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Politik und erneuerbare Energien

Windräder kämpfen wie Don Quijote gegen Kohlekraftwerke. Deutschland ist noch nicht imstande, sich vollständig mit erneuerbaren Energien zu versorgen, meint die Statistik wie auch die Lobbyisten der großen Lieferanten für Strom aus Stein- und Braunkohle-,  und Kernenergie. Sie haben recht, nur hat die Politik alles Erforderliche getan für die Energiewende, welche sich aus der drohenden Klimakatastrophe ergibt? Die anhaltend hohe Produktion von Kohlestrom blockiert das vorhandene Stromnetz. Würde man Kohlekapazitäten drosseln, wäre der Weg frei für mehr erneuerbare Energien. Ein Ausstieg z.B. aus der Kohleverstromung sei ohne Engpässe bei der Stromversorgung möglich, aber nur schrittweise, meint die Bundesregierung. Daher kommt der Netzausbau nicht voran, auch wegen vieler Widerstände in der Bevölkerung. Die Entwicklung der Speichertechnologien steckt nach wie vor in den Kinderschuhen. Auf den gesamten Energieverbrauch Deutschlands bezogen, haben die Erneuerbaren derzeit nur einen Anteil von über 25 %, davon mehr als die Hälfte aus Wind und Sonne. Seit 25 Jahren werden erneuerbare Energien über das Stromeinspeisungsgesetz von 1991 und das Erneuerbare-Energien-Gesetz staatlich gefördert.
Anteil StrommixDie dritte Säule neben der Wasserkraft bildet die Biomassenutzung mit derzeit etwa 8% der Stromerzeugung. Damit ist es zwar „nur“ eine Nischentechnologie, aber Teil der Lösung bei der Energieumstellung. Der Ausbau Energie aus Biomasse ist zwar wegen der begrenzten Anbaufläche endlich (zumindest in Deutschland), hat aber einen großen Vorteil gegenüber der Energie aus Wind und Sonne: Sie lässt sich speichern – und abrufen, wenn sie benötigt wird. D.h. sie ist grundlastfähig und kann auch Strom liefern, wenn es bei Nacht mal windstill ist. Bioenergie der zweiten Generation nennt man Biomasse, die nicht aus essbaren Pflanzen gewonnen wird, also nicht in Konkurrenz zur Nahrungsproduktion steht. Dazu gehören zum Beispiel Rest- und Abfallstoffe wie Stroh, die Blätter von Rüben und Möhren oder Nussschalen. Ein weiterer Vorteil der Biomasse besteht in der Kraft-Wärme-Kopplung, der mit einem wesentlich höheren Wirkungsgrad verbunden ist. Noch heute sind Kraftwerke  aus  den  1960er  Jahren  mit  einem Wirkungsgrad  von knapp über 30 % im Einsatz.
Neben den bereits etablierten Technologien der Stromerzeugung aus Biogasanlagen und Holzheizkraftwerke werden alternative Technologien entwickelt. Die z.Z. fallenden Öl- und Kohlepreise werden den Siegeszug der erneuerbaren Energien nicht aufhalten, höchstens verlangsamen. Der Nachteil an den Erneuerbaren ist jedoch, dass in der Dunkelflaute (windstille Nächte) weder Photovoltaik-Zellen noch Windräder Strom erzeugen. Kraft-Wärme-Koppelungsanlagen, die nach dem Prinzip des Holzvergasers Strom und Wärme produzieren, können kombiniert mit Batterien das Problem der Dunkelflauten entschärfen.
erneuerbareEnergienAb 2013 ist der Ausbau der Erneuerbaren augenscheinlich gebremst.

Mit der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2016) bezeichnet die Bundesregierung die Erneuerbaren erstmals als etablierte Technologien. Damit ist die Förderung des Ausbaus der Biomasse (350 Megawatt in den nächsten 6 Jahren) gesichert. Strom aus Biomasse ist vor allem in Bayern verbreitet. Zugleich werden aber die Vergütungssätze gesenkt, damit der Ausbau der Energiewende nicht zu schnell geht. Für erneuerbare Wärme aus KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) gibt es trotz positiver Veränderungen weder politische Vorgaben noch eine Einspeisevergütung. Z.B. für erneuerbare Wärme aus KWK (Kraft-Wärme-Kopplung) gibt es trotz positiver Veränderungen weder politische Vorgaben noch eine Einspeisevergütung.
Dass es auch anders gehen kann, zeigt das Beispiel Großbritannien: Dort wurde die Einspeisevergütung für erneuerbare Wärme erst Anfang 2016 verlängert.

Das kleinste Kraftwerk der Welt
Für Start-up-Firmen, die alternative Biomassegeneratoren entwickeln und herstellen, kann sich eine nachhaltige Auftragslage einstellen. Investoren, bzw. Anleger können in einen globalen Wachstumsmarkt investieren. Als Beispiel sei hier die Firma ENTRADE genannt, ein Dienstleister für dezentrale Energieversorgung. Die Firma hat sich zum Spezialisten für die Energieerzeugung aus Biomasse entwickelt und gehört zu den am schnellsten wachsenden Unternehmen in Europa. Es ist das erste deutsche Unternehmen, welches am New Yorker NASDAQ Private Market an die Börse ging. Entrade Energiesysteme bietet seine Anlagen auf dem britischen Markt zu einem symbolischen Preis. Finanziert wird die Anlage über eine Service-Pauschale (Vergleichbar ein Smartphone mit einem Telefonvertrag). Entrade liefert mit einer E3-Doppelanlage 375.000 Kilowattstunden (kWh) Strom und 900.000 kWh Wärme pro Jahr bei garantierten 7.500 Volllaststunden, für 5.000,- Pfund monatlich. Das sind z.Z. rd. 6.290,-€ monatlich, können aber nach einem Brexid schnell weniger werden. Die Abnehmer profitieren von sauberer Energie und sparen zugleich 20 % ihrer Energiekosten.
E3 Entrade ProduktionDer vollautomatische E3-Mikro-Generator von Entrade liefert saubere, preiswerte und netzunabhängige Energie, die direkt vor Ort erzeugt wird. Entrade will 2016 mehr als 500 dieser E3-Anlagen herstellen und diese verkaufen oder wie in England betreiben. Das entspricht einem Umsatz von etwa 19 Mio € p.A. (aus dem Stand) bei Stromlieferung und etwa 35 Mio € bei Verkauf. Das 2 m² kleine Kleinkraftwerk passt auf 2 Palletten durch eine Kellertür und kann mit 25 kW bis zu 23 Wohnungen mit Strom versorgen, oder mit 60 kW Wärme oder Kälte erzeugen. Zehn dieser kleinen Kraftwerke erzeugen zusammen so viel Strom wie ein großes Windrad. Das E 3 arbeitet nicht nur äußerst effektiv (Wirkungsgrad 85%) sondern auch zuverlässig (94% Volllast). Im Reaktor des E3 wird durch Verbrennung der Biopellets Synthesegas erzeugt, welches über den Motor in Strom umgewandelt wird. Bei der Gassynthese fällt kaum Teerreduktion an, was einen stabilen Betrieb des Motors garantiert. Bis zu 8.000 Stunden pro Jahr kann Strom und Wärme erzeugt werden. Das ist weltweit konkurrenzlos. Bereits 16 E3-Maschinen sind derzeit in Schottland, England, Italien, der Schweiz, Deutschland und den USA in Betrieb.
Holz-Pellets
Den Hauptanteil an Bio-Pellets bilden noch Holzpellets. In den 1970er Jahren wurden diese in den USA aus Sägemehl und Holzspänen entwickelt. In Deutschland werden neben den USA und Kanada die meisten Holzpresslinge hergestellt. Die Kapazität der etwa 55 deutschen Pelletwerke beträgt inzwischen über 3 Millionen Tonnen. Der Verbrauch beträgt aber nur rd. 2 Mio Tonnen. Somit ist zwar einerseits der Verbrauch herkömmlicher Pelletheizungen (ca. 400.000 lt. DEPV) gesichert, andererseits wächst der Druck auf die Hersteller insbesondere dann, wenn der Ölpreis fällt, die Winter warm sind und die Politik inkonsequent bei der Umsetzung der Energiewende ist. Zwischen 1996 und 2008 stieg der Heizölpreis von 20 auf 100 € und fiel jetzt wieder auf das Niveau von 2005. D.h. die Heizkosten für Heizöl (6,11 ct/kWh) nähern sich den Heizkosten der Pellets an (4,66 ct/kWh).

Heizölpreis Pellets-Preis
Hinzu kommen mitunter Fehler im Management (z.B. Finanzierungmodelle, Renditeversprechungen für Anleger usw.). Die Folge: Momentan sind nicht nur Pellethersteller (German Pellets), sondern auch Ofenbauer (Kago) von Insolvenz betroffen. Die Anleihen von German Pellets haben seit Jahresbeginn mehr als 90 Prozent eingebüßt. Die 150 Mitarbeiter wie auch die etwa 12.000 Anleger stehen vor einer ungewissen Zukunft. Was Lehman für die Finanzkrise war, sei German Pellets für die Mittelstandsanleihen, heißt es aus dem Markt. Genussrechte als Form der Finanzierung auf dem „Grauen Kapitalmarkt“ sind für Anleger mit erheblichen Risiken verbunden.
(Siehe auch „Strom aus Biomasse und Entwicklungshilfe“ (Afrika Themen 1/15), sowie „Lausitz der Vorreiter für den Kohleausstieg“ unter https://drahteseltrip.wordpress.com/).

 

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