die Deutsche Botschaft und mich darüber beschweren, dass sie es nicht für nötig halten Ihre Staatsbürger über aktuelle Gefahren zu informieren. Vorher über Mail, denn wenn ich da bin, brauche ich keine mehr. Von den vorher von vielen Seiten geschilderten „Todesgefahren“ habe ich gar nichts mitbekommen. Gleichwohl habe ich es auch nicht riskiert, weiter in die eigentliche Gefahrenzone zu fahren. D.h. ich musste auf den Besuch der Sehenswürdigkeiten Malis verzichten. Und weiter geht’s nach Burkina Faso.

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Senegal 5.7. – 24.7.12

Für Senegal brauche ich als Europäer zwar kein Visa, zahle aber gegenüber Mauretanien trotzdem das Doppelte an der Grenze. Hier kommt die Autoversicherung hinzu, die ein Jahr für die Westafrikanischen Wirtschafts- und Währungsunion gilt. Für diese Länder gilt auch ein fester Wechselkurs von 655,96 CFA-Franc je Euro. Wenn es auch eine Wirtschafts-Union ist, ist es fortschrittlicher als die Europäische Union. Nach Erledigung der leidigen Grenzformalitäten fahre ich noch bis St-Louis und finde dort nach Koordinaten dank Navi ein Camp direkt hinter den Dünen. Eigentlich kein schlechter Platz, wenn nicht der nahe Fischmarkt mit seinem typischen Geruch wäre, der noch an meinen Reifen haftet. Ich nehme mir Zeit, um Wäsche zu waschen und das Moskitonetz einzubauen. Die vorbeugenden Tabletten gegen Malaria nehme ich seit Rosso (Hallo Markus). Das Moskitonetzt erlaubt es mir bei offener tür zu schlafen, und das geht wunderbar.

Außerdem habe ich wieder behördliche Auflagen zu erfüllen. Die Aufenthaltsgenehmigung für den Toyota ist innerhalb von 24 Stunden zu verlängern. Also muss ich wieder im Eiltempo nach Dakar. Im Moment soll es wohl Schwierigkeiten für die Einreise von Autos geben, die älter als 5 Jahre sind. Vielleicht hatte ich Glück überhaupt über die Grenze gekommen zu sein.

Hier noch ein paar erste Eindrücke von der Fahrt nach Dakar. In Richtung Senegal hat die Begrünung wieder zugenommen. Das Marktreiben ist bis spät in den Abend sehr quirlig. Manchmal frage ich mich, ob es außer Verkäufer auch irgendwo Käufer gibt.

Die Verkehrsmittel (meist kleine, alte und klapprige Kleinbusse) sind mit Sicherheit voll ausgelastet.

Hinter jeder Ortschaft häuft sich der Müll. Die Getränkewerbung mit der Plasteflasche neben dem Müll ist symtomatisch. Der Import aus westlichen Ländern ist gesichert, die Entsorgung des Mülls in keinster Weise. Der Junge spielt auf seine Art, während die Eltern auf dem Feld arbeiten.

In Dakar lande ich in einer Auberge, die keine Camp-Stellplätze hat. Nebenan ist eine Nachtbar. Der Eigner lässt mich dort stehen. Ich darf noch duschen und Toilette benutzen. Am Morgen als ich aufwache, gehen die letzten Gäste. Da die Türen ggeschlossen werden, habe ich keine Gelegenheit mehr dasEssen vom Abend zu zahlen. Ich habe ein schlechtes Gewissen, aber soll ich warten bis die wieder aufstehen? In der City, die ich über chaotische Straßenverhältnisse erreiche, finde ich das Zoll-Büro, das geschlossen ist, da ja schon Samstag ist.
Ich finde Dank Barbaras Unterstützung ein Camp 40 km außerhalb der Stadt an einem Salzsee. Eine Oase. Nach der ausgesprochenen Durststrecke durch die Wüste im Eiltempo brauche ich eine Verschnaufpause. Im Camp am Salzsee will ich bleiben, bis der abgearbeitete Wissensvorsprug wieder aufgearbeitet ist, der Blog hier wieder aktuell ist und meine Recherche soweit ist, dass ich weiß, ob und wenn ja, wie es weitergeht. Einen Camp-Touristen habe ich hinter Marokko nicht mehr gesehen. Informationsaustausch findet so leider nicht statt. Am Standplatz finden sich meist irgendwelche Tiere ein: Hunde, Katzen, sogar das sehr interessante Sozialverhalten der Ameisen haben wir beim Frühstück mit Interesse  beobachtet. Hier haben die Haustiere ihr Aussehen verändert. Echsen fressen Ameisen und kein Tierschutzverein regt sich auf.

Der einzige Nachteil des Camps: für die 40 km in die Stadt brauche ich 2 Stunden und viel Nerven. Abseits der Hauptstraße sind die Straßenverhältnisse katastrophal. Die kleinen Ortschaften sehen schlimm genug aus und dann quälen sich auch noch Autos durch das Marktreiben. Man hat den Eindruck, jeder will jeden etwas verkaufen. Da wo die Fernverkehrsstraße durch die Ortschaften führen, findet meist Marktreiben statt, der den Verkehr so gut wie lahm legt.
Als sich am Montag der Beamte in Dakar davon überzeugt hatte, dass es sich sich um ein Campingwagen handelt, habe ich ein amtliches Schreiben für den unbegrenzten Aufenthalt für das Auto erhalten. Dass er als Beamter für seine „Hilfe“ völlig ungeniert Geld haben will, findet nicht meine unbegrenzte Zustimmung. Ich lege ihm einen Tausender hin (keine 2 €) und er lässt mich beleidigt ohne Zahlung ziehen. Vorher musste ich in einem Büro noch die Erstellung des erforderlichen Schreibens bezahlen. Als Europäer habe ich offensichtlich für hiesige Verhältnisse eine völlig falsche Vorstellung vom Job eines Beamten, der Gehalt bezieht.
Am Freitag den 13. hole in Dakar innerhalb von 5 Stunden 3 Visa mit 2 Pässen ab! Persönlicher Rekord. Damit ist der weitere Weg über ca. 3.200 km vorgzeichnet: ab Dakar (Senegal) – Mali – Burkina Faso – Togo – Benin. Die Einholung des Visum für Nigeria behalte ich mir für Cotonou (Benin) vor. Um mir die Fahrerei zum Camp zu ersparen, suche ich mir in Dakar einen Stellplatz vor einem Restaurant direkt am Meer. Dort kann ich völlig unbehelligt stehen, vom Nachtwächter des Lokals bewacht und zudem kostenlos. Ich stehe in Sichtweite des Monuments der afrikanischen Renaissance, das doch sehr an das monumentale Denkmal in Wolgo-(Stalin)grad erinnert.

Es ist mir nicht gelungen einen Ersatz für die defekte Kühlbox zu finden. Die großen Supermärkte, wie Baumarkt oder so, gibt es hier nicht. Dafür tausende kleinere Geschäfte. Im Zentrum sind diese auch von Guides belagert, die aber auch nicht behilflich sein können, sondern nur die Hand aufhalten. Bei der unerträglichen Hitze ist der Verlust einer kühlenden Box sehr unangenehm. Kleine Ursache – große Wirkung : Wie es aussiet ist das Peltier-Element gebrochen. Hier gibt es zwar Kühlboxen zu kaufen, aber nicht mit elektrischer Kühlung, sondern per Nachfüllung mit Eis.
Hinzugekommen ist Freitag der 13. der Ausfall des GPS-Navigators, ohne den ich nicht weiterfahren will. Auch dafür gibt es offensichtlich keine Reparatur oder kein Neukauf. Hilfe konnte ich hier bisher noch nicht ausmachen.
In Senegal wird augenscheinlich viel Sport getrieben. Im Land wie auch hier in der Hauptstadt wird z.B. viel gejoggd, auch oft im Kollektiev.

Am Wochenende llässt sich auch her nichts erledigen. Ich schnall mein Fahrrad ab und mache eine Tour durch den Süden der Stadt. Ab Montag besteht mein „Arbeitstag“ darin, mich um Kühlbox und Navi zu kümmern. Zuerst fahre ich in der Deutschen Botschaft vorbei, die nicht anders aussieht, als die, die wir schon in Asien gesehen haben (Typenbauweise). Die Sicherheitskräfte sind Einheimische. Auch in der Botschaft werde ich von einer Schwarzen empfangen, die aber akzentfrei Deutsch spricht. Sie gibt mir den für mich etwas befremdlichen Ratschlag, mich wegen der Situation in Mali telefonisch an die dortige Botschaft zu richten. Deswegen hätte ich dort nicht vorbeifahren brauchen. Dafür hat sie mir aber freundlicher Weise eine Telefonnummer gegeben, für jemanden, der in Sachen technische Geräte für die Botschaft tätig ist. Da ich fürs Handy keine Landeskarte habe, gehe ich ins Novotel. Der am Telefon kannte einen Schweizer, der in Dakar eine Atowerkstatt führt. Der kann mir die Box so einrichten, dass sie die Wärme nicht mehr in die Box abgibt. Der Elektriker in der Stadt, der eine Werkstatt hat, die in unserem Sinne keine ist, hatte zwar nach dem zweiten Anlauf ein altes Peltier-Element irgendwo aus- und bei mir eingebaut, aber falsch gepolt.

Beim ersten Versuch hatte er eigentlich gar nichts weiter gemacht, aber er und sein Guide bereits Geld kassiert. Er war aber so kulant, am nächsten Tag, als ich das Ergebnis seiner „Arbeit“ festgestellt hatte, ein Peltier-Element einzubauen. Ich habe noch darauf bestanden, dass er die Dräte auch verlötet. Aber der „Experte“ hatte die Dräte vertauscht und ich dann eine Wärmebox. Das aber konnte ich auch erst feststellen, als ich schon wieder unterwegs war und die Box eine Weile lief.

Der Schweizer in seiner richtigen Auto- Werkstatt hat dann den Fehler korrigiert. Beim nächsten mal bin ich aber in derr Lage, es gleich selbst zu machen, vorausgesetzt ich finde ein Peltier-Element, welches ein wenig Kälte erzeugt. Der Schweizer wiederum kannte aber einen von der Bundeswehr, der sich ein wenig mit Navis auskennt. Aber den Fehler hat auch er nicht gefunden. Wir waren uns nach 2 Stunden Suche in seiner Wohnung aber sicher, dass es ein Softwarefehler sei. Garmin hat auf meine Anfrage geantwortet und nach meiner Schilderung geschlussfolgert, es sei wahrscheinlich ein Hardwarefehler der USB-Verbindung. Gleichzeitig ist mir aber eröffnet worden, dass es keine weltweite Hilfe von Garmin gibt. Also fahre ich wieder in die Stadt bei für mich schwer auszuhaltender Hitze (ständig 40° und mehr im Auto). Diesmal finde ich einen „Laden“, in dem sich jemand den Stecker des Gerätes von innen ansieht, was mir ohne das richtige Werkzeug nicht gelungen ist. Auf dem Weg dorthin mussten einige lästigen Guide konseqent ignoriert werden. Das Ergebnis des Mechanikers, der sonst Telefone repariert, war gleich Null. Ich nehme das Angebot eines Guide an, der mich zu einem Laden bringt, in dem es Schnüre gibt. Dort fährt jemand los, um einen nagelneuen Navi zu holen. Ich denke, ich habe es endlich geschafft, bitte aber um 2 Stunden Bedenkzeit, um Geld zu holen und ein WiFi Laden aufzusuchen. Zum Geld holen komme ich nicht mehr. Im Internet erfahre ich, dass er (der Guide) für das Gerät mehr als das Doppelte an Geld haben will und das Navi zwar für Marine aber nicht für Autos geeignet, also nicht routing-fähig ist. Draußen wartet der Guide mit seinen beiden Helfern braf und ich sage, dass es sich erledigt hat. Er kürzt den Preis um die Hälfte !!,  und versteht nicht, warum ich nicht mit einem Schiff weiterfahren möchte. Ich seltendämlicher Idiot gehe auch noch mit zu einem anderen „Laden“, wo man mir zu guter Letzt ein uraltes Gerät andrehen will. Ich erkläre den Arbeitstag für beendet, und gehe im Antlantik baden. Also werde ich wohl ohne Navi durch Mali fahren. Die nächstmögliche offizielle Garminvertretung ist wohl erst in Nigeria (Hallo Markus). Die Alternative: Die fahrt ab- oder unterbrechen und eine Schiffsverbindung in Dakar suchen.
So kommt es, dass ich in Dakar länger bleibe als geplant. Mit meinem Standplatz habe ich es ganz gut getroffen. Inzwischen bin ich hier bekannt, von den Chefs akzeptiert, von allen Mitarbeitern toleriert. Außer die abendliche Ruhe habe ich dort alles: Strand, Dusche, WC, Gaststätte, Arbeitsplatz mit WiFi usw.  Die Stadt selbst ist nicht unbedingt das Sehenswerte.

Von Dakar fahre ich nach Sali, einem Touristen- bzw. Badeort bei Mbour. Dort suche ich nach den Koordinaten eines Camp, welches ich ohne Navi nicht finde. An einer Info tafel sprechen mich 3 Guide an. Einer von Ihnen ruft mich später an, um mir zu sagen, er hätte ein Navi. War natürlich eine Luftnummer, weil das Gerät Schrott war. Er zeigt mir noch 3 Unterkünfte, die mir alle nicht recht und zu teuer waren. Also stelle ich mich auf einen bewachten Parkplatz vor einer Residenz (Eigentumsanlage am Meer). Wie ich so mit dem Securiti verhandele und er mir eine Gaststätte mit WiFi Pool mit Dusche und WC zur Nutzung zeigt, spricht mich ein …..naaa?…. Schweizer an. Er bietet mir an, in seinem Haus zu übernachten, was ich natürlich nicht ausschlage. Er ist Schweißer von Beruf und arbeitet auf vielen Auslandbaustellen, 2 Monate im Jahr, um den Rest des Jahres hier mit seiner schwarzen Frau zu leben, die gerade mit dem 2 Kind Schwanger ist. Wir erzählen viel bei Bier und Pizza und ich hole eine Flasche Rotwein aus dem Auto, den ich durch Mauretanien geschmuggelt habe. Hier ist Wein richtig teuer. Am nächsten Morgen gehen wir zum Strand, der hier herrlich ist. Anschließend mache ich eine Fahradtour zur Lagune de la Somone.

Ein Künstler stellt seine afrikanischen Holzfiguren am Strand her. Hier im Touristengebiet sollte man aber lieber nicht kaufen. Wie ich dort bade, überrascht mich ein Regen und ich komme völlig naß wieder zurück. Die Regenzeit und der Fastenmonat Ramadan hat begonnen. Der Regen hört auch schnell wieder auf, das Fasten wird jeden Abend durch das Iftar unterbrochen.

Schon am nächsten Tag nehme ich Abschied von meinen lieben Gastgebern. Ihre Tochter ist richtig traurig, als ich Winke Winke mache. Erst hat sie mich interessiert und abschätzend beäugt und war dann richtig traurig, als ich gehen musste.

Auf dem Weg nach Tambakaunda in Richtung Mali sehe ich einige liegengebliebenden Autowracks nach schweren Unfällen. Auf und unter einer Brücke lagen noch so um 10 vom LKW überfahrene Bullen. Bewohner wahren schon dabei, das Fleisch zu retten. Neu für mich waren die interessanten Bauten der Termiten. Die seneglischen, palmbedeckten Holzhütten werden immer bescheidener, die Dörfer aber immer sauberer. D.h. der Müll aus westlicher Produktion ist hier noch nicht angekommen, Offensichtlich herrscht noch weitgehend Selbstversorgung.

In Tambacounda finde ich eingangs der überhaupt nicht sehennswerten Stadt ein Hotel, mit WiFi und Pool, wo ich auf dem Parkplatz als Camper stehen darf. Ich wasche am nächsten Morgen noch meine Wäsche, hänge sie kurz auf und packe sie halb trocken ein, da ich noch die 180 km bis zur Grenze nach Mali fahren will. Ebenes Land, grün, endlose Piste in Asphalt, mit sehr wenigen Ausnahmen sehr gute Straßenverhältnisse, nun schon seit Berlin. Als Ritter der Straße fahre ich hier fast allein auf weiter Flur meine Strecke so vor mich hin und bin in meinem Element. Ich denke so, dass ich ja auch allein an der Grenze sein müsste. Aber weit gefehlt. Die Formalitäten an der Grenze aus Senegal und nach Mali, vor Kidira, verlaufen ohne Stress, preiswert und relativ schnell. Aber…… zuerst erfahre ich an der Grenze, dass ich noch in den Ort zur Polizei muss. Durch schmutzige schlammiige Pfützen frage ich ich mich durch. Der einzige Polizist in einer Station die als solche nicht zu erkennen und zu finden ist, am Ende des schrecklichen Dorfes, schläft unter dem Moskitonetz und muss von mir geweckt werden. Aber ich bekomme meinen Stempel und schlittere wieder zurück zur Grenze und fahre zum zweiten mal nach Rosso über den Fluss Senegal.

Noch eine lange Strecke zwischen hunderten von LKW´s hindurch, ist mit einem mal auch die Mittelspur dicht. Soll ich hier in der prallen Sonne, fast 50° im Auto, ohne Fahrtwind nicht mehr zum Aushalten, warten bis ich dran bin? Ein Grenzer mit Lametta auf der Schulter hat Mitleid mit mir und zeigt mir den einzigen Weg zur Abfertigung: Runter von der Piste, 45° Neigung, rein in den Schlamm und durchkämpfen. Mit LKW oder ähnlichen Fahrzeugen unmöglich. Bei der Aktion, reißt mir fast wieder die Schürze ab, was durch den Bullenfänger noch verhindert wurde. An der Station Mali erhalte ich auch relativ schnell meine Papiere für das Auto. Und schon soll es weitergehen. Aber erst ist der Weg aus dem Chaos nicht zu sehen und dann ist die 3. Spur wieder dicht mit endlosen LKW´s. Also wieder die Böschung runterstürzen, rein in den Schlamm und vorkämpfen bis zur Schranke. Dort ist es schwierig die Böschung wieder hochzukommen und sich eine Platz auf der Piste vor der Schranke zu erkämpfen.
Diesmal keine Guides, keine Abzocke durch Polizisten, aber der Kampf gegegn den endlosen Tross der LKW´s, die nach Mali wollen. Komisch, auf derAsphaltstraße hinter der Grenze, wie auch schon davor ist die Straße wieder frei, und so fühle ich mich dann auch wieder. Dann holen mich 3 Autos mit französischen Kennzeichen ein. Ich hänge mich ran bei 120 km /Std. Zu schnell, hat aber den Vorteil, dass ich die heimtükischen Schlaglöcher hier schneller erkenne.

Die weitere Route führt von Dakar (Senegal) nach Cotonou (Benin) über Mali und Burkina Faso.

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Mauretanien 2.7. – 4.7.12

Der mauretanische Zoll-Grenzer grabscht in alle Seitenfächer nach etwas Brauchbarem für sich, habe ich den Eindruck. Da er kein Geschenk bekam, beorderte er den Schnüffelhund in meine „Schlafzimmer“. Gewöhnlich nehme ich keinen Hund mit ins Bett, aber ich muss es über mich ergehen lassen.  Nach Grenzübetrtritt fahre ich noch nach Nouadhibou. Nach der Grenzsituation der nächste Schock: die unendliche Armut in dieser Stadt. Von der Definition Stadt haben westliche Europäer eine andere Vorstellung. Über Armut zu reden ist das Eine. Armut zu erleben, das Andere. Der Guide, der mich schnell durch die Grenze begleitet hat, und nach Hause wollte, fährt noch mit bis zum Camp in der Stadt, weit hinter der Grenze in der Wüste. Er ist nicht zufrieden mit seinem „Lohn“, den er von mir erhält. Erstens hat er sich als solcher nicht zu erkennen gegeben und zum anderen wollte er nicht anerkennen, dass ich sein Taxi nach Hause war. Schon ab Marokko ist mir das Geschäftsgebahren aufgefallen, das sich von dem gewohnten stark unterscheidet. Guide biedern sich immer unaufgefordert als „Freund“ an, um dich dann zur Kasse zu bitten, auch wenn keine Leistung vereinbart wurde.
Ich mache noch ein Foto vom Meerblick, weil diese Städte nicht fotogen sind. Der Müll und Dreck, der überall liegen bleibt, weil es keine funktionierende Müllabfuhr gibt, ist als Europäer schwer erträglich. Aufgefallen ist uns das auch schon auf unserer Tour durch Asien, aber das hier ist noch unerträglicher. Das sage ich aus der Sicht eines Westeuropäers, der verglichen mit hisigen Verhältnissen im Norden in Saus und Braus lebt. Das meine ich auch nicht abwertend, sondern höchstens wütend über eine derart ungerechte Welt.
Wer keine Lust hat durch Mauretanien zu fahren, kann auch diesen Zug nehmen, der auch Autos befördert. Mit so einem Transportmittel bin ich mal von Berlin nach Bayern zum Ski gefahren (Hallo Anja). Wie ich gerade hier auf diesen Vergleich komme, ist mir bei der Hitze schleierhaft, angesichts des aufgewirbelten Wüstenschleiers.

Ich bin in Schwarzafrika angekommen. Man sagt, die Schwarzafrikaner erkennen einen Weißen schon auf Meilen. In Rabat habe ich mir einen marokkanisches Kittel mit Kapuze (Djellaba, oder Kaftan ohne Kapuze) zugelegt, in der Hoffnung nicht sofort als Weißer ausgemacht zu werden und als Mückenschutz. Beides war bestimmt eine blöde Idee, denn der weiße Kittel ist mir zumindest in der Hitze hier viel zu warm.
In der flachen Wüste führen die endlosen Straßen ins Nirgendwo. In Nouakchott finde ich sofort ein Camp und einen Standplatz am Meer. Ich war noch baden und am Strand hinter dem Fischmarkt.

Die Polizeikontrollen sind relativ dicht. Wenn man sich eingedeckt hat, reicht man nur ein Fiche (Zusammenfassung der persönlichen Daten in französisch) aus dem Fenster, und die Fahrt kann weiter gehen. So nervig diese Kontrollen sind, sie sichern aber auch eine problemlose Durchfahrt. Eine Erklärung ist in den Reisewarnungen des deutschen Auswärtigen Amtes nachzulesen: Dort wird vor terroristischen Übergriffen durch Al-Qaida im Maghreb auf touristische Ziele u.a. in Mauretanien und Mali gewarnt. Einmotorige, in der Schweiz hergestellte Turbo-Prop-Flugzeuge habe ichjedoch  nicht gesehen. Damit verstärken die USA von geheimen Luftwaffenstützpunkten aus ihren Kampf gegen das Terrornetzwerk Al Qaida im islamistischen Maghreb. Länder im Maghreb haben aufgrund ihrer Geographie und Geschichte viele Gemeinsamkeiten.
Hier wäre ich gblieben, wenn nicht der Eigner des leeren Hotels, was dem Camp vorgelagert war, von mir höhere Parkgebühren für den Stellplatz haben wollte, als mir vorher der Einlasser am Camp zugestanden hatte. Schon wegen der unprofessionellen Geschäftsgebahren habe ich das Camp gewechselt und bin in eine Auberge in der Stadt gefahren. Aber weder die Stadt noch die Auberge hätte mich einen Tag länger halten können. Da ich mich schon seit einiger Zeit nicht ohne Kühlbox autark versorgen kann, bin ich auf Gaststätten angewiesen. In der Nähe der Auberge gab es Gaststätten, denen ich die hohe Auszeichnung, diesen Begriff zu tragen, nicht zugestanden hätte. Sie unterschieden sich von den Räumlichkeiten her nicht viel von den Werkstätten nebenan. Die Küche, soweit vorhanden, habe ich erst gar nicht sehen wollen.
Die Fischer und alle davon abhängigen Arbeiter haben einen zunehmenden schweren Job, der ihren Lebensunterhalt kaum deckt. Die Konkurrrenz der großen Fischereien ist zu groß. Mehr dazu und den den Ursachen im Blog-Thema „Meine Weltansicht“,  unter „Mauretanien, Ausverkauf des Landes“.

Von Nouakchott fahre ich nach Rosso, Grenzort vor Mauretanien. Soviel im Internet zu erfahren war, gibt es hier zwei Möglichkeiten die Grenze zu wechseln: entweder die Fähre über Rosso, oder die Brücke bei Diama. Der Grenzübergang in Rosso ist bekannt für die unangenehemen Schlepper und Nepper, die der Polizei zuarbeiten und sich als Guide verkaufen wllen. Der Übergang über die Brücke soll aus dieser Sicht einfacher sein, hat aber eine harte Schotter-Piste in Waschbrett für etwa 50 km als Anfahrt. Darauf hatte ich keinen Bock. Deshalb habe ich letztendlich die einfache Strecke über den Fluss Senegal per Fähre gewählt. Schon vor Rosse hält mich ein Polizeiposten an und reicht mir das Telefon. Ich weiß nicht worum es geht. Im Ort spricht mich ein Mann aus einem Auto an und will ins meins steigen. Er öffnet die Tür und will einsteigen, was ich verweigere. Vor- und hinter mir ein Auto, eingekreist. Ich dachte schon, jetzt ist alles zu spät, aber meine Fantasie ist durchgegangen. Da war mir klar, dass die Polizei mit den Schleppern zusammenarbeitet, bei denen ich schon angekündigt war. Dem Duzend Schleppern habe ich sehr deutlich gemacht, dass ich keinen Guide brauche. Aber die Grenzer lassen dich ohne Auflaufen. Als es mir zu bunt wurde, habe ich den Grenzhof wieder verlassen und wollte doch lieber die Piste suchen. Mein Vavi hat aber diesen Teil nicht im Detail angezeigt und ich dachte, ehe ich mich hier verfranse, versuche ich es noch einmal per Fähre. Erst wollten mich die grenzer nicht wieder reinlassen. Ich habe darauf gedrungen, von den Grenzern abgefertigt zu werden, um mir die Schlepper vom Hals zu halten. In Mauretanien kann man per Visa-Cart kein Geld abheben, hatte ich bis dahin auch nicht gebraucht, an der Grenze schon: Gebühren für Grenzabfertigung, Kommunaltaxe, Polizei und Fähre. Grenzer und Guide, auf den ich dann doch einließ, hielten auch noch mal die Hand auf. Letzterer versicherte mir, dass alles erledigt ist. 40,- € musste ich dafür bei einem Privaten an € tauschen. Ich hatte alle Papiere einschließlich Ticket und wollte auf die Fähre fahren. Es war so gegen 6 Uhr abens, und es war inzwischen die letzte Fähre. Dann kam so ein Oberwichtiger der Fähre und meinete, ich habe kein kleines, sondern ein größeres Auto und wollte Nachzahlung. Ich dachte, dass ist doch alles ein abgekartertes Spiel und ab da ist mir die Hutschnur gerissen. Also lasse ich mich nicht mehr hindern, muss dazu noch mal aussteigen, um laut zu werden gegen das Duzend Leute, die mich hindern wollen. Ich bin auf der Fähre und werde stark bedrängt wieder runter zu fahren, was ich nicht befolge. Die Fähre fährt los, aber zu früh gefreut. Sie dreht um und legt wieder an. Der Tanker fuhr wieder runter, die Leute, die nach Haus wollten und um die es mir auch leid tat, stiegen auf kleinere Boote um. Einige hielten auch den Daumen hoch. Sich gegen Korrption zu wehren wird vielleicht anerkannt, ist aber hier offensichtlich nicht üblich. Das Duzend Leute, incl. Grenzer, drängen mich ebenfalls runter zu fahre. Ich sage o.k. aber erst will ich mein Geld cash zurück. Ein Obermacher der Grenzer kommt hinzu und das Geld wird herangeschafft: für Fähre, Bestechungsgeld für Grenzer und Guide. Dann verlasse ich als letzter die Fähre. Die Grenzgebühren konnten sie mir nicht zurückzahlen, da ich ja schon die Ausreisestempel hatte. Damit konnten sie mich aber auch nicht wieder vom Grenzhof schicken. Sie boten mir an, zur Brücke gebracht zu werden. Ich lehnte dankend ab, und zog es vor, auf dem Grenzhof zu übernachten: Vor mir der Fluss, hinter mir das geschlossne Grenztor. Kein schlechter Standplatz und sehr sicher.
Ich richte mich ein und beoachte noch den Fährmann, welcher sich nackt im Fluss ab­­seift und den Grenzer, welcher daneben sein Auto wäscht. Mein Puls ist absolut ruhig, trotzdem denke ich, oft habe ich zu solchen Aktionen keine Lust. Am nächsten Tag nehme ich die erste Fähre nach Senegal.

 

 

 

 

 

 

 

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Westsahara 26.6. – 1.7.12

Am nächsten Tag verlasse ich die Grenze Marokkos, wenn man mal berücksichtigt, dass Westsahara zum großen Teil von Marokko völkerrechtlich besetzt ist. Das zu erwähnen halte ich für notwendig, weil meine Straßenkarte dieses Detail vernachlässigt. Daher ist von einem Grenzübertritt nicht viel zu spüren, abgesehen von den zahlreicher werdenden Polizei-Kontrollpunkten, wo ich regelmäßig angehalten und registriert werde. Ein Polizist in Zivil forderte mich auf, ihn zu beschenken. Als er feststellte, dass nichts zu holen ist, zog er wie ein beleidigtes Kind zum nächsten Fahrzeug. Auch Kinder verhalten sich wie schon in Marokko ziemlich dreist, wenn wir das Betteln um Dirhams nicht belohnen.
Der Abstand zwischen den Orten wird immer länger, die Gegend immer trostloser: Flaches Land, soweit das Auge im Dunst reicht, meist absolut trockener Geröllboden. Selten mal einsame Hütten und noch seltener mal ein Mensch zu sehen. Wenig Verkehr, davon aber meist LKW: Transport ins besetzte Land. Die LKW´s auf der einspurigen Straße, die ebenfalls um die Hundert fahren, zu überholen ist jedes Mal wie ein Faden ins Nadelöhr zu fädeln. Und wieder der Gedanke: nur nicht ausgerechnet hier in der menschenfeindlichen Landschaft stehenbleiben, wegen einer Panne. Der Blick über die Steilküste, an der hunderte Kilometer endlos langen Straße, lohnt sich.

In El Marsa, nahe Laayouone, der Hauptstadt der Sahrauis, finde ich nur ein Hotel. Aber dort stehen mehrere Fernseher, die Räume sind voll besetzt und ich kann das Spiel gegen Spanien sehen. Alle schreien in dem noch vor nicht langer Zeit von Spanien besetztem Land für Spanien, was erst nach Elfmeterschießen für Portugal verloren ist. Aber das will ja nichts zu bedeuten haben. In Deutschland halten sich ja auch z.B. Linke und Ossis bei Jubelfeiern für Deutschland zurück, seit der Satz „Wir sind das Volk“ einfach durch den fast identischen Satz „Wir sind ein Volk“ ausgetauscht wurde und damit den anfänglichen Sinn ins Gegenteil umschlagen ließ, also vom Radikaldemokratischen ins Nationalstaatliche.
In der Absicht, von der ich schon bei der Planung ausging, mich nicht lange in dem Wüstenstreifen aufzuhalten, geht es am nächsten Tag weiter in Richtung Mauretanien. Ich schaue mir Camps unterwegs an und mache dazu auch einen Abstecher zu einem Wüstencamp. Die paar Kilometer durch die Wüste erinnern mich an die Schotter-Waschbrett-Piste in der Mongolei. In Tarfaya sehe ich das Schiff im Hafen mit spanischer Geschichte, welches vielleicht gelegentlich nach Europa fährt. Nur etwa hundert Kilometer entfernt von hier: die kanarische Insel Fuerteventura, auf die ich mal als Pauschaltourist geflogen bin. Oder war es Gran Canaria? Jedenfalls war es doch ein ganz schön langer Flug. Bin ich das diesmal alles gefahren? Das hat Barbara sicher auch beim Rückflug gedacht. Ich habe Rückenwind und bin froh, dass die Straße noch nicht mit Wüstensand zugeweht ist, und wenn, dann auch gleich wieder frei gemacht wird.

Ich fahre vorbei am Hafen und an der Fabrik, von dem aus Phosphor exportiert wird und sehe das längste Förderband der Welt, auf welchem der Phosphor transportiert wird. Die Phosphorvorkommen hier zählen zu den weltweit größten. Von dem Reichtum des Landes profitieren nicht die Einheimischen, sie sehen nicht viel davon. Viele von ihnen sind gezwungen z.B. Touristen anzubetteln. In dem Wissen halte ich es aus, dass ich das Problem nicht verändere, wenn ich ihrem Betteln nachgebe.

Da ich kein oder kein geeignetes Camp finde, fahre aber durch bis Dakhla, eine Oase in der Wüste. Der Gegend ist begehrt von Wind- und Kitesurfern. Die riesige Flachwasser-Lagune ohne große Wellen bietet ideale Bedingungen für Kitesurf. Früher hätte ich mir gleich mal einen Schirm und Ski ausgeliehen. Aber ich glaube, man braucht erst mal ein paar Übungsstunden. Mit einer jungen Münchnerin, die Meister in dieser Sportart werden und ihr Abitur nachholen will, kann ich ein paar Worte in Deutsch wechseln. Abends in Dakhla war ich der Einzige, der in einem voll besetztem Café für das Tor der Deutschen gegen die Italiener gejubelt hat.
Am Auto lasse ich das Rücklicht reparieren. Am besten Hotel in der Stad, in dem es auch Bier zu kaufen gibt, stehe ich neben einem UN-Fahrzeug. Es erinnert an den Jahrzehnte andauernden Konflikt in diesem Land, den man als Tourist schnell aus dem Auge verliert (s. dazu mehr im Artikel „Meine Weltsicht“). Manche sehen ihn erst gar nicht. Abends auf dem Camp bekomme ich Hummer und Kalamare ans Auto serviert. Sehr lecker.

Dakhla liegt fast genau auf Höhe des nördlichen Wendekreises (etwa 24° nördlich des Äquators). Dort erreicht die Sonne am 26. Juni ihren höchsten Stand um dann in Richtung der südlichen Halbugel zurückzukehren. Ich ziehe dann immer mit der Sonne mit. Wenn die Sonne am 21.September den Äquator erreicht, will ich etwa in Angola sein. In Deutschland wird es dann Herbst. Wenn die Sonne am 21. Dezember den südlichen Wendekreis erreicht, habe ich die Rückfahrt bereits begonnen und bin etwa in Höhe Simbabwe. Wenn in Deutschland am 21 März der Frühling beginnt, will ich wieder in Höhe des Mittelmeeres sein. Wie ich von da aus zurück komme, weiß ich noch nicht. Geplant ist die Reise um das südliche Mittelmeer über Ägypten, Tunesien, Libyen und Algerien. Aber das steht noch in den Sternen. Die Asientour ( s. www.asien.blogger.de ) haben wir auf dem Landweg in Alexandria beendet, d.h. wegen des Krieges gegen Libyen beenden müssen.
In Dakhla bleibe ich 4 Nächte im Camp, an einem der schönsten Strände.

Die Zeit nutze ich, um die defekte Kühlbox reparieren zu lassen und abends Fußball in der Stadt zu sehen. Das mit der Box bleibt leider vergeblich. Der, der schon die Kupplungs-Steckdose repariert hat, zu einem Preis, zu dem ich 2 neue Stecker bekommen hätte, meinte ich solle zur Reparatur der Box nach Agadir zurückfahren. Der nächste Reparateur, den ich per Fahrrad gefunden habe, sagte etwa das Gleiche. Er bot mir eine gebrauchte Kühlbox an, die 1. zu teuer und 2. die Sicherung nach 5 Minuten durchgebrannt war. Als ich die Box zurückbrachte, meine er, das Geld sei schon weg. Als ich laut wurde, war das Geld wieder da und ich schnell weg und froh mich nicht noch über einer 2. Schrott-Box zu ärgern. Meine Hoffnung verlagerte sich auf die nächsten großen Städte, um vieleicht eine neue zu bekommen. Ein Irrtum, wie sich leider herausstellen soll.
Zurück geht es wieder an der Lagune vorbei, an der die Kitesurfer ihre Camps haben. Dort treffe ich auch die Kiteserverin aus Bayern wieder, die dort den ganzen Tag trainiert.

Weiter geht es durch die Wüste in Richtung Mauretanien auf endlosen Straßen mit wenig Abwechslung. Erstaunlich, wie genügsam Kamele „weiden“. Wie schon in Asien zu bestaunen, auch hier wieder die „Glückstürmchen“, die die Straße säumen.

An der Grenzstation Marokkos in Westsahara nach Mauretanien suche ich noch jemanden, der mir den Rest an Dirham gegen mauritanische MRO tauscht. Etwa so viel, wie ich für eine neue Kühlbox noch hatte. Ein Grenzer  gibt mir einen Tipp, wo ich den „jemand“ finde, denn Banken oder ähnliches gibt es hier an der Grenze natürlich nicht mehr. Hinter der Grenzstation werde ich wieder mit aller Deutlichkeit an den Krieg erinnert, der auch von Mauretanien aus um die Westsahara geführt wurde. Da Waffenstillstand herrscht, kümmert sich auch niemand um die Hinterlassenschaft. Zwischen den Grenzstationen, die ein paar Kilometer auseinander liegen, gibt es keine Straßenbefestigung, nur Fels und Sand. Eine katastrophale Piste, über die sich auch LKW quälen müssen. Kein Schild weist darauf hin, dass der Grenzstreifen vermint ist. Aber ich hatte davon vorher irgendwo im Internet gelesen, außerdem sah ich auch keine Möglichkeit die Piste zu verlassen und hatte auch nicht die geringste Lust dazu. Einige sind offensichtlich über eine Mine gefahren. Ein wahrer Autofriedhof entlang der Piste im Niemandsland.

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Marokko 29.5. – 25.6.12

Mit dem Schnellboot geht es am 29.5.12 nach Afrika. Von uns ist nur noch ein Schweif zu sehen. Wir sind früher am Ziel als wir abgefahren sind (UTC Weltzeit = 0, +1 Std. nach Mitteleuropäische Zeit MEZ, in Marokko wurde auch die Sommerzeit eingeführt). Anders als in Asien bewege ich mich zwar ständig weg von Europa, aber ohne große Zeitverschiebung.

In Tanger (Hafenstadt in Afrika) suchen wir einen Campingplatz. Der Navi führt uns auf der kürzesten Strecke direkt durch die Stadt, aber leider durch die Medina. Die „Straßen“ verengen sich in der arabischen Altstadt (Medina) derart, dass man uns zu verstehen gibt, dass hier in der Fußgängerzone kein Durchkommen ist. Um nicht an nächsten Ecke zwischen Mauerwerk eingekeilt zu werden, muss ich versuchen rückwärts wieder rauszukommen. Die nächste kleine Kreuzung bietet die Möglichkeit zu wenden, aber  nicht ohne mit dem Auspuff an die Cafétische der arabischen Männerwelt anzuecken. Natürlich kommen dann nicht nur Fußgänger, sondern auch einige voll beladene Esel, Mopeds und lastwagenähnliche Fahrzeuge entgegen. Alle müssen zurück. Wir sind froh wieder aus dem Chaos gefunden zu haben und uns wird klar, wir sind wieder in einer anderen Welt. Das Seltsame daran, alles geht ohne Hektik und ohne Strafzettel ab. Wie wir noch erfahren werden, tritt die Staatsmacht, wie Polizei und sonstige Ordnungskräfte, sehr wenig in Erscheinung.

Auf dem Campingplatz, auf welchem wir wie auch auf den anderen sicher stehen können, weil bewacht, schnallen wir die Fahrräder ab und machen eine Stadtrundfahrt.

Fahrradtour in Tanger

Nussverkäufer

Als wir aus der Stadt heraus und weiter fahren wollen, fragen wir noch in einer der vielen Werkstätten, deren Arbeitsplatz sich halb auf der Straße befinden, nach einem Bullenfänger (Frontbügel für Mrs. HiAce). So was hat die „Werkstatt“ natürlich nicht. Aber der Inhaber schickt uns seinen 1. Mechaniker mit, der uns durch die Stadt zu einem Geschäft manövriert, wo es diese gibt. Der Mechaniker hofft dabei auf sein Geschäft. Das kommt auch zustande, als ich den Bullenfänger kaufe. Wieder zurück, sind 4 Männer emsig beschäftigt, uns zu zeigen, dass sie gute Arbeit leisten. Der Tag ist fast um, aber ich bin zufrieden. Ich will zwar keine Bullen fangen, aber kann jetzt sicher sein, dass mir die in der Mongolei abgerissene Schürze im Gelände nicht wieder so schnell abfällt. Noch fahren wir hier nur auf Asphalt, aber wer weiß was mich noch alles erwartet. Zurück in Deutschland werde ich mit dem Frontbügel wahrscheinlich beim TÜF nicht bestehen, aber dafür habe ich hier etwa nur ein Viertel an Kosten, für Material und Leistung.

Bullenfänger

Wir bleiben noch eine Nacht auf dem terrassenförmigen Camp auf dem Berg der Stadt. In Marokko gibt es ein relativ dichtes Netz an Campingplätzen. Die Plätze sind mehr oder wenig gut ausgestattet (Toiletten, Duschen, Stromanschluss, Pool usw.). Wer allerdings deutschen Standard erwartet, wird einiges zu bemängeln haben. Aufgrund der guten Straßen ist Marokko ein Urlaubsland, welches auch für große Wohnmobile geeignet ist. Wie wir allerdings feststellen müssen, wird das von wenigen Europäern genutzt. Die Campingplätze sind fast alle leer. Saison ist hier erst, wenn für uns Winter ist. Deutsche sehen wir hier sehr selten. Wenn, dann kommen Europäer aus Frankreich. Überliefert aus kolonialen Zeiten wird hier oft französisch gesprochen.

Am nächsten Tag fahren wir weiter und haben kurz hinter Tanger aus einer Grotte eine herrliche Sicht auf den Atlantik.

Grotte

Am nächsten Camp gehen wir im Meer baden und werden am Morgen von einem grasenden Pferd geweckt. Das hatte uns in der großen Schaar der „Haustiere“ noch gefehlt. Anderntags landen wir in Rabat, suchen uns ein einfaches Hotel an der alten Stadtmauer und machen noch einen Gang durch den Markt (Souk) der Medina.

 

Nachts um eins werden wir von englischen und dann deutschen jugendlichen Touris geweckt, weil diese so taten, als wären sie allein auf dieser, ihrer Welt. Früh gegen 5 taten gleiches arabische Hotelgäste durch intensive Gespräche, nachdem der Muezzin zum Gebet gerufen hatte. Wir hätten lieber mit unserem fahrenden „Hotel“ vorliebgenommen, ging aber nicht in der Stadt. Schlecht geschlafen machen wir am nächsten Tag eine Stadtrundfahrt mit dem Fahrrad und gleichzeitig eine „Ambassy-Tour“. Es war Sonntag und die Auslandsvertretungen der nächsten Länder, in die ich will, hatten natürlich geschlossen. Tags darauf haben wir Heimvorteil, finden die Vertretungen schnell und beantragen das Visa für Mali und für Mauretanien. Das für Mali können wir gleich mitnehmen. Die mauretanische Vertretung fertigt seine Besucher auf der Straße ab und lässt sie in der Hitze stundenlang warten. Nach unserer Erfahrung lässt sich daraus auch ein gewisser Zusammenhang zu der Gastfreundlichkeit der Behörden in ihrem Land herstellen. Schaun wir mal. Da wir das Visa erst am Dienstag in Rabat abholen konnten, hatten wir die Wahl, wieder im Hotel zu bleiben. Wir haben es aber vorgezogen 25 km aus der Stadt auf einen Campingplatz am Meer bei Kenitra zu fahren. Dort ereilt mich per Mail ein Auftrag aus Deutschland, den ich auch in Marokko erledigen kann, da ich meine Daten alle dabei habe. In der Nähe gab es ein Cafe mit Wi-Fi und Blick auf den Atlantik. So blieben wir noch einen Tag länger in dieser herrlichen Umgebung. Mein Sohn hat nach der Vorlesung den Auftrag in Berlin „an die Frau bringen“ können, die mich mit der Honorarzahlung auch nicht warten lässt. So könnte es weitergehen, wird sich aber nicht realisieren lassen.

Strand Kenitra

Es bleibt auch Zeit für die Realisierung einer Idee, auf die uns Markus gebracht hatte. Wir sind jetzt Freunde der Schweiz und bringen das sichtbar am Fahrzeug zum Ausdruck. Eine optische Täuschung, welche weder beabsichtigt ist noch ausgeschlossen werden kann, führt mitunter dazu, die Schweizer Flagge mit dem Roten Kreuz zu verwechseln. Das kann aber auch nach hinten losgehen. Ein Arbeiter auf dem Campingplatz, welcher sich am Finger verletzt hat, kommt zu uns, um sich verbinden zu lassen.

Schweizer Flagge

Wir fahren weiter ins Landesinnere in Richtung Meknes und besichtigen dort Moulay Idriss, Marokkos Wallfahrtsort Nr.1 neben den 4 heiligen Stätten, wie Mekka usw. Von den Terrassen des höhergelegenen Viertels hat man ein herrlichen Blick auf die Stadt und die heilige Stätte.

Mouley Idriss

Von dem Auto hier vor der Stadt fahren im Land noch einige auf Rädern . Weiter geht es nach Fes. In der Medina erlebt man eine Welt des islamischen Mittelalters (Unesco-Weltkulturerbe). Ich frage mich, wie gewöhnliche Touristen ohne Guide aus dem labyrinthischem Gewirr an schmalen Gassen wieder rausfinden.

Medina in Fes

Unterwegs an einem Camp, wo wir übernachten, sind am Morgen Pflücker auf dem Feld zugange. Wir erhalten eine Tüte voll Erbsen, welche noch geschält werden müssen. Der Erbseneintopf frisch vom Feld schmeckt.

Camp am Bohnenfeld

Auf dem Weg zurück zum Atlantik, entlang des Atlas Gebirges, machen wir einen Abstecher zum türkisblauen Bin el-Ouidane Stausee und zu den Ouzoud Wasserfällen.

Im Gebirge

Am Stausee 2

Wasserfall mit Regenboge

Im Landesinneren herrschen inzwischen unerträgliche Temperaturen. Wir finden Erfrischung an einer Quelle unweit des Camps, in welchem mal wieder Internetanschluss vorhanden ist, wenn man den Stick dafür  ausgeliehen bekommt.

An der Quelle                                                    Camp Zebra

In Marrakesch fahren wir mit dem Fahrrad durch die Medinea, d.h. da wo man nicht schieben muss. Im Camp gibt es einen Pool, in dem man es aushält, sowie WiFi. Wir bleiben ausnahmsweise 3 Nächte. Die Tage sind wieder unerträglich heiß.

Souk in Marakesch

Zurück am Atlantik stürmt es fürchterlich. Auf einem Camp nahe einem kleinen Ort am Meer machen wir einen Spaziergang durch den malerischen Küstenort mit Fischerhafen. Abends werden wir von vielen Herrenlosen Hunden bedrängt. 6 Junge mit 2 Hündinnen in ungeklärten Familienverhältnissen machen Nachts derart Lärm, dass wir anderntags weiterziehen.

Fischerdorf

Fischerhafen

Hundefamilie

In Essaoira besichtigen wir die Stadt (Fischerhafen mit Fischmarkt und die Medina) wieder mit dem Fahrrad. Ein Fischverkäufer fürchtet um sein know how und will nicht, dass wir fotografieren.

Hafen Essaouia

Fischmarkt am Hafen

Hafen Essouai

Unterwegs nach Agadir sehen wir Kletterziegen auf einem besonderen Olivenbaum mit Früchten des Arganier, der nur in Marokko wächst, und aus dem das kostbare „Huile d’argan“ hergestellt wird. Die Ziegen klettern auf den Baum, um an die Früchte zu kommen. Sie können aber den kostbaren Kern der Nüsse nicht verdauen. Der Kot wird von den Hirten eingesammelt und zu einem teuren Kosmetikartikel weiterverarbeitet. Wegen der umständlichen Kotveredlung ist dieses Öl sehr selten zu bekommen. Wir haben Glück und können ein Glas ersteigern und Barbara kann es mit nach Berlin schmuggeln. Die von den Frauen einer Kooperation verarbeiteten Kerne dagegen sind überall zu haben.

Kletterziegen

Nussverarbeitung

Vor Agadir machen wir noch mal Halt in einem Camp direkt am Meer und lassen den gemeinsamen Urlaub ausklingen. Durch Agadir fahren wir wieder mit dem Fahrrad. Die Räder mitgenommen zu haben, war vorteilhaft. Da ich eines davon nicht mehr brauche, verkaufe ich es kurzerhand für 200 Dinar (etwa 20 €).  Mehr konnte ich für ein 25 Jahre altes MIFA Fahrrad nicht mehr verlangen. Auf derm Souk in Agadir lockt das Obst am Stand. Der Opa ist wahrscheinlich inclusive. Der Strand lädt noch zum Baden ein.  Barbara nimmt Abschied von Marokko und genießt noch einmal den Sonnenuntergang am Atlantik.

Souk in Agadir

Strand vor Agadir

Sonnenuntergang am Atlantik

Ich bringe Barbara noch zum Flughafen hinter Agadir, da sie wieder arbeiten muss und will. Ich will hier nicht über partnerschaftliche Beziehungen plauschen, aber der Verlust des Beifahrers in einem sehr gut eingespielten Reise-Team ist doch schon erheblich. Ich muss mich neu orientieren. Alles allein machen macht die Reise nicht einfacher. Schaun wir mal. Nach Frühstück aus dem Auto und Zeitung lesen war es heute halb 12, und niemand da, bei dem man sich beschweren konnte, dass es so spät geworden ist. Also muss ich jetzt vieles langsamer angehen, wenn es sich machen lässt.

Kaum aus dem Flughafen raus beginnt eine Pechsträhne, von der ich hoffe, dass sie nicht anhält. Die zwei hinteren Reifen geben ihren Geist auf. Sie sind derart ausgebeult, dass ich erst dachte der Asphalt hat unsichtbare Wellen. Glück im Unglück, ich habe 2 passende Reifen dabei und die nächste „Werkstatt“ ist nur ein paar Meter entfernt. Nach einer guten Stunde ist alles wieder paletti. Ich nehme noch einen jungen Mann mit, der mir sein Haus zeigt und mich mit Kaffee, Kuchen und Tee bewirtet. Dann muss ich weiter, da heute Deutschland spielt. Direkt am Strand finde ich ein Camp mit Fernseher, aber leider ohne WiFi. Also fahre ich am nächsten Tag weiter. Bis zum nächsten Camp am Meer mit Restaurant mit WiFi, sowie Pool. Hier nehme ich mir endlich Zeit für diesen Blog. Entweder es fehlt an Internet- oder Strom- Anschluss oder einem ruhigen Arbeitsplatz. Alles Gute war noch nie zusammen.
Hier habe ich Zeit, mich noch mal mit der „Bereifungskennzeichnung“ (z.B. 195/70R15C 104/102R 8PR  H150) zu beschäftigen. Eins dieser chaotischen Zeichen, die sich Insider für Insider haben einfallen lassen, zeigt den Speed-Index an. Wir als nicht-Insider hatten wahrscheinlich in Usbekistan die falschen Reifen gekauft und nicht auf den kleinen Unterschied eines unscheinbaren Buchstabens geachtet. Hatte man uns arglistig oder ebenfalls aus Unwissenheit die falschen Reifen verkauft? Wir werden es nicht mehr erfahren. Anders gesehen, sind wir mit den falschen Reifen von Taschkent bis nach Agadir doch noch ziemlich weit gekommen.

Auf der Asienreise sahen wir die Fußball- Weltmeisterschaft in Tscheljabinsk. Russland selbst war nicht Teilnehmer der Weltmeisterschaft. Diesmal sehen wir die Europameisterschaft in Afrika. In einem Restaurant in … , das mit dem Spiel in deutscher Sprache auf der Straße warb und in dem man auch Bier bestellen kann, sehen wir das Spiel Deutschland gegen ….. in deutscher Sprache. In einer Kneipe vor Agadir, in der kein Bier getrunken wird, sehen wir z.B., wie die Ukraine gegen England verliert, weil der ungarische Schiedsrichter ein Tor nicht anerkennt. Als einziger Europäer sehe ich auf einem Camp am Atlantik, wie die deutsche Mannschaft haushoch gegen Griechenland gewinnt. Einige Kilometer weiter, sehe ich in einem vollen Lokal Spanien, (Gegner Deutschlands im Endspiel?) gegen Frankreich knapp gewinnen. Dort trinke ich mein mitgebrachtes Bier, alle anderen, die für Spanien klatschen, trinken marokkanischen Kaffee.
Obwohl die Spiele in arabischer Sprache übertragen werden, ist der Lauf der Dinge klar zu erkennen. Auf dieser Basis erfolgt auch sonst meist meine Verständigung in diesem Land. Wenn ich z.B. die Kühlbox reparieren will, die gerade ihren Geist aufgegeben hat, muss ich eine „Werkstatt“ suchen und das Ding dort vorzeigen. Alles Weitere ergibt sich. Für eine Suche im Internet wäre z.B. Internet und Sprachkenntnisse in Landessprache erforderlich.
Auf dem Camp Sidi Wassay breiten Männer ihr Tuch vor meinem Stellplatz zum Gebet aus. Aus ihren Ritualen lässt sich schließen, dass es keine Christen sind. Moslems vollziehen diese Rituale zur entsprechenden Zeit an jedem Ort.

Wer durch Asien und Afrika reist, kommt oft durch Länder mit muslimischer Bevölkerung. Außerdem stelle ich Gewichtsverlust durch veränderte Essgewohnheiten fest. Das bringt das Reisen so mit sich. Das gefährliche daran, diese Merkmale weisen gleichzeitig auf eine islamistische Gesinnung hin. Zumindest in Deutschland nach einem Katalog eines Herrn Schünemann von der CDU, Innenminister in Niedersachsen, der damit gerade mal wieder die vergiftete Islamdebatte in Deutschland anheizt.
Aber ich lasse mir die Reise nicht durch solche Miesmacher mies machen. Nach seiner geringschätzten Meinung wollen alle Muslime einen fürchterlichen Kalifa-Staat in Europa errichten. Wenn ich das denen vor meinem Auto erzähle, lachen die sich tot.

Auf dem nächsten Camp in Aglou Plage bei Tiznet habe ich einen schönen Blick auf den Atlantik. 
Aber dort holt mich die große Hitze ein. Auch Nachts stellen sich keine für mich normalen Temperaturen ein. Da wird das Blechgehäuse zur Falle. Unausgeschlafen, weil durchgeschwitzt geht es weiter nach Tan-Tan Plage, wieder ein Camp in Sicht des Meeres. Die Straße führte durchs Landesinnere.  Im Auto erreichten die Temperatur bis 50 Grad, obwohl die Sonne hinter einem Schleier kaum zu sehen war, aber zu spüren.  Auch der Fahrtwind half nicht mehr, da sich dieser wie eine Heißluftdusche anfühlte. Ich dachte nur, hoffentlich bleibe ich hier nicht stehen. Die Situation erinnert an eine Sauna, in der die Tür nicht mehr aufgeht. Zu allem Überfluss gibt die Kühlbox keine Kälte mehr ab. Aber auf dem Camp am Meer stellen sich wieder einigermaßen normale Temperaturen ein. Außerdem erfrischt das Wasser mit etwa 23 Grad.

Route Marokko Stand v. 25.6.12

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Europa hin 14.5. – 28.5.2012

Anreise durch Europa

Abfahrt am 14.5.2012

Ich hätte noch  Wochen oder Monate gebraucht, um alles vorzubereiten. Aber Irgendwann muss man abfahren, wir sind schon 1 ½ Monate zu spät dran. Der Rest muss unterwegs erledigt werden, oder auch nicht. Das Fahrzeug ist wie schon bei der Asienreise immer noch Mister HiAce: Toyota, Baujahr 1997, kein Allrad!, aber 110 PS. Angebaut wurde auf dem Dachträger eine 40 Watt  Solaranlage mit Batterie, Wandler und Steuergerät. Mitgenommen werden auch 2 Reifen, die zu Hause nur vergammeln würden. An der Kupplung hängen 2 Fahrräder. Um diese schnell abklappen zu können, wurde die nach deutscher Norm angebrachte 3. Sicherung kurzerhand abgesägt.

Abfahrt Berlin Toyota Hiace

Für die Anfahrt nach Afrika durch Europa wollen wir uns nicht zu viel Zeit nehmen. Das Reisen im Camp ist durch Europa eine sichere Angelegenheit, die uns noch für spätere Zeiten bleibt. In Europa ist das Reisen einfach: Komplett ausgebaute Infrastruktur und ein dichtes Netz an Campingplätzen für Wohnwagen. Unser 1. Ziel ist Luzern in der Schweiz. Auf halber Strecke übernachten wir im Auto auf einer Raststätte. Da wir mit Hilfe des Navi die Mautstrecken umgehen, kommen wir am Rheinfall vorbei.

Rheinfall

In Luzern erwartet uns Markus. Ein weltreisender Traveller  http://www.littletramp.ch, den wir in Jordanien kennengelernt hatten. Mit Markus haben wir den Besten Stadtführer.

Luzern Markus

Wir satteln die Fahrräder und haben so alle Sehenswürdigkeiten gesehen, wie z.B. die Holzbrücke. Luzern ist wie man sich eine Stadt in der Schweiz vorstellt, im Hintergrund die Alpen mit schneebedeckten Bergen.

Luzern Holzbrücke

Luzern mit Schneeberg

Anderntags machen wir noch eine Fahrradtour in die herrliche Umgebung. Das Wetter meint es noch gut mit uns. Wir unterhalten uns noch lange über das Reisen um die Welt. Markus ist geborener Luzerner und macht erst mal eine Pause vom Reisen. Wenn Not am Mann, will er auch helfen, per Mail.

Und schon fahren wir weiter in Richtung Mittelmeer. Es regnet tagelang wie in Strömen und es ist noch empfindlich kalt. Auf halber Strecke fahren wir bei Millau in Frankreich nicht über die Mautbrücke, sondern bestaunen die höchste Brücke der Welt von unten. Der höchste Pfeiler ist so hoch wie der Eiffelturm.

Brücke bei Millau

Wir übernachten auf Campingplätzen und machen von dort auch kurze Fahrradausflüge am Strand entlang. In Spanien war auch ein FKK-Campingplatz dabei. Nach 13 Tagen und 3.560 km sind wir im britisch besetzten Gibraltar bei Malaga angekommen.

Gibraltar

Zeit für den Blog ich habe bis hierher noch nicht gefunden. Irgendwas fehlt immer: Internetanschluss oder ein ruhiger Abeitsplatz. Außerdem sind wir stark mit Fahren ausgelastet. An der südlichsten Stelle Europas finden wir einen Campingplatz. Mit dem Fahrrad fahren wir nach Tarifa und ordern eine Fähre nach Tanger (Afrika). Anders als im Ieternet bekommen wir hier ein Pauschalangebot auch für die Schnellfähre für Campingfahrzeuge  für 120 € (incl. 2 Personen und Kleinbus). Am Strand bekommen wir den ersten Sonnenbrand. Ich fahre schon mal mit dem Fahrrad am Strand entlang. Bis nach Afrika sind es nur noch 15 km.

Tarifa Fahrradtour

Fahrrad am Strand

15 km bis Afrika

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