Von der Idee zur Vorbereitung

Die Idee zum 2. Teil der Weltreise entstand schon vor der Afrika- Reise (s. Asienreise unter www.asien.blogger.de. Der 1. Teil der Reise sollte ursprünglich eine Weltreise werden. Aber dafür reicht ein Jahr nicht. D.h. aus der Weltreise wurde ein aus unserer Sicht machbarer Teil: Die Asienreise. Nach etwa einem Jahr Zwischenaufenthalt zu Hause ging es dann an die konkrete Vorbereitung des 2. Teils der Weltreise: Die Afrikareise. D.h. in Gedanken habe ich ständig die Reise vorbereitet.
Im Fernsehen war der Film „Fräulein Stinnes fährt um die Welt“ zu sehen, den ich schon vor der Asienreise in der Uraufführung im Kino sah. Er schildert die Reise einer Industrieellentochter mit dem eigenen Auto um die Welt, während ihre Brüder die Firma übernehmen. So eine Reise ist heute vielleicht nichts Selbstverständliches, aber auch nichts Außergewöhnliches mehr. In den 20ér Jahren war es eine Pioniertat wegen der wirklich widrigen Umstände: Autotechnik in den Kinderschuhen, kein durchgehendes Straßennetz, kein Hotel oder Campingplatz, keine Tankstellen, keine Supermärkte, keine Bankomaten. Hut ab vor dieser Frau, neben der nur 1 Mann durchhielt, der sie nach der Reise heiratete.
Heute ist ein solches Vorhaben unvergleichbar einfacher. Trotzdem riet mir jeder von einer Reise nach Afrika ab, bis auf wenige Ausnahmen. Dazu gehört vor allem meine Frau, die mich diesmal nur auf einem Teil der Strecke begleiten wollte und konnte. Sie hat Verständnis dafür, dass das Leben eines Dauerreisenden für fast ein Jahr, oder eines Wanderschäfers, eigentlich familienfeindlich ist. Sie hat auch Verständnis dafür, dass es aus der Perspektive des fortgeschrittenen Alters vielleicht „die letzte Gelegenheit“ ist, sich den Traum einer Weltreise zu erfüllen. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Das Bild von Afrika ist bei uns (im Westen) vor allem geprägt von Horrormeldungen: Hungersnot, Unterernährung, Krieg, und ethnische Auseinandersetzungen mit Millionen Opfern usw.. Das Unverständnis, wie man sich aus der relativen Sicherheit in Gegenden begeben kann, die sich weit ab von den gewohnten Normen befinden, ist groß. Aus den Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes aus Afrika (Entführungsgefahr, Bürgerkrieg, Hungersnöte usw.) ergibt sich, dass eine Reise durch Afrika (außerhalb von organisierten Pauschalreiseangeboten) nur abgeraten werden kann. Man bekommt schnell den Eindruck, dass es besser ist, eine solche Reise nicht anzutreten. Aktuelle Pressemitteilungen und Fernseh-Berichte haben diese Warnung nur eindringlich bestätigt. Aber es gibt auch andere Berichte und Erfahrungen, z. B. über die faszinierende Natur z.B. der Serengeti. Afrika das Land, welches man nicht mehr missen möchte oder wo man nie wieder hinfahren mag, so heißt es. Sicher muss man das Sprichwort: „Wer das Eine will, muss das Andere mögen“ in diesem Zusammenhang sehen. D.h. man kann sich nicht nur von dem Naturerlebnis beeindrucken lassen, ohne sich mit den (aus westlicher Sicht) sehr einfachen Verhältnisse zu arrangieren.
Meine Erfahrung aus der Asienreise ist die, dass nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird. D.h. einerseits, dass man die bekannten Gefahren, die sich bei einer Reise auf eigene Gefahr ergeben können, nicht außer Acht lassen kann. Andererseits sollte man sie aber auch nicht überbewerten. Wer hinter die Kulissen schaut, sieht, dass es die unterschiedlichsten Einschätzungen von Gefahren und Situationen für ein und das selbe Thema gibt. Z.B. über die Frage, kann man durch Mali, oder Nigeria aufgrund der aktuellen Meldungen auf dem Landweg fahren oder nicht. Der Botschafter Malis in Marokko, sieht darin überhaupt kein Problem. Sieht er nur die Einnahmen aus Tourismus? Der angeblich erfahrene Afrikareisendende vom Campingplatz hinter Tarifa würde z.Z. auf keinen Fall durch Mauretanien reisen wollen und macht den unzweideutige Fingerzeig des Halsabschneiders. Andere Traveller berichten davon, dass sie gerade ohne Probleme durch Afrika gefahren sind. Wenn das Auswärtigen Amt davon eindringlich abrät, dann auch deshalb, weil es die Verantwortung z.B. für eine eventuelle Entführung nicht übernehmen will und auch kein Interesse daran hat, sich diplomatisch „nur wegen einer Entführung“ mit dem jeweiligen Land auseinandersetzen zu müssen. Hinzu kommen auch versicherungstechnische Fragen. Für das Amt ist klar: Wer auf eigene Gefahr reist, muss im Fall des Falles auch für die Folgen aufkommen.
Auch die Ärztin, bei der ich mich impfen lasse, rät von der Reise ab, weil es gegen Malaria kein Impfstoff gibt, nur Tabletten mit mehr oder weniger Nebenwirkungen. Der Arzt, der beim Check keine Herzfehler feststellen kann, rät zwar nicht ab, aber zur Vorsicht.
Konsulate in Berlin, durch dessen Länder ich reisen will, stellen Forderungen, die schlicht nicht zu erfüllen sind. 4 Konsulate erwarten den Tourist in Berlin persönlich zum Interview. Ein Visum darf i.d.R. aber frühestens 4 Wochen vor Einreise beantragt werden. D.h. bei einer Reisedauer von einem Jahr sind die in Berlin erteilten Visa nicht mehr gültig. Dann stellt man unterwegs fest, dass man in anderen Auslandsvertretungen dieser Länder Visa zu beantragen kann. Für den Fall, dass es doch nicht möglich sein sollte, habe ich einen 3. Pass in Berlin hinterlassen (das mit dem 3. Pass aber bitte nicht weitersagen, weil die Beamtin in der Antragsstelle meint, man dürfe max. 2 haben, und eine die andere Beamtin in der Ausgabestelle das nicht kontrolliert).
Hinderungsgründe über Hinderungsgründe. Einziger Ausweg: Trotzdem einfach losfahren. Wer auf eigene Gefahr auf dem Landweg reisen will, muss Hinderungsgründe überwinden oder negieren. Er muss mit den eventuellen Gefahren leben können, ohne nur in Angst zu vergehen. Aber Angst ist auch relativ. Die Jugend ist eher unbedarft, im Alter wächst die Angst zunehmend. Daher will ich hier auch nicht unerwähnt lassen, dass obwohl (oder vielleicht auch deshalb ?) ich schon Erfahrung mit so einem Unternehmen habe, sich auch nicht unerhebliche Selbstzweifel einstellten, wie z.B.: Will ich auch mit den Unannehmlichkeiten leben? Kann ich es aus gesundheitlichen Gründen, noch dazu als Alleinreisender? Ist es zu Hause vor dem Fernsehsessel nicht viel gemütlicher? Wie viel ist an den Horrormeldungen über den Kontinent dran, vor allem: was gibt es für Hintergründe. Geht die Reise schief, bekommen die Zweifler Recht. Geht sie gut, wächst das Selbstwertgefühl beträchtlich, sich der Herausforderung gestellt zu haben. Zudem ist man um unbezahlbare Erfahrungen und um unzählige Erlebnisse reicher, die sich exorbitant von denen eines Pauschalreisenden unterscheiden.
Die Vorbereitung gestaltete sich diesmal erheblich einfacher als bei der Vorbereitung der Asienreise. Es waren keine Möbel einzulagern und Wohnungen aufzulösen. Und es musste auch keine Wohnung vermietet werden. Die an Demenz erkrankte Mutter wurde nach viel zu langer Krankheit endlich von ihrem Leid erlöst.
Nichts stand der Vorbereitung der Reise mehr entgegen, außer der Stand der Vorbereitung selbst. Durch Erfahrung war auch klar, was zu tun ist. Der ursprüngliche Abreisetermin sollte der 1. April 2012 sein. Obwohl es kein Aprilscherz werden sollte, ergaben sich aber wieder und wieder Gründe, die Abfahrt zu verschieben. So mussten noch einige sich aus meinem Beruf ergebende Aufträge erledigt werden.
Wie schon vor der Asienreise, als sich 2 Monate Verschiebung ergaben, wurden es diesmal „nur“ 1 ½ Monate. Irgendwann muss man Prioritäten setzen und einen Schnitt machen. Vieles muss eben unterwegs erledigt werden. Es ist unmöglich alles vorbereiten zu wollen. So blieb z.B. die Vorbereitung des Afrika-Blogs, die Komplettierung des Fahrzeuges, die Erweiterung der Sprachkenntnisse usw. usw. auf der Strecke. Vieles muss von unterwegs aus erledigt werden.

Das war der 1. Teil der Weltreise: 1 Jahr mit dem Auto durch Asien und Nahost.
vom 1.6.2010 bis 10.5.2011
www.asien.blogger.de

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Kategorien: Vorbereitung | Schlagwörter: , , | Ein Kommentar

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Ein Gedanke zu „Von der Idee zur Vorbereitung

  1. Barbara

    …endlich konnte ich in Ruhe und Muße auch diesen Teil lesen. Da ich dich gut kenne und nicht ganz unbeteiligt bin, kann ich sagen: klasse rübergebracht deine Beweggründe und Vorbereitung zum 2.Teil Weltreise.- Mag sein…bei Teil3 kann ich wieder mit „on tour „!?

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