Südamerika

Ist ein Kontinent der Superlative: Das drittgrößte Land (Brasilien), das längste Hochgebirge (Anden), die trockenste Wüste (Atacama), der drittmächtigste Wasserfall (Iguacu im la-Plata-Becken), der längste Sandstrand (8.000 km Atlantikküste), die höchste (La Paz) und südlichste Hauptstadt (Buenos Aires) und die zweitgrößte Metropole (Sao Paulo), sowie die südlichste Stadt (Ushuaia, an der Südspitze Patagoniens). Diese vielleicht wichtigsten Höhepunkte liegen auf meiner Route. Nicht auf meiner Route liegen der größte Strom (Amazonas) mit einzigartigem, tropischem Regenwald, die entfernteste Insel (Osterinsel) und das exotischste Biotop (Galapagos Inseln). Schade, sie sind nicht weniger wichtig, aber alles geht nicht. Südamerika ist genauso bunt und vielfältig wie Europa, aber doch ganz anders. Während Europa eher einem Museum gleicht (langweilig), ist Südamerika eher ein akrobatischer Zirkus (spannend), sagt man. Ich lass mich überraschen.

Uruguay
Ein vom ständigen Wechsel zwischen klimatisierter Zimmertemperatur auf dem Schiff und sehr warmer Außentemperatur Erkälteter, zieht es vor, sich die ersten beiden Tage Montevideo im Hotel zu kurieren. Er ist noch ein wenig eingeschüchtert von den vielen Warnungen vor hoher Kriminalität usw.. Aber siehe da, am nächsten Morgen der erste Blick aus dem Hotel: Das Auto steht noch unbeschädigt da. Moralisch gefestigt, entdeckt er die Stadt per Bike. Plötzlich kommen zwei Wohnwagen mit den französischen Pärchen um die Ecke. Ein letzter Abschied, aber vielleicht sieht man sich ja noch einmal, auch wenn die Wege zuerst in verschiedene Richtungen gehen.

  

 

 

 

 

Nicht weit von Montevideo gerät er erst einmal in einem Camp in eine Schweizer Gemeinschaft, das von einem Schweizer Paar schon viele Jahre geführt wird. Ein Niederländer ist mit dabei. Dort stehen mehrere Wohnwagen, die von den Besitzern hier für längere Zeit geparkt werden, um ihre Reise nach einem Heimurlaub fortzusetzen. So entfällt eine Verschiffung. Eine Platz, bzw. Möglichkeit der Urlaubsgestaltung, wie sie schon in Afrika zu sehen war. Ein Camp mit allem was ein Camper braucht und mit einem herrlichen Sandstrand, so schön, wie an der Ostsee, nur nicht so überfüllt. Ein Camp, wie man es in Brasilien vermissen wird.

Kurz vor Brasilien liegt in rauer aber schöner Landschaft dieser geschützte Park von Santa Teresa mit einem Zeltplatz. Zelten ist in Uruguay, wie auch in Brasilien verbreiterter, als mit Wohnwagen campen.

Ohne Visapflicht geht der erste Grenzübergang nach Brasilien sehr ruhig von statten. In Rio Grande steht auf dem Camp ein Brasilianer, der außer in Rio der letzte mit Wohnwagen sein wird. In der Küstenstadt wird gerappt, Boccia und natürlich Fußball gespielt.

In Torres bietet der Sandstrand sehenswerte Felsformationen.

Havan ist eine brasilianische Kaufhauskette und schon von weitem, wie hier in Florianapolis, an der Freiheitsstatue zu erkennen. Am schönen Strand kommt eine junge Frau und beginnt sich ausziehen ….. , um sich als Model im Bikini fotografiert zu lassen.

Der Strand bietet nachts bei herrlichem Klima unter Palmen einen ruhigen Seegang und ein paar km weiter am nächsten Tag eine stürmische See, in der man nicht baden kann. An der Küstenstraße entlang bieten sich immer wieder herrliche Aussichten. Manchmal trügt der Schein, hinter einem Strand verbirgt sich ein Atommeiler.

 

 

 

 

 

    


In Paraty sitzt man gut am Strand oder schlendert durch die Altstadt. Am Wahlabend feiern ein paar Anhänger ihren neuen Präsidenten.

In der Nacht darauf wird, wie hier in einem neuen Camp, Halloween gefeiert. Der Bardame jedenfalls gefällt ihr Job.

 

 

Große Tiere , wie z.B. die big five in Afrika, gibt es in Südamerika nicht. Dafür viele unbekannte Vogelarten (z.B. die Eule auf dem Kreuz), oder mal eine Exe. Ein Gürteltier, Armadillo, Nasenbär, Coati., Faultier oder ein Großer Ameisenbär ist noch nicht über den Weg gelaufen. Wasserschweine waren in den gefluteten Feldern neben der Straße schon öfter zu sehen. Am Meisten gibt es Hunde, die ihr Revier mit lästigem Gekläff verteidigen. Ein Schweizer erzählte, sein treuer Begleiter wäre ihm hier zugelaufen. Der Hund hätte ihn gesucht, nicht umgekehrt.

50 km vor Rio de Janeiro gibt es einen Campingplatz, der zwar dicht am Strand liegt, aber sonst nicht viel bietet und noch dazu teuer ist. Eine Marina in der Stadt bietet zwar einen Parkplatz mit anschließenden Restaurants, aber nicht für Camper, die sich offiziell anmelden. An der Copacapana ist schon Betrieb, denn es ist ja noch Frühling. Am Ende steht der Mann, der den Zuckerhut in der Hand hält. Der Hubschrauber schwebt über dem bekanntesten Mann der Stadt: Christus. Aber man erreicht die Spitze des Hutes auch mit der Seilbahn und wird bei guter Sicht mit einer herrlichen Übersicht belohnt. Mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist die Treppe im Künstlerviertel Santa Teresa. Es gäbe noch einiges mehr zu entdecken, aber für Camper ist die Stadt nicht einladend.

Auf dem Weg nach Brasilia soll es in Belo Horizonte ein Camp geben. Bei den im Navi eingegebenen Koordinaten ist kein Camp. Die Stadt ist wie schon Rio ein Gewirr aus Straßen. Ohne Navi keine Chance das unbekannte Ziel anzusteuern. Wegen der Ungenauigkeit zwischen Satellit und Navi müsste man auf der Autobahn Schrittgeschwindigkeit fahren, um eine Abfahrt zu finden. Froh wieder aus dem Chaos raus zu sein, steuert er den nächsten Track-Stop an (hier ein Posto von Shell). Die sind zwar nicht schön, aber für eine Nacht sicher und haben Restaurant und zur Not auch WC und Dusche. In Tres Marias ist an einem Stausee ein Camp, das alles hat, aber nicht (mehr) von Touristen besucht wird, sondern nur noch von Einheimischen. Nachts wurde eine 1-Mann Objekt-Bewachung organisiert.

Erbringt Brasilia immer in Verbindung mit Jean Paul Belmondo, der in diesem Jahr 85 wurde. Schuld ist der französische Film „Abenteuer in Rio“, den er in den 70ern im Kino gesehen hat. In diesem Abenteuer, über das er heute nur noch lächeln kann, grinste Belmondo locker und leicht Freiheit. Mit ungekünstelter Leichtigkeit, erotischer Melancholie und vergnügter Angriffslust brachte der Schauspieler den intellektuellen Aufbruch der 60ér Jahre, der für Befreiung stand, zum Ausdruck. Das faszinierte ihn, ohne sich in seiner Jugend dessen immer bewusst zu sein.
Vielmehr steht aber Brasilia in Verbindung mit dem Präsidenten, der den Traum, eine Hauptstadt Brasiliens zu errichten umsetzte, und an den das Memorial JK erinnert. Sowie mit dem Architekt Oscar Niemeyer, der den Plan für die bekanntesten Bauten realisierte, wie die  Kathedrale, hier bei Tag und Nacht.

 

 

 

 

 

 

Oder den Platz der Dreifaltigkeit, ä sorry, der drei Gewalten (Exekutive, Legislative und Judikative), hier mit Präsidentenpalast, Nationalkongress und Justizpalast. Der neue Präsident hat zwar die Einhaltung der Verfassung zugesichert. Trotzdem scheinen sich über dem Parlament dunkle Wolken zusammenzubrauen. Die spannende Frage bleibt, was die Opposition dem Rechtsextremen entgegenzusetzen hat, der ab 1.Januar in seinen Palast zieht.

 

 

 

 

 

 

Ob die, die die Steine mit den jeweils passenden Punkten anlegen, sich auch für den nicht so spektakulären Fernsehturm oder das Nationalmuseum von Niemeyer interessieren?

 

 

 

 

 

 

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Verschiffung Hamburg – Montevideo

Es gibt mehrere Möglichkeiten 1 Jahr mit einem Wohnmobil durch Amerika zu fahren: Ein Wohnmobil in den USA zu mieten ist wohl sehr teuer. Außerdem kommt man mit Mietautos nicht über die Grenze und in Südamerika sind Wohnmobile z.T. auch unüblich. Will man mit dem eigenen Wohnmobil, oder mit dem selbst ausgebauten Camper fahren, bleibt nur die Verschiffung per Container oder per RoRo-Schiff. Beides nimmt sich vom Preis nicht viel, da neben den Containerkosten noch Kosten für Flug und Hotel kommen würden. Ich entscheide mich für ein Frachtschiff von Grimaldi, welches neben der über Rampe zu erreichenden Transportfläche in 5 Frachtdecks noch Kabinen bietet. Diese werden u.a. von Seebridge und Mafratours angeboten. Die unter italienischer Flagge fahrende Grande Francia ist schon etwas in die Jahre gekommen, misst aber immer noch 214 m und fährt die etwa 13.000 km Seeweg mit bis zu 30 km/h. Vier Wochen dauert die Überfahrt nach Montevideo, incl. Hafenlandgänge. D.h. für eine Seereise muss man Zeit mitbringen. Aber wer die Seefahrt als Teil der gesamten Reise betrachtet, und für den der Weg das Ziel ist, kann die Seefahrt ein besonderes Erlebnis sein.
Zwei Millionen Deutsche reisten 2017 mit schwimmenden Unterhaltungstempeln über die Meere. Das Kreuzfahrtgeschäft boomt gerade. Manche Orte haben so viel Einwohner, wie Kreuzfahrtschiffe Kabinen. Die Folge: Schweröl verpestet Hafenstädte, Massentourismus bedroht Weltkulturerbe („Venedig-Syndrom“).
Passagiere auf einem Frachtschiff sind eher die Ausnahme. Natürlich fällt der Luxus auf einem Frachtschiff etwas bescheidener aus und die Passagiere haben sich dem Betrieb auf einem Frachter anzupassen. Der Preis pro Tag für Unterkunft mit Vollverpflegung und Transport des Vehikels beträgt etwa so viel wie eine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff (Innen, unteres Deck). Die Kabinengröße und der Ausgang ins Freie sind auf Kreuzfahrt- wie auch Frachtschiffen begrenzt, mehr oder weniger. Aber die Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf dem Schiff ist keine Freiheitsberaubung, da selbst verschuldet, oder besser: selbst so gewollt.
Das Frachtschiff hat 6 Doppel-Kabinen für Passagiere. Mit der Francia fahren nur 8 mit: 2 Pärchen aus Frankreich, die Haus und Hof verkauft haben und nun als Rentner im Wohnwagen durch die Welt reisen, wenn sie nicht gerade Kinder und Enkel besuchen. Ein Traveller aus Deutschland, mit 70 der Älteste auf dem Schiff, der im selbst ausgebauten Camper reist und sich seit der Rente nun Teil 3 der Weltreise (Amerika) vorgenommen hat, nach Asien und Afrika. Dann noch ein jüngerer Backpacker aus Schweden, der bei seiner Weltreise nur ökologische Transportmittel mit Schiff, Bus und Bahn nutzen will, sowie ein jüngeres Pärchen aus Spanien und Peru, das mit der Francia hin und zurück fahren will. Die 26-Mann-Crew kommt aus Italien und den Philippinen. Dienstsprache ist Englisch. Einer sozialen Hierarchie folgend, wie auf größeren Schiffen üblich, essen die Passagiere mit in der Offiziersmesse, in der der Käpt’n ein Master und der Messman ein Filipino ist.

Hinter der engen Nordseepassage bei Dover reißt der Telefonkontakt ab. Das Schiff verfügt über Satellit, aber nicht über Internet. D.h. für Smartphone-Nerds würden harte Entzugserscheinungen das Reisen zur Folter machen. Zwischen Marokko und den Kanaren gibt es für ein paar Stunden noch mal spanischen, also europäischen Funkkontakt. Wie auf Befehl finden sich alle (Mannschaft und Passagiere) auf Freideck ein und suchen den Kontakt zu ihren Familien. Danach ist Funkstille. SIM-Karten fürs Handy mit Internet für das jeweilige Land bekommt man nicht auf dem Schiff und auch nicht gleich bei Grenzübertritt, daher lohnt sich deren Anschaffung nur in Ländern mit längerem Aufenthalt.
Am 21. September erreicht die Sonne den Äquator und wechselt zugleich vom nördlichen Herbst in den südlichen Frühling. Der Winter fällt aus, denn auch diese Reise folgt der Sonne. Vier Tage später erreicht auf dem Weg von Dakar nach Rio auch das Schiff den Äquator. Die Uhr wird mehrmals eine Stunde zurückgestellt, wobei die Sommerzeit das Wirrwarr komplett macht, und hoffentlich im nächsten Sommer abgeschafft wird. Das Wasser läuft nicht mehr rechts rum, sondern entgegen dem Urzeigersinn aus dem Ausguss. Zu allem Überdruss schlingert das Schiff in 3 Dimensionen, wenn auch nur leicht, da das Wetter stabil bleibt. Reisetabletten oder Kotztüten werden nicht benötigt (Gott sei Dank).
Der Fahrplan ist ständig im Wechsel. Bei Abreise war noch unbekannt, dass das Schiff im Hafen von Dakar (Senegal) ankert und die Passagiere Ausgang bekommen. Selbst am Ankerplatz wird das Heck des Schiffes von der Besatzung bewacht um blinden Passagieren keine Möglichkeit zu bieten, sich an der Rampe zu verstecken. Vor der Verladung werden die Passagierautos versiegelt. Das Stadtzentrum gleich am Hafen ist weder groß noch spektakulär. Das Leben spielt sich auf der Straße ab, dort wo das Markttreiben stattfindet. Geschäfte gibt es kaum, die Geldautomaten funktionieren nicht.

An Einiges kann ich mich erinnern vom Afrikatrip. Die erschreckende Armut und die Hitze ist immer noch die Gleiche. Ich frage nach dem Weg, schon habe ich einen Guide am Hals. Ich sage, ich brauche keinen Stadtführer, aber er lässt sich nicht abschütteln, und begleitet mich zu einem lokalen Supermarkt. Dafür erwartet er einen kleinen Sack Reis für seine Familie, der umgerechnet etwa 5,-€ kostet und für ihn viel Geld ist. Für mich im Moment auch, da ich für die paar Stunden nicht viel getauscht habe. Das ist kein Betteln, sondern die blanke Armut. Aber nicht so schlimm wie der, der versucht dem Touristen in die Hosentasche zu greifen, weil der den Fotoapparat dort unvorsichtigerweise verstaut hat. Neu war auf dem Weg zum Novotel, wo Touristen mal schnell Geld tauschen können, der französische Supermarkt Auchan, der sehr stark von Sicherheitskräften bewacht wird, wie auch das Hotel. Die in Frankreich produzierten Produkte werden in Senegal billiger verkauft. Darunter leiden lokale Geschäfte und die Armut wird noch größer. Auch in Afrika wächst die Unzufriedenheit. Daraus entstand z.B. die panafrikanische Bewegung „Grande Marche“ (Großer Marsch), die sich seit 2016 mit jährlichen Großdemonstrationen nicht nur in Dakar für ein freies und autonomes Afrika ohne nationale Grenzen und mit einheitlicher Währung einsetzt. Diese Bewegung beruft sich u.a. auf Thomas Sankara, der in den 80er Jahren in Burkina Faso einen sozialistischen Staat aufbauen wollte und dabei Afrika in den Vordergrund stellte, also dem Eurozentrismus eine Absage erteilte. Die Bewegung erinnert gleichzeitig an die Kongo-Konferenz 1919, bei der europäische Kolonialisten Afrika unter sich aufteilten und fordert die Abschaffung der dabei willkürlich gezogenen Grenzen, die bis heute nachwirken. Sie sind Ursache für manchen Grenzkonflikt.

In Dakar ist es heiß, die Sonne brennt und machmal scheint es, verdunkelt der Ruß des Schiffsdiesels nicht nur das Deck, sondern auch die Wolken. Willkommene Abwechslung für Passagiere und Mannschaft der Grillabend, leider ohne Bier. Bei so wenig Auslauf wird der Fitnessraum fleißig genutzt. Die Mannschaft hat über Monate immer zu tun, auch auf dem Deck.

 

 


Für die Passagiere besteht der Tag aus Lesen, Ausgang an Deck, Spielen (z.B. Schach) und Sport. Das Essen ist fürstlich: 3 Mahlzeiten, Lunch und Dinner jeweils in 3 Gängen. Oft gibt es Fisch, auch Kalmare, die der Bauer (wie auch der Ossi) nicht kennt, aber trotzdem isst. Für die Mannschaft ist jeder Tag Schichtarbeit.
Ausflüge in Dakar, Vitoria, Paranagua und Zarate werden urplötzlich und ohne vorherige Information von der Crew angesetzt. In Rio und Santos fällt der Ausgang aus. Besonderen Eindruck macht Vitoria.

Beim Beobachten des Be- und Entladens der Francia im Hafen (insbesondere Rio) kann einem schwindlig werden. Nicht schnell aber unheimlich betriebsam läuft alles ab. Die Container schaukeln am Seil und eine Menge Autos roll en über die Rampe. Ein Wunder wenn da nichts durcheinander kommt. Wer einen Ameisenhaufen aus der Nähe betrachtet, sieht nur Chaos, und doch hat alles System. Der Container mit seinen genormten Maßen macht es möglich und hat den globalen Handel entscheidend vorangetrieben. Keiner kann die Lieferkette der Produkte in den Containern mehr durchschauen, aber alles erreicht sein Ziel. Bei den Porsches, die am Kai aneinander gereiht werden, ist wohl noch nachzuvollziehen, woher sie kommen.

Solange wir einen Ausflug in die Hafenstadt machen, kann ich nicht beobachten, ob nicht ausversehen mein Vehikel auch von der Rampe rollt. Da das Gitter zum Deck verschlossen ist und die Passagierautos versiegelt sind, ist der Zugang zum Auto, zumindest für die Passagiere, nur noch in Ausnahmefällen möglich. So kann ich auch das Fahrrad nicht nutzen, das lässt die Hafenbehörde nicht zu. Der Backpacker verlässt das Schiff in Rio. Angeblich ist das Verlassen des Schiffes in Rio mit dem Fahrzeug nicht möglich, d.h. wenn ich Rio noch sehen will, muss ich von Montevideo wieder Richtung Norden fahren. Das hat jedoch den Vorteil, dass ich, bevor ich in Richtung Süden fahre, die Sonne noch bis zum südlichen Wendekreis kommt, der etwa in Höhe Rio liegt. Denn am stürmischen Kap-Hoorn, kurz vor der Antarktis, kann es auch im südlichen Sommer wesentlich kälter werden, als am Nord-Kap im nördlichen Sommer. In Rio kommen wir abends mit Verspätung an. Aber der Zuckerhut macht beim Ein- und Auslaufen selbst noch als Schatten Eindruck.

 

In Santos bietet sich eine Sicht über die Stadt bis zur Francia im Hafen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz vor dem Ziel noch ein Blick in den Maschinenraum. Es ist laut und heiß. Die Maschinen laufen jeden Tag rund um die Uhr, auch im Hafen. In den klimatisierten Zimmern bleibt davon nur noch ein Hintergrundgeräusch.

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Rechtsruck oder Wechselstimmung?

Wer genauer hinschaut, dem wird immer noch schwarz vor Augen. Viel hat sich nicht geändert gegenüber der letzten Wahl. Nur dass die Farben Schwarz (CDU) und Hellblau (CSU) schon recht verblasst sind. Das neue Blau in Sachsen (AfD) ist aber dem Hellblau zum verwechseln ähnlich, d.h. es ist auch nur ein verblasstes Schwarz. Neu und bedauerlich ist, dass eine knappe Mehrheit für Rot/Rot/Grün verloren gegangen ist, die es 2013 rechnerisch noch gab. Aber da hieß es trotz der weitgehenden programmatischen Übereinstimmung, dass es in Deutschland keine Zustimmung für Rot/Rot/Grün gebe. So gesehen dürfte es auch keine Jamaika-Koalition geben. Lediglich 9,3 % der Wähler können sich eine Koalition aus Union, FDP und Grüne vorstellen. Nicht mal eine Mehrheit in diesen Parteien selbst will Jamaika (Schwarz/Gelb/Grün). Die Chance für einen Politikwechsel haben die SPD wie auch die Grünen vermasselt, weil sie nicht bereit waren, auch nur einen Schritt auf die Linke zuzugehen, z.B. in der Frage, dass von Deutschland kein Krieg mehr ausgehen darf. Die SPD glaubt aber immer noch, sie könne die nächste Wahl allein gewinnen. Verbaut wurde die Chance erst jetzt mit dem Wechsel der unzufriedenen Wähler zur AfD, weil die die Hoffnung auf einen Politikwechsel mit den „etablierten“ Parteien verloren haben. Bezieht man die Stimmenanteile auf alle Wahlberechtigten, entfallen auf das Konservative Lager (Union, FDP und AfD lediglich 36,6%. Ein Drittel (!) aller Wahlberechtigten haben nicht, ungültig oder unter 5% gewählt. Politikwechsel hat wieder eine Chance, wenn nur etwa 2 Millionen der Wechsel- und Nichtwähler wieder zu Rot/Rot/Grün zurück wechseln.
WahlLager
Die großen Wahlverlierer sind die Regierungsparteien Union und SPD. CDU/CSU verliert gegenüber 1990 zehn Prozentpunkte, feiert sich aber als Wahlsieger. Der Stimmenanteil der SPD hat sich seit 1989 halbiert. Obwohl lt. Infratest dimap 84% der Wähler glauben, Deutschland gehe es wirtschaftlich gut, sind nur 51% der Wähler mit der Arbeit der Bundesregierung und der CDU zufrieden. Die Unzufriedenen haben lediglich die Seite gewechselt, nicht aber ihre politische Einstellung. Allein 1,3 Millionen Wähler haben statt CDU/CSU jetzt wieder FDP und fast eine Mio AfD gewählt. Gauland wäre als ehemaliges CDU-Mitglied und jetziger AfD-Vize ein typischer Vertreter der Unzufriedenen, wenn er nicht rechtsradikal wäre. Er will sich jetzt nicht nur „sein Volk“, sondern auch seine CDU zurückholen. So gesehen erlebt Deutschland keinen Rechtsruck, es bleibt rechts. Mit dem Wählerwechsel in Richtung AfD bleiben „nur“ die rechten Politikfelder weiter besetzt, die die Union unter Merkel verlassen hat. Die CSU will jetzt „die offene Flanke schließen“, sprich nach rechts rücken. Sie kalkuliert, dass je weiter sie sich nach rechts bewegt, werden die Unzufriedenen wieder zurück zum Original wechseln. Geboren aus Unzufriedenheit entstand eine Wechselstimmung. Viele Wechselwähler sind Protestwähler und umgekehrt, ihnen fehlt politische Aufklärung. Insofern ist die Wechselrichtung nicht nachhaltig. Denn je mehr sich die AfD als Partei „völkischer Nationalisten“ entblößt, werden auch die fast 1 Mio Wechselwähler aus SPD, Grüne und Linke nicht noch mal extrem rechts wählen. Vertagt hat sich auch wieder das Problem, wohin die 25 % der Nichtwähler (Zweitstärkste Kraft in Deutschland), wechseln, wenn sie sich denn bewegen.
Für 57% aller Wähler ist das Programm einer Partei wahlentscheidend, weniger ihr Kandidat. Warum bekommen Kandidaten dann bei der Wahl die Erststimme? Wahlentscheidend waren auch weniger die Zuwanderung von Flüchtlingen als vielmehr z.B. die Schul- und Bildungspolitik. 70% aller Wähler machen sich berechtigte Sorgen, dass „die Gesellschaft immer weiter auseinander driftet“. Vor allem deshalb sind die Regierenden abgestraft worden. 38% haben Angst, dass „zu viele Fremde nach Deutschland kommen“. D.h. der große Teil aller Wähler ist für eine bessere Integration der Flüchtlinge, die nicht ohne Grund flüchten. Das hat die Elite in CDU/CSU, FDP und AfD noch nicht realisiert. 55% aller Wähler sind unzufrieden mit Merkels Flüchtlingspolitik, im Osten mehr als im Westen. Wobei sich die Unzufriedenheit der AfD-Wähler politisch von denen der Linkswähler diametral unterscheidet. AfD-Wähler haben die AfD nicht wegen ihres Programms gewählt, denn das ist für deren Macher nur sekundär. 60% der AfD-Wähler haben AfD aus Enttäuschung gewählt, nicht aus Überzeugung. Fast alle AfD-Wähler wählen die Partei, weil sie sich „nicht mehr sicher fühlen“, weil sie den „Einfluss des Islam verringern“ und den „Zuzug von Flüchtlingen begrenzen“ wollen. Dagegen meinen 86% aller Wähler, dass sich diese Partei „zu wenig von Rechtsextremen abgrenzt“. Aber die Masse der Unzufriedenen sind sind nicht die Rechtsextremen.
Die SPD hat für ihre Jahre als der kleinere Koalitionspartner mit den Konservativen die Quittung bekommen und lehnt jetzt den Verbleib in der große Koalition ab (die gar nicht mehr groß wäre). Koaliert sie ein weiteres mal mit der Union, wäre das Selbstmord. Die Konservativen drängen jetzt die SPD, die große Koalition weiterzuführen. Selbst die Kreide fressende FDP und Grünen appellieren an die demokratische Verantwortung der SPD (als Retter der Nation vor dem Rechtsruck), obwohl sie doch selbst an die Macht wollen. Aber das ist schon wieder neuer Wahlkampf, obwohl der jüngste gerade erst beendet ist.
Wenn die SPD wieder zu alten sozialdemokratischen Zielen finden will, müsste sie sich noch sehr viel bewegen. 53% der Wähler meinen, dass die Grünen zur Union passen, so wie sie sich entwickelt haben. Der Wahlgewinner (schwarz, konservativ) hat auch keine andere Option, als Jamaika, wenn die SPD konsequent bleibt. Eine knappe Mehrheit von 53% der SPD-Wähler ist immer noch für eine Koalition mit der Union, entgegen ihrer Führung. Bei FDP und Grünen steht eine satte Mehrheit ihrer Wähler für eine Koalition mit der Union. Gegen die Wählerstimmung wird die CDU eine Jamaika-Koalition versuchen. Sie hat es inzwischen mit 3 Partnern zu tun, weil die CSU gegen die Kanzlerin opponiert. FDP und Grüne wollen nur pokern. Mit der AfD will noch keiner, obwohl es inhaltlich große Übereinstimmungen mit dem konservativen Lager gibt.
69% aller Wähler meinen, dass sich „mit der Union die Schere zwischen Arm und Reich weiter geöffnet hat“, bzw. „der Wohlstand ungleich verteilt ist“. Die einzige Partei, die das lt. Ihrem Programm ändern will, und die die „Dinge beim Namen nennt“, ist die Linke, meinen 81% der Wähler. Dagegen ist der Stimmenanteil der Linken relativ gering, und damit auch ihre Möglichkeiten, daran etwas zu ändern. Nur 16% aller Wähler sprechen der Linken Kompetenz in sozialen Fragen zu. Ein Widerspruch! Wie lange noch? Zu lange wurde die Linke dämonisiert, mit politisch unlauteren Mitteln. Gerade mal 20% aller Wähler finden, dass die SPD zur sozialen Gerechtigkeit steht. Das entspricht ihrem Stimmenanteil. Dagegen sind sich 59% der SPD-Wähler unklar darüber, wofür die Partei eigentlich steht. Ihnen steht der Weg in die Linke offen, meinen 96% der Linke-Wähler, die wissen was sie wollen. 57% aller Wähler glauben an die wirtschaftliche Kompetenz der Union, zu Unrecht. Ihnen fehlt Aufklärung. Aber wer will sich schon aufklären lassen. Alle wissen es besser. Den Grünen wird nur nennenswerte Kompetenz in Umweltpolitik zugesprochen. Nicht nennenswerte Kompetenzen sehen Wähler bei der FDP (8% Steuerpolitik), und bei der AfD (8% Flüchtlingspolitik).
Bedauerlich ist, dass die Parteien schon wieder in ihrer Tagespolitik versunken sind, bevor sie realisiert haben, welche Botschaften diese Wahl überhaupt senden sollte.

 

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Kommt der Rechtsextremismus aus der DDR?

Die Ostbeauftragte der Bundesregierung Iris Gleicke (SPD) hat das Institut für Demokratieforschung in Göttingen beauftragt zu analysieren, warum gerade auf dem Gebiet der ehemaligen DDR Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit sich so stark ausdehnen konnte. Nach der Vereinigung wurden insbesondere im Osten Deutschlands fremdenfeindliche und rechtsextremistische Aktionen und das Erstarken von Pegida sowie rechtsradikale Initiativen und Organisationen wahrgenommenen. Wegen der Studie gibt es jetzt Zoff, nicht nur weil sie handwerkliche Fehler enthält, sondern vorallem weil sie wohl politisch ungewollte Aussagen enthält. Sie wirft besonders der CDU-geführten sächsischen Landesregierung Versäumnisse im Kampf gegen rechte Gesinnung vor. Zu Recht, meint der Historiker Ulrich van der Heyden im nd. Aber im Wahlkampf? Das geht ja gar nicht.
Die Studie enthält Fehler und Ungenauigkeiten. Z.B., dass es in der DDR 8600 rassistische oder antisemitische Vorfälle gegeben habe. Die hohe Zahl ist wohl auch dem Umstand geschuldet, dass die Stasi in der DDR akribisch jeden rechtsextremen Fall registriert hat, wogegen zuständige Stellen, wie Geheimdienste, in der BRD gerade auf dem rechtem Auge blind sind. Grundsätzlich falsch ist z.B. die Aussage, dass die DDR-Führung eine „Verschleierung des Faschismus“ erzwungen habe. Lt. Studie waren rechtsextremistische Parolen in der DDR anfangs weniger eine Identifikation mit dem Nationalsozialismus, als vielmehr eine „Identifikation mit dem Feind des Feindes“. Deshalb machte das Strafgesetzbuch der DDR Unterschiede zwischen dem Straftatbestand des Rowdytums, der Faschistischen Propaganda und der Völker- und Rassenhetze. Die DDR verstand Nation als eine Entscheidung für ein progressives Projekt, nicht als heilige Geschichts- oder Abstammungstatsache. Die Reduktion von Nation auf Nationalität, wie heute in der AfD üblich, galt in der DDR als reaktionär.
DDR-Bürger konnten zwar nicht in die Welt reisen, aber ihnen wurde die Welt ins Haus gebracht: Durch internationale Sportveranstaltungen, wissenschaftliche Konferenzen, Jugendtreffen und Weltfestspiele. Dass Vertragsarbeiter in der DDR »isoliert« hätten leben müssen, ist ebenfalls ungenau. Immerhin hatten allein junge mosambikanische Männer tausende Kinder mit DDR-Frauen. Während in der Göttinger Studie die krampfhafte Suche nach möglichen Wurzeln für heutige Fremdenfeindlichkeit und Rechtsextremismus in der DDR-Vergangenheit durchblickt, zeigt dagegen die Studie der gewerkschaftsnahen Böckler-Stiftung, dass die Formel DDR = AfD auch empirisch nicht aufgeht. Wenn diese im Osten stärker ist, liegt das nicht an einem DDR-Kulturerbe, sondern an Erfahrungen in der erweiterten Bundesrepublik nach der Wende.
Die größte Schwachstelle der Studie aus Göttingen ist daher, dass sie nicht untersucht was in den inzwischen 27 Jahren nach der deutschen Vereinigung schiefgelaufen ist. Da blieben z.B. die vom „Kanzler der Einheit“ versprochenen „blühenden Landschaften“ aus. Und viele Ostdeutsche beklagen, dass ihnen nach 1990 nicht nur die Arbeit, sondern auch ihre Würde genommen wurde. Der Sozialphilosoph Oskar Negt meint, man könne nicht die Biografien eines ganzen Volkes mit einem Schlag für null und nichtig erklären. Wer andauernd in einem demütigenden Entwertungszustand gehalten werde, der beginne mit der Wiederherstellung seiner Würde auf einer rebellierenden Ebene. Daniela Dahn erinnerte in einem Buch an den enormen Aderlass an jungen, kreativen, gebildeten und lebenslustigen Menschen, die im gewendeten Osten keine Zukunft sahen. Zurück blieben weniger Bewegliche und ein im Vergleich zu Westdeutschland überdurchschnittlich hoher Anteil an Rentnern, Die von Negt vorhergesagte Rebellion habe sich schließlich in Fremdenfeindlichkeit und Zusammenschlüssen wie Pegida und AfD entladen, in einem „neuen Nationalismus der Deklassierten“, vor den namhafte Wirtschaftswissenschaftler aus beiden deutschen Staaten in ihrem „Warnruf der ökonomischen Vernunft“ bereits 1990 gewarnt hatten. Der letzte DDR-Innenminister Peter-Michael Diestel (CDU) meint dazu: „Die wildgewordenen Spießer, die heute mit Pegida auf die Straße und gegen Asylbewerber zu Felde ziehen, sind nicht so, weil sie in der DDR lebten, sondern weil sie eine scheiß Angst davor haben, dass ihnen ihr bisschen Wohlstand genommen wird. Das ist nicht die Furcht vor dem Fremden, sondern vor ihrer eigenen Zukunft, die ungewiss ist. Diese Furcht hat nun wahrlich nichts mit der DDR-Vergangenheit zu tun“.

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Die CDU und Steuerungerechtigkeit

Die Regierungen Kohl, Schröder, Merkel haben seit 1998 den Spitzensteuersatz kräftig gesenkt, die Unternehmenssteuern reduziert und die Abgeltungssteuer eingeführt. Davon haben vor allem die Besserverdiener profitiert. Zugleich wurden die indirekten Steuern wie die Mehrwertsteuer und die Energiesteuern einschließlich EEG-Umlage erhöht. Dadurch wurden vor allem Haushalte mit geringen und mittleren Einkommen proportional stärker belastet. Wie die Grafik vom DIW (s. oben) zeigt, zahlen Geringverdiener fast nur indirekte Steuern, weil sie wenig Einkommen haben. Sie wurden auch nicht entlastet durch die Senkung des Eingangssteuersatzes. Sie, wie auch die Mittelschicht, haben auch nichts davon, wenn der Spitzensteuersatz erhöht (verschoben) wird, wie es alle im Bundestag vertretenen Parteien fordern.
In der Grafik erscheinen die Sozialbeiträge wie der „Wal in der Badewanne“. Superreiche erscheinen in der Grafik gar nicht, da sie zumeist Unternehmens- und Kapitaleinkünfte haben, auf die keine progressive Einkommensteuer anfällt. Wenn sie ihre Millioneneinkommen im Unternehmen lassen oder in andere Unternehmen investieren, zahlen sie noch nicht einmal Abgeltungssteuer. Dann werden nur die niedrigeren Unternehmenssteuern fällig. Da sie sich auch teure Steuerberater leisten können, zahlen sie höchstens 20 oder 25 % Steuern auf ihre dreistelligen Millioneneinkünfte. Wenn selbst der Milliardär Warren Buffet meint, dass er weniger Steuern zahlt als seine Sekretärin, dann ist die Welt weit entfernt von Steuergerechtigkeit. Diesen Buffet-Effekt haben wir auch in Deutschland meint der Steuerexperte Dr. Stefan Bach vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin im nd.
An diese Politik wollen CDU und FDP festhalten und vor allem die Mittelschicht steuerlich entlasten. Um die Mittelschicht zu entlasten, müsste der Grundfreibetrag erhöht und die Eingangsteuersätze gesenkt werden. Das kostet aber Steuerausfälle von mindestens 30 Milliarden Euro im Jahr, die man nur vermeiden kann, wenn man Top-Verdiener höher besteuert. Allein durch die Erhöhung des Spitzensteuersatzes können Steuerausfälle aber nicht kompensiert werden. Daher ist das Steuerkonzept der Union eine Mogelpackung.
Linkspartei, SPD und Grüne wollen dagegen Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen entlasten und Spitzenverdiener stärker zur Kasse bitten. Die Linke will darüber hinaus für hohe Vermögen (über einer Million) wieder eine Vermögensteuer einführen und die Erbschaftsteuer erhöhen. Die Abgeltungssteuer will die Linke abschaffen und stattdessen Kapitalerträge progressiv besteuern.
Hierzu eine kleine Geschichte am Rande. Ein thüringischer Politiker hat sich für höhere Staatsabgaben beim Kauf von Grundstücken ausgesprochen. Er ist zwar der kommunalpolitische Sprecher der Fraktion die LINKE im Thüringer Landtag, sprach in diesem Fall aber nur in seinem Namen. Inhaltlich geht es ihm um Steuergerechtigkeit. Der Kauf von Grundstücken sollte genauso besteuert werden, wie z.B. der Kauf von Autos. Nur 6,5 % Grunderwerbsteuer auf den Kauf von Grundstücken, wie in Thüringen, stelle eine Steuervergünstigung dar. Ungerecht sei auch, dass der Häuslebauer, der dazu nur ein Grundstück kauft, weniger Grunderwerbssteuer zahlt, als der, der sich ein Haus mit Grundstück kauft. Sinnvoller sei es, bei Grundstückskäufen gar keine Grunderwerbssteuer, dafür aber 19 % Umsatzsteuer zu erheben.
Mal abgesehen davon, dass es nur eine private Meinung ist, die nicht unbedingt mit dem linken Steuerkonzept übereinstimmt, war die Reaktion in den sozialen Netzwerken (wie Twitter) bezeichnend. In einer Schlammschlacht bedienten sich besonders CDU-Anhänger solcher demagogischen Argumente, wie :„LINKE geben gerne das Geld anderer Leute aus“, oder „die LINKE ist eine Partei der Steuererhöher“. Die CDU nimmt per-se für sich in Anspruch die bessere Partei in Wirtschafts- und Steuerfragen zu sein. Das ist wohl eher ein Treppenwitz und entspricht nicht im Geringsten den Tatsachen. Die CDU steht vor allem dafür, dass über Steuern von unten nach oben umverteilt wird. Sie ist es, die sich das Geld vor allem von den unteren Einkommensschichten holt, um die Reichen steuerlich zu schonen.

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Umgangsrecht und Doppelresidenz

Die Teilung der Betreuung gemeinsamer Kinder getrennt lebender Eltern zu gleichen Teilen fordern Initiativen von Scheidungsvätern schon seit langem. Scheidungsväter der letzten Generation, die heutigen Opas, bekamen weder das Sorgerecht noch das Recht auf den Umgang mit ihren Kindern, wenn es die Mutter nicht wollte. Nach wie vor leben Scheidungskinder überwiegend bei der Mutter. Die Väter hatten lediglich die Pflicht zur Zahlung des Unterhaltes, aber nicht das Recht auf Umgang. Das soll sich ändern. Die „Paritätische Doppelresidenz“ als Regelfall heißt, Scheidungskinder leben im Wechsel bei Mama und Papa. Die Zeiten des alternativlosen „Ganz oder gar nicht“, das Männer zu puren Zahlvätern degradierte, gehen offenbar zu Ende. Väter sollen im Idealfall die Hälfte der Betreuungsaufgaben übernehmen, dafür entfällt der Kindesunterhalt. Immer mehr Studien und Befragungen bestätigen die Wünsche von Trennungsvätern. Zahlen des Allensbach-Institutes zeigen, dass 51 % die Doppelresidenz befürworten. Doch nur 15 % der getrennten Paare praktizieren tatsächlich die halbe-halbe-Lösung. Die große Mehrheit der Väter hat inzwischen zwar das gemeinsame Sorgerecht. Trotzdem sehen sie ihr Kind meist nur an jedem zweiten Wochenende, im Urlaub oder mal zwischendurch. Die dabei entstehenden Kosten werden bisher weder im Steuer- noch im Unterhaltsrecht berücksichtigt. Auch wenn ein geschiedener Mann zum Beispiel die ganzen Sommerferien mit seinem Sohn auf Reisen ist, bleibt es der Willkür seiner Ex-Partnerin überlassen, ob sie sich an den entstehenden Zusatzausgaben beteiligt. Die paritätische Doppelresidenz hat dann Nachteile, wenn Scheidungskinder nur ungern ständig zwischen zwei Wohnungen wechseln wollen. Vor allem, wenn diese räumlich weit auseinander liegen. Hinzu kommt, dass es sich Einkommensschwache Eltern schlicht nicht leisten können, die komplette familiäre Infrastruktur doppelt vorzuhalten. Sollten Scheidungsväter mehr Rechte bekommen, kann man davon ausgehen, dass sich auch das leidige Thema der Unterhaltszahlung entschärft.
Das Thema Doppelresidenz wird äußerst kontrovers diskutiert und steht im geschlechter- und familienpolitischen Minenfeld. Trotzdem hat die neue Familienministerin die paritätische Doppelresidenz auf die politische Tagesordnung gesetzt. Sie kann sich dabei auf eine Resolution im Europarat von 2015 und auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshofes (BGH) stützen. Dieser hat im Februar 2017 klargestellt, dass das Wechselmodell schon jetzt „im Sinne des Kindeswohls“ angeordnet werden kann. Vor der Bundestagswahl zeigt sich die SPD entschlossen, die BGH-Entscheidung in Gesetzesform zu gießen. Die LINKE spricht von einer „guten Variante“, die aber voraussetzt, dass die Eltern weiterhin miteinander kommunizieren. D.h., die Kindesmutter kann sich auch nach der neuen Gesetzesform in ihrem Sinne willkürlich über das Kindeswohl hinwegsetzen. Oder wie der Bauer sagen würde: Kräht der Hahn auf dem Mist, bleibt alles wie es ist.

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Trump und der Weltfrieden

Bricht jetzt der Weltfrieden aus? Donald Trump ist eine politische und ästhetische Katastrophe. Als Präsident des mächtigsten Staates der Welt unwürdig und peinlich, so der Anschein. Es gäbe viele Gründe ihn des Amtes zu entheben. Aber ausgerechnet über Russland soll er stolpern!? Die versuchte Annäherung der USA mit Russland ist das mit Abstand Beste, was er bisher in Angriff genommen hat. Die Motive Donald Trumps mögen zwar rein wirtschaftlicher Natur sein, befreit von Ideologie, aber jeder vernunftbegabte Mensch würde das begrüßen. Die alte Elite und das Establishment der USA will mit aller Macht verhindern, dass sich das Verhältnis zu Russland normalisiert. Offensichtlich brauchen sie einen Feind, zu dem Russland mindestens seit 1917 zählt. Nach dem 2. Weltkrieg dienten u.a. der Marshall- Plan dazu, Westeuropa wirtschaftlich eng an die USA zu binden und traditionelle innereuropäische West-Ost-Beziehungen zu blockieren. Sämtliche NATO-Mitglieder beteiligten sich am Wirtschaftskrieg gegen den kommunistischen Osten. Auch nach 1990 blieb der oberste Feind der Kommunismus. Damit hat Russland zwar nichts mehr am Hut, aber es ist aus der Sicht des Westens das Reich des Bösen, aus dem das Gespenst kam, das um die Welt ging. Und nach dem heutigen Politikverständnis braucht jede Macht einen Feind. Die Hysterie in den USA um den „Geheimnisverrat“ baut dabei auf substanzlose Fake-News zu den „russischen Hacks“ auf. Seit McCarthy wurde in den USA niemand mehr in dieser Form allein wegen Kontakt »zum Russen« verfolgt und abgeurteilt. Das zeigt auch die politische Verfasstheit der USA und die eigentlichen Machtverhältnisse. Wegen der durchschaubaren und die Intelligenz beleidigenden Russland-Kampagne treten zahlreiche Vergehen Trumps (wie Finanz- und Pressederegulierungen usw.) in den Hintergrund. Wenn es um ihre nationale Sicherheit geht, verletzt die USA alle Gesetze. Oder schlimmer noch, es werden gar keine erlassen, die Folter, weltweite Überwachung usw. verhindern, oder Whistleblower schützen könnten. Und Das alles im Namen der Terrorbekämpfung, die nur neuen Hass säht? Eine Gewaltspirale ohne Ende! Im Namen ihrer nationalen Sicherheit schasst die USA auch schon mal ihren Präsidenten. Die schlechte Wahlverliererin Hillary Clinton schiebt ihre eigene Niederlage dem Kreml in die Schuhe und geht gegen den Präsidenten in Washington vor. Anlässlich des 100. Geburtstages JFK drängt sich eine Frage auf: Wenn Amerikas heimliche Regierung auf John und Robert Kennedys Friedens- „Ansteckung“ mit deren Ermordung reagierte, wie steht sie auf Dauer zu einem Präsidenten, dessen Umgang mit den Geheimdiensten schon vor Amtsantritt gestört war und der mit seinem Verhalten täglich Belastungen für Ruf und Macht der USA bei ihren Verbündeten riskiert? Übrigens war es eine CIA-Anweisung, die den neutralen Ausdruck Verschwörungstheorie zu einem Begriff der psychologischen Kriegsführung machte. In einer entsprechenden Dienstanweisung verfügte die CIA: Kennedy ist von Oswald getötet worden. Wer anderes behauptet, ist Verschwörungstheoretiker. Punkt. Nach der versuchten Annäherung mit Russland bricht nun womöglich auch noch Frieden in Syrien und in der Ukraine aus. Soll die vom „Friedens-Nobelpreisträger“ Obama anhaltende Verschärfung des Weltfriedens zunichtegemacht werden? Das geht nach den alten Eliten gar nicht. Was werden sie dagegen tun? Ein Amtsenthebungsverfahren dauert womöglich bis zur nächsten Wahl. Oder werden sie sich eines Oswald bedienen?

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Ausbau eines Campingfahrzeugs

Der Alte (Toyota Hiace, selbst ausgebauter Kastenwagen) hat seine Schuldigkeit getan. Immerhin hat er eine Asienrundtour, eine Tour rund um Afrika, sowie 3 Touren durch Europa ohne nennenswerte Probleme durchgestanden. Es ist zwar kein Geländewagen mit Vierradantrieb und kein Wohnwagen. Aber das Fahrzeug schafft auch eine Weltreise, wenn man nicht den Ehrgeiz hat, auch durch Wüsten- oder Sumpfgebiete zu fahren. Was mich an Toyota überzeugt hat, war seine Zuverlässigkeit. In jeder größeren Stadt ist auch eine Toyota-Werkstatt zu finden. Liegen geblieben bin ich nur wegen nicht verschuldetem Unfall, Schlamm und schlechtem Diesel in Afrika. Verschleißteile wie Reifen nicht mitgezählt. Es gibt zwar eine Menge Alternativen an Kastenwagen, aber da ich nur gute Erfahrungen gesammelt habe, soll es wieder ein Toyota sein. Ein Wohnmobil scheidet aus mehreren Gründen aus. Erstens brauche ich keine Küche, keine Toilette und keine Wasser- oder Wärmeversorgung im Fahrzeug. Diesen Komfort bezahlt man mit wesentlich weniger Geländegängigkeit, mehr Kraftstoff, weniger Geschwindigkeit und vor allem Wendigkeit. Eine Tour wie z.B. rund um Afrika ist schlicht unmöglich mit einem Wohnmobil. Der Preis beträgt gegenüber einem selbst ausgebauten Kastenwagen gut das Fünffache. Außerdem besteht in Europa ein gut ausgebautes Netz an Stellplätzen, welche ausreichend Sanitäreinrichtungen und auch Küchen bieten. Lediglich eine eigene Stromversorgung abseits einer Steckdose halte ich für notwendig. Zumindest sollte ein Campingfahrzeug eine ausreichend große Liegefläche zum schlafen bieten. Unter dieser Liegefläche kann ausreichend Stauraum für Gepäck geschaffen werden.
Der Nachfolgetyp des Toyota- Hiace ist der -Proace. Ein Diesel fährt gut 300.000 km, also etwa 7 Weltumrundungen. Deshalb kann es eine Gebrauchter sein, dafür aber öfter. Ein Gebrauchter kostet je nachdem etwa ein Drittel des Listen- oder Neupreises. Die äußeren Abmessungen für den L2H2 (langer Radstand, hohes Dach) betragen 5.143 x 1.895, sowie 2.295 mm für das hohe Dach. Die Ladefläche bietet Platz für 2 Liegeflächen (2 x 1,80 x 0,90 m) und zusätzlich 2 im Stauraum integrierte Sitzplätze mit Schreibtisch.
Der Camper passt in einen normalen Schiffscontainer, was z.B. bei einer Verschiffung nach Amerika keine unwesentliche Rolle spielt.

Selbst ausgebauter Camper

Energieversorgung (Strom)
Die schönsten Plätze der Erde haben keine Steckdose. In Europa bieten die Stellplätze i.d.R. Stromanschluss. Außerhalb Europas ist das die Ausnahme. Die pauschale Zusatzgebühr für Strom ist berechnet für Wohnwagen mit TV, Küche, Licht, Kühlschrank usw. Um Land und Leute kennenzulernen, habe ich bisher kein Fernseher im Auto vermisst. Um mal ein warmes Essen zuzubereiten begnüge ich mich mit einem Gaskartuschen-Kocher und mit einer Kühlbox.
Reisemobile sollten über getrennte Batteriesysteme verfügen: Die Starterbatterie (12V, z.B. 72Ah), die von der Lichtmaschine nachgeladen wird, sowie eine zyklenfeste Bordbatterie für  sonstige Abnehmer. Für die Starterbatterie wäre eine zyklische Belastung durch sonstige Verbraucher Gift. Die Aufladung der Bordbatterie wäre über die Lichtmaschine und einen zwischengeschalteten Lade-Booster möglich, aber nur während der Fahrt. Versagt die Starter- Batterie kann die Bord-Batterie zugeschaltet werden. Die Bordbatterie kann optimal über ein Solarmodul aufgeladen werden (Insellösung). Um die Batterie vor Über- oder Unterspannung zu schützen, wird zwischen Solarmodul und Bordbatterie ein Laderegler zwischengeschaltet, der auf unterschiedliche Batterietypen einzustellen sein sollte. An den Laderegler kann ein Wechselrichter (Inverter) angeschlossen werden, der eine Steckdose für 220 V bietet. Die eingeschränkte Leistung der Solarmodule, z.B. bei Verschattung, kann durch die Wahl von Black-, CIS- oder Power-line erhöht werden.
Die Leistung zwischen Solarmodul und Bordbatterie sollte ausgewogen sein.  Ich entscheide mich für eine  Bordbatterie mit 50 Ah mit wartungsfreier AGM-Technologie, die fast 14 kg wiegt. Ist diese zu klein, kann bei Bedarf überschüssiger Strom vom Solarmodul nicht mehr genutzt werden (wie bei einem überlaufenden Wasserfass). Um die Bordbatterie ausreichend nachzuladen, entscheide ich mich für ein Solarmodul mit 80 Watt (WP), welches etwa 20 Ah leistet. Mein größter Stromabnehmer ist eine 12V/220V-Kühlbox : 38W/12V= 3,17A x 6 Std. =  22,2 Ah. D.h. an Tagen ohne Sonne schaltet der Regler nach 6 Std. ab, weil die Batterie zu schwach ist. Mein Laptop verbraucht etwa 13W/12Vx2h= 2,2Ah bei angenommen 2 Std. täglich. Entsprechend den vorhandenen Gerätesteckern benötige ich eine 12V-Dose (Zigarettenanzünder), sowie zwei 6V-Dose für Leuchten. Der 120W-Inverter (Umwandler) mit 12V-Stecker bietet eine 220V-Steckdose, sowie eine 5V-USB-Dose. Ein Laptop mit einem 220V Ladegerät bräuchte ein 12V Adapter um Strom zu sparen, denn der Umweg über einen Inverter kostet Strom. Kaum ein Solar-Laderegler bietet alle Steckdosen. Die meisten Solar-Regler haben lediglich eine Kabelklemme für alle Verbraucher, woran der Laie meist scheitert. Um sonstige Kleingeräte wie Telefon oder Fotoapparat nachzuladen fällt deren Verbrauch nicht weiter ins Gewicht, zumal wenn nicht alle Kleingeräte gleichzeitig angeschlossen werden.
Ein auf dem Dach montiertes Solarmodul bringt weitere 7 cm an Höhe, die durch flache Module reduziert werden kann. Aufgeschraubte Module haben eine geringe Halterung am dünnen Autoblech. Direkt aufgeklebte Standardmodule werden unzureichend gekühlt, und können nicht so ohne weiteres wieder entfernt werden. Alternativ können UV-beständige Halte- bzw. Eck-Profile aus ABS-Kunststoff aufs Dach geklebt werden, an die der Alu-Rahmen des Solarmoduls geschraubt wird. Die Eckprofile überbrücken nicht das gekrümmte Profildach. Höhenunterschiede können mit Montagekleber ausgeglichen werden (max. 9 mm Klebeschicht z.B. aus Sikaflex 252). Reicht das nicht, können die Montageecken entsprechend angeglichen werden (z.B. abschrägen mit der Eisensäge bei ständiger Wasserkühlung). Statt einer kritischen Dachdurchführung nutze ich für die Solarkabel die Öffnungen der Kabeldurchführung an der Hecktür.

Beim Kauf des Gebrauchten zu berücksichtigen :
Überführung, Händlergewährleistung, Gebrauchtwagengarantie
Ich muss weit reisen, um den passenden Kastenwagen zu finden und diesen nach Kauf zu überführen. Lt. Urteil des Europäischen Gerichtshofes vom 07.07.2016 müssen die von Verbrauchern zu tragenden Kosten der Überführung in der Werbeanzeige eines Gewerbetreibenden für ein Kfz im Kaufpreis enthalten sein. Sonst verschafft er sich Vorteile gegenüber seinen Konkurrenten.
Händler haben bei älteren Gebrauchtwagen für eine gesetzliche, einjährige Gewährleistung zu stehen.  Ausnahme: Er weist nach, dass er ein einwandfreies Auto übergeben hat. Ab dem siebten Monat muss der Käufer dem Händler nachweisen, dass das Fahrzeug bereits beim Kauf (versteckte) Mängel hatte. Viele Händler verkaufen Gebrauchte mit Gebrauchtwagengarantie. Sie gilt parallel zur Händlergewährleistung. Bei einem Schaden muss der Käufer prüfen, ob er unter die Gewährleistung fällt. Fällt er unter die Gebrauchtwagengarantie, muss sich der Käufer an den Materialkosten, gestaffelt nach Kilometerleistung, beteiligen.

 KfZ-Steuer und Versicherung
Diese Kosten können verringert werden, wenn man den Kastenwagen (Lkw) zum Camper ausbaut und diesen dann auch als Wohnwagen ummeldet. Die Kfz-Steuer für Wohnmobile errechnet sich aus dem Schadstoffgehalt und dem Gesamtgewicht und ist gegenüber einem Lkw meist niedriger. Für Wohnmobile haben KfZ-Versicherer günstigere Schadenfreiheitsrabattstufen, weil sie davon ausgehen, dass ein Wohnmobil seltener im Straßenverkehr fährt als ein Pkw oder Lkw, und dadurch weniger Schäden verursacht. Außerhalb des Bereiches der grünen Karte ist der Camper extra zu versichern.
Zuständig für die Zulassung als Wohnmobil ist der TÜV. Dadurch ändert sich die Fahrzeugart, und die vorherige Betriebserlaubnis. Einfach eine Matratze und auf die Ladefläche zu legen und einen Campingkocher hinzustellen, akzeptiert der Gesetzgeber nicht für die Anmeldung als Wohnmobil. Ein Fahrzeug ist laut StVZO erst dann ein Wohnmobil, wenn es als Unterkunft geeignet ist. Der Gesetzgeber verlangt in der Rahmenrichtlinie 2007/46/EG eine Mindestausstattung: Eine Sitzgelegenheit mit Tisch, Schlafplätze, wobei auch Sitzgelegenheiten, die zu Schlafplätzen umgebaut werden können, anerkannt werden, sowie einen Schrank oder einen anderen Stauraum. Der Tisch darf leicht demontierbar sein. Spüle, Gaskocher und Abwasserführung sind zulassungsrechtlich nicht gefordert. Allerdings muss die Einrichtung fest eingebaut sein und alle Sitzplätze, die während der Fahrt genutzt werden, müssen den Vorschriften der StVZO genügen. Danach prüft das Finanzamt das Fahrzeug: Wenn die Bodenfläche des Wohnteils den überwiegenden Teil der Nutzfläche abdeckt und der Kocher fest eingebaut ist, wird das fahrbare Heim als Wohnmobil besteuert.

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Reise Europa-Ost

RouteEuroOstGefahrene Route vom 20.6. bis 27.8.2017 über Polen, Kaliningrad (RUS), Litauen, Lettland, Russland, Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark: 7.740 km in 67 Tagen und 47 Etappen.
Die Route berührt nur EU-Staaten im Schengener Raum, außer Russland, in dem ein Visum erforderlich ist. Eine andere Währung als € gibt es in Polen, Russland, Schweden, Norwegen und Dänemark. Das nervt, wie das Visum.
Alle Staaten sind in der Nato, außer Russland. Mit der bereits gefahrenen Route „Rund um die Ostsee“ kreuzt sich diese Route nur in Litauen, in Vaasa (Finnland) und Trondheim (Norwegen) .
Es ist das 4. Jahr nach der Asien- und Afrika-Reise mit „nur“ einer weiteren Europatour. Damit war ich in den letzten 8 Jahren etwa 3 Jahre unterwegs. Der 3. Teil der Weltreise: 1 Jahr durch Süd- und Nord-Amerika, steht noch aus. Je länger ich damit warte, um so unwahrscheinlicher wird es diese noch zu realisieren.
Unterwegs bin ich immer noch mit dem als Camper selbst ausgebauten Toyota. Jetzt aber nicht mehr im alten Mr. „Hiace“, sondern der neue Typ heißt jetzt „Proace“, der Nachfolger aus der Toyota-Serie. Den Camper-Ausbau habe ich im Blog näher beschrieben (s. „In eigener Sache“). Das Fahrrad, das ich nur für kurze Ausflüge und für Fahrten in größere Städte nutze, hängt wieder hinten an der Kupplung.

In Polen halte ich mich, wie auch in Litauen und Lettland, nicht lange auf. Das Wetter kühlt ab und wird launisch. Ich fahre in die Sonne, die Wolken trotten hinter mir her. Nördlich von Chojnice finde ich an einem See ein Campingplatz am Hotel für mich allein.
 

Nahe Sztutowo, westlich von Danzig, gehe ich in der Ostsee baden und beobachte, wie schon am See in Chojnice, die Sonne beim Untergang.
 

In Elblag gibt es nahe der City einen netten Campingplatz, der relativ dicht mit Wohnwagen besetzt ist. Ich finde eine Werkstatt, die mir am Fahrrad einen neuen Mantel montiert, um in das nahe Zentrum zu fahren.

Nach meinem Erkenntnisstand ist die Einreise nach Russland über Weißrussland nicht erlaubt, weil dort die Grenze nicht kontrolliert wird. Wenn schon ein Visum für Russland, dann eins mit doppelter Einreise. Also verlasse ich den Schengener Raum und fahre durch Kaliningrad, eine nach dem 2. Weltkrieg entstandene russische Enklave zwischen Polen und Litauen. Der Grenzübergang ist relativ entspannt. Gerade noch so viel Zeit, um mich mit einem jungen Radfahrer aus Deutsch zu unterhalten, der in Frankreich gestartet ist und auch nach Moskau und Sankt Petersburg will, mit dem Fahrrad. Da wird es leider schwierig sich wie meist ein zweites Mal zu sehen, obwohl er auch auf der Straße fahren muss, denn in Russland gibt es so gut wie keine Fahrradwege. Durch Deutschland zu fahren war für ihn eher langweilig und er ist gespannt auf Osteuropa. In Russland ist es (noch) nicht üblich mit dem Wohnwagen zu reisen, deshalb gibt es auch so gut wie keine Campingplätze. Dass man nicht mehr in der Eurozone ist, merkt man auch sonst sofort: Ein anderes Preisniveau (umgerechnet in Rubel), keine aus dem Westen importierten Supermärkte, mit wenigen Ausnahmen wie Mac Donald z.B. Das Straßennetz ist gut ausgebaut, außer in Kaliningrad selbst. Ohne Navi wegen der vielen Baustellen unmöglich zu finden, erreiche ich den über Basecamp gefundenen Campingplatz am östlichen Stadtrand am Hotel Baltic (N54° 42.473′ E20° 36.942′), mit Blick auf einen kleinen See. Vorher ist es mir noch gelungen den zweiten Navi mit einer nicht Garmin konformen Software und mit einer Russlandkarte zu bestücken. Nach einem Missverständnis musste ich feststellen, dass der im Auto integrierte Navi keine Russlandkarte beinhaltet.


Da nur eine Autobahn ohne Fahrradspur in die nahe City führt, fahre ich mit dem Bus und nehme das Fahrrad mit.

Im Bernsteinmuseum wimmelt es nur so von Bernstein. Ganze Schiffe werden daraus geschnitzt. In der Nähe wird er im Tagebau tonnenweise abgebaut. Etwa 80% der Weltvorräte lagern hier auf der Halbinsel. Viel geredet wird vom Bernsteinzimmer, das noch immer verschollen ist. Mit Kaliningrad hat es nur so viel zu tun, dass es hier am Ende des 2. Weltkrieges von den Nazis im vom Krieg zerstörten Schloss ausgestellt wurde, wo das bis heute noch nicht fertiggestellte sowjetische Haus steht. Im dem von ihnen angefangenen Krieg handelten die Faschisten nach dem Motto: Geschenkt ist geschenkt (vom Fürsten an den Zaren), wiederholen ist gestohlen. Eine Kopie des kompletten Bernsteinzimmers steht heute wieder in Sankt Petersburg. In Deutschland gefundene Teile des Originals wurden an Russland zurückgegeben.

Sonntags wird, wie in Russland üblich, an den schönsten Plätzen geheiratet, wie hier am Dom. Auch die Matrosen sind hier ausgelassen und feiern abends mit ihren Familien im Hotel Baltic.

Unterwegs kurbelt mir die Pedale vom Fahrrad ab, das schon in die Jahre gekommen ist, aber für diesen Zweck noch gut genug ist. Zum Glück besteht die Möglichkeit mit dem Bus zurückfahren. Die Preise für die Öffentlichen sind auch noch aus sowjetischen Zeiten, also spottbillig. Nicht so wie im Auto-Deutsch -land, wo es mit dem Auto etwa so teuer wie mit den Öffentlichen ist. Da haben die Grünen noch nichts erreicht, wenn sie es denn wollten.
Richtung Norden fahre ich über die Kurische Nehrung, eine sehr schmale und über hundert Kilometer lange Halbinsel zwischen Kaliningrad und Klaipeda, welche jetzt unter dem Schutz des UNESCO-Weltnaturerbes steht. Einfach in der Natur mit dem Auto stehen geht gar nicht im Schutzgebiet. In einem Ferienobjekt lässt mich der Security durch und für ein paar Rubel direkt am Haff stehen.

Ganze Völkerwanderungen wollen z.B. den tanzenden Wald sehen. Alle stolpern über Holzstege mit Geländer, die den Wald vor ihnen schützen sollen.

Auf der Fahrt zur Grenze öffnet sich mal der Panoramablick auf das Haff, mal auf die stürmische Ostsee.

Unterbrochen wird das schmale Land nur durch die Grenze zwischen Russland und Litauen. Wieder sind es nur sehr wenige Fahrzeuge, die die Seite wechseln. Früher eine Grenze zwischen in einer Union verbundenen Bruderstaaten und nun zwischen sich feindlich gegenüberstehenden Ländern. Den Baltischen Staaten wurde der EU-Beitritt aus geostrategischen Gründen hinterhergeschmissen, den Russen würde er verwehrt werden. Die Ukrainer dagegen wollen in die EU, man lässt sie aber noch lange darauf warten. Entscheidend für den Westen ist erst mal nur, dass ihre Nato-Panzer bis kurz vor Wolgograd (ehemals Stalingrad) vorrücken, und sie derweil von der russischen Gefahr schwadronieren können.
Entsprechend verläuft die Grenzkontrolle: Die Russen machen Dienst nach Vorschrift besonders gründlich, im Schengener Raum werden EU-Bürger durchgewinkt. Dafür kostet der nochmalige Eintritt in das Naturschutzgebiet in Litauen gegenüber der in Russland das zig-fache. Die Natur berührt das nicht. Fuchs und Hase sagen sich hier nicht nur gute Nacht und werden geschützt, sondern wechseln auch ungehindert die Grenze.

Gleich hinter der Grenze mache ich in Litauen (Lithuania, LTU) Halt in Neringa. Ein netter kleiner Urlaubsort auf westlichem Niveau. Hier hat schon Thomas Mann sein Domizil aufgeschlagen. Der Campingplatz liegt im Kiefernwald nahe einer über 50 m hohen wandernden Sanddüne. Er ist nicht so überlaufen und fischgrätenartig angeordnet, wie sonst meist in Westeuropa. Hier bleibe ich ein paar Tage länger und würde auch immer wieder herkommen, in der Vorsaison. Ab Berlin bin ich der Sonne vorweggefahren und es wurde unangenehm kühl. Jetzt hat mich das Hochdruckgebiet mit seiner Wärme eingeholt und ich kann im kalten Wasser baden an dem herrlichen Ostseestrand, der auch nicht so überbelegt ist.

Auf dem Campingplatz stehen auch viele Westdeutsche mit ihren Wohnwagen. Für die ist hier das Ende ihrer Welt, auf der russischen Seite habe ich keinen gesehen. In das Reich des Bösen und zu Putin wollen sie nicht (lt. Stammtischgespräch am Biertisch). Im Jargon der Bildzeitung erwartet sie dort doch nur grauer, verrotteter Beton und Plattenbauten, igitt. Was zum Teil stimmt, aber eben wie meist in den Mainstream-Medien, nur die halbe Wahrheit ist. Ostdeutsche leiden weniger unter Russophobie, haben weniger Berührungsängste und machen sich ihr eigenes Bild von Land und Leuten.
Laut Rassenideologie der Faschisten waren Russen genauso wie Juden deklassierte Menschen und wurden entsprechend unmenschlich behandelt. Heute wird Russland mit Embargo belegt. Das hat beides miteinander nichts zu tun? Man kann zwar die Wut auf Muslime und Flüchtlinge zumindest in der Intensität nicht vergleichen mit dem Antisemitismus zur Zeit des Faschismus. Aber wieviel von diesem Rassenhass steckt noch heute in den Köpfen nicht nur der sog. Rechtsextremen im vereinigten Deutschland? Rechtspopulisten lenken die Verbitterung von Deklassierten auf Sündenböcke. Die Verbitterung der Verlierer kann aber auch zur Stärkung sozialstaatlicher Ideen führen, wie die Erfolge von Corbyn, Labour-Chef in England, oder von Sanders, Sozialist in den USA, zeigen, die von der marktreligiösen Vernebelung ablenken. Das starke Anwachsen der Deklassierten ist das Ergebnis von 30 Jahren neoliberaler Politik. Insofern hat auch die EU den Nationalismus gefördert, wenn auch ungewollt. Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik und die Politik gegenüber Russland tun ihr Übriges. Sicher kommt noch einiges hinzu, wie das Verharren im Muster des Antikommunismus und des Kalten Krieges. Dass sich Moskau im Gebietspoker aller Seiten die Krim gesichert hat, ist die offizielle Begründung der Politik des Westens gegenüber Russland. Russland hatte zwar in Abstimmung mit den Krimrussen gehandelt, aber völkerrechtswidrig. Dass sich gerade der Westen darüber echauffiert ist angesichts seiner vielen Kriege (Afghanistan, Irak, Libyen usw.) jedoch nicht gerechtfertigt. In den USA wird täglich, noch stärker als in Deutschland, die antirussische Propaganda aufgefrischt. Kritik an der irrationalen Hass-Kampagne gegen Russland macht sich z.B. laut in einem 4-teiligen Film von Oliver Stone „The Putin Interviews“.

Nach einem letzten Strandbesuch auf er Kurischen Nehrung geht es mit der kostenlosen Fähre nach Klaipeda. Zwecks Ausbau der Handelsbeziehungen wurde vor der Implosion der sozialistischen Staaten eine Fährverbindung zwischen Saßnitz/Rügen und Klaipeda ausgebaut. Mit der Wende wurden diese Wirtschaftsbeziehungen fast völlig gekappt. Auch die Fährverbindung wurde 2013 stillgelegt, und fährt jetzt wohl ab Kiel.
Nördlich von Vilnius finde ich in Sudeikiu einen kleinen Campingplatz. Erst stehe ich allein, später landet dort noch ein fast 50-jährigen Fahrradfahrer aus Italien, bevor abends noch ein sehr finsteres Gewitter aufzieht. Der Radler hat beneidenswert gute Laune, trotz des sehr regnerischen Wetters.

Die Landschaft, die der mecklenburgischen Seenplatte sehr ähnelt, lädt eigentlich für einen längeren Aufenthalt ein. Schon seit Polen sieht man in jedem Dorf ein Storchennest.

Durch Lettland fahre ich nur durch. Ab hier beginnen längere Strecken, wie auch in Russland, die gerade ausgebaut werden. Hinter der Grenze nach Russland suche einen schon vorher ausgewählten Campingplatz. Das Problem: in Russland gibt es kaum Campingplätze. Und die vorher runtergeladene OSM- Russland-Karte für Basecamp ist unpräzise. Als Camping ausgewiesene Wegepunkte (Koordinaten) gibt es z.T. gar nicht. Erst spät finde ich daher ein Hotel an einem See, welches mir eine Bleibe im Auto auf dem Parkplatz mit toller Aussicht bietet. Auch ein Zimmer wäre preiswert gewesen, aber im Camper schlafe ich am besten.
Das Hotel bietet mir ein leeres Zimmer zum Duschen, wofür ich für einen kleinen Aufschlag zahle. Der Stellplatz kostet mich pro Nacht 100 Rubel (1 €=68 Rubel).
Wie schon in Afrika beobachte ich einen hohen Anteil an Dienstleistungskräften (Hotel, Küche, Bewachung usw.). Auch in Russland sichert es vielen ein Einkommen. Diesen Luxus kann und will sich Deutschland nicht leisten. Denn es ist Exportweltmeister (neben China) und lebt so auf Pump, bzw.  schmarotzt an der Wirtschaft der Staaten, die weniger Waren aus Deutschland einführen, als sie exportieren. Und Weltmeister ist Deutschland nur, weil es entsprechende Waren anbietet und deren Kosten reduziert. Insbesondere durch Verbilligung der Arbeitskraft, auf Teufel komm raus: Sinkende Lohnquote, Arbeitslosigkeit, Hartz 4, Erhöhung der relativen Armut usw.. Um die Euro-Zone zu einer Exportmaschine umzubauen, schließt die Währungsunion rund um die Welt im Eiltempo neue Freihandelsabkommen ab. Nicht nur Trump ist egoistisch, sondern vor allem die G20-Staaten sichern ihre Interessen, zuerst „natürlich“ jeder seine. Natürlich ist es nicht, sondern kapitalistisch. Da ist Russland nicht ausgenommen, nur eben anders.

Auch in Rzhev, eine Stadt an der Wolga, finde ich nicht den angeblichen Campingplatz. Dafür ein Platz mit Geschichte, der noch an Lenin und an den 2.Weltkrig erinnert. D.h. die Russen haben kein Problem mit ihrer Geschichte. Anders als in Ostdeutschland, wo allles, was mit der jüngeren Geschichte zu tun hat, durch die Bundesrepublik getilgt wird, soweit es nicht an finstere Seiten erinnert.
  Schon in der Nacht hat es nur geregnet. Größere, modernere Raststätten bieten für LKW-Fernfahrer Parkplätze mit Dusche und WC. Im Regen war ich froh, kurz vor Wolokolamsk überhaupt einen Stellplatz gefunden zu haben.  Moskau empfängt mich mit Starkregen. In Moskau gibt es einen Campingplatz. Den finde ich wegen der ungenauen Koordinaten aber auch nur im Schlepptau eines Russen mit niederländischer Autonummer, der mal in Deutschland gearbeitet hat, und mir freundlicherweise den Weg zeigt. Er ist ohne Familie wieder nach Moskau zurückgekehrt, weil nach Deutschland zu viele Ausländer gekommen sind, meint er. Hier betreibt er jetzt ein Campingwagen-Geschäft, kann aber in meinen Camper kein Fenster einbauen, weil er die auch erst in Deutschland bestellen müsste. Auf dem Campingplatz stehen einige Touristen, wie auch ein Radfahrer, der noch bis Irkutzk fahren will. Hut ab bei diesem Wetter. Ich hole mir ein 3-Tages-Ticket für alle Öffentlichen für 300 Rubel, also etwa 1,50 € pro Tag, inclusive Fahrrad. Dann noch eine Prepaid-Karte fürs Internet. Aber wegen meiner und der Unwissenheit der Dienstleister, sowie der Verständigungsschwierigkeiten kaufe ich eine Karte ohne Thethering, das Surfen im Internet über einen USB-Stick mit SIM-Karte ermöglichen soll. Den hier extra zu kaufen ist mir zu teuer, da einer zu hause liegt. Also bin ich weiter, wie immer, auf WIFI angewiesen.

Der Rote Platz ist ein Schmuckkästchen. Das Kaufhaus GUM grenzt daran an mit seinen bunten Blumenbeeten und Springbrunnen. Habe selten so ein tolles Center gesehen.

 

 

 

 

SAM_3593

Die nahe Christ-Erlöser-Kathedrale (ein orthodoxer Sakralbau) ist weiträumig abgesperrt. Sie ist weltweit die höchste orthodoxe Kirche.  Aus besonderem Anlass (irgendwelche besonders heiligen Gebeine können z.Z. angebetet werden) haben wohl nur Orthodoxe Zutritt. Diese kommen von überall her, und  stehen formiert und diszipliniert kilometerlang an, wie diese hier an der Moskwa, die nicht etwa auf den Dampfer warten. Warum mich der Einlass nur nach Gesichtskontrolle nicht durchgelassen hat, bleibt mir schleierhaft. Oder war es der Ausgang wo ich rein wollte? Na ja, nix versteeen.

 

Moskau hat in den vergangenen sieben Jahren einen rasanten Strukturwandel erlebt, der noch nicht abgeschlossen ist. Wie in allen westlichen Metropolen besteht die Gefahr, dass Geringverdiener in Außenbezirke verdrängt werden. Im Rahmen einer groß angelegten Sanierung will die Stadt über 50 Milliaden Euro ausgeben. Bei der „Renowazija“ sollen alte Wohnungen, die in den 50er Jahren zur Linderung der Wohnungsnot nach dem Krieg vielerorts in der Sowjetunion errichtet wurden (meist vierstöckige Häuser, sog. Chruschtschowkas) abgerissen werden. In diesem Zusammenhang sollen 1,6 Millionen der 11-Millionen-Einwohner-Metropole umgesiedelt werden. Gegen den Abriss ihrer Plattenbauwohnungen regt sich massenhafter Widerstand bei den Bewohnern, die Angst davor haben, in unaktraktive Wohngebiete ziehen zu müssen. Die Mehrheit ist für den Abriss, will aber Auskunft über die konkreten Bedingungen der Umsiedlung. Dabei gibt es ein 1991 noch vom damaligen Obersten Sowjet beschlossenes Gesetz zu berücksichtigen, wonach die meisten Bewohner der Chruschtschowkas, die in einer Wohnung gemeldet waren, sich gegen eine geringe Gebühr als Eigentümer registrieren lassen konnten. Ein Trostpflaster für das ehemalige Volk, welches zusehen musste, wie Zehntausende von sowjetischen Staatsbetrieben oft mit kriminellen Methoden an die neuen Eigner (an „Rote Direktoren“, an Komsomolsekretäre wie Choderkowski und an die „Neuen Russen“) überschrieben wurden. Die Wohnungseigentümer haben gegenüber Mietern natürlich heute die besseren Rechte und können Genossenschaften gründen und die Modernisierung des Hauses, in dem es seit Jahrzehnten keine Grundsanierung gegeben hat, selbst in die Hand nehmen. Allerdings bekommen sie von den Katasterämtern noch nicht ihre Grundstücksgrenzen benannt. Die Aufteilung der Grundstücke war zu sowjetischen Zeiten nicht erforderlich und wurde offensichtlich noch nicht nachgeholt. Rein rechtlich sind  Wohnungseigentümer auch Eigentümer des Grundstükes. Das hat die Stadtverwaltung bei ihrem Umsiedlungsprogramm wahrscheinlich nicht berücksichtigt.
Da tun sich Parralelen auf: Wohnungen in Plattenbauten wurden in der DDR zu Wendezeiten nicht wie in Moskau an Eigentümer übertragen. Die gingen an städtische Wohnungsbaugesellschaften und wurden z.T. nach Modernisierung zu hohen Preisen verkauft. Die noch DDR-Regierung hat es denen, die ihre Wohnhäuser auf Pachtgrundstücken gebaut haben, kurz vor der Abgabe ihrer Regierungsgeschäfte ermöglicht, die dazu gehörenden Grundstücke zu DDR-Preisen zu kaufen. Die z.B., die ihre „Datschen“ auf „volkseigenen“ Pachtland errichtet haben, „durften“ weit nach der Wende das mitunter zwischenzeitlich zu Bauland umgewidmete (aufgewertete) Grundstück zu BRD-Preisen von der Treuhand kaufen. D.h. die meisten Ostdeutschen gingen leer aus und mussten zusehen, wie das sog. „Volkseigentum“ an die Treuhand überging. Ach ja, da gab es ja noch das Begrüßungsgeld von 100 DM.

Die Innenstadt ist ein einziger Bauplatz, die Straßen hoffnungslos verstopft. Mit dem Fahrrad bin ich den innersten Ring abgefahren und musste teppauf, treppab durch Fußgängertunnel laufen, um dem Verkehr auszuweichen. Zu Fuß sind es Kilometer, bis man die Straßenseite wechseln kann. Wegen der Baustellen und der fehlenden Fahrradspuren muss ich zwischen die Füßgänger. Das Geschäft auf der anderen Straßenseite kann man kaum erkennen. Zu Stalins Zeiten wurde weiträumiger, monumentaler gebaut, als zu Zeiten des Zahren. Als Fahradfahrer, die es kaum gibt, ist man ein Fremdkörper, auf den Straßen und in der Metro. In die Stadt hinein konnte ich die Metro auch mit dem Fahrrad nutzen. Nach Feierabend strömten die Massen in die Außenstädte und ich hatte keinen Zugang mehr mit dem Fahrrad. Also besser zu Fuß, wer kann.

Hinter Moskau lege ich auf halber Streke noch einen Halt ein, auf einem 100 Rubel-Parkplatz mit Anschluss an ein Restaurant.

Kurz vor Sankt Petersburg sehe ich einen Unfall (Tanklaster mit abgeschnittener Fahrerkabine). Wenig Unfälle für die Fahrweise von Einigen, die ihr und das Leben Anderer riskieren, nur wegen ein paar Meter Vorsprung. Es gibt genug davon unter den Gewinnern (große, schwarze Karossen) und unter den Verlierern (alte, verrostete Ladas) der russischen Variante einer gesellschaftlichen Neuordnung, das zwischen Arm und Reich geteilt ist. Rasen ist hier noch ein Kavaliersdelikt, und noch nicht wie neuerdings in Deutschland und richtigerweise eine Straftat.

Sankt Petersburg (die Partnerstadt Hamburgs, das Venedig des Nordens, das Fenster Russlands zum Westen Europas) erobere ich mit dem Fahrrad, was Dank des relativ milden Straßenverkehrs und der nahen Lage des Camps möglich ist. Man sieht mehr Fahrräder als in Moskau. Die Stadt, in der Wasserflächen und Stadtarchitektur verschmelzen und in der auf morastigem Boden viel Historie glänzt. Unter Europas Metropolen ist dies mit 300 Jahren (2003) die Jüngste. Die Stadtstruktur wurde seit dem 17. Jahrhundert kaum verändert. Das unterscheidet das von Peter des Großen gegründeten Sankt Petersburg von der durch Stalins Gigantismus geprägten Hauptstadt Moskau, in die die russische Regierung 1914 zog. Nach der Oktoberrevolution wurde Sankt Petersburg in Petrograd umbenannt. Nach dem Tod Lenins hieß sie Leningrad und bekam nach dem Ende der Sowjetunion wieder ihren alten Namen. Gemäß Dekret des Zaren sollte in Sankt Petersburg jeder Neubau unter der Firsthöhe des Winterpalastes bleiben. Daran hielt sich auch die Sowjetunion und so wurde die klassizistische Stadtkontur in rötlichem Granit erhalten.

So wie im Warschauer Pakt nicht an die Hungerjahre im Bürgerkrieg (Weiße gegen Rote Armee) nach der Okoberrevolution, sowie an die GPU-, KGB- und Gulag-Schrecken und Stalin-Terror erinnert wurde, so erinnert heute im hundertsten Jahr wenig an die Oktoberrevolution, die das 20. Jahrhundert prägte. Erinnert wird jedoch an die etwa eine Million zivilen Opfer, sowie an die sowjetischen Soldaten, die in der Zeit der faschistischen Belagerung fielen oder verhungerten. Auf vielen Denkmählern für die Gefallenen im 2. Weltkrieg (russisch: Große Vaterländische Krieg) liegen frische Blumen. Leningrad erlebte während der Belagerung eine unermesslich, grauenvolle Hungerkatastrophe, die in der Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Nach dem Durchbruch der Blockade erlebte die Stadt eine zweite Auferstehung. Mit der Marktwirtschaft kamen dann die Ganoven (Mafia, Olligarchen) und mit ihnen die Korruption, Gawalt, Reichtum und Armut. Wie im Westen, mit dem Unterschied, dass es dort kaum noch schlammige Wege und Straßen gibt, oder vergraute Betonblocks, oder Bretterbuden auf dem Markt, oder alte Matruschkas, die ihr bisschen Obst auf Holzkisten, oder auf Zeitungen anbieten (müssen). Diese Bild wird die Marktwirtschaft schneller beseitigen und ist im Touristen-Zentrum auch nicht mehr zu sehen.
Der Blindschuss vom Panzerkreuzer Aurora auf das Winterpalais des Zaren war das verabredete Zeichen für den Beginn der Oktoberrevolution 1917. Heute ist das Schiff ein Museum und schießt weder auf Samsung, noch verhindert es, dass Tauben auffliegen. Und Lenin weist nicht mehr den Weg, wurde aber auch nicht abgerissen.

Bis heute wird Lenin in Russland verehrt, Er schrieb Geschichte, schuf eine neue Form von Staat, die später in fast der halben Welt übernommen wurde. Allerdings soll er einem Posten im Mausoleum anvertraut haben: „Ich muss zurück in die Schweiz. Wir müssen noch einmal ganz von vorne anfangen“.
Gleich hinter der Moschee steht die Villa, in der Lenin ein Büro hatte. Heute ist sie ein Museum der politischen Geschichte Russlands, in der die sowjetische Geschichte umgeschrieben (angepasst) wurde.

Strand vor der Peter Paul- Festung, aus der das Wahrzeichen des schlanken Turms der Kathedrale herausragt, sowie die mit Schiffsschnäbeln geschmückten, ehemaligen Leuchttürme an der Newa.

Zu den ersten Sehenswürdigkeiten zählen das Winterpalais und die in kaisergelb ins Licht gestellte Eremitage, die als Museum zu den größten Kunstsammlungen der Welt zählt. Von innen habe ich es schon vor etwa 10 Jahren gesehen.

Der Schlossplatz mit Alexander-Säule und einer alten Matruschka, die wohl fotgrafiert werden wollte.

Straßenmusikszene rund um die Christi-Auferstehungskirche „Auf dem Blute“, die dort errichtet wurde, wo einer der ermordeten Zaren und sein Attentäter verblutete.

SAM_3634Edelkarosse „Wolga“ aus sowjetischen Zeiten und entspannter Tag im Park, endlich wieder in der Sonne. Und Weltstadt-Rhythmus am Newski-Prospekt.

Feinkosttempel im Jugendstildesign, Kaufhauspassage, Wandelgang am Großen Kaufhof.

 

Die St.-Isaak-Kathedrale, eine der größten Kuppelkirchen der Welt mit ihren riesigen Säulen.

 

 

 

 

 

Eine fotogene Schönheit in rot vor der Kathedrale der Mutter-gottes von Kasan und ein Geländerdetail an einer der vielen Brüken.

Und immer wieder die Newa: Am oberen Fluss, am Stadtzentrum und an der Mündung in die Ostsee, bzw. Finnischen Meerbusen, wo ein Wolkenkratzer entsteht.

 

Zuletzt noch ein Besuch im botanischen Garten, dann geht es weiter nach Finnland.

 

 

 

 

 

Durch Finnland fahre ich im Prinzip nur durch und halte nur in Lappeenranta, Jyväskylä und Vaasa. Am 24. Juni, der längste Tag des Jahres mit der kürzesten Nacht, muss man auf den Sonnenuntergang hier im Norden besonders lange warten. Auch jetzt noch und weit vor dem Nordkap.

 

 

 

 

Alte Autos verrosten nicht, sondern werden ausgestellt. Hier eine Sammlung auf einem kleinen Campingplatz.

In Vaasa nehme ich die Fähre nach Umea und setze nach Schweden über. Die Fähre fährt einmal pro Tag und ist so voll, wie ich es bisher nur von Sudan nach Saudi-Arabien erlebt habe.



Nach der letzten Zoom-Aufnahme fährt der Fotoapparat nicht wieder zurück. Den hatte ich schon aus dem gleichen Anlass in Jordanien gekauft. Reparatur nicht möglich.

In Finnland erhält übrigens das Thema Grundeinkommen neue Dynamik. In diesem Jahr erprobt die Regierung ein Grundeinkommen in einem Modellversuch mit 2000 Arbeitslosen. Auch die gerade gebildete Jamaika-Koalition in Schleswig- Holstein will ein Grundeinkommen prüfen. Dort geht es aber noch um wesentliche inhaltliche Definitionen, wie „bedingungsloses Grundeinkommen“ (Grüne) oder „liberales Bürgergeld“ (Lohnsubvention für Geringverdiener, keine Einkommenssicherung für Arbeitslose, FDP). Selbst im Silicon Valley wird das Grundeinkommen von Leuten wie Zuckerberg und Musk diskutiert. Aus linker Sicht würde ein Grundeinkommen die Stigmatisierung von Sozialleistungsbeziehern beenden, andererseits kapitalistische Besitzverhältnisse nur verfestigen. Letzteres erklärt, warum neuerdings selbst Konzernchefs die Idee fördern. Forscher erwarten, dass infolge der Digitalisierung bis 2025 rund 1,5 Millionen Jobs allein in Deutschland frei werden. Wenn vielleicht auch etwa so viele durch Digitalisierung geschaffen werden, so sind doch harte soziale Brüche vorprogrammiert. Das Grundeinkommen wird somit praktisch unausweichlich. Wenn nicht, dann liegt es  nicht am Geld, denn Deutschland ist vor allem ein reiches Land, in dem der Reichtum nur ungleich verteilt ist. Ein Feldversuch in Namibia (s. auch in diesem Blog: Afrikareise) musste genau aus diesen Kostengründen vorzeitig abgebrochen werden, obwohl er positive Wirkungen vermeldete. Grundeinkommen sollte nicht ausgerechnet in einem Land eingeführt werden, dass noch nicht über die wirtschaftlichen Voraussetzungen verfügt, um es zu finanzieren.

Schweden
Das Leben in Schweden, wie überhaupt in den skandinavischen Ländern, gilt als sehr lebenswert und ist daher ein beliebtes Auswanderungsland, mit einer leistungsstarken Sozialversicherung. Es hat weltweit das 8-höchste Einkommen pro Kopf, entsprechend hoch liegen jedoch auch die Lebenshaltungskosten. Das Land hat eine faszinierende, oft unberührte Natur. Frische Luft, unzählige Gewässer, viel Platz, auf den Campingplätzen kein fischgrätenartiges Gedränge, wie z.B. an der Adria, keine Staus und keine Hektik.
Da ich mir einen neuen Fotoapparat aus Berlin einfliegen lassen muss, ab hier nur noch ein paar Bilder aus dem stehenden Auto von den schönen Aussichten auf den Campingplätzen. In den kleinen, eher langweiligen Städten im Norden Skandinaviens gibt es auch nicht viele Sehenswürdigkeiten. Ein Halt lege ich ein in Umea, Örnsköldsvik, Hamösand, Stöde (ein kleiner Ort hinter Sundsvall mit überraschend gutem WiFi), sowie Östersund und Järpen, ein Camp am Wasserfall Ristafalled, kurz vor der Norwegischen Grenze. Alles Campingplätze am Wasser und mit Natur pur. Jeden Abend ein anderes Bild als Fernsehersatz. Am Wasserfall nur ein rauschendes, einschläferndes Bild.



Norwegen
Die Lebenshaltungskosten liegen in Norwegen im europäischen Vergleich an der Spitze, mit fast 60% über dem Durchschnitt, noch über der Schweiz. Finnland und Schweden liegen dagegen mit etwa 25% fast noch im moderaten Bereich, obwohl aus deutscher Sicht immer noch um ein Viertel teurer.

Am 22. Juli dieses Jahres erinnerten Gedenkveranstaltungen an den schlimmsten Terror im Lande seit der NS-Besatzungszeit. Vor 6 Jahren ermordete der Rechtsradikale Anders Breivik 69 Menschen, die meisten davon Jugendliche, beim Sommercamp der sozialdemokratischen Nachwuchsorganisation auf der Insel Utoya, nordwestlich vor Oslo. Kurz zuvor hatte er mit einer Bombe im Osloer Regierungsviertel acht Menschen getötet. Sein Motiv: Die Arbeiterpartei für ihre Bereitschaft zu bestrafen, Menschen aus muslimischen Ländern aufzunehmen. Es gibt zwei Fraktionen von Überlebenden: Die, die mit der Politik völlig brachen und sich wegen Angstzuständen nicht aus ihren Wohnungen trauen, und andere, die sich noch mehr politisch engagieren und z.B. für einen Parlamentssitz kandidieren. Während sich Breivik über seine vermeintlich unmenschliche Isolationshaft beschwert, wird in der konservativen Regierung noch über das Denkmal „Wunde der Erinnerung“ gestritten. Wen wundert es: Die bürgerliche Regierung koaliert mit der rechtsnationalistischen „Fortschritts“-Partei, in der Breivik Mitglied war.

Mich begeistert Norwegen mehr wegen seiner faszinierenden Natur. Davon gibt es hier im Überfluss. Campingplätze an den schönsten Plätzen finden sich mehr als genug, und diese sind auch nicht überbelegt.
Ich übernachte im Storsand Camp kurz vor Trondheim. Die Stadt besichtige ich per Fahrrad. Weiter geht es in kurzen Etappen über Store, Dombas, Lom, und Skjolden.
Unterwegs ist wenig Verkehr. Es regnet viel, ab und zu scheint auch mal die Sonne. Es ist meist kalt und in 1.400 m Höhe liegt Schnee und es wird es richtig kalt.

 

Lom und Skjolden verbindet die Landschaftsroute Sognefjellet, eine der faszinierendsten Passstraßen (Passhöhe 1.434 NN) Nordeuropas. In Skjolden endet (d.h. für mich beginnt) auch der Sognefjord (UNESCO Weltnaturerbe), mit 204 km Norwegens längster und spektakulärster Fjord. An den bis 1.700 m hohen Berghängen sind unzählige Wasserfälle zu beobachten, die sich in türkisfarbenen Wasser spiegeln, das aus bläulichen Gletschern gespeist wird.

 

 

Von Sognedal geht es erst mit der Fähre über den Fjord und anschließend durch den mit 45 km längsten Tunnel der Welt direkt nach Aurland. Vom Camp schlängeln sich die Serpentinen durch 6 Nadelkurven 650 m hoch zum Stegastein. Wenn die Regenwolken nicht gerade alles vernebeln, kann man von einer Plattform eine traumhafte Aussicht über den Fjord genießen.

  

 

 

 

 


Bergen

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Steindals-Fossen

Inselspringen Kvandal – Utne

Hardangerfjord

 

Wasserfall (Fossen)

Hardangerfjord

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Inselspringen Jondal – Torvikbygd

Hardangerfjorden

 

Fusa Camp

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Camp Lote

 

 

Von Bergen geht es am Steindalsfossen (Wasserfall) vorbei um den Hardangersfjorden über Haugesund in Richtung Stavanger. Wie beim Inselspringen sind dabei 4 Fährüberfahrten erforderlich:  Kvandal – Utne, Jondal – Torvikbygd, Venjaneset – Hatvik, Halhjem – Sandvikvak und Arsvägen – Mortavika.  Die Route haben wir gewählt, weil ich eine Fährkarte einer Fährgesellschaft von einem Paar erstanden hatte, die auf dem Camp in Sankt Petersburg standen. Sie waren auf dem Rückweg aus Norwegen froh, dass sie den „Rest“ los waren, wir waren froh nur die Hälfte des Fährpreises zahlen zu müssen. Um den Preikestolen zu sehen, nutzen wir noch 2 mal die Fähre: Stavanger – Tau und Oanes  – Lauvvik.
Der Preikstolen ist in der Fjordregion Ryflike die berühmteste Sehenswürdigkeit, vielleicht sogar ganz Norwegens: Ein Fels, der wie eine Kanzel 600 m über den hellgrün schimmernden Lysefjord ragt. Hochmotiviert erklimmen wir den 4 km langen, steilen und felsigen Aufstieg mit einem Höhenunterschied von 350 m, der nicht nur für uns eine kleine Herausforderung darstellt. Gut dass wir uns schon früh um 6 auf dem Weg machen, auf dem uns schon die Ersten auf ihrem Rückweg entgegen kommen, die noch Fotos von unberührter Natur machen konnten. Aber auf unserem Rückweg kommen uns die massen an Langschläfer entgegen. Da war es aus mit der unberührten Natur. Der für Westeuropa typische  Massentourismus setzte auf dem Camp schon am Vorabend ein, so dass man Angst haben musste, nicht wieder raus zu kommen aus dem Getümmel. Trotzdem, der Blick über den Fford bleibt ein unvergessliches Erlebnis.

Auf dem Rückweg lässt es das Wetter noch einmal zu, ins kalte Wasser der Nordsee zu springen. In Richtung Dänemark nutzen wir die Fähre Langesund – Hirtshals. Zur Diskusion stand auch der Landweg über  Schweden, um dort die kleine Fähre ab Helsingborg zu nehmen. Die Variante mit der Fähre ab Kristiansand wäre die Teuerste gewesen.

Dänemark

In Hirtshals sind einige der 7500 Bunker am Atlantikwall in Dänemark zu besichtigen, die die faschistische Wehrmacht während der Besatzung im 2.Weltkrieg ab 1942 baute. Im doppelten Sinne umsonst, denn erst bezahlten die Faschisten die Rechnungen mit Scheinen, die die dänische Nationalbank drucken musste und dann landeten die Alliierten am 6.6.44 in der Normandie. Gemessen an den Kosten (umgerechnet 12 Grosse-Belt-Brücken), stellen die Bunkeranlagen das grösste Bauwerk Dänemarks dar.
Nahe des Leuchtturmes, der 1863 errichtet wurde, steht ein Riesenschirmling, den ich besser allein zum Abendbrot verspeise. Bei Hanstholm erheben sich die in der letzten Eiszeit geformten Sandberge Bulbjerg und Hanklit über dem Skagerrak- und Limfjord-Strand. Auf der Halbinsel bei Ringkobing kann man den Strand vom Campingwagen aus genießen (baden, Kaffee kochen usw.). Je näher man nach Deutschland kommt, z.B. auf der Insel Romo, setzt dann auf den Campingplätzen leider wieder der Massentourismus ein.

Der Text wird ggf. ständig aktualisiert.

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Zynische Beileidskultur

Terror soll Angst und Schrecken verbreiten und fordert immer wieder beklagenswerte Opfer von Gewalt. Die Opfer von sinnloser, terroristischer Gewalt verdienen unseren Respekt und unser Beileid. Bliebe unsere Solidarität aus, hätten Terroristen ihr Ziel erreicht, die Bevölkerung einzuschüchtern oder eine Regierung zu nötigen. Nach den Anschlägen am 11. September 2001 hat die USA dem Terror den Krieg erklärt, in dem wir uns immer noch befinden. Die Spirale der Gewalt durch Terror und Krieg scheint kein Ende zu nehmen. Terror richtet sich vor allem gegen die Industrieländer und macht auch vor Europa kein Halt. Wenn jedoch wie in diesen Tagen politische Unterschiede gemacht werden bei der Trauer um terroristische Opfer, ist das mehr als beschämend. Es ist zynisch, wenn russische Opfer in Petersburg nicht genauso beklagt werden, wie deutsche oder französische. Die Tränen um Opfer in Paris oder Berlin verkommen so zu Krokodilstränen.
In Syrien herrscht seit 2011 ein schrecklich verheerender Krieg mit unzähligen zivilen Opfern. Auch hier gibt es einen direkten Zusammenhang mit den Anschlägen am 11. September 2001. Es ist schon lange kein syrischer Bürgerkrieg mehr, sondern ein Stellvertreterkrieg, der auf dem Rücken der Bevölkerung ausgetragen, und auch vom Westen befeuert wird. Terroristen heizen diesen Krieg erbarmungslos an, um ihren Islamistischen Staat zu errichten. Russland hat erst spät eingegriffen, um den IS militärisch zu bekämpfen, auf Bitten der syrischen Regierung. Beim Kampf der Koalition Syrien/Russland gegen den IS um Aleppo war in der Mainstreampresse kein Wort davon zu lesen, dass die syrische Opposition, genauso wie der IS, die Zivilbevölkerung als Schutzschild missbraucht. Es ging nur gegen den „Diktator Assad“ und gegen Russland, wenn zivile Opfer zu beklagen waren. Beim Kampf der Koalition Irak/USA um Mossul ist die Kriegspropaganda genau umgekehrt ausgerichtet (s. auch Video von Todenhöfer „Stoppt die Befreiungskriege im mittleren Osten“). Und auch um Mossul wieder zynische Beileidskultur. Die Presse, die das so verbreitet, nenne ich Lügenpresse. Schlimm nur, dass dieses Wort in Deutschland von den falschen, rechten Leuten in Pegida und AfD, für ihre konservative Propaganda missbraucht wird.

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