Benin 17.8. – 30.8.12

Der Grenzübergang von Togo nach Benin verläuft ganz ohne Stress in sehr kurzer Zeit. Für Benin und Cotonou habe ich weder eine Karte noch Navi. Also nehme ich ein Taxi (Mopedfahrer), der vorausfährt und mich durch die Hauptstadt Cotonou zur Botschaft Nigerias schleust. Aber die hat nur Die + Do von 10 -12 auf, und heute ist Freitag. Ich suche ein Hotel am Strand, etwa 15 km westlich vom Flughafen. Dort bleibe ich im Sand stecken. Im nu sind ein paar junge Männer da, und schieben mich gegen ein kleines Entgelt wieder raus. Ich finde ein Hotel mit Piskine direkt am Strand nur 5 km vom Flughafen. Ein paar Nachtmenschen (junge Liberianer) vermiesen mir dort die Nacht. Bis früh um 5 halte ich aus. Dann reicht’s. Im Schlafanzug fahre ich ziemlich verärgert, aber ohne Kommentar,  in die Stadt auf den Hof des Novotels und schlafe noch mal eine Runde. Anschließend frage ich an der Rezeption, ob ich dort stehen bleiben kann, als Car-Camper. „Was ist das? Was, im Auto schlafen, nein das geht gar nicht“. Ich fahre ein paar hundert Meter weiter zum Golfhotel Marina. Dort manage ich mich nach oben. Die 5 Männer im schwarzen Anzug haben zwar auch noch nichts von Car-Camping gehört, stimmen aber nach Diskussion meinem Vorschlag zu, für 5.000 CFA (ca. 8,-€/Nacht) auf ihrem sehr weiträumigen Parkplatz zu stehen. Toilette kann ich in der Hotellobby nutzen. Wenn ich mich dort rasiere, falle ich natürlich auf, außerdem muss ich mich entsprechend ankleiden. Für weiter 3.500,-CFA kann ich den Pool nutzen, der auch einen bewachten Zugang zum Strand hat.
Am Dienstag stehe ich pünktlich vor der nigerianischen Botschaft. Der Mann am Guckloch, bzw. auf dem Hochsitz hinter dem Stahltor meint, es sei geschlossen. Hätte ich wissen müssen (?!), es ist Zuckerfest, Ende des Ramadan. Am Donnerstag meint man (frau), ich bekomme kein Visum, weil mein Invitation Letter (Einladung) nicht ausreicht. Zu diesem Zweck hatte ich mir eine Hotelreservierung ausgedruckt, aber dummer Weise nur für die Nacht der erhofften Ankunft. Ein Residence Permit (Aufenthaltsgenehmigung für Benin) haben sie nicht nachgefragt. Erst die Verbal Note, die mir der Konsul der deutschen Botschaft in Cotonou (nahe der französischen Botschaft) mitgegeben hatte, führte dazu, dass sie mein Visa Applikation (Antrag) entgegen genommen haben. Noch am Donnerstag bin ich gegen Mittag in Richtung Pendjari gefahren, einen der schönsten Nationalparks Westafrikas. Die in Togo z.B. sind weitgehend leergeschossen. Unterwegs habe ich an einem kleinen Hotel gehalten, wo ich mich auf den Hof stellen konnte. Der Frau tat ich so leid, als ich im Auto schlafen wollte, dass sie mir ein Zimmer kostenlos anbieten wollte, was ich dankend ablehnte. Nach einer fürchterlichen Fahrt durch Schlaglöcher so tief, dass ich noch im Schritttempo teilweise aufsetzte, erreichte ich Tanguieta im Norden Benins. Ein Mann aus dem Hotel brachte mich zum Touristenbüro. Zufällig sprach der im Büro gerade mit Alfred, einem Deutschen aus Nordfranken. Der führt dort seit 30 Jahren das Hotel (www.camp-numi) in Battia, an der Einfahrt zum Park. Das traf sich sehr gut. Ich fahre hinter ihm her, die etwa 45 km Sandpiste. Es ist schon dunkel, es regnet aus Kannen und neben uns schlägt ein Blitz ein, mit zeitgleichem Kanonenschlag. Ich bin froh mit Alfred noch 2 Bier trinken zu können, statt im Schlamm stecken geblieben zu sein. Ich erfuhr noch, dass Jan und Mariska aus den Niederlanden, die ich in Lome kennenlernte, hier vor einem Tag abgereist sind. Anderntags fahre ich mit einem Guide, der dort Pflicht ist, in den Park. Wir sehen in freier Wildbahn alle dort lebenden Tiere, wenn auch manchmal weit entfernt, wie die Wasserpferde und Krokodile im See. Aber ein Löwe und ein Elefant z.B. laufen uns über die Sandpiste. Der Löwe fühlt sich genervt bei der Jagd, als wir ein Stück hinter ihm herfahren. Weiter sehen wir Wildschweine, Affen, jede Menge so eine Art Rotwild usw.

Die Nacht schlafe ich im Park, am geschlossen Hotel im Norden des Parks, an der Grenze zu Burkina Faso. Der Guide isst und schläft im leeren aber bewachten Hotel, wahrscheinlich auf dem nackten Boden. Sonst hatte er nichts mit, gar nix. Sonst sprach er nur französisch, so konnten wir uns ausschweigen. Am nächsten Mittag sind wir wieder im Camp und ich kann noch Wäsche waschen mit Quellwasser, am Rande eines Gebirgszuges, das den Park abgrenzt. Mit Alfred speise ich eigens für uns gemachtes Abendbrot und trinke ein paar Bier. Er ist nach langer Abwesenheit aus Deutschland noch immer sehr interessiert an deutscher Politik. Ich frage ihn, ob Schwarzafrikaner so etwas wie Schadenfreude kennen, die ich schon oft empfunden habe. Schlimmer meint er. Es ist eine ziemlich zerrissene Gesellschaft mit einer mehr äußerlichen Freundlichkeit. Sonst muss jeder zusehen, wie er seine Existenz sichert. Ein hartes Urteil eines Mannes, der sich ein Urteil bilden konnte.

Ich wäre noch geblieben, aber als Getriebener Getriebener der Botschaften muss ich zurück. Ausgerüstet mit den entsprechenden Informationen verläuft die Strecke an der togischen Grenze wesentlich ruhiger, als die Hinfahrt auf der Hauptstraße entlang der nigerianischen Grenze, die hoffnungslos durchlöchert ist. Wenn mich jemand fragt, ob ich die Tour von ca. 1.500 km hin und zurück, plus ca. 250 km im Park, noch einmal dafür machen würde, würde ich verneinen. In Dänemark hatten wir so einen Tierpark schon einmal mit dem Auto durchquert, mit dem Unterschied, dass dort die Löwen gelangweilt auf das nächste Futter warteten.

Am Dienstag war ich noch mal in der nigerianischen Botschaft. Sie können mir kein Visum geben. Meine letzte Chance: Der deutsche Konsul soll bei ihnen anrufen. Der meint, das ist ganz was Neues Erst lehnt er ab, aber lässt dann doch anrufen. Er sagt noch, die Nigerianer wollten nur wissen, ob seine Note echt war, obwohl sie Stempel und Unterschrift trug. Ich frage mich, was sollen dieses Kinderspielchen zwischen ausgewachsenen Diplomaten? Ein schwarzer Deutsch-Nigerianer, Hakeem A. info@ionsun-consulting.com, ein Wanderer zwischen den Kontinenten, der mit in der Botschaft Nigerias sitzt, gibt mir die inoffizielle Antwort, die mir so wie das Ganze abgelaufen ist, sehr plausibel erscheint: Nigeria ist ein aufstrebendes, selbstbewusstes Land, das die Führung in der Afrikanischen Union anstrebt, vor Südafrika. Nigerianer, auch Mitarbeiter der Botschaft, erhalten in Deutschland nur ein Einreisevisum, wenn sie Arbeit nachweisen können! Mehr als Retourkutsche erfahren deutsche Touristen die Einwanderungspolitik Deutschlands gegenüber Nigerianern. D.h. gerade deutsche Touristen werden erst einmal am ausgestreckten Arm hingehalten. Und da, wo die Verständigungsbereitschaft fehlt, ist es schwer sich zu verständigen, selbst bei sehr guten Sprachkenntnissen, die ich nicht habe. Bei der nigerianischen Botschaft in Lome bin ich ja ahnungslos schon im Vorraum abgeblitzt. Die fehlenden Unterlagen sind dann nur ein vorgeschobener, offizieller Grund.
Ich soll wiederkommen, wenn ich den deutschen Konsul dazu bringe anzurufen. Ich gehe Mittagessen in einem Restaurant nach europäischem Standard, wo es Pizza und Hotdogs gibt. Und wer sitzt da rein zufällig?…. die Mädchen aus der Botschaft. Keine Ahnung warum, aber dann kam eine der Vorzimmerdamen zu mir und sagte, ich soll um 4 noch mal kommen. Dann bekam ich mein Visum für 7 Tage (Transit) ausgestellt, für relativ wenig Geld. Der Vorsteher am Tor, dem ich meinen Ärger darüber zu verstehen gab, dass er mir erst kein Antrag mitgegeben, den Feiertag verschwiegen und mich eine Stunde später nach tatsächlicher Öffnungszeit kommen lassen hat, fragt, ob ich jetzt froh bin. Ich sage nein. Er meint für Deutschland erhält er überhaupt kein Visum. Ich sage, für die falsche Einwanderungspolitik meiner Regierung kann ich wenig. Da lacht er und wir haben uns wieder auf einer Ebene getroffen.
Problematisch für mich bleibt, dass die Zeit gegen die Uhr läuft. Das Visum für die DR Kongo läuft am 30.9. aus. Nicht viel Zeit bis nach Angola. Das Visum für Angola hat Barbara parallel in Berlin eingeholt, weil das nur in Berlin eingeholt werden kann und nur 30 Tage gültig ist. Mal sehen wo ich es abholen kann.
Ich nutze noch ein Tag und sitze in der Hotellobby am Blog und der weiteren Vorbereitung. Abends beim Bier am Pool lausche ich dem Rauschen des Meeres.

Das war die Route durch Ostafrika ab Dakar (Senegal) über Mali, Burkina Faso, Togo und  Benin.

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Kategorien: Reiseberichte, West-Afrika | Schlagwörter: | Hinterlasse einen Kommentar

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