Beiträge mit dem Schlagwort: Europa

Antike, Islam, Aufklärung

In Deutschland wird schon länger die Frage diskutiert, ob der Islam zu Deutschland gehört? (s. auch: https://asien.blogger.de/ von 3/11 + 7/11). Der damalige Bundespräsident Christian Wulff beantwortete die Frage mit Ja, Gauck mit nein. Der amtierende Bundespräsident begründet sein nein damit, dass der Islam Europa nicht geprägt habe, weder die Aufklärung oder gar eine Reformation miterlebt hätte. Tatsache ist jedoch, dass die arabische und die europäische Kultur sich beeinflusst haben. Aber vielmehr ist wohl die Frage entscheidend, ob „Deutschland eine weltoffene Nation ist?“, denn der Islam gehört unstrittig zur Welt. In diesem Zusammenhang steht die Frage, ob die die christlich-abendländische Kultur eine Leitkultur in Europa ist?
Im Westen herrscht die Meinung vor, Toleranz, Demokratie, geistige Freiheit und Rechtssicherheit seien Errungenschaften des Abendlandes. Nicht nur Konservative meinen, Europa verdanke diese Errungenschaften hauptsächlich dem Christentum. Auch wenn das Christentum in der europäischen Gesellschaft tief verwurzelt ist, bedeutet das noch nicht, dass die europäische Gesellschaft ausschließlich christliche Wurzeln hat. Europa, und damit die abendländische Kultur, hat seinen Ursprung im antiken Athen. Von den alten Griechen stammt die Idee der Demokratie, die Alphabet-Schrift, sowie der rationale Dialog. In der Antike trennte sich die Philosophie von der Religion, entfaltete sich das freie, nicht an Autoritäten gebundene Denken und damit der Geist der Kritik. So der Historiker Rolf Bergmeier in seinem Buch „Christlich-abendländische Kultur. Eine Legende“. Obwohl das antike Rom Griechenland unterwarf und beide Sklavenhaltergesellschaften Kriege führten und despotisch regiert wurden, entwickelte sich Kultur und Zivilisation im Sinne des Abendlandes. Als Kaiser Theodosius I das Christentum zur Staatsreligion erhob, nahte das Ende der religiösen Toleranz. Die katholische Kirche entwickelte sich streng hierarchisch und die urchristliche Ethik verkam, genauso wie Philosophie und Wissenschaft der antiken Kultur. Schulen wurden geschlossen ebenso wie Bibliotheken und Akademien. Nur die gelehrten Mönche in den Klöstern fühlten sich der Bewahrung des antiken Erbes verpflichtet.
Zur gleichen Zeit blühte die islamische Kultur. Im Ergebnis waren die Wissenschaften, sowie Mathematik, Astronomie und Medizin dem Abendland weit voraus. Das von der katholischen Kirche für nutzlos befundene antike Wissen wurde in der muslimischen Welt bewahrt. Was die alten Griechen, aber auch die Perser und Inder an Erkenntnissen hinterlassen hatten, wurde von Muslimen hinterfragt und weiterentwickelt. Im 11. Jahrhundert verlor die islamische Kultur jedoch wieder an Dynamik. Auf dem Weg zum religiösen Heil galten weltliche Erkenntnisse fortan als eher hinderlich. In Europa indes führte die Auseinandersetzung mit dem jetzt aus dem islamischen Kulturraum importierten Wissen letztlich zu einer neuen Zeitenwende. Der Geist des Bürgertums erwachte. Wirtschaft und Handel gaben der Gesellschaft neuen Schwung. Der Frühkapitalismus förderte nicht nur den Warenaustausch, sondern auch den Austausch von Ideen. Gleichunwohl war die Freiheit des Denkens noch immer eingeschränkt. Nach wie vor wütete die Inquisition, wurden Hexen verbrannt und Bücher per Dekret verboten. Erst die historische Bewegung der Aufklärung gelang es die Macht und Deutungshoheit der Kirche erfolgreich zu erschüttern. Sie leitete die dritte Geburt Europas ein. Nach der Französische Revolution bildeten die Prinzipien der Aufklärung das moralische Gerüst Europas und nicht, wie immer noch behauptet wird, die religiös geprägten Zehn Gebote der Bibel. Im Artikel 1 der Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte von 1789 heißt es: „Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren …“. Mit diesen Worten begann eine neue Epoche, in der nicht die Hoffnung auf Erlösung, sondern der Kampf um Freiheit und Gerechtigkeit die Welt nachhaltig verändert hat.
Heute ist der Islam verbunden mit Demokratie und mit einem friedlichen Zusammenleben mit Angehörigen anderer Religionen. Alle arabischen Staaten sind zwar islamisch geprägt, aber die meisten Muslime leben nicht in arabischen Staaten. Staaten mit einem großen Bevölkerungsanteil von Muslimen sind Pakistan, Indonesien, Indien, sowie Bangladesch und Nigeria. Und Islam ist nicht gleich Islam. Es gibt verschiedene Konfessionen und verschiedene Interpretationen des Koran. Lt. einer groß angelegten Meinungsumfrage unter arabischen Flüchtlingen sympathisiert eine absolute Mehrheit nicht mit dem Islamischen Staat (IS) und meint, dass deren Gewaltakte nicht mit dem Islam vereinbar sind.
Hier ergibt sich die dritte Frage: Ist der Islam mit Terrorismus gleichzusetzen? Der Pabst meint, man kann nicht pauschal urteilen, der Islam sei terroristisch. So wie es eine kleine gewalttätige Minderheit unter den Moslems gibt und gab, gibt es diese auch unter den Christen. Die IS-Ideologie ist eine islamistische Staatsreligion, die im Krieg der USA gegen den Irak entstanden ist. Seitdem erhebt der sog. Islamische Staat den Anspruch, politisches und religiöses Oberhaupt aller Muslime zu sein. Der allergrößte Teil der Muslime jedoch verurteilt den Terrorismus des IS.

Kategorien: Europa Themen, Politischer Reiseblog | Schlagwörter: , , , , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Aktuelles zur Route

Stand 10.10.2018        Wieder unterwegs.

Teil 3 der Weltreise begann am 12.9.2018 mit der Überfahrt mit einem Frachtschiff von Hamburg nach Montevideo: 1 Jahr mit dem eigenen Auto von Süd- nach Nordamerika (nach Asien und Afrika der dritte Kontinent). Am 12.10.18 ist Start ab Monevedeo (s. Route). Berichtet wird wieder im Blog, wenn genügend Zeit und Internet.

Teil 2 der Weltreise war die Afrika Reise: 1 Jahr mit dem eigenen Auto rund um Afrika. 14. Mai 2012 bis 18.6.2013.
Hier die Reiseberichte im Blog, wieder aktuell von unterwegs geschrieben: https://afrikatrip.wordpress.com/  oder kurz: http://www.poesel.com.

Im Juli/August 2014: Umrundung der Ostsee und die Baltischen- und Skandinavischen Länder näher kennengelernt. Da es praktisch die Fortsetzung der Reise vom Süd zum Nord-Cap ist, wurde die Europa-Tour „Rund um die Ostsee“ im Blog „afrikatrip“ fortgesetzt.

Im Juli/August 2015: Fahrt durch Süd-Ost-Europa (Adria-, Balkan-, Karpaten- Route, Teil 2 der Europa-Tour, s. Blog „afrikatrip“ in wordpress). Immer noch unterwegs mit demselben, TÜV-geprüften, selbst ausgebauten Campingfahrzeug.

Von Mai bis August 2016: Tour durch Westeuropa,  über Niederlande, Belgien, Frankreich und England nach Irland, und über Frankreich Nordwest zurück.

Der Teil 1 der Weltreise war die Asienreise April 2010 bis März 2011 (s. Blog  https://asien.blogger.de).

Kategorien: Route | Schlagwörter: , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der Weltveränderer: Was Varoufakis wirklich will

Yanos Varoufakis, der von den Mainstream –Medien auf Äußerlichkeiten wie Ledermantel und Motorrad reduziert wird, wurde in der griechischen Diktatur sozialisiert. Sein Vater wurde von der Militärdiktatur zusammen mit Kommunisten ins Konzentrationslager gesperrt. Auch der Schweizer Fernsehmoderator der philosophischen Sendereihe von 3Sat, Stephan Klapproth, hat die üblichen Zerrbilder und Klischees wiederholt. Varoufakis verweist aber entschieden auf Inhalte, um die es geht. Weil Vernunft irrational wird, wenn man sie von der Ethik abspaltet, oder Wirtschaft den Wohlstand unterhöhlt, wenn sie von der Politik getrennt wird.
Kapitalismus verwischt den Unterschied zwischen Preis und Wert. Während der Preis alles entscheidet, wird der eigentliche Wert vernachlässigt. Varoufakis bezeichnet sich als libertären Marxisten, dem der Marxismus hilft den Kapitalismus zu verstehen. Der Kapitalismus hat die Menschheit vom Feudalismus befreit, ist aber jetzt dabei sich selbst abzuschaffen. Jetzt werden die Menschen versklavt, weil die Ökonomie die Politik und die sozialen Bereiche beherrscht und verformt. Lange Zeit war der Kapitalismus eine wichtige Kraft für den Fortschritt, jetzt aber verkommt die Innovationskraft des Menschen durch das Kapital. Im Unterschied zur Demokratie ist Kapitalismus kein natürliches System, zu dem es keine Alternative gibt. Linke sind bei dem Versuch eine Alternative zu schaffen vorerst gescheitert. Aber so wie sich Christen nicht laufend für die Inquisition entschuldigen müssen, müssen sich Linke (Sozialisten des 20.Jahrhunderts) auch nicht ständig für den Stalinismus entschuldigen. Wichtig ist nur das Mahnen und die ständige Erinnerung an Abscheulichkeiten. Ob nach Kapitalismus z.B. Utopia folgt ist ungewiss und hängt von der Demokratie ab, in der politische Entscheidungen getroffen werden.
Verallgemeinerungen über die Griechen, wie z.B. Sie würden keine Steuern zahlen, oder auf Kosten der deutschen Steuerzahler leben, führen nicht nur zu Rassismus, sondern auch zur europäischen Desintegration. Die Griechen sind die Schwarzen Europas, meint Varoufakis. Ich würde hinzufügen: So wie die Ossis die Türken in Deutschland sind. Varoufakis wollte das griechische Steuersystem reformieren, wurde aber von der sog. Troika (IWF, europäische Zentralbank EZB und EU-Kommission) daran gehindert. Während er für die Senkung der Steuern warb, drängte die Troika auf Steuererhöhung, also auf ein Steuersystem, das zur katastrophalen Lage in Griechenland erst geführt hat. Die Troika zwang die Tsipras-Regierung z.B. zu einem Gesetz, wonach alle Unternehmen 2015 bereits Steuern für 2016 zu zahlen hätten. Die Tsipras-Regierung wollte auch keine Kredite. Varoufakis Schlussfolgerung: Die Troika war gar nicht daran interessiert, das Land zu reformieren, oder den Griechen zu helfen. Es ging nur darum eine sozialistische Regierung in die Knie zu zwingen, die es gewagt hatte nein zu sagen, zur Politik der Technokraten. Sie wollten, dass keine Signalwirkung für Länder vor den Wahlen, wie in Spanien oder Portugal entsteht. Es war reine Machtpolitik, die den solidarischen Zusammenhalt in Europa komplett in Frage stellt. Für die griechische Bevölkerung, die sich nicht aus der EU verabschieden wollte, waren die Technokraten der Troika eine Besatzungsmacht, die ihren gewählten Abgeordneten vorschrieb, was sie zu tun haben.
Als Ursachen der Desintegration nennt Varoufakis, dass in Europa entschieden zu wenig investiert wird. Kein Wunder in einer Welt, in der 62 Einzelpersonen so viel ihr Eigentum nennen, wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Eine weitere Folge davon sind die hohen öffentlichen Schulden, und damit geringer Investitionen. Hinzu kommt die Banken Kriese, sowie die humanitäre Krise (das zunehmende Auseinanderdriften von Arm und Reich). Für Europa ergibt sich die Alternative entweder zu einer demokratischen Föderation zu werden, oder Europa bricht auseinander. Aus dem einseitigen Dialog der Tauben muss in Europa ein Dialog auf Augenhöhe entstehen. Varoufakis hat sich aus der Regierungsverantwortung verabschiedet, um sich mehr der Politik zuzuwenden. Eines seiner Ziele ist ein demokratisches Europa. Dazu hat er gerade in Berlin das proeuropäische Aktivisten-Netzwerk DiEM 25 gegründet.

Inhalt der Sternstunde 3sat:  https://www.youtube.com/watch?v=PNPaZycIC9I    54 Min.

Kategorien: Europa Themen, Politischer Reiseblog | Schlagwörter: , , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Der 17. Juni und Griechenland

Im Herbst 1948, also etwa 5 Jahre vor dem 17.Juni 1953, kam es zum einzigen Generalstreik im Nachkriegs-Westdeutschland, an dem über 9 Millionen Menschen beteiligt waren. 1948 generalstreik StuttgartDie Arbeiterproteste und Massenstreiks richteten sich gegen die Preiserhöhungen, Lohnsenkungen und Mangelwirtschaft. Die Anlässe und Ursachen der Proteste waren im Westen wie im Osten Deutschlands der Nachkriegsjahre sehr ähnlich. In beiden Fällen stellten die Arbeiter auch politische Forderungen. Im Westen nach Verstaatlichung und Demokratisierung der Betriebe und Rückkehr zur Planwirtschaft, im Osten nach freien Wahlen. Der Arbeiteraufstand im Osten Deutschlands wurde (nach Sprachgebrauch im Westen) „von der Roten Armee blutig niedergeschlagen. Zu Recht wird an diese Ereignisse seit über 60 Jahren erinnert, in Westdeutschland war es ein Feiertag zum „Gedenken an den Volksaufstand“. Zu Unrecht wird jedoch einseitig nur an den Aufstand vom 17. Juni erinnert und der Aufstand von 1948 völlig ausgeblendet. Beide Aufstände 1948 und 1953 wurden mit Unterstützung der jeweiligen Besatzer durch Gewalt und Panzer niedergeschlagen. Der Schreck der Herrschenden in Westdeutschland saß so tief, dass Generalstreik verboten wurde (und bis heute verboten ist). Der wirtschaftliche Wiederaufbau in Westdeutschland wurde erst durch einseitige Währungsreform und dann durch den Marshall-Plan gefördert. Zum einen wollte man die Marktwirtschaft sozial machen, zum Anderen wurde damit die Teilung Deutschlands vollzogen. 1953 haben die Westmächte die Schulden der BRD abgeschrieben. Nur so war die Bundesrepublik in der Lage sich von den Kriegsschäden zu erholen.
Die DDR dagegen musste weiterhin Reparationen an die Sowjetunion zahlen, welche die Hauptlast des 2.Weltkrieges zu tragen hatte und nicht in der Lage war Schulden zu erlassen, oder die DDR bei ihrem Wiederaufbau zu unterstützen. Im Osten hielt die Unzufriedenheit der Arbeiter an und mündete in den Protesten am 17.Juni 1953.
Einiges an diesen Teil deutscher Geschichte erinnert an die aktuell anhaltende Finanzkrise in Griechenland. Schulden der Deutschen an die Griechen aus dem 2.Weltkrieg sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern real. Westdeutschland, welches von einem Schuldenschnitt nach den Hungerjahren nach dem Krieg bestmöglich profitiert hat, blockiert alle Gespräche über einen Schuldenschnitt für Griechenland, obwohl er nicht zu verhindern ist. Offensichtlich hoffen die Herrschenden in Europa, dass vorher die „z.T. kommunistische Regierung“ in Griechenland scheitert. Wenn ausgerechnet eine linke Regierung in Griechenland, welche Verantwortung bei der Umsetzung der schändlichen Europa-Politik übernimmt, und am Ende wahrscheinlich dafür von den Wählern abgestraft wird, wäre das ein falsches Signal. Die Griechen dürfen den „deutschen Arbeitnehmern“ nicht in die Taschen greifen, so sinngemäß das Stammtisch-Deutsch eines SPD-Chefs. In Deutschland will man, wie auch in der EU, nichts von einem Marshallplan für Griechenland hören und oktroyiert den Griechen weiter eine Austeritätspolitik auf, die doch die Krise in Griechenland nur befördert hat. Hätten die Westmächte die BRD damals mit Austeritätspolitik konfrontiert, die Europa heute Griechenland aufoktroyiert, wäre die BRD in die Bedeutungslosigkeit versunken.

Kategorien: Europa Themen, Politischer Reiseblog | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

ZwischenStop zu Hause

Georgia & Nikos (Web: thepinproject.blogspot.com) schrieben mir (Mail leicht gekürzt):
Georgia & NikosDear all, after 690 days on the roads of Africa, we arrived safely back home. In the 19.3.2014, we landed of Athens while our little trusty Suzuki arrived in a RORO ship from Israel. If someone would tell us that we would spend two years in Africa, experiencing so many different things and meeting so many different people, we would have thought that it was a weird joke. At the end, we must say that something divine and full of energy (most of the times this energy was positive), gave to any decision and any unexpected event, a reason to happen. This is the most important thing for us and we much appreciate all these moments mainly thanks to the people we met on our way. The Pin Project takes a break in Greece. At the same time, we make plans for the next step in Americas. We hope our dreams and footsteps will cross one day with each one of you.
Hallo Georgia & Nikos , willkommen zu Hause in Europa. Ich kann sehr gut nachempfinden, wie es euch geht, nachdem ihr das fast Unglaubliche geschafft habt. Was bleibt sind Erinnerungen für das Leben. Aber eure Reise ist ja noch nicht zu Ende. Wie meine auch noch nicht. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege wieder in Amerika, wie schon in Marokko und am Kap Agulhas. Aber zuerst fahre ich um die Ostsee. Es ist die Verlängerung der Afrikariese: vom Süd- zum Nord-Cap. Barbara hat dafür 2 Monate frei bekommen. Wenn ihr mal durch Deutschland fahrt, seid ihr herzlich willkommen.
Kategorien: Reiseberichte | Schlagwörter: , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

Europa zurück 2.6. – 20.6.2013

Griechenland 2.6.2013
Von der Fähre fahre ich durch Athen und von dort aber direkt auf dem freien Stellplatz 50 km nördlich von Athen bei Nea Palatia, am Mittelmeer. Nachts werde ich geweckt, weil das Auto schaukelt. Aber ich bin zu müde, um auszusteigen und nach dem Rechten zu sehen. Sonst war die Nacht ruhig und ich kann wie immer gut schlafen, in meinem kleinen Apartment. Am nächsten Tag stelle ich einige Kilometer weiter fest, dass mir 2 kleine Riemchen fehlen, die die Räder vom Fahrrad halten. Also war es doch kein großer Hund, der an meinem Auto rüttelte. Bei dieser kleinen Begebenheit fällt mir ein Gespräch mit einem „erfahrenen Weltreisenden“ ein, der mich vor Afrika warnte, weil dort vor allem Kinder an „allem herumdrehen“.  Ich mache diese Erfahrung nicht in Afrika, sondern erst in Europa.

NeaPalitia149

In Stylida, nahe dem Campingplatz am Mittelmeer östlich der kleinen Stadt, nehme ich mir Zeit die weitere Strecke zu planen. Ich fahre westlich ins Landesinnere nach Kalambaka.  Damit ist auch die nächste Entscheidung naheliegend, nicht die kürzere Schnellstraße über Serbien zu nehmen, sondern weiter in westliche Richtung an der Adria-Küste entlang zu fahren

Stylida152  Stylida153

Am Morgen nach der Übernachtung auf dem Campingplatz Philoxenia bei Kalambaka erlebe ich eine böse Überraschung: Das Auto startet nicht, die Batterien sind leer. Hilfe ist sofort da, aber die Batterien müssen aus der nächsten größeren Stadt mit einem Aufpreis beschafft werden. Das dauert. Also nehme ich das Fahrrad und besuche die schwebenden Klöster von Meteora (Weltkulturerbe, für die Griechen das 8.Weltwunder). Die Rundtour beträgt zwar nur etwa 15 km, aber mit 400 m Höhenunterschied und mit einem alles andere als fahrtüchtigem Fahrrad. Für mich ist es ein kleiner Ausgleich zum Velothon, dem Fahrradrennen in Berlin, an dem jeder teilnehmen kann, nur ich dieses Jahr wieder nicht. Die Fahrt durch die Sandsteinfelsen, die grandiose Aussicht und der Blick auf die Klöster entschädigt für die Anstrengung. Gegenwärtig sind noch 6 Klöster erhalten und bewohnt, davon vier mit Mönchen und zwei mit Nonnen. Bis weit ins 20. Jahrhundert mussten die Mönche mit Strickleitern hochklettern, heute haben sie z.T. eine kleine Seilbahn (Pater-Noster). Dort übernachte ich auf einem freien Standplatz an der Burg. Aber ich fahre nicht in den Himmel und stehe am nächsten Morgen immer noch dort.

Meteora177  IchFahrrad198

Meteora164  Meteora162

Meteora193  Seilbahn188

Metedoa185 HinterMeteora219

Der  Campingplatz Limnopoula in Ioenia am See ist die letzte Station in Griechenland.

LimnopoulaCamp am See220

Albanien 9.6.13
In Albanien sind Campingplätze erst im Entstehen. Ich finde das Camp Paemer am Mittelmeer südlich von Dorres.

AlbanienCampPaemer222  AlbanienCamp Paemer223

Von der Burg Razafa in Shkoder bekommt man den nötigen Überblick und kann über die Stadt und den See bis zum Camp Resort am Lake Shkodra nördlich der Stadt schauen.

AlbanienShkoders233  AlbanienCamp225

Montenegro 11.6.13
Die kurze Küstenstraße am Mittelmeer in Montenegro ist mindestens genau so herrlich, wie die in Kroatien. Vielleicht noch ein wenig eindrucksvoller, da die Küste geprägt ist von vielen Buchten mit kleinen bebauten Inseln. Ich übernachte auf einem freien Platz neben dem Camp Donji Morinj.

Bar Montenegro240  Montenegro246

Kroatien 12.6.13
Kroatien ist ein Urlaubsland, in dem die Infrastruktur für Camper sehr gut entwickelt ist. Und die Altstadt von Dubrovnik. ist eine Perle an der Adria (UNESKO Weltkulturerbe).

Dubrovnik256  Dubrovnik273

Dubrovnik270  Dubrovnik264

Auf dem nicht so überlaufenen und naturbelassenen Camp Pod Maslinom in Orasac, 11km nordwestlich von Dubrovnik, sitze ich mit Blick aufs Meer unter Oliven Bäumen, bei Staropramen und Grill-Würstchen.

CampMasliam289  Camp Maslinam286

Bosnien-Herzegowina 12.6.13
Die Fahrt an der Küstenstraße ist hinter Dubrovnik durch 2 Grenzübergangsstellen unterbrochen. Aber Transitreisende durch Bosnien-Herzegowina haben auf den etwa 10 km nur kurz eine Passkontrolle über sich ergehen zu lassen.
In Griechenland habe ich vergessen Euro zu bunkern. Auf meiner Route durch Europa sind nur Zypern, Griechenland und Slowakei EU-Mitglieder mit € als gesetzliche Währung (€-Zone). Ungarn und Tschechien sind ebenfalls EU-Mitglieder, aber mit freiem Wechselkurs zum €, d.h. mit eigener Währung. Nicht EU-Mitglieder mit eigener Währung sind Albanien, Kroatien und Slowakei. Mazedonien und Bosnien-Herzegowina sind auch keine EU-Mitglieder, Erstere nutzen aber den € als Landeswährung („unilaterale Fremdwährung“) und Zweite haben eine eigene Währung mit festem Wechselkurs zum €. Kroatien kann nach Ratifizierung durch alle EU-Mitgliedsländer am 1. Juli 2013 der 28. Mitgliedstaat werden. Mazedonien und Montenegro sind Beitrittskandidaten, Albanien und Bosnien Herzegowina sind potentielle Beitrittskandidaten. Ein wenig Chaos. Hier scheint mir ein kleiner Rückblick in die jüngste politische Vergangenheit angebracht, auch zu meiner eigenen Verständigung (s. politische Reise „Jogoslwien und die NATO“).
Die vielen Grenzen, die heute zu überwinden sind, stellen sich für europäische Touristen nicht als Problem dar. In den Ländern mit eigener Währung kann € getauscht, z.T. mit € eingekauft, oder Landeswährung am ATM abgehoben werden. Ansonsten sind auf der Route durch das zerfallene Jugoslawien keine Visa erforderlich und es fallen auch keine Gebühren an den Grenzen an. In Griechenland und Kroatien sind für mich umgerechnet etwa“ nur“ 50,- € Maut-Gebühren angefallen, da ich weite Strecken nicht die schnellen Maut-Straßen genutzt habe.

Vor und nach dem Camp in der Stadt Voice noch ein letzter Blick auf die glitzernde Adria Kroatiens mit den mehr als 1.100 Inseln. Abschied von der mediterranen Landschaft und mittelalterlichen Städten, sowie den tiefgrünen Wäldern mit duftenden Pinien, den abgeschiedenen Buchten mit sauberen Kiesstränden und dem wohl klarsten Wasser im Mittelmeer. Istrien (die neue Toskana) kann ich auslassen, dort habe ich vor Jahren mal Inselhüpfen gemacht. D.h. ich habe mich mit dem Fahrrad von einer Insel auf die andere übersetzen lassen.

Bosnien296  Bosnien291

Ungarn 15.6.13
Nahe dem Camp Termal in Zulakaros, kurz vor dem Balaton, wird getanzt.

Ungarn303  Ungarn305

Am nördlichen Ufer des Balaton mache ich noch mal Station auf den gepflegten Camps nahe der Stadt mit dem unaussprechlichen Namen Vonyarcvashegy, sowie bei Alsoörs auf dem Camp Europa. Ich lasse es mir nicht nehmen, das Afrika-Museum zu besuchen. Hätte ich auch sein lassen können, weil es den Namen nicht verdient hat. Es ist mehr eine Ausstellung eines ungarischen Sammlers und Jägers, der in Tansania ab 1958 im Auftrag von westdeutschen Tiergärten als Wildfänger seinen Unterhalt verdient hat.

Balaton306  Balaton Jagd310

Die allerletzte Station auf der Rückreise ist in Prag. Vom Camp Dana Troja aus mache ich die letzte Fahrradtour durch die Stadt.

Prag330  Prag318

ENDE :

s. Auswertung, Statistik (in Arbeit)

Geplante und gefahrene Route durch:
Griechenland, Albanien, Mazedonien, Kroatien, Ungarn, Österreich, Slowakei, Tschechien, Berlin.

Griech-Berlin   Europa übe Adria

Kategorien: Ost-Afrika, Reiseberichte | Schlagwörter: | 6 Kommentare

Bloggen auf WordPress.com.