Amerika

1 Jahr mit dem Auto von Süd- nach Nordamerika

Südamerika

Ist ein Kontinent der Superlative: Das drittgrößte Land (Brasilien), das längste Hochgebirge (Anden), die trockenste Wüste (Atacama), der drittmächtigste Wasserfall (Iguacu im la-Plata-Becken), der längste Sandstrand (8.000 km Atlantikküste), die höchste (La Paz) und südlichste Hauptstadt (Buenos Aires), sowie die südlichste Stadt (Ushuaia, an der Südspitze Patagoniens). Diese vielleicht wichtigsten Höhepunkte liegen auf meiner Route. Nicht auf meiner Route liegen der größte Strom (Amazonas) mit einzigartigem, tropischem Regenwald, die zweitgrößte Metropole (Sao Paulo), die entfernteste Insel (Osterinsel) und das exotischste Biotop (Galapagos Inseln). Aber alles geht nicht. Südamerika ist genauso bunt und vielfältig wie Europa, aber doch ganz anders. Während Europa eher einem Museum gleicht (langweilig), ist Südamerika eher ein akrobatischer Zirkus (spannend), sagt man. Ich lass mich überraschen.

Uruguay
Ein vom ständigen Wechsel zwischen klimatisierter Zimmertemperatur auf dem Schiff und sehr warmer Außentemperatur Erkälteter, zieht es vor, sich die ersten beiden Tage in Montevideo im Hotel zu kurieren. Er ist noch ein wenig eingeschüchtert von den vielen Warnungen vor hoher Kriminalität usw.. Aber siehe da, am nächsten Morgen der erste Blick aus dem Hotel: Das Auto steht noch unbeschädigt da. Moralisch gefestigt, entdeckt er die Stadt per Bike. Plötzlich kommen zwei Wohnwagen mit den französischen Pärchen um die Ecke. Ein letzter Abschied, aber vielleicht sieht man sich ja noch einmal, auch wenn die Wege zuerst in verschiedene Richtungen gehen.

  

 

 

 

 

Nicht weit von Montevideo gerät er erst einmal in einem Camp in eine Schweizer Gemeinschaft, das von einem Schweizer Paar schon viele Jahre geführt wird. Ein Niederländer ist mit dabei. Dort stehen mehrere Wohnwagen, die von den Besitzern hier für längere Zeit geparkt werden, um ihre Reise nach einem Heimurlaub fortzusetzen. So entfällt eine Verschiffung. Eine Platz, bzw. Möglichkeit der Urlaubsgestaltung, wie sie schon in Afrika zu sehen war. Ein Camp mit allem was ein Camper braucht und mit einem herrlichen Sandstrand, so schön, wie an der Ostsee, nur nicht so überfüllt. Ein Camp, wie man es in Brasilien vermissen wird.

Kurz vor Brasilien liegt in rauer aber schöner Landschaft dieser geschützte Park von Santa Teresa mit einem Zeltplatz. Zelten ist in Uruguay, wie auch in Brasilien verbreiterter, als mit Wohnwagen campen.

Ohne Visapflicht geht der erste Grenzübergang nach Brasilien sehr ruhig von statten. In Rio Grande steht auf dem Camp ein Brasilianer, der außer in Rio der letzte mit Wohnwagen sein wird. In der Küstenstadt wird gerappt, Boccia und natürlich Fußball gespielt.

In Torres bietet der Sandstrand sehenswerte Felsformationen.

Havan ist eine brasilianische Kaufhauskette und schon von weitem, wie hier in Florianapolis, an der Freiheitsstatue zu erkennen. Am schönen Strand kommt eine junge Frau und beginnt sich ausziehen ….. , um sich als Model im Bikini fotografiert zu lassen.

Der Strand bietet nachts bei herrlichem Klima unter Palmen einen ruhigen Seegang und ein paar km weiter am nächsten Tag eine stürmische See, in der man nicht baden kann. An der Küstenstraße entlang bieten sich immer wieder herrliche Aussichten. Manchmal trügt der Schein, hinter einem Strand verbirgt sich ein Atommeiler.

 

 

 

 

 

 

    


In Paraty sitzt man gut am Strand oder schlendert durch die Altstadt. Am Wahlabend feiern im Zentrum der Stadt ein paar Anhänger ihren neuen Präsidenten.

In der Nacht darauf wird, wie hier in einem neuen Camp, Halloween gefeiert. Der Bardame jedenfalls gefällt ihr Job.

 

 

Große Tiere , wie z.B. die big five in Afrika, gibt es in Südamerika nicht. Dafür viele unbekannte Vogelarten (z.B. die Eule auf dem Kreuz), oder mal eine Exe. Ein Gürteltier, Armadillo, Nasenbär, Coati., Faultier oder ein Großer Ameisenbär ist noch nicht über den Weg gelaufen. Wasserschweine waren in den gefluteten Feldern neben der Straße schon öfter zu sehen. Am Meisten gibt es Hunde, die ihr Revier mit lästigem Gekläff verteidigen. Ein Schweizer erzählte, sein treuer Begleiter wäre ihm hier zugelaufen. Der Hund hätte ihn gesucht, nicht umgekehrt.

50 km vor Rio de Janeiro gibt es einen Campingplatz, der zwar dicht am Strand liegt, aber sonst nicht viel bietet und noch dazu teuer ist. Eine Marina in der Stadt bietet zwar einen Parkplatz mit anschließenden Restaurants, aber nicht für Camper, die sich offiziell anmelden. An der Copacapana ist schon Betrieb, denn es ist ja noch Frühling. Am Ende steht der Mann, der den Zuckerhut in der Hand hält. Der Hubschrauber schwebt über dem bekanntesten Mann der Stadt: Christus. Aber man erreicht die Spitze des Hutes auch mit der Seilbahn und wird bei guter Sicht mit einer herrlichen Übersicht belohnt. Mit dem Fahrrad gut zu erreichen ist die Treppe im Künstlerviertel Santa Teresa. Es gäbe noch einiges mehr zu entdecken, aber für Camper ist die Stadt nicht einladend.

Auf dem Weg nach Brasilia soll es in Belo Horizonte ein Camp geben. Bei den im Navi eingegebenen Koordinaten ist kein Camp. Die Stadt ist wie schon Rio ein Gewirr aus Straßen. Ohne Navi keine Chance das unbekannte Ziel anzusteuern. Wegen der Ungenauigkeit zwischen Satellit und Navi müsste man auf der Autobahn Schrittgeschwindigkeit fahren, um die richtige Abfahrt zu finden. Froh wieder aus dem Chaos raus zu sein, steuert er den nächsten Track-Stop an (hier ein Posto von Shell). Die sind zwar nicht schön, aber für eine Nacht sicher und haben Restaurant und zur Not auch WC und Dusche. In Tres Marias ist an einem Stausee ein Camp, das alles hat, aber nicht (mehr) von Touristen besucht wird, sondern nur noch von Einheimischen. Nachts wurde eine 1-Mann Objekt-Bewachung organisiert.

Er bringt Brasilia immer in Verbindung mit Jean Paul Belmondo, der in diesem Jahr 85 wurde. Schuld ist der französische Film „Abenteuer in Rio“, den er in den 70ern im Kino gesehen hat. In diesem Abenteuer, über das er heute nur noch lächeln kann, grinste Belmondo locker und leicht Freiheit. Mit ungekünstelter Leichtigkeit, erotischer Melancholie und vergnügter Angriffslust brachte der Schauspieler den intellektuellen Aufbruch der 60ér Jahre, der für Befreiung stand, zum Ausdruck. Das faszinierte ihn, ohne sich in seiner Jugend dessen immer bewusst zu sein.
Vielmehr steht aber Brasilia in Verbindung mit dem Präsidenten und Gründer der Hauptstadt Brasilias, Juscelino Kubitschek, der den Traum, nach Ende der Kolonialzeit eine Hauptstadt Brasiliens zu errichten umsetzte, und an den das Memorial JK erinnert. Sowie mit dem Architekt Oscar Niemeyer, der die bekanntesten Bauten entwarf, wie die  Kathedrale, hier bei Tag und Nacht.

 

Oder den Platz der Dreifaltigkeit, ä sorry, der drei Gewalten (Exekutive, Legislative und Judikative), hier mit Präsidentenpalast, Nationalkongress und Justizpalast. Der neue Präsident hat zwar die Einhaltung der Verfassung zugesichert. Trotzdem scheinen sich über dem Parlament dunkle Wolken zusammenzubrauen. Die spannende Frage bleibt, was die Opposition dem Rechtsextremen entgegenzusetzen hat, der ab 1. Januar in seinen Palast zieht.

 

Ob die, die die Steine mit den jeweils passenden Punkten anlegen, sich auch für den nicht so spektakulären Fernsehturm oder das Nationalmuseum von Niemeyer interessieren?

 

Im Dreiländereck Brasilien- Argentinien- Paraguay liegt der drittgrößte Wasserfall dieser schönen Erde: Iguacu. Die schönsten Einblicke erhält man auf der argentinischen Seite.

 

 

Und es gibt sie noch, die Campingplätze, wo sich Traveller treffen. In Brasilien sind vor allem die städtischen Plätze (Municipal), wenn überhaupt, dann nur am Wochenende von Einheimischen besucht. Dann wird der Campingplatz zum Partyplatz, wo widerstrebende Interessen aufeinandertreffen. Traveller, die als Touristen Land und Leute kennenlernen wollen, waren in Brasilien nicht anzutreffen. Auf einem sehr urischen, naturbelassenen Platz in Poertu-Iguacu (argentinische Seite) findet man einen herrlichen Blick auf den Rio-Parana, in den das Wasser des Iguac-River fließt. Herbert, ein Deutscher, der schon lange in Brasilien lebt, meint, das ändert sich in Argentinien. Dort funktionieren die Campingplätze wieder zunehmend, auch als Treffpunkt der Traveller, mit denen man über Gott und die Welt reden, spannende Geschichten über Reiseerlebnisse hören und sich vor allem über Erfahrungen austauschen kann. Herbert versteht seine jetzigen Landsleute nicht, die ein Bolsonaro wählen, der den Teufel mit dem Beelzebub austreiben will. Jetzt, außerhalb Brasiliens, kann über das Thema geschrieben werden (s. unter: politischer Reiseblog).

Und weiter geht’s auf geraden, asphaltierten Pisten, auf denen ein entspanntes Fahren möglich ist. In Posadas fällt die Elektrik des Fahrzeugs aus. Den Proace von Toyota kennt hier niemand. Bei dem Typ haben die Japaner mit den Franzosen (Citroen und Peugeot) kooperiert. Die Toyota-Werkstatt kann den Computer nicht lesen und empfiehlt die Citroen-Werkstatt. Die meint, nach einem Tag Arbeit, das nicht reparieren zu können und empfiehlt es in Buenos Aires zu probieren. Also geht die Fahrt ohne Servolenkung weiter mit Stop im Camp Chajari mit Thermalbad und in Colon. Auf geraden Straßen ist das Fahren ohne Servolenkung kein Problem, nur beim Wenden.

Unter diese Brücke nahe Zarate ist schon die Francia auf dem Weg nach Montevideo geschippert. In Buenos Aires sieht man noch die Absperrungen vor dem berühmten Präsidentenpalast Casa Rosada, die die sog. Weltelite beim G20-Gipfel vor den Demonstranten „geschützt“ haben. Im Camp Andean Roads stehen schon einige vor allem deutschsprachige Traveller. Hier kann man auch sein Fahrzeug langfristig für einen Heimurlaub stehen lassen oder einen Wohnwagen mieten. Während A. Merkel mit der Weltelite posiert, machen Frauen zum Nicolaus Gymnastik nach heißen Rhythmen.

 

 

Im Stadtteil Tigre fahren Ausflugsschiffe den Fluss entlang, ähnlich wie in Berlin auf der Spree.

In einem der vielen Cafe´s, wie hier im London City Cafe, hat schon Julio Cortazar gesessen. Schriftsteller lassen sich wohl oftmals z.B. von der Cafe-Atmosphäre inspirieren.

Das war die erste Etappe in Südamerika durch Uruguay, Brasilien und z.T. Argentinien:

Weiter geht’s in Richtung Süden nach Ushuaja.

 

 

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Verschiffung Hamburg – Montevideo

Es gibt mehrere Möglichkeiten 1 Jahr mit einem Wohnmobil durch Amerika zu fahren: Ein Wohnmobil in den USA zu mieten ist wohl sehr teuer. Außerdem kommt man mit Mietautos nicht über die Grenze und in Südamerika sind Wohnmobile z.T. auch unüblich. Will man mit dem eigenen Wohnmobil, oder mit dem selbst ausgebauten Camper fahren, bleibt nur die Verschiffung per Container oder per RoRo-Schiff. Beides nimmt sich vom Preis nicht viel, da neben den Containerkosten noch Kosten für Flug und Hotel kommen würden. Ich entscheide mich für ein Frachtschiff von Grimaldi, welches neben der über Rampe zu erreichenden Transportfläche in 5 Frachtdecks noch Kabinen bietet. Diese werden u.a. von Seebridge und Mafratours angeboten. Die unter italienischer Flagge fahrende Grande Francia ist schon etwas in die Jahre gekommen, misst aber immer noch 214 m und fährt die etwa 13.000 km Seeweg mit bis zu 30 km/h. Vier Wochen dauert die Überfahrt nach Montevideo, incl. Hafenlandgänge. D.h. für eine Seereise muss man Zeit mitbringen. Aber wer die Seefahrt als Teil der gesamten Reise betrachtet, und für den der Weg das Ziel ist, kann die Seefahrt ein besonderes Erlebnis sein.
Zwei Millionen Deutsche reisten 2017 mit schwimmenden Unterhaltungstempeln über die Meere. Das Kreuzfahrtgeschäft boomt gerade. Manche Orte haben so viel Einwohner, wie Kreuzfahrtschiffe Kabinen. Die Folge: Schweröl verpestet Hafenstädte, Massentourismus bedroht Weltkulturerbe („Venedig-Syndrom“).
Passagiere auf einem Frachtschiff sind eher die Ausnahme. Natürlich fällt der Luxus auf einem Frachtschiff etwas bescheidener aus und die Passagiere haben sich dem Betrieb auf einem Frachter anzupassen. Der Preis pro Tag für Unterkunft mit Vollverpflegung und Transport des Vehikels beträgt etwa so viel wie eine Kabine auf einem Kreuzfahrtschiff (Innen, unteres Deck). Die Kabinengröße und der Ausgang ins Freie sind auf Kreuzfahrt- wie auch Frachtschiffen begrenzt, mehr oder weniger. Aber die Einschränkung der Bewegungsfreiheit auf dem Schiff ist keine Freiheitsberaubung, da selbst verschuldet, oder besser: selbst so gewollt.
Das Frachtschiff hat 6 Doppel-Kabinen für Passagiere. Mit der Francia fahren nur 8 mit: 2 Pärchen aus Frankreich, die Haus und Hof verkauft haben und nun als Rentner im Wohnwagen durch die Welt reisen, wenn sie nicht gerade Kinder und Enkel besuchen. Ein Traveller aus Deutschland, mit 70 der Älteste auf dem Schiff, der im selbst ausgebauten Camper reist und sich seit der Rente nun Teil 3 der Weltreise (Amerika) vorgenommen hat, nach Asien und Afrika. Dann noch ein jüngerer Backpacker aus Schweden, der bei seiner Weltreise nur ökologische Transportmittel mit Schiff, Bus und Bahn nutzen will, sowie ein jüngeres Pärchen aus Spanien und Peru, das mit der Francia hin und zurück fahren will. Die 26-Mann-Crew kommt aus Italien und den Philippinen. Dienstsprache ist Englisch. Einer sozialen Hierarchie folgend, wie auf größeren Schiffen üblich, essen die Passagiere mit in der Offiziersmesse, in der der Käpt’n ein Master und der Messman ein Filipino ist.

Hinter der engen Nordseepassage bei Dover reißt der Telefonkontakt ab. Das Schiff verfügt über Satellit, aber nicht über Internet. D.h. für Smartphone-Nerds würden harte Entzugserscheinungen das Reisen zur Folter machen. Zwischen Marokko und den Kanaren gibt es für ein paar Stunden noch mal spanischen, also europäischen Funkkontakt. Wie auf Befehl finden sich alle (Mannschaft und Passagiere) auf Freideck ein und suchen den Kontakt zu ihren Familien. Danach ist Funkstille. SIM-Karten fürs Handy mit Internet für das jeweilige Land bekommt man nicht auf dem Schiff und auch nicht gleich bei Grenzübertritt, daher lohnt sich deren Anschaffung nur in Ländern mit längerem Aufenthalt.
Am 21. September erreicht die Sonne den Äquator und wechselt zugleich vom nördlichen Herbst in den südlichen Frühling. Der Winter fällt aus, denn auch diese Reise folgt der Sonne. Vier Tage später erreicht auf dem Weg von Dakar nach Rio auch das Schiff den Äquator. Die Uhr wird mehrmals eine Stunde zurückgestellt, wobei die Sommerzeit das Wirrwarr komplett macht, und hoffentlich im nächsten Sommer abgeschafft wird. Das Wasser läuft nicht mehr rechts rum, sondern entgegen dem Urzeigersinn aus dem Ausguss. Zu allem Überdruss schlingert das Schiff in 3 Dimensionen, wenn auch nur leicht, da das Wetter stabil bleibt. Reisetabletten oder Kotztüten werden nicht benötigt (Gott sei Dank).
Der Fahrplan ist ständig im Wechsel. Bei Abreise war noch unbekannt, dass das Schiff im Hafen von Dakar (Senegal) ankert und die Passagiere Ausgang bekommen. Selbst am Ankerplatz wird das Heck des Schiffes von der Besatzung bewacht um blinden Passagieren keine Möglichkeit zu bieten, sich an der Rampe zu verstecken. Vor der Verladung werden die Passagierautos versiegelt. Das Stadtzentrum gleich am Hafen ist weder groß noch spektakulär. Das Leben spielt sich auf der Straße ab, dort wo das Markttreiben stattfindet. Geschäfte gibt es kaum, die Geldautomaten funktionieren nicht.

An Einiges kann ich mich erinnern vom Afrikatrip. Die erschreckende Armut und die Hitze ist immer noch die Gleiche. Ich frage nach dem Weg, schon habe ich einen Guide am Hals. Ich sage, ich brauche keinen Stadtführer, aber er lässt sich nicht abschütteln, und begleitet mich zu einem lokalen Supermarkt. Dafür erwartet er einen kleinen Sack Reis für seine Familie, der umgerechnet etwa 5,-€ kostet und für ihn viel Geld ist. Für mich im Moment auch, da ich für die paar Stunden nicht viel getauscht habe. Das ist kein Betteln, sondern die blanke Armut. Aber nicht so schlimm wie der, der versucht dem Touristen in die Hosentasche zu greifen, weil der den Fotoapparat dort unvorsichtigerweise verstaut hat. Neu war auf dem Weg zum Novotel, wo Touristen mal schnell Geld tauschen können, der französische Supermarkt Auchan, der sehr stark von Sicherheitskräften bewacht wird, wie auch das Hotel. Die in Frankreich produzierten Produkte werden in Senegal billiger verkauft. Darunter leiden lokale Geschäfte und die Armut wird noch größer. Auch in Afrika wächst die Unzufriedenheit. Daraus entstand z.B. die panafrikanische Bewegung „Grande Marche“ (Großer Marsch), die sich seit 2016 mit jährlichen Großdemonstrationen nicht nur in Dakar für ein freies und autonomes Afrika ohne nationale Grenzen und mit einheitlicher Währung einsetzt. Diese Bewegung beruft sich u.a. auf Thomas Sankara, der in den 80er Jahren in Burkina Faso einen sozialistischen Staat aufbauen wollte und dabei Afrika in den Vordergrund stellte, also dem Eurozentrismus eine Absage erteilte. Die Bewegung erinnert gleichzeitig an die Kongo-Konferenz 1919, bei der europäische Kolonialisten Afrika unter sich aufteilten und fordert die Abschaffung der dabei willkürlich gezogenen Grenzen, die bis heute nachwirken. Sie sind Ursache für manchen Grenzkonflikt.

In Dakar ist es heiß, die Sonne brennt und machmal scheint es, verdunkelt der Ruß des Schiffsdiesels nicht nur das Deck, sondern auch die Wolken. Willkommene Abwechslung für Passagiere und Mannschaft der Grillabend, leider ohne Bier. Bei so wenig Auslauf wird der Fitnessraum fleißig genutzt. Die Mannschaft hat über Monate immer zu tun, auch auf dem Deck.

 

 


Für die Passagiere besteht der Tag aus Lesen, Ausgang an Deck, Spielen (z.B. Schach) und Sport. Das Essen ist fürstlich: 3 Mahlzeiten, Lunch und Dinner jeweils in 3 Gängen. Oft gibt es Fisch, auch Kalmare, die der Bauer (wie auch der Ossi) nicht kennt, aber trotzdem isst. Für die Mannschaft ist jeder Tag Schichtarbeit.
Ausflüge in Dakar, Vitoria, Paranagua und Zarate werden urplötzlich und ohne vorherige Information von der Crew angesetzt. In Rio und Santos fällt der Ausgang aus. Besonderen Eindruck macht Vitoria.

Beim Beobachten des Be- und Entladens der Francia im Hafen (insbesondere Rio) kann einem schwindlig werden. Nicht schnell aber unheimlich betriebsam läuft alles ab. Die Container schaukeln am Seil und eine Menge Autos roll en über die Rampe. Ein Wunder wenn da nichts durcheinander kommt. Wer einen Ameisenhaufen aus der Nähe betrachtet, sieht nur Chaos, und doch hat alles System. Der Container mit seinen genormten Maßen macht es möglich und hat den globalen Handel entscheidend vorangetrieben. Keiner kann die Lieferkette der Produkte in den Containern mehr durchschauen, aber alles erreicht sein Ziel. Bei den Porsches, die am Kai aneinander gereiht werden, ist wohl noch nachzuvollziehen, woher sie kommen.

Solange wir einen Ausflug in die Hafenstadt machen, kann ich nicht beobachten, ob nicht ausversehen mein Vehikel auch von der Rampe rollt. Da das Gitter zum Deck verschlossen ist und die Passagierautos versiegelt sind, ist der Zugang zum Auto, zumindest für die Passagiere, nur noch in Ausnahmefällen möglich. So kann ich auch das Fahrrad nicht nutzen, das lässt die Hafenbehörde nicht zu. Der Backpacker verlässt das Schiff in Rio. Angeblich ist das Verlassen des Schiffes in Rio mit dem Fahrzeug nicht möglich, d.h. wenn ich Rio noch sehen will, muss ich von Montevideo wieder Richtung Norden fahren. Das hat jedoch den Vorteil, dass ich, bevor ich in Richtung Süden fahre, die Sonne noch bis zum südlichen Wendekreis kommt, der etwa in Höhe Rio liegt. Denn am stürmischen Kap-Hoorn, kurz vor der Antarktis, kann es auch im südlichen Sommer wesentlich kälter werden, als am Nord-Kap im nördlichen Sommer. In Rio kommen wir abends mit Verspätung an. Aber der Zuckerhut macht beim Ein- und Auslaufen selbst noch als Schatten Eindruck.

 

In Santos bietet sich eine Sicht über die Stadt bis zur Francia im Hafen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kurz vor dem Ziel noch ein Blick in den Maschinenraum. Es ist laut und heiß. Die Maschinen laufen jeden Tag rund um die Uhr, auch im Hafen. In den klimatisierten Zimmern bleibt davon nur noch ein Hintergrundgeräusch.

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